Kundenrezension

123 von 132 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Nettes Teil für Individualisten, 30. April 2011
Rezension bezieht sich auf: Kindle Keyboard 3G, eReader, gratis 3G + Wi-Fi, 15 cm (6 Zoll)  E Ink Display, englisches Menü (Elektronik)
Ich habe den Kindle nicht selbst gekauft, sondern erhielt ihn von einem guten Bekannten mit der Bemerkung überreicht: "Teste doch bitte mal aus, ob das Ding nutzbar ist. Ach ja, ist 3G drin, bestell dir, was du brauchst." Na wenn der wüsste, an wen er da geraten ist, immerhin passen mehr als 3.000 Bücher in dieses kleine, handliche Teil. Im "Lieferumfang" enthalten waren noch die Amazon Kindle-Lederhülle mit integrierter Leselampe, Schwarz (Farbe ist nicht ganz mein Fall, aber einem geschenkten Gaul...) und der Amazon Kindle EU Stromadapter (geeignet für Kindle und Kindle DX). Die Lederhülle mit Lampe macht einen gediegenen Eindruck und ist bei diesem Gerät wirklich sehr zu empfehlen, da der Lesebereich keine eigene Innenbeleuchtung besitzt. Dieser Tage war ich beispielsweise mehrere Stunden des Nachts in einem Bus unterwegs, und allein dafür hat sie sich schon gelohnt. Da war die Kombination aus Kindle und Leselampe dann auch eindeutig dem herkömmlichen Buch überlegen (weswegen ich einige Aufmerksamkeit auf mich zog - wo könnte ich denn jetzt die Provisionen beantragen?).

Die 3G-Funktion benötige ich persönlich eigentlich nicht. Zu Hause verbinde ich ohnehin stets per WiFi, da es viel schneller ist. Und ob ich wirklich mal dazu komme, ein paar Kindle-Bücher mitten im australischen Great Barrier Reef zu bestellen (wobei die Verbindungskosten alle schon von Amazon bezahlt sind), möchte ich fast bezweifeln. Und da die "Wireless"-Funktionen im Betrieb ein wesentlicher Stromfresser sind, schalte ich sie üblicherweise nur dann ein, wenn ich sie wirklich brauche.

Zumal mir da ohnehin ein bisschen zu viel "Big Brother is watching you" dabei ist. Amazon weiß nun also stets genau, was ich lese und welche Stellen ich markiere und mit Notizen versehe. Und ggf. wo ich gerade bin. Vielleicht gibt es demnächst sogar das passende Kindle-3G-Ortungssystem im Internet dazu. Meine Ausrede etwa, es mal heute wieder nicht rechtzeitig aus London zurückzuschaffen, könnte dann auf ein frustriertes "Und warum sagt mir Amazon dann, dass dein Kindle gerade in Rödelheim gelesen wird?" treffen.

Angeblich sollen ja viele Funktionen auch der Zusammenarbeit und Wissensanreicherung dienen. Beispielsweise bekommt man je nach Einstellung angezeigt, welche Stellen von anderen Kunden am häufigsten markiert wurden. Markiert heißt übrigens auf dem Graustufen-Monitor des Kindles: Die Stellen sind unterstrichen. Im Kindle für PC sind sie dagegen mit einem Yellow Marker hervorgehoben. Kundenmarkierungen werden im Kindle gestrichelt-unterstrichen hervorgehoben, dazu heißt es am Beginn etwa (dies fand ich beispielsweise in "The Einstein Theory of Relativity"): "364 highlighters".

Problematisch könnte auf Dauer auch der sonstige zentrale Amazon-Durchgriff sein. Beispielsweise könnte man gerade den Bericht eines DSDS-Sternchens vor Augen haben, wie sie da so mit dem Dieter - also ihr wisst schon -, und bevor man das nun ganz aufgeregt der besten Freundin zeigen kann, ist - schwups - längst alles geschwärzt: Eine einstweilige Verfügung, WiFi und 3G haben es möglich gemacht.

Die Stärken des Kindles liegen für mich in der sehr guten Lesbarkeit der Seiten (fast so gut wie beim Buch, wenn man die Anpassungsmöglichkeiten bei der Schriftgröße bedenkt, dann sogar oftmals besser, jedenfalls im Vergleich zu solchen Dreistigkeiten wie etwa Der Stoff, aus dem der Kosmos ist: Raum, Zeit und die Beschaffenheit der Wirklichkeit), der großen Speicherkapazität für Bücher (3.000 Stück!) und der enorm langen Akkulaufzeit (wenn man die Netzfunktionen immer schön abschaltet). Gegenüber dicken und schweren Büchern trägt man nur recht wenig Gewicht mit sich herum. Auch kann man solche Bücher leichter mit dem Kindle im Bett lesen.

Ferner hat er einige hübsche, zukunftsweisende Features. Unter "Experimental" findet man einen Web Browser, einen MP3-Player (dazu muss man seine MP3-Dateien vom Computer in den Musikordner des Kindles kopieren - ein Kopfhörer ist anschließbar) und eine Text-zu-Sprache-Funktion. Man könnte sich die Texte also vorlesen lassen, was ich jedoch noch nicht ausprobiert habe, da es mich vermutlich nur frustriert hätte. Fährt man mit dem Cursor vor ein Wort, wird ggf. eine Worterklärung angezeigt (die zur Zeit jedoch noch verbesserungswürdig ist). Hier würde ich mir auf Dauer noch eine Übersetzungsfunktion wünschen, wenngleich man schon jetzt für englische Texte das meiner Meinung nach recht gute "English-German Dictionary With Transcriptions" von Dima Suponau et al dazu kaufen und in den Settings als Primary Dictionary einstellen kann.

Absolut toll finde ich das große Angebot an kostenlosen Klassikern, was sicherlich dafür sorgen wird, dass diese Bücher wieder stärker gelesen werden.

Aber es gibt aktuell noch einige bemerkenswert klare Nachteile gegenüber dem klassischen Buch. Die mögen sich mit der Zeit reduzieren, immerhin geht es den verschiedenen Anbietern momentan wohl primär um den möglichst raschen Markteintritt und die Sicherung von Marktanteilen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, man kennt es ja. Auch aus diesem Grund hat man bei Amazon wohl nicht länger auf die Fertigstellung eines Geräts mit deutscher Menüführung warten wollen. Und dass man dort in der Hinsicht Großes vorhat, deutet auch die aktuelle Kindle Versionsnummer an: 3.1. Mit Windows 3.1 begann bekanntlich der unaufhaltsame Aufstieg Microsofts zum Software-Supergiganten.

Nachteilig am Kindle empfinde ich das umständliche Tastaturhandling an Stelle einer Touch-Screen-Führung. Ich vermute, dass ein Grund dafür die langen Akkulaufzeiten waren, die man so erhalten hat. Einiges könnte aber auch mit Tastatur besser gelöst sein. Beispielsweise schlage ich bei Sachbüchern recht häufig das Inhaltsverzeichnis auf, um zu sehen, wo ich gerade im Gesamtkontext des Buches stehe und ob sich der Rest überhaupt noch lohnt. Hier könnte ein Button hilfreich sein, der den jederzeitigen Zugriff auf das Inhaltsverzeichnis (sofern vorhanden) inkl. einer Hervorhebung, wo man gerade ist, erlaubt. Insgesamt erhält man aber von einem klassischen Buch immer noch einen viel besseren jederzeitigen Überblick über den Gesamtinhalt als beim Kindle. Das mag bei Romanen, die man ja meist sequentiell von vorne nach hinten liest, nicht so wichtig sein, bei Sachbüchern ist das jedoch entscheidend.

Ferner ist die Markierungsfunktion sehr umständlich. Man muss dazu mühselig mit dem Klick-Cursor an die gewünschte Position gehen und dann damit über den Text fahren, was für Vielmarkierer wie mich sehr nervig ist.

Ferner verleitet der Kindle sehr stark zum sequentiellen Lesen, was ich bei Sachbüchern jedoch eigentlich nie tue. Da es keine Seitenzahlen gibt, erkennt man auch nicht auf einen Blick, wie umfangreich die verschiedenen Kapitel sind. Die einzige Hilfe in der Hinsicht, die ich bislang erkennen konnte, ist die kleine Prozentangabe am unteren Rand des Lesebereichs, die besagt, welchen Anteil des Buches man denn in der Zwischenzeit schon geschafft hat.

Das bringt mich zu einem anderen Problem. Momentan wühle ich mich auf dem Kindle durch Martin Nowaks SuperCooperators: Evolution, Altruism and Human Behaviour. Anders als bei einem echten Buch gibt es keine Seitenzahlen. Folglich kann man daraus auch nicht ordentlich zitieren. Ein Sachbuch ist letztlich ein Dokument, auf das man verlässlich referenzieren kann. Selbst die zahlreichen gestressten Politiker, die bei mir Auftragsdissertationen in Arbeit geben, verlangen das neuerdings immer mehr, keine Ahnung warum ...

Wie auch immer: Ich hoffe, dass sich Amazon darüber bewusst ist, dass ein Buch kein willkürlicher Internettext ist. Das, was ich bei SuperCooperators jedoch zu lesen bekomme, unterscheidet sich von einer Internetpublikation in nichts. Ich könnte nicht einmal eine meiner gefürchteten Langrezensionen darüber verfassen und etwa schreiben, der Autor behaupte auf S. 127 dies oder das, was meiner Meinung nach nicht richtig ist. Aktuell müsste ich schreiben: Der Autor behauptet bei ca. 37% dies oder das. Kurz: Wer wissenschaftlich arbeitet, wird den Kindle zur Zeit bestenfalls ergänzend gebrauchen können. Man wird das Papierbuch zwingend zusätzlich benötigen, weil man sonst nicht präzise darauf referenzieren kann. Hinzu kommt, dass - wie ich hörte - Amazon aktuell nicht einmal Rechnungen über die gekauften Produkte ausstellt. Das geht im wissenschaftlichen Bereich, wo man sich Bücher aus beruflichen Gründen anschafft, schon mal gar nicht.

Auch scheint es aktuell bei der Text-Darstellung noch einige Kinderkrankheiten zu geben. Die Abschnitte im obigen Buch beginnen alle kursiv mit einem Zitat bekannter Größen. Meist funktioniert dann aber der darauffolgende Übergang zur Normalschrift nicht mehr, sodass man sich durch viele kursive Seiten arbeiten muss, was nervig ist. Sonderbarerweise erscheinen die Seiten beim schnellen Zurückblättern dann aber manchmal doch wieder in normaler Schrift. Möglicherweise fehlen dem Text ein paar Steuerungsvorzeichen. Vielleicht stimmt aber auch an der Software noch etwas nicht, sodass ich irgendwann nach einem Online-Update den Text dann endlich so lesen kann, wie es vom Autor beabsichtigt war.

Weitere Nachteile gegenüber dem klassischen Buch:
- Auf die heruntergeladenen Bücher habe nur ich Zugriff. Ein Tausch unter Freunden, wie man es bei Romanen sehr häufig macht, scheint zur Zeit nicht möglich zu sein. Und in solchen Fällen gegenseitig die eigenen Kindles zu tauschen, dürfte man wohl eher nicht machen. Für mich ist dies deshalb ein typisches Produkt zur weiteren Individualisierung der Menschen.
- Viele Kunden kaufen bei Amazon (oder woanders) Bücher, um sie nach der Lektüre bei Marketplace oder anderen Plattformen wieder zu verkaufen. Das geht hierbei nicht. Es könnte sich deshalb am Ende herausstellen, dass das elektronische Buch insgesamt teurer ist als das klassische Papierbuch.
- Einen Kindle wird man im Allgemeinen nur in "geordneten" Umgebungen lesen. Ein Buch lasse ich gelegentlich beim Gang zur Toilette im Café auf dem Tisch liegen, um damit anzudeuten, dass der Platz noch besetzt ist. Mit einem Kindle wird man so etwas sicherlich nicht tun. Gleichfalls halte ich die Vorstellung, man könne mit dem Gerät entspannt am Strand lesen und sich dabei von herumalbernden Kindern mit Sonnenöl einreiben lassen, für eine eher sehr theoretische.

Fazit: Der Kindle ist sicherlich ein recht nettes Teil für den anspruchsvollen Individualisten. Momentan stellt er für mich bestenfalls eine Ergänzung zum klassischen Buch dar. Aber wer weiß, was die Zukunft noch alles so bringt ...
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 30.04.2011 20:56:45 GMT+02:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 04.05.2011 23:34:46 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 23.06.2012 13:41:12 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 15.05.2011 07:01:07 GMT+02:00
Riesenbaby meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.05.2011 17:32:37 GMT+02:00
Was hat denn bitte ein Ipad mit einem ebook reader zu tun? Das ist doch etwas völlig anderes ... ja, ich weiß, man kann damit auch ebooks lesen, aber das kann ich auch mit meinem Handy, meinem Rechner, meinem Laptop, und würde diese Geräte nicht mit einem ebook reader vergleichen ... !!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.05.2011 13:15:45 GMT+02:00
Wanna B. meint:
danke für die rezension, das ist die beste die ich gelesen hab

Veröffentlicht am 05.07.2011 17:13:44 GMT+02:00
sunrising9 meint:
Vielen Dank für diese tolle Rezension. Bitte mehr davon, dann kann man sich auch mal für ein Produkt entscheiden oder eben nicht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.07.2011 17:21:44 GMT+02:00
fangflotte meint:
Betrüger? weil jemand seine bücher mit freunden teilt? was für ein asoziales wesen schreibt denn hier???

Veröffentlicht am 03.09.2011 04:57:48 GMT+02:00
Aber natürlich kann man den kindle am Strand oder sonst wo in der Natur nutzen! Sogar besser als Bücher oder Zeitungen, die dauernd wegfliegen. Kleiner Tip: Man legt sich einen robusten Umschlag (gibts aus Neopren) zu, schlägt den kindle eng in eine Frühstückstüte ein und schiebt ihn in den Umschlag. So kann nichts in Ritzen oder Funktionsöffnungen eindringen, aber die Drucktastaturen für Umblättern und Navigieren funktionieren weiterhin. Das ist die Heimwerkermethode, aber es gibt dasselbe sicher auch als fertiges Produkt.

Veröffentlicht am 10.10.2011 14:28:35 GMT+02:00
Mark Renton meint:
Gute Rezension!

Veröffentlicht am 07.11.2011 11:56:15 GMT+01:00
Mark Renton meint:
Wer sich übrigens ernsthaft für einen neutralen Test interessiert, sollte die aktuelle c't 24/2011 am Kiosk kaufen.
Leseprobe unter:
http://www.heise.de/ct/inhalt/2011/24/6/

Hier werden Lesegeräte und die Shop-Systeme bewertet. Sehr ausgewogener Testbericht. Zusätzlich ist anschließend ein Artikel über den Wandel des Buchhandels zu finden. Das ist auch keine Computerbild, sondern ein seriöses Computer-Magazin.
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