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Kundenrezension

40 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Mit Volldampf zurück, 1. August 2013
Rezension bezieht sich auf: Die Bibelfälscher: Wie wir um die Wahrheit betrogen werden (Gebundene Ausgabe)
Berger hat in früheren Publikationen Großes geleistet. Aber die „Bibelfälscher“ habe ich schon nach kurzer Zeit enttäuscht aus der Hand gelegt. Denn in diesem Buch tut der Autor genau das, was er seinen Gegnern vorwirft (Psychologen würden sagen: in unbewusster Projektion): Ausgehend von unhinterfragten dogmatischen Vorurteilen macht er zuerst einmal sich selbst etwas vor, um sodann auch seine geneigten Leser hinters Licht zu führen und sie um die Wahrheit (bescheidener gesagt: die historische Wahrscheinlichkeit) zu betrügen. Wobei sich der Großteil seiner Leser offenbar mit Wonne betrügen lässt, wie die Mehrzahl der Rezensionen zeigt. Denn es ist nun einmal so, wie der Journalist Wolfgang Bok unlängst bemerkt hat: Die meisten Menschen suchen nicht nach der Wahrheit, sondern nach Bestätigungen für ihre gewohnte Sichtweise. Wer sich erst einmal zu etwas bekennt, rückt nur ungern wieder ab von seinem Standpunkt.

Drei Beispiele dürften genügen, um Bergers haarsträubend unwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise in seinem neuen Buch aufzuzeigen.

Beispiel 1:
Im bewussten Gegensatz zu so gut wie allen seriösen Neutestamentlern behauptet Berger, der 1. Petrusbrief – wie das ganze Neue Testament in griechischer Sprache verfasst - sei vom Apostel Petrus geschrieben worden. Bergers Begründung: „Ohne Griechischkenntnisse hätte man im »Galiläa der Heiden« zur Zeit Jesu noch nicht einmal ein Brötchen kaufen können.“
Nun ist ohne Weiteres zuzugeben, dass Petrus, der Fischer vom See Genezareth, vielleicht ein bisschen Umgangsgriechisch gekonnt hat. Aber was beweist das schon? Viele Italien-Urlauber können genug Italienisch, um in Italien Brötchen und andere Lebensmittel zu kaufen. Aber sie wären nie und nimmer in der Lage, einen Brief auf Italienisch zu schreiben oder zu diktieren!

Was Berger verschweigt: Der 1. Petrusbriefes enthält keinen einzigen Hinweis darauf, dass sein Verfasser etwa aus Galiläa stammte, etwas von Fischerei verstünde oder Jesus persönlich gekannt hätte. Stünde „Petrus“ nicht als Absender darüber, käme bestimmt niemand auf die Idee, gerade ihn als Verfasser zu vermuten. Und was er zu sagen hat, setzt offensichtlich eine fortgeschrittene kirchliche Entwicklung voraus. Die Hauptprobleme der frühesten Christenheit interessieren ihn nicht mehr (Verhältnis zum Judentum, Geltung der Mose-Tora usw.).

Beispiel 2:
Markus 9,1 lautet in der Einheitsübersetzung: „Und er [Jesus] sagte zu ihnen: Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie gesehen haben, dass das Reich Gottes in (seiner ganzen) Macht gekommen ist.“

Berger behauptet – und auch damit steht er allein auf weiter Flur – , diese Prophezeiung habe sich unmittelbar darauf in der Verklärungsgeschichte erfüllt (Markus 9,2-13). Zitat: „Reich Gottes und Gotteskindschaft Jesu sind in Mk 9 miteinander verschränkt. Das geschieht, indem das Reich Gottes keine Theorie bleibt, sondern sich »in Macht« zeigt, nämlich in der Verklärung…“
Wer Augen im Kopf hat, sieht sofort, dass es sich hier um eine reichlich willkürliche Behauptung handelt. Die „Begründungen“, die Berger dann noch anfügt, überzeugen mich schon gar nicht. Sie wirken gekünstelt und sehr weit hergeholt.

Was Berger verschweigt: In Markus 9,2ff geht es überhaupt nicht um das Reich Gottes, weder begrifflich noch inhaltlich. Denn im ganzen restlichen Markus-Evangelium wird das Thema „Reich Gottes“ nicht mit dem Thema „Sohn Gottes“ und schon gar nicht mit dem Thema „Verklärung“ in Verbindung gebracht. Das Reich Gottes bei Markus hat ganz andere Inhalte, wie sich mit einer Konkordanz leicht nachprüfen lässt. Aber wer von Bergers Lesern wird sich schon diese Mühe machen (falls er überhaupt weiß, was eine Konkordanz ist)?

Beispiel 3:
Berger behauptet, Johannes der Täufer habe sich als Zeuge und Vorläufer Jesu verstanden, genau so, wie es im 1. Kapitel des Johannes-Evangeliums steht. Zitat:
„Es gibt überhaupt keinen einzigen Grund, weshalb man diese Texte aus Joh 1 als fingiert ansehen müsste.“

Was Berger verschweigt: Wenn Johannes der Täufer sich tatsächlich als Wegbereiter Jesu verstanden hätte, dann hätte er sich samt seiner Jüngerschar logischerweise Jesus anschließen müssen. Das hat er aber nicht gemacht, wie Matthäus 11,2f zeigt! Vielmehr herrschte eine Art Konkurrenzverhältnis zwischen den beiden Gruppen, vgl. z.B. Markus 2,18 oder Johannes 3,25. Und bei Josephus, dem bekannten jüdischen Geschichtsschreiber jener Zeit, erscheint der Täufer in einem völlig anderen Licht.

Mein Fazit: Die (Schein-)Plausibilität von Bergers Argumentation beruht weitgehend darauf, dass er die triftigen Argumente der Gegenseite schamhaft verschweigt (oder sollte man eher sagen: schamlos unter den Tisch fallen lässt?). Wem das gefällt bzw. mangels theologischer Bildung nicht auffällt, der mag meinetwegen Bergers reaktionären Rundumschlag gegen die (neo-)liberale Bibelforschung bejubeln und ihm folgen, wenn er mit Volldampf zurücksteuert in die altbekannte Sackgasse biblizistisch-klerikaler Autoritätsgläubigkeit.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.08.2013 12:30:29 GMT+02:00
A. Heidel meint:
"Drei Beispiele dürften genügen, um Bergers haarsträubend unwissenschaftliche Denk- und Arbeitsweise in seinem neuen Buch aufzuzeigen." - das klingt wirklich nach einer viel besseren und ausgewogeneren wissenschaftlichen (!) Methodik.

Veröffentlicht am 22.09.2013 23:40:36 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 11.03.2014 21:37:26 GMT+01:00
A. Rieble meint:
Sehr geehrter Herr Reuß, es ist Ihnen zuzustimmen, daß Klaus Berger seine Abrechnung mit der Zunft der Exegeten mit ungeschickter Impulsivität begonnen hat. Wenn Sie die Auffassung gewonnen haben, der Autor habe in vergangenen Publikationen "Großes geleistet", hätten Sie sich vielleicht die fehlenden Informationen besorgen können, etwa aus seinem "Kommentar zum Neuen Testament".

Einiges in Ihrer Rezension fällt mir schwer zu verstehen. Was meinen Sie mit "unhinterfragten dogmatischen Vorurteilen"? Was haben Sie sich von Bergers Werk eigentlich erwartet? Denn wenn Sie von etwas überzeugt sind, erwarten doch auch Sie, nehme ich an, Bestärkung Ihrer Ansichten. Machen Sie Ihre christliche Glaubenssubstanz von exegetischen Gewißheiten abhängig?

Zu Ihren drei Punkten:
1. Mk 9,1 auf die im Text folgende Verklärung zu beziehen, kann auch ich nicht nachvollziehen. Aber in dieser Stelle ein gewichtiges Zeugnis für die Naherwartung des Weltendes zu sehen, halte ich für bedenklich, weil die Wiederkunft Christi seinen Tod voraussetzt und Jesus ihn den Zuhörern gegenüber sicherlich nicht überspringt. Jesus könnte die rätselhafte Aussage so formuliert haben, daß sie sich auf seinen Tod bezog. Man glaubte, sie als prophetisches Wort im Gedächtnis behalten zu sollen und hat sie später vielleicht doch als Hinweis auf ein baldiges Endgericht interpretiert. Man sieht hier die Unredlichkeit mancher Exegeten: Wenn sie ins Konzept paßt, ist ein Aussage Jesu authentisch (hier: er täuschte sich), wenn nicht, wird sie für erfunden gehalten.

2. Was die Griechischkenntnisse und sprachliche Gewandtheit der Apostel anbelangt, kommt es darauf an, ob man bereit ist, ihnen ein Maximum oder ein Minimum zuzugestehen. Ersteres setzt Glauben und Phantasie voraus, welch beide Tugenden die Exegeten gerne auf Sparflamme halten, da sie Gefangene ihrer engherzigen und unzureichenden Methoden sind. Die Apostel, so "die historische Wahrscheinlichkeit", lernten von Jesu öffentlichem Wirken, wie er zu den verschiedenen Gruppen von Menschen sprach und wie sein Reden von Taten begleitet waren. Sie erhielten einen universalen Missionsauftrag und wurden am Pfingstfest vom Heiligen Geist erfüllt. Bevor sie auf Missionsreisen gingen, werden sich alle gründlich vorbereitet haben, wozu die Kenntnis der lingua franca Griechisch unabdingbar gehörte.
Wenn 1Pet auch nicht von Petrus selbst verfaßt sein sollte, so ist der Brief inhaltlich doch wegweisend, widerspricht nicht den Lehren Jesu, er wurde in den Kanon der neutestamentlichen Schriften aufgenommen und entfaltete wirkungsgeschichtliche Autorität. Die geschichtliche Relevanz des Christentums wird von den Exegeten geflissentlich ausgeblendet.

3. Johannes der Täufer ist alttestamentlicher Prophet und zu seinem Amt berufen. Mit seinem Aufruf zur Buße und Umkehr erregte er palästinaweit großes Aufsehen. Aber er sagte nach Matthäus 3,11 und fast gleichlautend bei Markus und Johannes: "Ich taufe euch nur mit Wasser der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen."

Johannes konnte sich nicht ohne weiteres Jesus anschließen, weil dieser sich seine Jünger selbst auswählte. Darunter könnte auch der eine oder andere von Johannes gewesen sein. Jeder der beiden hatte seine eigene unverwechselbare Mission.

Flavius Josephus erwähnt Jesus im sogenannten Testimonium Flavianum, das nicht pauschal als Fälschung gewertet werden kann. Das "Ärgernis des Kreuzes" (1Kor2,2) wird auch Josephus davon abgehalten haben, Jesus als Beginn einer neuen Ära anzusehen.

Wer Theißens Verdikt "Johannes war kein Zeuge Jesu" (S.27) widerspruchslos hinnimmt, dem droht, scheint mir, christlicher Glaube wie Sand durch die Finger zu rinnen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.03.2014 17:21:14 GMT+01:00
Möchte Ihnen zustimmen. Das Pseudo-Argument, ein griechisch geschriebener Brief könne nicht von einem einfachen Fischer geschrieben worden sein, bezeugt nur die Arroganz und Überheblichkeit der Professoren. Petrus war lange Zeit Bischof von Rom, da wird er schon Griechisch gekonnt haben. Oder sollte er in Rom auf Aramäisch predigen?
Ähnliches gilt für das Johannes-Evangelium, das man dem Lieblingsjünger Jesu abgesprochen hat mit ähnlicher Begründung.
Auch der Satz, Bergers Argumente seien "unwissenschaftlich", hat dieselbe Qualität. Wissenschaftlich ist nur, was meine Meinung vertritt. Wenn es etwas unwissenschaftliches gibt, dann ist es die historisch-kritische Bibelexegese.

Veröffentlicht am 05.04.2014 16:01:22 GMT+02:00
Waldwinter meint:
Wie wäre es mit etwas weniger Arroganz? Auch Sie wissen die Wahrheit nicht, sondern legen die Ihnen bekannten Informationen rein subjektiv aus. Macht ja auch nichts. Das dürfen Sie. Nur sollten sie nicht meinen, dass sie deshalb über mehr Wahrheit verfügen, als derjenige der nicht Ihrer Meinung ist. Bezüglich der Arroganz ein Zitat von Ihnen: "Das Reich Gottes bei Markus hat ganz andere Inhalte, wie sich mit einer Konkordanz leicht nachprüfen lässt. Aber wer von Bergers Lesern wird sich schon diese Mühe machen (falls er überhaupt weiß, was eine Konkordanz ist)?" Vielleicht hilft etwas mehr Beten und weniger Denken. Amen

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2014 01:15:01 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.06.2014 17:48:10 GMT+02:00
Nur zu einem Detail am Anfang Ihres "Kommentars", sehr geehrte(r) A. Rieble - wenn ich mich in Ihr Gespräch mit J. Reuß ("Mit Volldampf zurück") einklinken darf- :
Zu den von Ihnen schwer zu verstehenden, "unhinterfragten dogmatischen Vorurteilen" Bergers gehört z.B. seine zunehmende Berücksichtigung röm.-kath. Dogmen (bis hin zu Mariendogmen), die Einzug in seine Bibelauslegung halten; somit ist sie nicht Ex-egese, sondern Eis-egese, stülpt dem biblischen Zeugnis etwas ihm Fremdes über, interpretiert es hinein. Eine dem entsprechende Beobachtung ist auch Bergers auffällig positive Würdigung der Position des früheren Papstes in Sachen Bibelauslegung.
(NB: Hängt das mit seiner, nun auch öffentlich vollzogenen "Heimkehr in die allein-seligmachende Röm-Kath. Kirche" zusammen? - Eine analoge Erscheinung in der "anderen Fraktion" ist die Anfälligkeit einiger alt gewordener evangelischer Exegeten, die einen Trend zu fundametalismus-ähnlichen Positionen entwickeln; sie widersetzen sich zwar heftig solchen Etikettierungen -wie auch Berger das (nicht nur, aber besonders) in dem vorliegenden Buch tut- , ihre häufige Betonung der Differenz der eigenen Position zum Fundamentalismus ist aber schon auffällig und macht hellhörig.) -
Natürlich erwarte ich auch von ExegetInnen, daß sie von "ihrer Sache" überzeugt sind. Für jede(n) AuslegerIn aber gilt: "Der Inhalt des christlichen Glaubens - Gottes Handeln an und mit Israel, Gottes Offenbarwerden in Jesus von Nazareth, des Geistes Ereignung durch die Bibel - all das unterliegt historischer Forschung und kann nur durch sie vergewissert werden. Damit sind diese Inhalte alle für uns nur approximativ "erreichbar". Wir können uns diesen Inhalten nur mehr oder weniger nähern. Es gibt keine absoluten Urteile." (C. H. Ratschow)
Die Vielzahl und selbst Gegenläufigkeit der Stimmen der ForscherInnen schadet dem nicht, der glaubt; und sie ruft den, der davon angefochten ist, dazu auf, sich die Verborgenheit des Gottes einzugestehen, der durch menschliches Wort bezeugt wird und sich unter diesem Zeugnis offenbart, wo und wann es ihm gefällt. -
Hier hat m.E. Klaus Berger die "lebendige Forschung" an den Nagel gehängt, er zäunt das von ihm sehr geschätzte "sola scriptura" in gewisser Weise ein. Die Bibel, das biblische Zeugnis, hat das nicht nötig.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2014 19:03:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.04.2014 19:05:49 GMT+02:00
A. Rieble meint:
Sehr geehrter Frau Roediger, Sie schreiben: "Die Vielzahl ... schadet dem nicht, der glaubt". Es gibt also Glauben unabhängig von "historischer Forschung". Woher hat der Glaubende wohl seinen Glauben? Was sind Inhalte des Glaubens wenn nicht unaufgebbare Wahrheiten? Daß Gott ist, ist eine absolute Wahrheit. Was hat etwa in dieser Beziehung "historische Forschung" zu suchen? Das Glaubensbekenntnis, an dem auch evangelische Christen festhalten, besteht aus Wahrheiten, die die Kirche im Auftrag Jesu formuliert hat. Denn er sagte: "Der heilige Geist wird euch in die ganze Wahrheit einführen" (Joh 16:13) und "Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt" (Mt 28,20). Jesus leitet also seine Kirche, er ist Herr seiner Kirche.

Exegese kann nicht an den grundlegenden Wahrheiten vorbei betrieben werden. Daher sind die Texte der heiligen Schrift nicht beliebigem Verständnis verfügbar. Verfügbares und Unverfügbares bilden somit e i n e n verpflichtenden exegetischen Rahmen.
Wenn Jesus darum bittet: "Alle sollen eins sein" (Joh 17,21), dann doch darin, daß sie an dieselben Wahrheiten glauben. Ich halte daher ein "buntes" Glaubensverständnis für ein etwas schwärmerisches Wunschdenken. Diese Haltung hat mit dem Begriff der "versöhnten Verschiedenheit" zu tun, die besonders nach evangelischer Auffassung die ökumenische Entwicklung vorgeben soll. Dieser Auffassung kann ich mich nicht anschließen. Die Spaltungen in der Kirche bleiben ein Skandalon, dessen Beendigung anzustreben ist.

Jeder Mensch hat durch die Taufe die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Nach den Worten Jesu "Wer sucht, der findet, wer anklopft, dem wird aufgetan" (Mt 7,7 ) und "der Vater im Himmel wird den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten" (Lk 11,13) kann jeder Christ durch ausdauernde Bemühung einen lebendigen Glauben in sich aufbauen, den er mit anderen teilen kann. Übereinstimmungen im Glauben zu erreichen, ist allemal jede Mühe wert. Bloßer Meinungsaustausch scheint mir wenig wert zu sein.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2014 22:46:16 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.04.2014 14:10:32 GMT+02:00
Vorweg, ich bin Friedhelm R., mein Amazon-Portal läuft wohl unter dem Namen meiner Frau.
Nun aber zur Sache:
Lesen Sie bitte meinen Text genau, sehr geehrte/r (?) A. Rieble! Sie werfen da nämlich einiges durcheinander. Deshalb versuche ich es noch einmal, Schritt für Schritt.
Der INHALT des christlichen Glaubens, welcher da ist: *Gottes Handeln an und mit Israel, *Gottes Offenbarung durch und als Jesus von Nazareth, *des Geistes Ereignung durch die Bibel; diese Inhalte verbinden die Menschen der christlichen Kirchentümer - der Glaube an den Dreieinigen Gott, denke ich, ist wohl nicht strittig zwischen uns!-
Was folgt nun daraus, daß dieser Gott, der Gott Israels und Vater unseres Herrn Jesus Christus, sich in Raum und Zeit offenbart hat (Joh 1,14), sich also raum-zeitlich gebunden hat? Dieser Inhalt des Glaubens, die Inhalte der drei Artikel des Credos, unterliegen historischer Forschung; warum? Weil Gott diesen Weg gewählt hat, so können wir es kindlich-einfach formulieren. Eine Spekulation über evtl. "Unabhängig"keiten vom Glauben und seinen Inhalten, wie Sie es formulieren, gerät in des Gedankens Blässe. Luther hat auf die Frage, wo denn Gott gewesen sei, bevor er die Welt erschuf, geantwortet: Hinter dem Strauch und hat Stöcke geschnitzt für die, die so dämliche Fragen stellen. -
Also: Die Wahrheit in der Bibel, auf die es mir in unserem Zusammenhang ankommt, ist immer konkret, nie absolut, das heißt: nie losgelöst von dieses Gottes Wirken (natürlich gibt es in der Bibel auch die anderen Wahrheitsperspektiven - die biblischen Zeugen sind doch keine Dummerchen!). Und dieser Konkretheit in der Raumzeitlichkeit der Glaubensinhalte darf (und soll) sich historische Forschung annehmen, sich um sie kümmern, aber im Bewußtsein, sich ihnen immer nur mehr oder weniger nähern zu können.-
Damit sind diese Inhalte alle für uns nur approximativ "erreichbar". Der Gott Israels, der Vatergott Jesu, wie der Heilige Geist handeln an der Welt verborgen. Sie handeln in den "Heilssubstituten" (= in den Er-eignissen ihrer Nähe) verborgen. Gott ist immer mehr, als wir von ihm erkennen, und das ist gut so, ja, das ist Gottes Gnade, daß Er uns umgibt, daß Er sich einläßt auf diese Seine, von Ihm geschaffene Welt. Im biblischen Hebräisch steht dafür das Wort P A K A D, Luther übersetzt es mit "heimsuchen" in des Wortes doppelter Bedeutung: Gott als Richter und Gott als beständiger Ort der Geborgenheit.-
Sie haben Recht: Exegese kann nicht, ich formuliere: "an dieser Wahrheit vorbei" betrieben werden - nicht "an ... vorbei", darin sind wir uns wohl einig, am Wörtchen "dieser", da tut sich der Unterschied zwischen uns auf! Ich will mich nicht bei Ihrem mir unterstellten "bunten Glaubensverständnis" aufhalten. "Die Vielzahl" bezieht sich selbstverständlich und eindeutig auf die Ergebnisse historischer Forschung, und da gibt es ja nun mal viele verschiedene (das beginnt schon in den biblischen Schriften, es gibt zum Beispiel vier (!) Evangelien - Gott sei Dank!); diese Vielfalt muß uns nicht erschrecken, denn Gott handelt im Verborgenen, wo und wann es ihm gefällt (siehe Confessio Augustana V).-
Was die von Ihnen in den beiden letzten Abschnitten hervorgehobene "Einheit" betrifft, so stimme ich Ihnen in der Grundrichtung zu, für mich als evangelischen Christen und Theologen ist allerdings keine Einheit erstrebenswert, die sich an der von mir oben benannten "konkreten Wahrheit" vorbeimogelt; sicher gibt es schon sehr viel mehr Gemeinsamkeit zwischen ChristInnen der einzelnen Kirchentümer, als viele es in den "Kirchenämtern" meinen, aber es gibt auch immer noch, zb. zwischen der Evangelischen und Römisch-Katholischen Kirche, Trennendes; einiges habe ich in der Kritik zu Bergers Buch benannt - aber soviel zunächst! --
Ich wünsche Ihnen und mir ein "offenes Ohr" für den jeweils anderen! Mit freundlichem Gruß und dem Wunsch, der "konkreten Wahrheit" im Begehen der Heiligen Karwoche sich erinnernd, und zugleich neu und auf-merk-sam zu begegnen, F, Rödiger
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