Kundenrezension

135 von 199 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Kampfschrift gegen ..., ja was eigentlich?, 12. April 2009
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Mission Gottesreich - Fundamentalistische Christen in Deutschland (Broschiert)
In dem Buch wollen sich die Autoren mit fundamentalistischen Christen in Deutschland auseinander setzten. Und wer das sein soll, wird ziemlich schnell klar: Die Evangelikalen. 'Evangelikal' das klingt doch schon nach 'radikal'. Und so wundert es nicht, dass 'radikal' auch gleich das dritte Wort des Buches ist.

Es wird die Hypothese aufgestellt, dass es etwas über eine Million Evangelikale in Deutschland gäbe und dass diese hochgefährlich seien.

Das Buch besteht zum Teil aus Geschichten über einige religiöse Organisationen und zum Teil aus den Anschauungen der Autoren.
Soweit in dem Buch Geschichten über etwas ähm, 'eigenwillige' Glaubensgemeinschaften enthalten sind, dürften diese wohl wahr sein. Was also ist dann so schlecht an dem Buch?
Das Problem ist, dass hier gezielt nicht nur eine bestimmte protestantische Strömung, sondern die Eckpfeiler des Christentums als solche angegriffen werden. Dazu gehen die Autoren wie folgt vor: Sie nehmen sich eine besonders extreme Einzelperson oder Gruppe/Sekte - gerne auch aus Amerika - heraus und projizieren dies auf alles, was sich nach Evangelikalen anhört. Dazu ist dann auch jeder Tiefschlag aus der Rhetorikkiste statthaft. Ein schönes Beispiel dafür findet sich auf S. 39. Dort heißt es: "Er fordert die Gläubigen auf, sich zu Jesus zu kennen. Epp verlangt eine klare Entscheidung für oder gegen ihn." Die Frage ist nun, worauf bezieht sich das 'ihn'? Grammatikalisch bezieht es sich auf das zu letzt genannte Subjekt. Das wäre in diesem Fall also der Prediger Epp. Aus dem Zusammenhang ergibt sich aber, dass hier Jesus gemeint sein muss. 'Für Jesus' ist aber etwas völlig anderes als 'für Epp'. Und schon hat man durch einen schlichten grammatikalischen Trick aus einem Glaubensbekenntnis ein Bekenntnis zu einem ganz, ganz bösen Sekten-Guru gemacht.
... es sei denn (und dieser Eindruck drängt sich beim Lesen immer mehr auf), die Autoren kritisieren tatsächlich die Aufforderung sich zu Jesus zu bekennen. Dann müssen sich die Autoren aber fragen lassen, wie sie es denn mit der Religions- und Bekenntnisfreiheit (Art. 4 I GG) im Allgemeinen so halten.

Aber nicht nur der Satzbau, sondern auch die Emotionen des Lesers werden in Stellung gebracht. So wird etwa auf S. 79 im mittleren Absatz von Bomben- und Mordanschlägen aus den USA berichtet. Gleich nach diesem Satz, noch in der gleichen Zeile, geht es weiter mit "Die deutsche 'Lebensrechts'-Bewegung entstand Anfang der 70er Jahre...". Es erfolgt eine nahtlose Anknüpfung. Das ist ungefähr so, als wenn jemand schriebt "... ermordete Joseph Stalin 20 Millionen Menschen. Die deutsche SPD wurde ende des 19ten Jahrhunderts gegründet. ... " Keine der beiden Aussagen ist falsch, aber in der Zusammenstellung ergeben sie ein absurdes Bild.

Auch mit Zahlen wird viel und gerne gespielt. So wird etwa auf S. 116 angegeben, dass es ca. 800 Evangelikale Schulverweigerer gäbe. Wenn man von der auf S. 11 genannten Zahl von 1,3 Millionen Evangelikalen ausgeht, so sind dies 0,06%! Also eine absolute Minderheit innerhalb einer Minderheit. Aber trotzdem soll von denen die Gefahr von Parallelgesellschaften ausgehen.

Als Hinweis an den geneigten Leser sei auch noch erwähnt, dass geschwärzte Zeilen in einem Buch immer ein untrügliches Anzeichen dafür sind, dass aufgestellte Behauptungen sich als nicht gerichtsfest erwiesen haben.

Auch vor Mission scheinen die Autoren eine Heidenangst zu haben ('tschuligung, das Wortspiel musste jetzt sein ;-) ). Denn sie widmen dem Thema ein ganzes Kapitel und auch ansonsten schimmert es als dunkle Bedrohung durch das ganze Buch. Die Gefährlichkeit von Missionierungen wird dabei stillschweigend vorausgesetzt.
Nach dem in diesem Werk vertretenen Weltbild ist völlig normal, wenn die CocaCola-Company 24 Stunden am Tag auf allen Sendern für ihre coffeinhaltige Erfrischungslimonade bewirbt. Wenn Anhänger einer Glaubensgemeinschaft das tun, ist es hingegen hoch verwerflich! Oder ist es etwa nur deshalb verwerflich, weil es Evangelikale sind?
Wiedereinmal wird nicht klar, ob sich das Buch gegen sog. Fundamentalisten, Christen allgemein oder einfach gegen alle Religionen wendet!

Das Schlusswort des Buches lautet "gegen Intoleranz und Diskriminierung". Die Autoren sollten ihre eigene Medizin nehmen!
Immer wieder kritisieren sie den Absolutheitsanspruch der christlichen Botschaft. Aber diesen Absolutheitsanspruch hat nunmal jede Religion, wenn sie sich selber ernst nimmt. Das Bundesverfassungsgericht hat 'Glaube' einmal definiert als "Vorstellung von dem, was als absolut Wahres hinter den Erscheinungen dieser Welt steht". Ohne Absolutheit gibt es keinen Glauben. Und ohne Glauben gibt es nur Erziehungs- und Gesinnungsdiktatur. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ist, was die Autoren wollen...

---

Was an diesem Buch wirklich beängstigend ist, ist nicht die generelle Stoßrichtung des Buches (die findet man auch anderswo), sondern die Tatsache, dass die beiden Autoren ARD-Redakteure sind!
Wenn die 'Tagesschau' auf diesem Niveau produziert wird, wird man wohl auf 'RTL aktuell' umsteigen müssen.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.04.2009 14:40:05 GMT+02:00
Ach ja, weil heute Ostern ist: Und er lebt trotzdem!

Veröffentlicht am 02.04.2010 16:17:07 GMT+02:00
Leider hat mir ein solcher fundamentalistischer Glaube eine sehr gute Freundin (seit 25J!) entfremdet,
sodass es IHR nicht mehr möglich war m e i n e m Glauben ggü. tolerant zu sein. Leider
muss auch meine Tochter (11J) jetzt auf ihre Patentante vollständig verzichten - nicht
weil w i r den Kontakt abgebrochen haben !

Veröffentlicht am 29.09.2010 14:07:18 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 01.10.2010 07:57:58 GMT+02:00
Alleine schon der Satz "ohne Glauben gibt es nur(!) Erziehungs- und Gesinnungsdiktatur" belegt die verblendete Sichtweise religiöser Fundamentalisten, zu denen dieser Kommentarschreiber ganz offensichtlich zu gehören scheint.

Dieser konstruiert hier haarspalterisch an seinem im vierten Absatz angeführten Text-Beispiel eine angebliche rhetorische Taschenspielerei, um den Autoren subjektive Panikmache unterstellen zu können. Auch die weitere Sprachkritik bestätigt nur, dass der Schreiber in dieser Hinsicht ein Laie ist. (Ich kann dies hier als gestandener Gymn.Lehrer a.D. für Deutsch ganz gut beurteilen.)
Aber der Autor ist nicht nur sprachkritisch unerfahren, sondern kann auch mit Zahlen nicht umgehen. Er setzt die Gesamtzahl aller Evangelikalen von 1,3 Mill. ins prozentuale Verhältnis zu den 800 Schulverweigerern unter den Evangelikalen und kommt dann zwar richtig auf die Zahl von 0,06 %. Er berücksichtigt aber nicht, dass er hier die Zahl der Schulverweigerer nicht mit der Gesamtzahl der Evangelikalen, sondern nur mit dem Anteil der schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen ins Verhältnis setzen darf. Er tut also selbst genau das, was er den Autoren fälschlicherweise vorwirft: unseriöse Manipulation.
ES gibt im ganzen Buch - 1. Auflage vom März 2009 - nur ganze 2 geschwärzte Zeilen auf S. 159. Man kann bei genauem Hinsehen erkennen, was dort stand: Lediglich eine Namensbezeichnung, die so wohl nicht mehr zutrifft. Von "Behauptungen sich als nicht gerichtsfest erwiesen haben", kann also nicht die Rede sein. Was sollen also solche vollkommen falschen Unterstellungen? Es kann nur um eines gehen:
Der Schreiber selbst scheint den religiösen Fundamentalisten anzugehören oder ist wahrscheinlich sehr strenggläubig. Und so soll eine sehr hilfreiche Publikation madig gemacht werden, weil sie unbequeme Wahrheiten enthält, gegen die viele Strenggläubige inzwischen recht militant vorgehen.

Seine ganze fragwürdige Denke offenbart "Wizard of Laws" im letzten Abschnitt. Also wirklich - geschenkt. Dies braucht man nicht mehr zu kommentieren. Der Schreiber disqualifiziert sich hier in hinreichender Weise selbst. (Insofern also auch noch vielen Dank!)

Ein Rätsel bleibt mir aber, wieso 80 von 129 Kunden diese Rezension von "Wizard of Laws" hilfreich finden konnten. Ich unterstelle dabei nicht Inkompetenz, sondern Oberflächlichkeit beim Lesen. Dessen polemisch-unsachliche Absichten wären bei genauem Hinschauen leicht zu durchschauen, siehe meine oben angeführten Beispiele. Oder sollten hier Evangelikale aufgerufen worden sein, massenhaft einfach ihr positives Votum zu dieser Kritik abzugeben, damit potentielle Leser dieses Buch erst gar nicht bestellen?? Für mich gut denkbar, so wie ich die Evangelikalen kenne. Meine eigene Schwester - horribile dictu - gehört nämlich auch dazu. Sie ist ein klassisches Beispiel dafür, wie beschränkt und verblendet man durch evangelikale Gehirnwäsche werden kann.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.09.2010 21:01:37 GMT+02:00
Lieber Herr Kirsch,

ich war gerade dabei, eine donnernde Philippika zur Verteidigung meines kleinen Textleins zu schreiben, als mir klar wurde, dass Sie ja eigentlich recht haben. Ja, ich bin ein armseliger Dilettant mit einem Weltbild, dass Sie beim besten Willen nicht nachvollziehen können. Und, ist das so schlimm?
Ehrlich gesagt freue ich mich über ihre wütenden Angriffe (auch die ad personam), denn diese zeigen, dass die Rezension Sie emotional bewegt hat. Es ist Ihnen nicht gleichgültig. Und ehrlich gesagt geht es doch auch nicht gegen mich (Sie wissen ja gar nicht, wer ich bin). Irgendwas wurde bei Ihnen durch meine Laien-Apologetik losgetreten und das ist doch mehr wert als die 80 Unterstützer.

Sie sind Schulmeister und schulmeistern mich -
ich bin Richter und richte Sie nicht.
Das böse (?) Ergebnis von Gehirnwäsche...

Veröffentlicht am 11.10.2010 14:07:55 GMT+02:00
John Dury meint:
Das war eine Rezension, die den Namen verdient. Detailliert wird gezeigt, was die Autoren tun und wie sie verfahren. Ich bin kein bißchen evangelikal, muß aber sagen, daß ich nach der Lektüre des Buches genauo die gleichen Probleme sehe wie der Renzensent. Extrem tendenziös macht es nicht einmal den Versuch einer fairen, kritischen Würdigung eines Phänomens, das die Verfasser offenbar nicht verstanden haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.07.2011 11:18:10 GMT+02:00
Peter meint:
Wird hier wegen familiärer Probleme Rache an einer Bewegung genommen? Das ist wohl der falsche Weg. Ihr Problem liegt doch woanders. Gott kann auch Ihre Verletzungen heilen. Aber dazu müssen Sie ihn an sich ranlassen. Lesen Sie einmal die Evangelienberichte und schauen Sie sich an, wie Jesus mit verletzten Menschen umgegangen ist.

Veröffentlicht am 01.11.2012 22:08:06 GMT+01:00
Erasmus meint:
Lesen Sie doch erst mal:
Der Klavierspieler: Eine ganz und gar unmusikalische Geschichte
bevor Sie solche Kommentare abgeben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 02.11.2012 09:05:49 GMT+01:00
Warum? Ersetzen fremde Meinungen eigene Gedanken, Gefühle und Erfahrungen?
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