Kundenrezension

9 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gut gebrüllt Löwe, 29. April 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Wagner (Audio CD)
Es wäre verwunderlich (und auch schade) gewesen, hätte man zum Wagner-Jahr auf Neuerscheinungen verzichten müssen und da dürfen natürlich die führenden deutschen Tenöre nicht fehlen. Und Jonas Kaufmann liegt Wagner in meinen Ohren - und nur meine durchaus laienhafte Meinung kann ich hier wiedergeben - durchaus. Er verfügt über eine baritonal gefärbte, kraftvolle Stimme und im Forte strahlende Höhen - daneben natürlich auch ein blendendes Aussehen, aber davon hat auch die Damenwelt bei einer CD wenig. Nicht zuletzt setzt er seine Gaben durchaus effektvoll ein: In Rollen wie Siegfried, in denen dem Tenor wenig anderes übrigbleibt, als von Anfang bis Ende "kraftvoll" zu singen, müsste Kaufmann in den letzten Jahren und Jahrzehnten kaum Konkurrenz scheuen, sofern seine Stimme diesen Strapazen standhält.
Dem Vorwurf, Wagner so zu singen wie vor dreißig oder fünfzig Jahren, muss sich der Sänger jedoch nicht aussetzen, zumindest nicht auf dieser CD. Auf der Bühne hat Kaufmann ja die (wie wir seit Mario del Monaco wissen, durchaus publikumswirksame) Neigung zu einem Dauer-Forte, das wie angesprochen für Siegfried passt, etwa für Parsifal weniger; hier gefiel mir zuletzt Botha besser, zumindest stimmlich. Auf der vorliegenden Aufnahme spielt er jedoch gekonnt mit der Lautstärke (auch ein Verdienst des Dirigenten?) und wechselt zwischen piano und forte, wobei ihm letzteres indes mehr zu liegen scheint. So herrlich die Höhen klingen wenn Kaufmann aus voller Brust singen kann, so gewöhnungsbedürftig sind die leisen Töne... Die klingen für mich dann doch sehr gepresst, fast falsettartig, wobei der kehlige Unterton wieder zu hören ist, sobald die Töne ein wenig tiefer liegen. Das mag technisch zulässig sein, schön klingt es meiner Ansicht nach nicht. Insbesondere das Gebet des Rienzi leidet da zu Beginn in meinen Ohren unter den gequetschten Tönen, doch mag einem diese Art zu singen, eben durchaus auch gefallen, womit wir wieder bei den verschiedenen Geschmäckern wären. Das gilt auch für die kleinen Eigenheiten, die Jonas Kaufmann bisweilen einstreut. Bei der Antwort des Papstes in Tannhäusers Romerzählung etwa: Sollte er hier den Zynismus des Oberhirten karikieren wollen? Da wird man ihn in seiner katholischen Heimat womöglich noch verstoßen... Ernsthaft: Auch das kann man mögen oder nicht. Mir gefällt es, gibt es dem Gesang doch eine eigene Note. Auch hat Jonas Kaufmann die Gralserzählung, die ja schon mehr als einmal mit ihm vorliegt, nochmals eingespielt, vor allem am Anfang leiser und langsamer. Was das Tempo betrifft finde ich das in Ordnung, zumal Runnicles und Kaufmann die Langsamkeit nicht so zelebrieren wie etwa deren Landsleute Harding und Gerhaher (Blick' ich umher in diesem edlen Kreise (Ansprache des Wolfram, 2. Akt aus: Tannhäuser WW 70)). Zu den Piani von Herrn Kaufmann habe ich meine Meinung allerdings schon oben geschrieben.
Das größte Problem, das ich mit den Aufnahmen habe, ist der fehlende Variantenreichtum der Stimme. Jonas Kaufmann singt effektvoll, verzichtet auch nicht auf Piani und die erwähnten "special effects", aber die Farbe der Stimme an die Rolle anzupassen, das vermag er nicht. Vieles klingt sehr ähnlich. So hätte ich mir das Gebet Rienzis doch etwas inniger und leichter gewünscht, am auffälligsten ist jedoch die Szene nach der Romerzählung, die dankenswerterweise mit aufgenommen wurde: Tannhäuser hört die Musik aus dem Venusberg, gerät in Extase, höchste erotische Verzückung erfüllt ihn, er entschwebt der irdischen Welt Wolframs, will gleichsam besinnungslos zu Venus eilen. Und was macht Kaufmann? Er brüllt!
Insgesamt eine gute Aufnahme, kein Zweifel. Die Wesendonk-Lieder nehme ich hiervon nicht aus, doch sind sie zu sehr abgesetzt vom restlichen Oeuvre Wagners (und zugegeben auch nicht meine Lieblingswerke), so dass ich sie ausgeklammert habe. Meiner Ansicht nach ist Jonas Kaufmann jedenfalls bei Wagner entschieden besser aufgehoben als im italienischen Repertoire und nach den Liedern von Richard Strauss (Strauss: Lieder) ist dies meine "zweit liebste" Kaufmann-CD. Er zeigt in diesen Aufnahmen, was er stimmlich zu bieten hat, wenngleich bisweilen etwas weniger mehr gewesen wäre...
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.12.2013 23:16:17 GMT+01:00
HGH meint:
Pseudowissen und Selbstdarstellung?
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