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Kundenrezension

17 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die (moralische) Grundlage von Schulden: Ein notwendiges Buch, 7. Januar 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Debt: The First 5,000 Years (Gebundene Ausgabe)
Die Bedeutung von David Graebers umfassender historischer Analyse der Geschichte der Geld- und Kreditwirtschaft ist kaum zu überschätzen.

Wie Graeber beschreibt, bestimmen Schulden unser Leben - seien es private oder öffentliche Schulden. Das Konzept der Schulden ist dabei unhinterfragt. Wie er am Beispiel einer persönlichen Begegnung mit einer sicher gedanklich sehr beweglichen Aktivistin zeigt, sind wir fast alle der Meinung: Schulden müssen zurückgezahlt werden. Dass dies in unserer Kreditwirtschaft für fast alle Beteiligten ein fataler Gedanke ist, arbeitet er anhand zahlreicher historischer Beispiele heraus. Die Kreditwirtschaft und "Schulden müssen zurückgezahlt werden" führte geradewegs immer wieder in soziale und wirtschaftliche Umbrüche größten Ausmaßes.

Graeber fasst das Schulden-Zurückzahlen-Müssen als eine Form der moralischen Verpflichtung auf. So wie wir andere Verpflichtungen eingehen so gehen wir bei einer Verschuldung auch hier eine Verpflichtung ein. Laut Graeber lautet nun die Frage, wieso die (moralische) Verpflichtung Schulden zurück zu zahlen anscheinend schwerer wiegt als andere moralische Verpflichtungen. Wieso halten wir das (über)vollständige Rückzahlen (im Fall Argentinien war die schließlich bezahlten Schulden dreimal höher als der Schuldbetrag) als die wohlmöglich schlimmeren Folgen (im Fall Argentiniens etwa die Verarmung weiter Teile der Bevölkerung mit den entsprechenden Folgen für Wohlstand, Gesundheit, Kriminalität etc.)?

Diese Frage zu thematisieren und die Geschichte der Schulden zu analysieren ist angesichts der angeblichen "Staatsschuldenkrise" und des "Lebens über unsere Verhältnisse" eine drängende Frage - ein mutiges Buch und ein notwendiges Buch. Hoffentlich wird die deutsche Übersetzung (erscheint Mai 2012) ordentlich.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.06.2013 01:36:58 GMT+02:00
richie92 meint:
Die Argumentation hinkt für den Fall von Staatsschulden gewaltig. Staatsschulden werden doch nicht aus Altruismus oder moralischen Gründen zurückgezahlt, sondern aus bloßem Eigeninteresse. Staaten gehen dann bankrott, wenn sie es über Jahre hinweg nicht geschafft haben, ihre Leistungsbilanz auszugleichen (Beispiel Argentinien). Kommt es nun zu einem Default, werden also die Schulden nicht beglichen, merken sich dies die Anleger natürlich. Sie werden in Zukunft deutlich höhere Zinsen verlangen, was dem argentinischen Staat die Schuldenaufnahme noch schwerer machen wird. Auch so kommt es zur "Verarmung weiter Teile der Bevölkerung mit den entsprechenden Folgen für Wohlstand, Gesundheit, Kriminalität etc.", da der Staat in der Folge Ausgaben kürzen und Einnahmen erhöhen muss.
Kurz gesagt, ein Staat begleicht seine Schulden deshalb, weil er auch in Zukunft weitere Schulden zu günstigen Konditionen aufnehmen möchte, nicht weil es eine moralische Verpflichtung ist.
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