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Kundenrezension

5 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Ludwig vs. Amadeus, 17. November 2010
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Collectors Edition - Beethoven (Die Streichquartette) (Audio CD)
In keiner anderen Gattung der reinen Instrumentalmusik sind Ludwig van Beethovens Verdienste höher einzuschätzen als in der des Streichquartetts. Dabei hatte er bereits durch die späten Streichquartette Joseph Haydns und auch insbesondere durch die herausragenden sogenannten "Haydn Quartette" Wolfgang Amadeus Mozarts ein immenses Erbe anzutreten. Von unserer heutigen Warte aus kann man es vermutlich gar nicht mehr für gewaltig genug halten, in welche ästhetischen, technischen und philosophischen Höhen Beethoven das Streichquartett hievte. Innerhalb von 16 Kompositionen erforscht er die Tiefe des menschlichen Geistes und der menschlichen Seele und erreicht dabei ein Niveau, das von kaum einem nachfolgenden Komponisten jemals wieder auch nur annähernd erreicht werden sollte - bis heute. Einige seiner späten Quartette scheinen Jahrzehnte voraus zu greifen, sind immer noch teils radikal modern und bleiben vielen Freunden klassischer Musik auf ewig ein Buch mit sieben Siegeln. Das A und O bei der Durchdringung dieses unermesslichen und unerschöpflichen Kosmos' ist - Ausdauer und Konzentration, ja, man könnte fast sagen: Askese...

Seine frühen Quartette veröffentlichte Beethoven innerhalb von op. 18, fein säuberlich als Sechsergruppe, wie es Gang und Gäbe war. Deutlichen Niederschlag findet die Beschäftigung mit den großen Vorbildern Haydn und Mozart. Die sechs Quartette op. 18 können geradezu als Quintessenz des umfangreichen Quartettschaffens der Wiener Klassiker aufgefasst werden. Es ist weniger so, dass Beethoven seinen Vorgängerwerken die Krone aufsetzte - immerhin lebte Haydn zur Zeit der Publikation noch -, als vielmehr deren Stil mit seiner stark individuellen und eigenwilligen Tonsprache verschmilzt.
Es wäre allerdings vermessen, zu behaupten, dass Beethoven nichts Neues schuf: Mit dem B Dur Quartett op. 18,6 stellte er eine durchaus beachtliche, eigenständige Leistung vor. Seine wundervolle Verbindung zwischen Scherzo und Finale durch die berückende "Malinconia" gibt bis heute Rätsel auf. Die große Geschlossenheit dieses wundersamen Adagios und der Kontrast in Bezug auf das folgende, eigentliche Finale sprechen für die Selbstständigkeit dieses Abschnitts; die Tatsache, dass Motive daraus auch im Finale fast mottoartig erneut auftauchen, spricht eher dagegen.

Lange Jahre ließ er verstreichen, bis er sich erneut der Komposition neuer Streichquartette widmete. Was dabei herauskam, waren seine drei dem Fürsten Razumovsky gewidmeten Quartette op. 59, die so radikal anders und neue waren, dass die Interpreten der Erstaufführung, das renommierte "Schuppanzigh Quartett", die Partituren mit Füßen getreten haben sollen. Außer im dritten Quartett verwendet Beethoven hier unter anderem original russische Liedthemen, eine Reverenz an seinen Gönner und Widmungsträger. Die vergrößerte Ausdruckstiefe und der Rahmen sprengende Umfang dieser Kompositionen tritt in allen dreien gleichermaßen zu Tage. Zudem wird die musikalische Aussage stark verdichtet. Kurzum, so etwas hatte die Musikwelt bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gehört.
Auf die Ablehnung der "Razumovsky" Quartette folgte die Komposition des berühmtesten Beethoven Quartettes, des "Harfenquartettes" op. 74. Beethoven hatte wohl ursprünglich geplant, innert op. 74 noch weitere Quartette zu veröffentlichen, was er allerdings verwarf. Sprühende Lebensfreude und größere Nahbarkeit sind die Markenzeichen dieses Werkes. Es aber ausschließlich darauf reduzieren zu wollen, dass Beethoven mit diesem Werk nur den schnellen Erfolg und das schnelle Geld wollte, kann schon allein aufgrund der kompositionstechnischen Meisterschaft widerlegt werden.
Einen gewaltigen Schritt weiter führt das f moll Quartett op. 95 mit dem Beinamen "Serioso". Einzeln veröffentlich maß Beethoven demselben ganz offenkundig große Bedeutung bei - ebenso wie seinen späten Quartetten. Kein anderes Quartett des Meisters ist derart verknappt und schroff wie dieses. Intimen Gefühlen verleiht er vor allem im Scherzo Ausdruck.

In seinen letzten Lebensabschnitten komponierte Beethoven beinahe ausschließlich Streichquartette. Diese fünf Monumentalwerke sind bis zum Letzten verknappter Ausdruck menschlicher Empfindung. Der Meister gelangt hier zu einer radikalen Vereinfachung der musikalischen Mittel und erreicht damit eine Musik, die so schön wie hässlich ist.
Einige kompositionstechnische Besonderheiten sollen hervorgehoben werden. Als Meister der Variation beinhalten die späten Quartette besonders fein ausgearbeitete Variationssätze. Der wohl gelungenste ist der aus op. 131 in cis moll, dem Quartett, das Beethoven für sein bestes hielt. Selten hat man Beethoven derart facettenreich erlebt, und das mag durchaus etwas heißen.
Das modernste Quartett des Meisters ist op. 130 in B Dur. Das originale Finale, die "Große Fuge" op. 133, veröffentlichte Beethoven auf Rat seines Verlegers gesondert und komponierte stattdessen ein neues, leichter zugängliches Finale. Bis heute lässt die Konzeption dieses eindrucksvollen Zeugnisses darüber, wie intensiv sich Beethoven mit Bachs Kontrapunktik auseinander setzte, uns staunend zurück. Auch in diesem Quartett zeigt sich die progressive Tonalität des Komponisten, die es ihm erlaubte, dass nur noch die Ecksätze in der Grundtonart stehen.
Größtmögliche Ausdruckstiefe und unendlich emotionale Melodiebögen sind weitere Merkmale der späten Streichquartette. Mit dem "heiligen Dankgesang" aus op. 132 schrieb Beethoven sein wohl genialstes kammermusikalisches Adagio, nur vergleichbar mit dem Adagio aus Franz Schuberts elysischem Streichquintett. Auch das Quartett op. 135, das auf den ersten Blick vielleicht etwas aus der Reihe zu tanzen scheint, beinhaltet ein tiefsinniges, erschreckend intensives Lento, das die chronologische Nachvollziehbar des Quartettes behauptet.

Das legendäre Amadeus Quartett hat maßstabsetzende Einspielungen vor allem im Bereich der Kammermusik von Haydn, Mozart und Brahms vorgelegt. Auch seine Einspielung der Streichquartette von Ludwig van Beethoven dürfen als ausgezeichnet und homogen bezeichnet werden. Die vier Akteure verstehen es trefflich, ihren Vortrag farbig und warm zu nuancieren und kontrastreich zu akzentuieren. Eine spannungsreiche Darbietung ist damit garantiert. Durch ihre individuelle Gestaltung wird der Vortrag wunderbar differenziert und transparent - ein Umstand, der auch der hervorragenden Aufnahmequalität zu verdanken ist.
Hervorragend ist die Gesamtaufnahme insbesondere respektive der Aufnahme des Alban Berg Quartetts gewiss nicht. Teilweise kommt es nämlich vor, dass die Akteure zu träge Tempi verwenden, was vor allem im schmerzlichen Allegro des a moll Quartetts op. 132 bedauerlich ist. Als ein weiteres Ärgernis empfinde ich es, dass die "Große Fuge" nicht direkt im Anschluss an op. 130 angefügt ist, sondern einzeln auf eine anderen CD gesetzt ist.

Fazit: Eine gut durchhörbare, sehr gute Aufnahme, die nicht hundertprozentig überzeugt, aber dennoch mehr als Hand und Fuß hat.
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1-6 von 6 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.12.2010 17:09:52 GMT+01:00
Warum belästigen Sie uns eigentlich seitenlang mit Dingen, die jeder halbwegs Gebildete ohnedies weiß (abgesehen von den Dingen, die aus musikwissenschaftlicher Perspektive schlicht falsch sind)? Gerade einmal der letzte Abschnitt enthält einige Hinweise zur konkreten Einspielung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.12.2010 11:38:50 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 09.01.2011 00:34:43 GMT+01:00
Andre Arnold meint:
Nun, Herr Friedlos, ein paar Dinge möchte ich zu Ihrem Kommentar anmerken: Ich stelle fest, dass Sie mit demselben offenkundig den gleichen polemischen, galligen und - ja - friedlosen Stil verfolgen wie in Ihren "Rezensionen". Des Weiteren möchte ich bekräftigen, dass ich persönlich mich vor dem Verkauf des Produktes über eine derart ausführliche Rezension gefreut hätte, indes die ihrige - mit Verlaub - als "unzumutbar" einzustufen sei. Mehr zu meinen Intentionen auf meiner Profilseite.

Ansonsten bin ich nicht gewillt, mit Ihnen auf diesem Niveau weiter zu diskutieren. Wenn Ihnen meine Rezensionen nicht gefallen, so nehmen Sie doch bitte davon Abstand, Sie zu lesen.

AA

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.02.2011 02:22:48 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.02.2011 02:24:25 GMT+01:00
Ein bißchen schwülstig finde ich Ihre Ausführungen schon. Insbesondere käuen Sie einige alte mehr biografisch als ästhetisch geprägte Lehrmeinungen wieder, die aus einer ideologischen Bevorzugung Beethovens (und auch Mozarts) gegenüber Haydn resultierten. Beethovens Quartette sind überwiegend umfangreicher als die des letztgenannten, ob sie deswegen unbedingt stimmiger und bedeutender sind, ist damit nicht wirklich gesagt. Hier wären sachliche Argumente oder aber Enthaltsamkeit und Verzicht auf Belehrung angenehm gewesen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.02.2011 08:36:55 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.02.2011 08:38:18 GMT+01:00
Andre Arnold meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.01.2012 13:30:06 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 03.02.2012 16:48:17 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 04.02.2012 10:14:17 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 10.02.2012 09:19:45 GMT+01:00]
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