Kundenrezension

16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Majestically!, 9. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Playing The Angel (Audio CD)
Es gab ja im Vorfeld etliche Erklärungsversuche, wie die Platte denn nun klinge. Retro sei das auf jeden Fall, irgendwo angesiedelt zwischen Violator, Songs Of Faith And Devotion und Ultra, mehr Dampf in der Gasse, Düsternis at its best, mehr Melodien und richtige SONGS, Synthies wieder im Vordergrund und so. Und alle haben irgendwie recht, DM besinnen sich auf ihre Stärken und kennen eigentlich nur eine Referenz - sich selbst.
Das beginnt schon beim ersten Song, der wie zum Hohn mit dem dreimaligen Exciter-Fanal von "The Dead Of Night" beginnt und munter vorwärtsstrebt. Der Refrain stampft sich schlagzeugunterlegt ins Ohr und wird an seinem Ende nochmal von der Eingangsfanfare im höchsten Schleudergang ordentlich durchgewalkt. Für mich nicht der Megahit, aber wir wollen ja nicht gleich das ganze Pulver verballern, wie leider auf der Exciter mit "Dream On" gleich zu Beginn geschehen. Soll angeblich die zweite Single werden.
Bei welchen DM-Songs flippen die Massen beim Konzert am meisten aus? Richtig - "Enjoy The Silence", "Never Let Me Down Again", aber vor allem doch bei "Personal Jesus", wenn sich Mister Gahan wie ein Derwisch gebärdet. Hier ist der potentielle Nachfolger in Sachen Stadion-Ekstase: "John The Revelator". Klingt mal wie "Pleasure Little Treasure", o.g. "Personal Jesus" und selbst "Master And Servant" schimmert durch. Toller Mitgröl- und Abhott-Song. Ohrwurm-Potential!
Es gab nicht wenige, die sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnten, als sich Martin Gore verbal herabließ, "zwei oder drei Songs" von Dave eventuell Asyl auf dem Album zu gewähren. Uff, kann man nur sagen, Experiment geglückt: "Suffer Well", der erste der drei Gahan-Songs, ist wohl der eingängigste davon. Ein temporeiches Stück, "Behind The Wheel" mit Speed! Dazu ein Gitarrenriff, wie man es so perfekt nur noch von "Enjoy The Silence" in Erinnerung hat. Und diese Melodie...grandios! Gut gemacht, Dave. *tätschel*
Daß diese Platte wieder in dunklen Farben gemalt werden würde, war nach all den Ankündigungen klar, daß sich aber Massive Attack und Nine Inch Nails, selbst klare Depeche-Mode-Verehrer, ein ideelles Stelldichein bei Kerzenschein und Knochensuppe geben würden, war so nicht zu erwarten. "The Sinner In Me" stichelt sich auf schmalen Dornenpfaden gemächlich ins Hirn. Mit dem Refrain kann ich nicht soviel anfangen, dafür knallt das experimentell schräge Gitarrensolo von Gore mit Trent-Reznor-Verve am Ende voll rein. Die "Gelehrten" werden sich streiten - Lückenfüller oder Reifezeugnis?
Naja, das war zu erwarten: Eine Single zum Verkaufsstart mußte natürlich her. Und dafür eignet sich kein Song besser als "Precious". Trotz der melancholischen Melodie und der herzzereissenden Lyrics (Herr Gore bedauert seine unter dem Scheidungsdrama leidenden Kinder) fast der optimischste Song auf PTA, dessen Grundstimmung noch viel düsterer und aggressiver erscheint. Gute Nummer, im Gesamtdurchlauf der Platte hinterlassen jedoch andere Songs deutlich tiefere Spuren in den Synapsen.
Herr Gore und die Kunst. "Macro" ist so eine Sache. Nettes Songwriting wie meist beim Maddin, aber es pluckert ein wenig zu oft, die Harmonien des langsam treibenden Stückes verschwinden plötzlich in dissonanten Zwischentönen, eine zerrende Gitarre zerschneidet eine Metallwand, die scheppernd zu Boden kracht. Überhaupt kann ich die viel beschworene Reduziertheit, die doch so an Violator erinnern soll, im Gesamtwerk "Playing The Angel" nicht unbedingt erkennen. Wie bei Exciter gluckst und blubbert es auch hier an vielen Stellen, nur mit dem Unterschied, daß es diesmal offenbar die richtigen sind. Kann manchmal verstörend wirken, wie eben auf "Macro".
Da wärn wir schon bei der zweiten Gahan-Probe, "I Want It All". Auch die bestanden, aber nur mit einem "Gut". Sehr ruhiger Träumersong, von dem man noch hofft, daß er wächst und sich entwickelt. Hätte gut auf die "Ultra" gepasst.
Und nun, traraaaaaa, Dave-Song Number 3: "Nothing's Impossible". Schnell das Violator-Cover auf Harddisk gezogen, "Nothing's Impossible" eingereiht, neu gebrannt - jetzt haben wir das ultimative Meisterwerk! Mit verzerrter Stimme und Minimalakkorden taumelt Gahan durch Raum und Zeit. Die Synthies brummen in Moll, die Elektronik-Schnipsel schwirren durch angstgeschwängerte Luft. Knarz-Knarz, Kling-Klang, welch' ein Refrain, abgeschlossen von einem kurz nachgeschobenen, wenig zuversichtlichen "Nothing's impossible". Suizidgefährdeten nicht unbedingt zu empfehlen. Aber hey, genau auf diesen einen einfachen und doch genialen Song haben Millionen DeMo-Fans mindestens seit Ultra gewartet - sie wurden erhört!
Ruhig geht es weiter, das bei DM obligatorische Instrumental "Introspectre" erinnert mich irgendwie an "Christmas Island", wer sich noch entsinnen kann...
Nächster Versuch von Martin Lee Gore: Während "Macro" meiner Meinung nach überhaupt nicht zu ihm paßt, entwickelt er bei "Damaged People" wieder einen seiner klassischen Schrittgeschwindigkeits-Songs, die ihm so auf den Leib geschnitten sind. "Damaged People" könnte auch in eine WG mit "Somebody" oder "A Question Of Lust" ziehen. Also Gore-Fans, Taschenlampen, Feuerzeuge und Domina-Peitsche gezückt!
Einer meiner persönlichen Favoriten beendet die Ruhephase der Platte - "Lillian"! So muß Pop klingen! Dave schwingt das Tanzbein und trimmt den etwas verzerrten Kehlkopf zur Höchstleistung an. Sehr schöne Melodie, zwischendurch ein "Shake-The-Disease"-Seufzer von Martin, Schlagzeug und Synthie treiben den Song an, den New Order auf irgendeiner Kiffer-Toilette verschlampten.
Irgendwann geht die schönste Zeit zuende. "The Darkest Star" spielt den Rausschmeißer und drückt dem Hörer unmißverständlich nochmal aufs Ohr, welche Stimmung er gefälligst mitnehmen soll von diesem Kunstwerk. Windet sich langsam dahin, und noch bevor man so etwas wie Harmonie verspürt, erinnert einen ein klirrender Klavierakkord an die Leiden des Irdischen. Was hätte nur aus der Exciter werden können, gespickt mit solchen Momenten.
Fazit: Was soll ich sagen, ich bin schwer begeistert. Klare Grundstimmung, Synthies reloaded, Gore muß sich keine Gedanken über die Verträglichkeit von Gahans Songwriting mehr machen, schnelle und langsame Nummern stehen sich nicht konträr gegenüber, und im Gegensatz zu Exciter fehlen dieser Platte nicht die Hits (durchaus nicht kommerziell bzw. massenkompatibel gemeint). Klare Kaufempfehlung!
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