Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Bewertung nur Uncut- Fassung: AVE SATANI- der dritte Kreis der Hölle, 17. Januar 2014
Rezension bezieht sich auf: The Mother of Tears (Full uncut Special Edition. ltd.) (DVD)
"Mein Name ist Varelli. Ich baute einst für die drei Mütter, die unsterblichen Hexen ,geboren im Inferno ,drei Häuser.
Eins in Freiburg, das zweite in New York, das dritte in Rom. Von diesem drei Orten bringen die uralten Hexen Tod und Verderben über die Menschheit.
Drei Häuser vergiftet vom Bösen. Tränen, Schmerz und Untergang."
Schon alleine diese Worte reichen um bei mir sämtliche Adrenalin Reserven seit Jahrzehnten in Wallung zu bringen
Aus den drogengeschwängerten Visionen eines Thomas de Quincey schuf im Jahre 1977 Dario Argento sein mystisches Schauermärchen um die satanische Mythologie dieser unheilvollen Wesen.
"Suspiria" erzählte von der "Mutter der Seufzer", das barocke, unvergleichlich hypnotische Meisterwerk ist einer der besten ,schillerndsten ,irrealen Kunstwerke der Filmgeschichte.
1980 folgte der Nachfolger " Horror Infernal" in dem Mutter Tenebrarum und ihr verfluchtes Haus in New York die Zuschauer ebenfalls in einen sinnlichen, alptraumhaften Wahn versetzte und nun nach Jahrzehnten setzt Dario Argento der letzen Mutter , "Mother Lacrimarum" ein sensationell dem Irrsinn huldigendes Denkmal.
Vergessen sind des Regisseurs filmische Ausrutscher wie " Card Player" oder " Do You like Hitchcock".
Wie ein schillernd teuflischer Dirigent des grotesken ,rauschhaften Bösen,eines flüsternd, delirierenden Drogentrips inszeniert Argento einen gelungenen Abschluß seiner Trilogie.
Argento ist immer dann am besten ,wenn er sich vollkommen narrativer Fesseln entledigen kann, seine tiefenpsychologischen, blutgetränkten, in bizarrer mythologischer Märchenwelt verwurzelten Phantasmagorien auf die Leinwand bringen kann.
Das ist ihm hier in einem Höllentrip, der die Sinne schwindeln läßt grandios geglückt.
Best of Argento könnte man hier sagen und so suhlt sich der Meister noch einmal in allem was uns an ihm lieb und teuer ist.
Surrealistische pittoreske, opernhafte Szenenfolgen, eine einzige, phantastische, magische Eruption aus Grand Guignol, Marquis de Sade, kirchlich religiöser Mythologie, irren Kamerafahrten, Chören , Heavy Metal, Märchenspuk, und Sadomasochismus in blutigsten Bildern zu einem höllischen Gemälde zusammengefügt.
Es ist als ob Hieronymus Bosch selbst hinter der Kamera gestanden hätte.Denn wahrhaft infernalisch, burlesk, betörend und makaber sind die Schockbilder.
In diesem 100 minütigen wahnhaften "Dantes Inferno " finden sich die brutalsten Szenen des Meisters. Vergleichbar nur noch mit " Pelts" und " Jennifer".
Jedoch weit ab von der stumpfen Vordergründigkeit neumodischer Folterfilme inszeniert hier Argento einmal wieder ein opernhaftes, schillerndes Pandämonium des schrecklich Schönen. Der Mord und seine Inszenierung als Kunstform an sich.
Zuweilen werden auch Erinnerungen an Clive Barkers " Hellraiser" wach. "The Suffering, the Sweet Suffering" , dessen wird hier dämonisch gehuldigt.
Gipfel der grellen schockroten Obsessionen ist wohl die Erdrosselung durch Kreaturen der Finstenis mit den eigenen Eingeweiden.
Ein Lukas Cranach, ein Degas ,viele mittelalterliche Folterszenarien auf religiösen , sexuell durchtränkten Kirchenbildern hätten es wohl nicht anschaulicher darstellen können.
Gepfählte Frauen, nackte Hexenpriesterinnen, phallische Stichwerkzeuge, die vornehmlich durch Mund und Augen getrieben werden, schreiende Äffchen als Sendboten der Hölle, zitternde Klauenhände, die wie irrsinnig in alten Hexenschriften blättern, dunkle Bibliothekengänge, verschlungene Wendeltreppen, Hieroglyphen mit alten Verwünschungen, im Kerzenlicht flackernde Katakomben, verunstaltete Höllenfratzen.
Dario Argentos übersprudelnde ungehemmte Phantasie ,die jeder Logik entgegensteht ,nur dem Traumhaften verpflichtet ist, schafft bizarre Bilderstürme, die dem heutigen weichgespülten , oft mutlosem Horrorkino doch sehr fehlen.
Hier nimmt uns der Regiemeister mit in das Reich grausamer Poesie ohne Sicherheitsgurt, in seine Kinomagie ,die direkt das Unterbewusstsein, schwarze Traumbereiche, sinnliche Groteske anspricht.
Viele Verweise auf seine früheren Filme arbeitet Argento ein und so ist gerade für Kenner seines früheren Filmschaffens " Mother of Tears" besonders reizvoll.
Die schraubstockartigen Folterinstrumente in die Mundhöhle platziert, kennen wir aus " The Church" , die Verweise auf den Alchemismus direkt aus " Inferno" die Moorgrube mit den dutzenden Totengerippen aus "Phenomena" , die Verquickung des genialen Soundtracks hier von Simonetti mit Kinderliedern, mittelalterlichen Chören, Klassik, und treibenden Heavy Metal aus " Profondo Rosso" , "Demoni" oder " Opera".
Dario Argentos Märchenwelt, das sind in sich geschlossene Visionen aus grausigem, prächtigem,schwebendem morbidem Barock, aus Sexualität, Lust, arabesken Gewaltkompositionen, schweren giftigen Assoziationen aus der Welt des Geheimnisvollen, Raunenden, aus todbringender, poetischer Zärtlichkeit. Eine Melange aus Trash, Wahnsinn, Blut, Klassik und den Gebrüder Grimm
Ach ja eine Geschichte gibt es auch noch.
War die in den besten Argento Filmen jemals besonders wichtig? Die unglaublich, phantastisch sogartige Atmosphäre ist es ,die immer wieder begeistert.
Vor den Toren Roms wird eine alte Urne gefunden. Seltsame mittelalterliche Symbole auf der Kiste lassen nichts Gutes ahnen.
Die junge Archäologie -Studentin Sarah ( Asia Argento) öffnet sie dennoch und entfesselt damit die entsetzlichen Kräfte einer uralten finsteren Macht.
Mater Lacrimarum, nach alten mittelalterlichen Schriften die Mutter der Tränen, schickt sich an die Menschheit mit ihren Zauberkräften zu vergiften.
Eine junge Mutter mit ihrem Kinderwagen,die plötzlich auf einer römischen Brücke innehält,- den Säugling lächelnd über die steinerne Brücke in den Fluß wirft.
Plötzliche Selbstmorde, unkontrollierbare Aggressionen in den Straßen der Stadt. Chaos und Anarchie halten Einzug.
Die Anhängerschaft der Hexe macht sich bereit, die Dämonen sind entfesselt.
Hier ist auch der große Unterschied zu den zwei ersten " Mütter Filmen" .
Dario Argento verläßt den abgeschlossenen Raum der einzelnen Häuser und inszeniert Szenen in hellem Sonnenlicht um auf offener Straße die Auswirkungen des magischen Hexenfluchs zu zeigen.
Hier muß er sich doch aufgrund von Budgetbegrenzung auf einzelne prägnante Szenen beschränken. Jedoch ist dies nicht weiter störend.
Auch in der Farbdramaturgie inszeniert Argento etwas zurückhaltender, doch immer noch unglaublich farbenprächtig, in der Tradition des italienschen Giallo- und Horrorfilms, wie auch der ganze Film eine Wiederauferstehung dieses unsterblichen Genres darstellt.
Phantastisch ist einmal wieder die Kameraarbeit.
Weit ab von dilettantisch, hektischem Schnittgewitter vieler heutiger Filme ist Dario Argento sicherlich einer der besten, sorgfältigsten Bildkompositeure.
Die Verfolgungsjagd in der U- Bahn nervenzerrend mit hitchcockscher Prägung, die schwebend hypnotische lange Einstellung durch das alte verfluchte Haus gegen Ende, die rasenden Kamerafahrten durch alte Bibliotheken, an verschlungenen Treppengeländern entlang.
Fazit: Argento beeindruckt, begeistert mit einem würdigen Abschluß seiner Trilogie.
Nach 100 Minuten erwachen sie aus einem schillernden, irrsinnigen Fieberwahn, so schwindelerregend und losgelöst exzentrisch, das er süchtig macht.
In Deutschland ist dieses Argento Werk natürlich einmal wieder um mehrere Minuten gekürzt.
Achten sie also unbedingt auf den UNCUT- Aufdruck.
Desweiteren empfehle ich immer die Filme Argentos in der Originalsprache anzusehen, da fast alle, so auch dieser miserabel synchronisiert sind.
" Mother of Tears" scheint das Fanal, das letzte große Aufbäumen, die letzte schöne Sinfonie des morbiden Grauens des Meisters gewesen zu sein
Weder sein " Giallo" noch sein "Dracula 3D" konnten überzeugen.
Es bleiben seine unsterblichen ,innovativen Klassiker und das Glück, daß er seine Filmtrilogie um mittelalterlichen Hexenglauben noch so packend und magisch beenden konnte.
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