Kundenrezension

36 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Ein interessanter Irrtum!, 18. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Bellini: Norma (Audio CD)
Eine neue Norma-Aufnahme verdient immer eine gewisse Aufmerksamkeit. Erst recht, wenn Cecilia Bartoli sich der Titelpartie angenommen hat und sich damit das Belcantofach erobern will. Zunächst aber zu ihren Kollegen: Giovanni Antonini animiert das Orchestra La Scintilla zu einem schlanken, aber explosiven Spiel. Bereits in der Ouvertüre ist er sehr schnell unterwegs und setzt auf knallige Effekte und scharfe Konturen. Mit John Osborn ist der Pollione sehr leicht besetzt, was der Charakterisierung der ohnehin schwachbrüstigen Rolle nicht unbedingt gut tut. Das Timbre bietet aber einige Schönheit und im oberen Register muss man nicht um die Töne fürchten. Sumi Jo ist als Sopran-Adalgisa das was sie immer war: Eine schön singende, aber leider vollkommen langweilige Sängerin. Dennoch: In „Mira, o Norma“ mischt sich ihre Stimme in fast magischer Weise mit der von Cecilia Bartoli.
Frau Bartoli ist in der Rolle der Norma ein höchst interessanter Irrtum. So richtig es sein mag, die Partie mit einem Mezzo zu besetzen (Giuditta Pasta!) so sehr fragt sich doch, ob dieser nicht mehr Fundament und Gewicht haben sollte, als die doch allzu klein dimensionierte Stimme von La Bartoli.
Im Einzelnen: Die melismatischen Passagen des „Casta Diva“ bewältigt sie mit imponierender Sicherheit und ohne jedes Problem. In der Cabaletta „Ah! Bello a me ritorna" kann sie durchaus mit dramatischer Spannung überzeugen, wobei diese immer auch eine Tendenz zur Überspanntheit hat. In den großen darauffolgenden Konfrontationen mit Adalgisa und Pollione bemüht sie sich redlich und singt, wie immer, mit großem Engagement. Auch hier gefällt wieder ihre technische Versiertheit, wobei man sich zuweilen des Eindrucks nicht erwehren kann, dass sie die Koloraturen großartig herunterbuchstabiert, sie aber nicht zum formativen Element ihrer Gestaltung werden (vgl. „Oh non tremare, o perfido“). Auch hier wieder viele exaltierte Gesten und das Bemühen um Ausdruck, der leider ein Äußerlicher bleibt. Im Adalgisa/Norma-Duett gelingt das Zusammenspiel jedoch hervorragend, sicher ein Höhepunkt der Aufnahme. Das Duett mit Pollione („In mia man“) ist leider ein trauriger Tiefpunkt. Bartoli bleibt hier weit hinter den meisten ihrer Kolleginnen zurück. Die Stelle „Solo? Tutti! I Romani a cento a cento, fian mietuti, fian distrutti, e Adalgisa…“ verpufft ohne jede Wirkung. Warum sie sich dann auch noch den con-furore-Triller auf „Adalgisa“ spart, bleibt ihre Geheimnis.
Das Finale versöhnt wieder etwas. Bartoli kann in den verhaltenen Passagen überzeugen und auch Osborn überrascht mit schönem Piano („Sublime donna, io t'ho perduta!“).
Alles in allem ist die Aufnahme für all’ jene eine Anschaffung wert, die bereits einige andere Einspielungen besitzen. Für eine Referenzaufnahme reicht das Gebotene nicht!
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.07.2013 14:40:37 GMT+02:00
Blaue Rose meint:
Hallo Orientalist,
ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß Frau Bartoli den von Ihnen so sehnlichst erwarteten "con-furore-Triller auf "Adalgisa"" sich nicht einfach "gespart", sondern ganz bewußt ungesungen gelassen hat. Vermutlich ist er in der Originalpartitur nicht aufgeführt, und da sie ausführliche Studien der Originalpartituren betreibt, verzichtet sie konsequent auf alles, was dort nicht vorkommt, auch auf die Gefahr, das ein oder andere liebgewordene "Feuerwerk" nicht abzufackeln. Cecilia Bartoli zeigt demnach nicht immer auf Teufel komm raus alles, was sie kann, da sie nunmal ganz konsequent und rigoros die Musik in den Vordergrund stellt. "Bravourstückchen" erscheinen bei ihr nie als Selbstzweck, sondern immer nur in dem ihrer Meinung nach vom Komponisten vorgegeben Rahmen. Das unterscheidet sie von mittlerweile sehr vielen ihrer Kolleg(inn)en, die sich leider allzu oft von ihrer Eitelkeit verleiten lassen und dann sehr unkluge, oftmals wenig talentierte, Selbstdarstellung zu betreiben versuchen. Meiner Meinung nach kann man Frau Bartoli zu dieser couragierten Haltung nur beglückwünschen (uns als Nutznießer ebenfalls) und ihr dankbar sein, daß sie ihr außerordentliches Talent so klug verwaltet, stellt sie doch gerade hierin ihre gereifte (Künstler-)Persönlichkeit unter Beweis. Als Bereicherung darf es auch gesehen werden, daß sie immer wieder neue Herausforderungen sucht und nicht bereits Vorhandenes bloß reproduziert. Bei aller Kritik, dieser Frau ist dümmliche, egozentrische Selbstinszenierung völlig fremd und es ist beschämend, mit welcher Vehemenz ihre sich als Kritiker zu tarnen suchenden Neider, ihr genau dies immer wieder zu unterstellen versuchen (Sie, lieber Orientalist, gehören nicht dazu! Allerdings halte ich Sie für ein Opfer Ihrer Erwartungen. Vielleicht entdecken Sie ja noch neue Facetten, wenn Sie sich von den tradierten Aufführungen, die sich übrigens nicht selten von den Originalpartituren und -besetzungen entfernt haben, ein wenig lösen?).
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