Kundenrezension

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Tolle, aber schwere Kost, 14. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Delta Machine (Deluxe Edition) (Audio CD)
Wie bewertet man Musik? Eine sehr schwere Frage, hängt doch so viel vom individuellen Geschmack ab...
Wenn man die vorhandenen Rezensionen so liest, ist es schon befremdlich, wie die einen das Album völlig unreflektiert in den Himmel loben, und andere der Band gar die Freundschaft kündigen. Vermutlich liegt dieser krasse Gegensatz daran, dass DM nun mal nicht den Mainstream bedient, sich auch nicht scheut, sich zu entwickeln und auch nicht auf die alten Tage den Weichspüler einlegt, wie das so viele ehemals gute Bands getan haben, um ohne großen Aufwand Kasse zu machen, obwohl die wirklich kreativen Tage lange vorbei sind.

Bisher gab es noch kein einziges DM-Album, das mir wirklich auf Anhieb gefallen hätte. Jedes einzelne Stück musste ich mühsam verstehen lernen, mich auf die Songs einlassen, Abstand gewinnen, nochmals anhören, ... Und ich habe es bisher nie bereut, auch nicht bei Delta Machine.

Bereits "Heaven" als erste Auskopplung und allgemeinverträglichsten Song aus dem Album hat auf mich erst mal keinen großen Eindruck gemacht, er klang zunächst "zu gewöhnlich". Aber er gewann mit der Zeit; der Refrain als Duett von Dave und Martin ist grandios, und mit jedem Hören kommen neue Details zum Vorschein, die man vorher gar nicht bemerkt hat - und genau dafür liebe ich diese Band. "Heaven" ist einfach großartig!

Das gilt gleichermaßen für die anderen Tracks, die allerdings schwerere, z.T. DEUTLICH schwerere Kost als Heaven sind. Das geht soweit, dass einige sagen, dem Album fehle jegliche Melodie. Hier kann man ich den Hörer beruhigen: die Melodie ist da, man muss nur bereit sein, sie zu suchen! Auch habe ich gelesen, das Album sei einfallslos - aber welchen Anlass gibt es denn für diese Annahme? Keiner der Jungs dürfte finanziell noch in irgend einer Weise auf den Erfolg angewiesen sein. DM hat damit den großen Vorteil, weder der Masse, noch den Fans nach der Nase tanzen zu müssen, sie haben die Freiheit, das zu verwirklichen, was sie wirklich wollen. Das mag manchen Fan auf die Palme bringen, hat er dieser undankbaren Band sein hart verdientes Geld in den Rachen geworfen, und bekommt schon wieder nicht das gewünschte Album, das so klingt wie DM vor 20 Jahren. Aber hat nicht gerade der konstante Drang, sich zu verändern, sich zu entwickeln, DM zu der Band gemacht, die sie ist?

Was ich sofort unterschreibe: das neue Album ist sehr experimentell. Es wirkt im ersten Moment monoton, man findet relativ wenige gängige Tonfolgen und Harmonien. Es ist sehr elektronisch, es kommen sehr viele Vintage-Synths zum Einsatz, die durchaus zunächst mal mit ihrem rohen Klang das Ohr beleidigen können, bis man sich drauf einlässt und den Song versteht. Gerade läuft bei mir im Hintergrund "Always", das Passagen enthält, die klanglich an ein altes Atari-Spiele erinnert. Im Refrain kommen dann wunderschönen, sphärischen Streicherpads zum Einsatz. Einfach genial, wenn man sich mal damit angefreundet hat!

Nachdem man - im Gegensatz zu den meisten anderen Produkten - für Musik keine objektiven Kriterien zur Verfügung hat, und auch keine objektive Meinung abgeben kann, spare ich mir, meine subjektiven Eindrücke Track für Track durchzugehen. Für die meisten aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis wäre es eine Zumutung, meine Musik anhören zu müssen, und das beruht durchaus auf Gegenseitigkeit.

An der Qualität der Mixes habe ich nichts auszusetzen. Er ist detailreich, transparent, gut ausgesteuert, so wie ich es erwarten würde. Aber vielleicht liegt es ja daran, dass ich keine dreifach vergoldeten Digitalkabel verwende (damit die Bits auch schön knackig durch die Leitung wandern), und mir der angebliche Matsch nicht auffällt, den manche hören wollen ;-)

Mein Gesamteindruck: vielleicht kein Meisterwerk, aber ein durchaus gelungenes Album, sehr experimentell, ziemlich synthetisch, das anders ist wie das vorherige, das anders war als dessen Vorgänger, das anders war als dessen Vorgänger, ... aber eben unverkennbar Depeche Mode, mit all den Zutaten, die ich an der Band schätze. Allein, dass Martins E-Gitarre kaum zum Einsatz kommt, finde ich persönlich etwas schade. Auch hätte ich mir mehr von Martin gesungene Tracks gewünscht (hier nur The Child Inside und Always) - aber die waren schließlich schon immer rar. Nebenbei ganz interessant: gerade stolpere ich anderweitig ausgerechnet über einen Kommentar, der Martins Gitarrenspiel als unsägliches Herumgeschrappe, und seinen Gesang als nervtötend bezeichnet. Tja, wer hat nun den "richtigen" Geschmack? ;-)

Wer unschlüssig ist, ob er es kaufen soll: wenn ihr Euch schon mit Sounds of the Universe überhaupt nicht anfreunden konntet, dann werdet ihr keine Freude an Delta Machine haben. Delta Machine setzt das Vorgängeralbum in mancherlei Hinsicht fort, wahrscheinlich gerade in den Punkten, an denen sich manche bereits letztes mal gestoßen haben. Ansonsten, gerade für die langjährigen Fans: bitte bringt Geduld und die Bereitschaft mit, das Album verstehen zu lernen, und werft es nicht gleich nach dem zweiten mal hören beleidigt in die Ecke. Es rentiert sich!

=== Update nach eine halben Jahr ===
Ich erhöhe die Bewertung auf 5 Sterne. Das Album enthält keinen einzigen schlechten, dafür einige wirklich herausragende Tracks. Keines der bisherigen Alben war so vielfältig. Jeder Song ist unglaublich detailreich, man findet innerhalb der Songs kaum einen Takt, der sich nicht durch eine Kleinigkeit unterscheiden würde.

Natürlich gilt weiterhin: Musik ist Geschmacksache. Und meinen Geschmack hat Delta Machine definitiv getroffen.
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Kommentare


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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.04.2013 12:36:03 GMT+02:00
Ein Kunde meint:
schon richtig, aber ich finde Musik sollte irgendwo auch Spaß machen. Sie sollte Emotionen hervorrufen; erreichen, dass man eine CD einlegt und einfach Spaß haben kann. Das war früher bei Depeche Mode der Fall. Wenn es sich jetzt nur noch um kunstvolle Musik handelt, die man sich krampfhaft "schönhören" muss, dann muss man sich nicht Depeche Mode anhören, dann kann man sich auch irgendwas anhören, was einem gar nicht gefällt und versuchen mit viel Phantasie irgendwelche Töne zu entdecken, die "ganz nett" gelungen sind.

Bei Depeche Mode bzw seinen Hardcore Fans ist es meiner Meinung nach auch so, dass das Album wirklich noch so schlecht sein kann und man würde das dennoch niemals zugeben sondern immer wieder sagen, man müsste es sich nur lange genug anhören, dann würde man schon eines Tages Gefallen daran finden. Die Möglichkeit, dass auch Depeche Mode mal ein schwaches Album herausbringen könnten, wird gar nicht erst in Betracht gezogen.

Jede Gruppe sollte sich verändern dürfen, ganz klar. Deshalb ist es nicht richtig, die Alben von vor 20 Jahren mit heutigen zu vergleichen, nur- alles was Depeche ja einst ausgemacht, was sie großgemacht hat- ist auf diesem Album nicht mal im Ansatz zu hören. Und wenn ich das mal mit einem Schauspieler vergleiche- es gibt sehr anspruchsvolle Filme, die nur eine Minderheit sehen will (zb im Kino), die eben den Mainstream nicht erreichen. Dennoch lassen sich manche Schauspieler eben auf solche Experimente ein. Wenn ein Schauspieler nun aber jahrelang nur großartige Filme für den Mainstream gedreht hat, die sich von anderen Filmen immer abgehoben haben, die millionen Menschen in die Kinos gelockt hat, dann wird man ihm einzelne "Kunstfilme" sicherlich verzeihen können, wenn man sich für diese Art Filme nicht interessiert. Wenn dies aber zur Gewohnheit wird, dann ist es eben nicht mehr die Art Filme, die man von diesem Schauspieler gewohnt ist. Dann hat er seine ursprüngliche Richtung geändert oder sogar das Genre gewechselt.

Und bei Depeche Mode ist es nicht anders. Veränderung ja, ist ok und normal das auch herumexperimentiert wird- aber dieses Experiment läuft nun schon seit mehreren Alben und diese werden, meiner Meinung nach, immer schlechter. Mit Spaß und Freude an Musik hat das nicht mehr viel zu tun, zumindest nicht für einige Fans die Depeche Mode eben für die eingängigen Melodien zu schätzen gelernt haben. Und wenn man andere Künstler und Gruppen sieht, die haben sich ja auch mit den Jahren verändert. Und HABEN sich weiterentwickelt, und bringen dennoch Musik zustande, die Spaß macht und nicht nur "kunstvoll" ist. Die beides miteinander verbinden, ihre Stärken, das was sie einst großgemacht hat plus Veränderung, Reife, Weiterentwicklung. Be Depeche Mode sehe ich das nicht, es ist nur noch ein Trauerspiel, ein Großteil der Lieder ist nur noch eine einzige Qual, als hätte man sie auf der Folterbank erschaffen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.04.2013 14:12:01 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.04.2013 21:02:13 GMT+02:00
Ist es eine Qualitätsmerkmal von Musik, dass sie auf Anhieb Spaß macht? Also ich komme eher aus dem Bereich der klassischen Musik (auch moderne Klassik), und da gibt es eine ganze Menge Komponisten, die erst mal GAR keinen Spaß machen, weil die Musik viel zu komplex ist. Trotzdem haben sie ihre Berechtigung, und ja: man kann sich reinhören und dabei Spaß haben. Andererseits kann ich z.B. mit Free Jazz nicht das geringste anfangen, während andere sich stundenlang darin vertiefen können, wo ich nur Brei höre. Allerdings verspüre ich schlicht keine Lust, mich mit letzterer Richtung näher zu befassen, sie ist *für mich* langweilig, zumindest bis heute (ohne jede Gewähr für die Zukunft).

Natürlich macht es keinen Sinn, Musik zu hören, die man nicht mag, nur weil sie von einer bestimmten Band ist. Dafür wäre mir meine Zeit viel zu schade, und ich bin inzwischen auch etwas zu alt, um irgendwelchen Idolen und/oder Ersatzreligionen blind hinterher zu laufen (ich war bisher auch exakt 0 DM Konzerten, und werde wahrscheinlich auch die aktuelle Tour nicht wahrnehmen, so wichtig ist mir keine Band). Nein, "Schönhören" ist nicht, und objektiv auch gar nicht machbar. Wo nichts ist, wird man nichts finden können. Ich habe einiges gefunden (nicht überall, und auch nicht bei jedem Track), und meine, dass das nicht auf Halluzinationen beruht ;-)

Man denke mal an die letzten Alben: wie viele Fans gab es da, die da Gift und Galle gespuckt haben? Ich für meinen Teil habe den Zugang zu DM erst mit Ultra gefunden, und mag vor allem die letzten Alben, die ganz alten Sachen sind mir persönlich zu steril (wofür mich bestimmt der eine oder andere beißen wollen wird). Aber so ist das eben mit dem individuellen Musikgeschmack!

Veröffentlicht am 15.04.2013 19:52:26 GMT+02:00
Eine der besten Rezensionen, die ich je gelesen habe - vielen Dank.

Veröffentlicht am 21.04.2013 14:42:24 GMT+02:00
Selen Black meint:
Auch für mich eine der besten Rezensionen, die ich zum Thema DM je gelesen habe. Mir ging es auch mit Sound of the Universe, Playing the Angel und Exciter schon so, dass ich die Alben am Anfang gar nicht mochten, nach mehrmaligen Hören aber immer mehr Gefallen daran gefunden habe. Und jetzt höre ich die alten Sachen eigentlich kaum noch! Es macht wirklich Spaß, Musik entdecken zu müssen, wenn sie einem dann beim jeden Hören ein bisschen besser gefällt. Ist doch besser als viele anderen Lieder anderer Bands, die man zwar spontan gut findet, aber von denen man nach dem 10. Mal Hören bereits gelangweilt ist...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.04.2013 11:20:38 GMT+02:00
Dizzyfugu meint:
Dem Kommentar stimme ich in weiten Teilen zu - ging und geht mir sehr ähnlich.

Fortschritt ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wird von Künstlern (welcher Art auch immer) erwartet, dass sie neue Perspektiven eröffnen. Andererseits gibt es "Duftmarken" und einen eigenen Stil, der irgendwann den Erfolg bringt und der eine gewisse Unverwechselbarkeit ausmacht. Den Spagat zwischen beidem zu finden, ist eine große Herausforderung.

Depeche Mode "steht" für Synthie-Pop - und aus der Ecke wird sich die Band sicherlich nicht wegbewegen. Mit SOFAD kam (vor 20 Jahren!) ein anderer Sound, mit Gitarre, Gospel und Blues, hinzu, was eine neue Soundwelt eröffnete. Und selbst vorher kann man, wenn man die Alben seit Speak
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