8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lily Bretts neuer Roman, 15. April 2001
Rezension bezieht sich auf: Zu viele Männer: Roman (Gebundene Ausgabe)
Die in New York lebende, 43-jährige Ruth fährt mit ihrem Vater Edek, einem Auschwitz-Überlebenden, nach Polen. Für Edek ist es das erste Mal, dass er seit Kriegsende wieder dorthin kommt. Langsam und in mehreren Stationen nähern sich Ruth und Edek dem eigentlichen "Höhepunkt" der Reise, dem Besuch im Vernichtungslager Auschwitz. Es gelingt Lily Brett meisterhaft, die unterschiedlichen Positionen und Umgangsweisen der beiden Hauptfiguren mit der Situation gegenüberzustellen. Darüber hinaus beschreibt sie sehr stimmungsvoll die Atmosphäre, die Gefühle. Packend sind beispielsweise all jene Szenen, die in Lodz bei den Menschen spielen, die in Edeks ehemaligem Haus wohnen und die auf widerwärtigste Weise versuchen, aus Edeks und Ruths Verlusten Kapital zu schlagen. Kein Detail lässt Brett aus, und auf diese Weise gelingt es ihr, diese Reise und alle Gefühle, die sie auslöst, plastisch im Leser entstehen zu lassen. Entgegen die Kritik, die vor kurzem im Spiegel war, empfinde ich das Buch als spannend und sehr empfehlenswert, wenn es auch Schwächen hat. Eine große Schwachstelle sind Ruths "Gespräche" mit dem Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höss, der sich aus dem Jenseits bei ihr meldet. Wenn auch die Gespräche inhaltlich sehr interessant sind, so ist doch die Situation, in der sie stattfinden, viel zu weit hergeholt. Das kann einfach nicht überzeugen. Brett beleuchtet auch fundiert und kenntnisreich verschiedene Aspekte des aktuellen politischen und wirtschaftlichen Umgangs mit der Judenvernichtung, beispielsweise die Zwangsarbeiterentschädigung. Aber in erster Linie ist das Buch ein Roman, und wie ich finde, ein spannender und guter.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Zu viele Männer: Roman 3216305082
Lily Brett
Deuticke
Zu viele Männer: Roman
Alle Produkte
Lily Bretts neuer Roman
Die in New York lebende, 43-jährige Ruth fährt mit ihrem Vater Edek, einem Auschwitz-Überlebenden, nach Polen. Für Edek ist es das erste Mal, dass er seit Kriegsende wieder dorthin kommt. Langsam und in mehreren Stationen nähern sich Ruth und Edek dem eigentlichen "Höhepunkt" der Reise, dem Besuch im Vernichtungslager Auschwitz. Es gelingt Lily Brett meisterhaft, die unterschiedlichen Positionen und Umgangsweisen der beiden Hauptfiguren mit der Situation gegenüberzustellen. Darüber hinaus beschreibt sie sehr stimmungsvoll die Atmosphäre, die Gefühle. Packend sind beispielsweise all jene Szenen, die in Lodz bei den Menschen spielen, die in Edeks ehemaligem Haus wohnen und die auf widerwärtigste Weise versuchen, aus Edeks und Ruths Verlusten Kapital zu schlagen. Kein Detail lässt Brett aus, und auf diese Weise gelingt es ihr, diese Reise und alle Gefühle, die sie auslöst, plastisch im Leser entstehen zu lassen. Entgegen die Kritik, die vor kurzem im Spiegel war, empfinde ich das Buch als spannend und sehr empfehlenswert, wenn es auch Schwächen hat. Eine große Schwachstelle sind Ruths "Gespräche" mit dem Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höss, der sich aus dem Jenseits bei ihr meldet. Wenn auch die Gespräche inhaltlich sehr interessant sind, so ist doch die Situation, in der sie stattfinden, viel zu weit hergeholt. Das kann einfach nicht überzeugen. Brett beleuchtet auch fundiert und kenntnisreich verschiedene Aspekte des aktuellen politischen und wirtschaftlichen Umgangs mit der Judenvernichtung, beispielsweise die Zwangsarbeiterentschädigung. Aber in erster Linie ist das Buch ein Roman, und wie ich finde, ein spannender und guter.
A. Rank "bookcrosser"
15. April 2001
- Insgesamt:
5

|
Details
Ort: Bayern
Top-Rezensenten Rang: 22.520
|