Kundenrezension

2 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Überbewertet, 26. März 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: Der Schatten des Windes. Roman (Taschenbuch)
Zum Inhalt:
Als der junge Daniel den geheimnisvollen "Friedhof der vergessenen Bücher" betritt, ahnt er nicht, dass sein Leben eine dramatische Wende nehmen wird. Der Schatten des Windes, das Buch, das er für sich auswählden darf, wird ihn nicht mehr loslassen. Immer mehr taucht Daniel in die faszinierende Handlung des Romans ein, und auch sein eigenes Leben scheint sich den Gesetzen dieser Geschichte zu unterwerfen...

Meine Meinung:
Es fällt mir wirklich nicht leicht, eine Meinung zu diesem Buch zu formulieren und dabei sachlich zu bleiben. Zu Beginn vermochte mich die Geschichte leicht in ihren Bann zu ziehen und ich war interessiert und gespannt, wie sie sich weiterentwickeln wird. Leider entwickelte sich die Story schleppend und langatmig. Viele Nebenstränge und Charaktere werden eingeführt, ohne dass sie eine besondere Bedeutung für die Geschichte an sich hätten, so dass das Ganze sehr überfrachtet wirkte und ich den Eindruck bekam, dass der Autor hier unnötig viel "aufpumpen" musste, damit auch nur ein bisschen Substanz entsteht.

Atmosphärisch fand ich dieses Buch nicht sonderlich. Die Handlung spielt in Barcelona nach dem 2. Weltkrieg, aber sie hätte auch an jedem anderen beliebigen Ort auf diesem Planeten spielen können - das Lokalkolorit hat mir hier eindeutig gefehlt oder wenn es vorhanden war, so dient es eben nur als billige Kulisse (oder soll es wirklich typisch spanisch sein, dass alle Frauen Femmes fatales mit Kurven und Männer brünstige Stiere sind, die nur darauf warten, eine Senorita besteigen zu können? Der Humor hier war ziemlich unterhalb der Gürtellinie und nervte irgendwann nur noch).

Sprachlich gesehen hat Zafón hier eindeutig zu viele Adjektive verwendet, um als elegant und sprachlich gewandt durchgehen zu können. Die Worte triefen geradezu vor Schmalz und Schwülstigkeit. Wer einmal ein paar abgedroschene Phrasen für eine Geburtstagskarte o.ä. sucht, der wird sie hier zahlreich vorfinden. Immer wieder bedient sich Zafón eines ganz billigen literarischen Tricks: das Brechen der Erzählperspektive. So bekommt man als Leser permanent mehrere Seiten an Informationsbrocken vorgeworfen, die mit drei Punkten eingeleitet werden und in denen ein auktorialer und somit allwissender Erzähler für die Handlung wichtige Details offenbart und dabei vorgeht, als würde er eine Liste abarbeiten. Nach dem Motto: erst passierte das, dann sagte XY jenes, worauf XX wiederum das antwortet... Gähnend langweilig und plump noch dazu. Zumal er dadurch die Spannung immer wieder auf einen Nullpunkt fährt und sich die Geschichte im Kreise drehen lässt. Aber hätte Zafón sich nicht dieses Stilmittels bedient, sondern wären diese Erkenntnisse durch Handlungen oder Gedanken von Personen an die Oberfläche getreten, so wäre dieses Buch noch länger geworden. Es fehlt hier eindeutig ein konstanter roter Faden.

Die Charaktere blieben mir während des Lesens völlig gleichgültig, da sie einfach absolut unglaubwürdig sind. Zafón hat hier Charaktere geschaffen, die so dermaßen überzeichnet sind, dass man sie wirklich nicht ernst nehmen kann. Allen voran Daniel. Was bewegte ihn eigentlich dazu, so verbissen wie ein Möchtegerndetektiv nach Carax, dem Autor des Buches Der Schatten des Windes, zu suchen? Seine Motivation war mir nicht immer klar. Schlimmer aber noch ist seine naive und tolpatschige Art, überall hereinzuplatzen und sein Anliegen jedem dirket aufs Brot zu schmieren in der Erwartung, die Menschen sind ja so hilfsbereit und jeder weiß natürlich was über den besagten Autor. Sein Freund Fermin unterstützt ihn dabei und man weiß als Leser manchmal wirklich nicht, wer von den beiden der pubertierende Heranwachsende ist. Fermins Sprüche aus der Mottenkiste sind schwer zu ertragen, so redet kein Mensch. Die Frauen sind natürlich alles Rasseweiber und auch wenn sie blind sind, sind sie geil. Tut mir leid, aber so ist es. Die einzigen Charaktere, denen ich etwas abgewinnen konnte (die aber auch wirklich im Hintergrund stehen) sind Daniels Vater und der Mann vom Friedhof der vergessenen Bücher - die waren angenehm "normal".

Was ich dem Autor aber wirklich übel nehme, ist die Art, wie er uns die Lösung des Falls Carax auftischt: Nach dem Mord an einem der Protagonisten bekommt Daniel von einem Angehörigen ein Mauskript des Ermordeten in die Hand, einen Brief, der an ihn gerichtet ist. Was für ein Glückspilz! Dieser Brief geht von Seite 421 bis 517! Knapp einhundert Seiten also, in denen haargenau die gesamte Geschichte von Carax aufgedröselt wird, und das noch nicht einmal sprachlich sonderlich reizvoll. An dieser Stelle habe ich wirklich oft geflucht. Das kann doch nicht sein, dass uns Zafón damit abspeisen will. Noch dazu ist die Lösung so vorhersehbar gewesen, dass ich nur noch am Kopfschütteln war.

Es kam aber noch unglaublicher: der Showdown in einem verfluchten Haus hat mich lauthals auflachen lassen. An dieser Stelle sei für diejenigen, die es spannend mögen, nichts verraten. Nur so viel: Es ist wirklich ganz schlechtes Kino.

Bei diesem Buch wurde mit Klischees und Kitsch nicht gespart, gepaart mit einer Prise pubertärer Erotik sowie sinnloser Gewalt. Den Erfolg und die Begeisterung für dieses Buch kann ich wahrlich nicht nachvollziehen.
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