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Nach Werckmeister Harmonies wird man keinen Film mehr so sehen können wie zuvor, 23. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Werckmeister Harmonies / Damnation [2 DVDs] [UK Import] (DVD)
Die ersten Minuten von Werckmeister Harmonies wirken seltsam und irritierend, dann jedoch setzt die Musik ein und die ganze Schönheit des Films tritt mit einem Mal hervor und und bleibt für 2 1/2 Stunden bestehen. Es wäre unangebracht, inhaltlich etwas von dieser wunderbaren Geschichte vorwegzunehmen, denn jeder sollte die Chance bekommen, gleichermaßen davon beeindruckt und überrascht zu werden. Ich will mich daher darauf beschränken, auf welche Weise es Béla Tarr gelingt, das scheinbar Alltägliche umzukehren und ganz langsam eine andere Wirklichkeit zu kreieren. Trotz der Ruhe, mit der Tarr erzählt, ist sein Hauptelement Bewegung. Die Kamerafahrten dürften wohl als eine der bedeutensten Innovationen des modernen Kunstfilms betrachtet werden, mit den meist mehr als 5 Minuten andauernden Plansequenzen kreiert Tarr eine sehr eigene Filmsprache, welche ihn in eine Reihe mit Größen wie Bergman, Ozu, Bresson oder Tarkovsky stellt. Wie bei diesen Regisseuren werden die Sehgewohnheiten vernachlässigt, um dem Zuschauer eine neue künstlerische Ausdrucksform vor Augen zu führen, ich denke, dass es beruhigend ist, zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen Regisseur zu finden, der bereit ist, alle Konventionen hinter sich zu lassen und einen neuen Weg einzuschlagen. Es geht Tarr nicht darum (und dies betont er im Interview der artificial eye-DVD), Symbole oder Allegorien zu verwenden, um das menschliche Schicksal zu verdeutlichen, sondern abzubilden, Realität zu zeigen, die gerade in der Konfrontation mit Kunst/Ästhetik zu etwas ganz Fremdartigem wird, das sich nur noch schwer fassen lässt. Es lässt sich jedoch bauch schwer fassen, wieso artificial eye auf der zweiten DVD das vergleichsweise schwache Frühwerk Damnation veröffentlicht hat, der Film ist in seiner Sterilität und Gekünsteltheit nur schwer erträglich und es mangelt ihm noch an dem Zauber, der Werckmeister Harmonies zu einem derart tiefgreifenden Filmerlebnis macht. Es wäre schön gewesen, Tarrs zweites Meisterwerk, das 7-stündige Epos Sátántango mit auf der DVD veröffentlicht zu wissen, da eine andere Wertung als 5 Sterne für Werckmeister Harmonies undenkbar ist und Damnation nicht über 3 Sterne hinauskommt, liegt die Gesamtwertung also bei 4. Wer sich mit einem modernen Künstler auseinandersetzen will, der sich dadurch auszeichnet, nicht modern zu sein, im Jahr 2000 noch Schwarz/weiß-Filme zu drehen und sich von der Hollywood-Ästhetik (und Schnittechnik) in größtmöglichem Maße zu distanzieren, wird an Béla Tarr nicht vorbeikommen. Werckmeister Harmonies stellt in jedem Fall eine Bereicherung dar und macht noch einmal deutlich, dass die Zeit der großen Regisseure nicht vorbei ist.
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Werckmeister Harmonies / Damnation [2 DVDs] [UK Import] B00009Z52L
Hanna Schygulla
Werckmeister Harmonies / Damnation [2 DVDs] [UK Import]
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Nach Werckmeister Harmonies wird man keinen Film mehr so sehen können wie zuvor
Die ersten Minuten von Werckmeister Harmonies wirken seltsam und irritierend, dann jedoch setzt die Musik ein und die ganze Schönheit des Films tritt mit einem Mal hervor und und bleibt für 2 1/2 Stunden bestehen. Es wäre unangebracht, inhaltlich etwas von dieser wunderbaren Geschichte vorwegzunehmen, denn jeder sollte die Chance bekommen, gleichermaßen davon beeindruckt und überrascht zu werden. Ich will mich daher darauf beschränken, auf welche Weise es Béla Tarr gelingt, das scheinbar Alltägliche umzukehren und ganz langsam eine andere Wirklichkeit zu kreieren.
Trotz der Ruhe, mit der Tarr erzählt, ist sein Hauptelement Bewegung. Die Kamerafahrten dürften wohl als eine der bedeutensten Innovationen des modernen Kunstfilms betrachtet werden, mit den meist mehr als 5 Minuten andauernden Plansequenzen kreiert Tarr eine sehr eigene Filmsprache, welche ihn in eine Reihe mit Größen wie Bergman, Ozu, Bresson oder Tarkovsky stellt. Wie bei diesen Regisseuren werden die Sehgewohnheiten vernachlässigt, um dem Zuschauer eine neue künstlerische Ausdrucksform vor Augen zu führen, ich denke, dass es beruhigend ist, zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen Regisseur zu finden, der bereit ist, alle Konventionen hinter sich zu lassen und einen neuen Weg einzuschlagen.
Es geht Tarr nicht darum (und dies betont er im Interview der artificial eye-DVD), Symbole oder Allegorien zu verwenden, um das menschliche Schicksal zu verdeutlichen, sondern abzubilden, Realität zu zeigen, die gerade in der Konfrontation mit Kunst/Ästhetik zu etwas ganz Fremdartigem wird, das sich nur noch schwer fassen lässt. Es lässt sich jedoch bauch schwer fassen, wieso artificial eye auf der zweiten DVD das vergleichsweise schwache Frühwerk Damnation veröffentlicht hat, der Film ist in seiner Sterilität und Gekünsteltheit nur schwer erträglich und es mangelt ihm noch an dem Zauber, der Werckmeister Harmonies zu einem derart tiefgreifenden Filmerlebnis macht.
Es wäre schön gewesen, Tarrs zweites Meisterwerk, das 7-stündige Epos Sátántango mit auf der DVD veröffentlicht zu wissen, da eine andere Wertung als 5 Sterne für Werckmeister Harmonies undenkbar ist und Damnation nicht über 3 Sterne hinauskommt, liegt die Gesamtwertung also bei 4. Wer sich mit einem modernen Künstler auseinandersetzen will, der sich dadurch auszeichnet, nicht modern zu sein, im Jahr 2000 noch Schwarz/weiß-Filme zu drehen und sich von der Hollywood-Ästhetik (und Schnittechnik) in größtmöglichem Maße zu distanzieren, wird an Béla Tarr nicht vorbeikommen. Werckmeister Harmonies stellt in jedem Fall eine Bereicherung dar und macht noch einmal deutlich, dass die Zeit der großen Regisseure nicht vorbei ist.
Marc Puszicha
23. Juni 2006
- Insgesamt:
5

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Details
Ort: Mérida/ Venezuela
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