Kundenrezension

74 von 93 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen unentschlossen, 9. September 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: The Grey - Unter Wölfen (DVD)
Der Film lief leider nicht in allen Städten im Kino, so daß ich mich lange auf den Film gefreut habe, und ihn gestern dann endlich geliehen habe.

Achtung SPOILERGEFAHR:

Ich hatte von dem Beginn des Filmes eigentlich ein gutes Gefühl. Der Film fängt mit Charakterszenen an, die dem Hauptdarsteller (Ottway) etwas Tiefe verleihen sollen, die Stimmung ist abgeklärt, nüchtern und etwas düster. Ottway ist durch den Verlust seiner Frau so lebendsmüde und abgestumpft geworden, daß er (etwas überraschend für den Zuschauer) sogar einen Suizidansatz wagt, jedoch abbricht. Seinen Job als gemieteter Jäger hingegen, macht er jedoch sehr professionell und zuverlässig.
Zu erwarten ist ein Horrorthriller mit Tieren - in diesem Fall ein Rudel Wölfe, daß in der Regel einen Ablauf im Stil von der "Der weiße Hai" oder ähnlichen Filmen hat. Ich kann vorwegnehmen: im wesentlichen ist das auch hier so. Aber man merkt, daß die Filmemacher hier etwas tiefgründiger und subtiler vorgehen wollten. Zum einen mit der Wahl von Liam Neeson als Hauptdarsteller (man hätte ja auch Jason Statham o.ä. nehmen können), zum anderen sind die Angriffszenen der Wölfe oder Szeneneinstellungen von Leichen o.ä. nicht so offensichtlich, d.h. sehr schnelle Schnitte oder nur Bildausschnitte (eine blutige Hand o.ä.) zu sehen. Also wer auf blutige Splatterfilme steht. wird hier nicht auf seine Kosten kommen.

Ich bin eigentlich immer dafür Filme nicht zu "zerreden". Ein Film sollte als "Film" wahrgenommen werden. Da muß nicht alles realitätsgetreu ablaufen. Das klappt vor allem für Filme, die ohnehin dem Bereich der Fiction entspringen (Comicverfilmungen wie "Avengers", "Hulk" oder "Superman" etc). Bei Filmen aber, wie "The Grey", die so authentisch und realitätsnah sein wollen, fallen Diskrepanzen zur Realität eben eher auf, und stören mich dann irgendwie doch.

Zunächst mal das Positive. Der Film IST immer wieder spannend und vor allen einige Szenen (der Flugzeugabsturz, die Überbrückungder Schlucht etc) sind hervorragen und packend inszeniert. Schön ist auch die Darstellung der einzelnen Charaktere dieser typischen "gestrandeten Gruppe", die jetzt zusammenarbeiten müssen.

ABER das positive des Films wird immer wieder etwas durch unlogische Verhaltensweisen, Anknüpfungsfehler oder Nichtnutzen von "Chancen" gestört. Außerdem stört mich die Dramaturgie des Films.
Eine gewisse Vorhersehbarkeit ist bei solchen Filmen in Ordnung und erhöht sogar die Spannung (man weiß ja schon, daß ein Schwimmer beim weißen Hai angegriffen werden wird..bloß nicht wann). Man könnte sich jetzt schon darüber streiten, ob das Verhalten des Wolfsrudels "wölfisch" ist oder nicht - vermutlich nicht. Aber es sind halt besonders aggressive Wölfe. Das ist ok.
Das Erste, was mich wirklich gestört hat, war die (schwere,fast spritzende) Bißwunde am Oberschenkel von Ottway. Die Überraschung für den Zuschauer war sehr gelungen (Hauptdarsteller ist verletzt!) und man denkt "ok, das wird ihn später im Film bestimmt zu schaffen machen... Tut sie aber nicht !- den ganzen Film lang geht, läuft, rennt und sprintet er mit seinem Verband oberhalb des Knies ohne eine merkliche Einschränkung. Das ist wirklich unnötig. Hätte er keine sichtbare Verletzung nach dem Angriff davongetragen (hatte ja mehrere Schichten Jacken übereinander an)- wäre es gut gewesen.

Die Gruppe wandert nach Süden in ein bewaldetes Gebiet und wird kurz vor Erreichen der Baumgrenze von 2(ggf 3) Wölfen angegriffen, die vom offenen Land aus von hinten auf sie zurennen. Falls irgendjemand, der das hier liest, auch nur einen kniehohen Hund hat, und schon mal versucht hat von ihm wegzurennen, wird bestätigen, daß man keine 12 Meter weit kommt. Also hier hätte es ein Opfer geben müssen.
Dann sind sie in dieser (strategisch äußerst ungünstigen) Talmulde im Wald umzingelt von hörbar-gefühlten 15 Wölfen (die nicht gemeinsam angreifen). Keiner kommt auf die Idee auf einen Baum zu klettern (also ich wäre sofort irgendwo hoch). Dann hat jeder von ihnen ein offenbar scharfes Messer, um sich einen Pfahl anzuspitzen und eine merkwürdige Konstruktion mit Munition zu basteln. Das Messer selbst wird aber weder davor noch später ernsthaft als Waffe eingesetzt. Niemand hat das Bedürfnis (weder beim Flugzeug noch später) sich irgendein Schlag-Gegenstand (ähnlich einem Baseballschläger) zu besorgen, um wenigsten irgendeine Waffe zu haben. Das sind störende Gedanken, die ständig beim Schauen des Films auftauchen...

Weiterhin geografische Anknüpfungsfehler. Die Gruppe (oder später Teile von ihr) wandert nach Süden auf diese Bewaldung zu. Gehen weiter und überqueren mittels eines (aus Kleidung!) geknoteten Seils eine mindestens 8-10 Meter breite und geschätzte 50m tiefe Schlucht um den Wölfen zu entkommen (Gedächtnisprotokoll-Zitat: "Die Wölfe oder die Schlucht.."). Und was passiert auf der anderen Seite ?- sie werden schon von den Wölfen erwartet ! Häh? Können die Wölfe fliegen ?

Das hat mich schon irgendwie genervt. So langsam verliert der Film seine im ersten Drittel gesammelten Bonuspunkte zu verlieren. Jetzt stellt sich langsam auch die Frage : wird der Darsteller "erwartungsgemäß" nach langem Ringen mit den Naturgewalten als Belohnung obsiegen ? (man wünscht es sich ja eigentlich). NEIN er tut es nicht. Wie ein blödes Schaf trottet er natürlich genau auf den Wolfsbau zu. Die davor eingefügte pseudotiefgründige Charakterszene in der er alle gesammelten Geldbeutel der Flugzeugopfer und Kameraden sortiert, aufstapelt und sich mittels der vergilbten Portemonaefotos und einem Reim aus Kindertagen Mut und Motivation zuspricht, entschädigt leider nicht für den schnöden Abgang mittels (vorhersehbar negativen) "open ends" des Films.

Fazit: Also der Film konnte leider nicht die Erwartungen erfüllen. Er scheitert irgendwie an dem Versuch anders sein zu wollen. Manchmal reicht einfach ein "weißer Hai" mit klassischem Ablauf. Der Zuseher will eigentlich, daß der Held gewinnt. Nicht, daß er scheitert. Es darf auch ruhig etwas unrealistisch zugehen- aber dann richtig. Das Problem bei dem Film ist, daß er sich nicht ganz entscheiden will. Es wirkt alles wäre der Film in verschiedenen Versionen gedreht worden und man hätte ihn im Schnitt falsch zusammengesetzt- denn irgendwas an der Dramaturgie stört. Der Film mit diesem (negativen) Ende wäre rund gewesen, wenn der(ohnehin psychisch gebrochene) Hauptdarsteller von Anfang an mit dem verletzten Bein Probleme gehabt hätte-oder zumindest im Lauf der Verfolgung bekommen hätte. Er hätte sich dann immer schwerer angeschlagen für die ganze Gruppe aufgerieben bis es einfach nicht mehr ging und hätte dann mit diesem Opfer für die Gruppe einen letzten Sinn im Leben gefunden. Das wäre glaubwürdiger und zufriedenstellender. Vielleicht war es auch so gemeint - konnte aber nicht überzeugend transportiert werden.
Aber so habe wir einen Hauptdarsteller, der gerade eigentlich eben noch einen Selbstmordversuch abgebrochen hat, plötzlich im Angesicht des Todes nach dem Absturz wieder scheinbar zu voller psychischer und physischer Form aufläuft. Sich dann ziemlich unbeeinträchtigt durch die Natur schlägt, um dann irgendwie am Ende doch zu "versagen". Das enttäuscht irgendwie ziemlich.
Schade.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-10 von 13 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.09.2012 03:47:13 GMT+02:00
A. Endres meint:
Mir ging es mit dem Film ähnlich, ich fragte mich auch unetwegt, warum sich niemand eine Waffe bastelt oder warum sich nicht auf die Bäume klettern. Genauso, warum der Humpelnde, der freiwillig zurück blieb, sich keinen Stock zum Gehen besorgte. Also es gab in der Tat einige merkwürdige, nicht ganz nachvollziehbare Handlungen, aber dennoch fand ich den Film recht unterhaltsam, da er auch einige sehr starke Momente bot. Das mit den gestapelten Portmonaes wirkt auf mich übrigens eher, als wolle er an dieser Stelle aufgeben, da ihn die Kraft verließ. Der Reim kam ja dann auch später zum Einsatz, und zwar, als er erkannte, wo er da war.
Was ich aber eigentlich hier im Kommentar nur erwähnen wollte ist, dass nach dem Abspann noch eine Szene kam, welche ein wenig mehr von dem Preis gab, wie es aus ging ;)
Anmerken möchte ich noch, dass in dieser Rezension recht viel gespoilert wird, worüber ich mich doch sehr geärgert hätte, hätte ich den Film nicht im Vorfeld gesehen.

Veröffentlicht am 19.09.2012 21:42:45 GMT+02:00
Zeitgeist meint:
Du hast wohl die "versteckte Szene", die nach dem Abspann kommt, nicht gesehen. ;)

Veröffentlicht am 22.09.2012 09:06:28 GMT+02:00
Wojos meint:
Auch ohne diese Massen an SPOILER, hätte ich geglaubt, dass du den Film gesehen hast :-(

Veröffentlicht am 22.09.2012 23:34:48 GMT+02:00
gutN8 meint:
Ich habe mich auch über die vielen unlogischen Handlungsfehler geärgert.

Veröffentlicht am 02.10.2012 18:14:45 GMT+02:00
Carsten meint:
Danke für diese gute Rezession. Werde mir deswegen diesen Film erstmal nur ausleihen. Das verstehe ich unter einer Rezession.

Veröffentlicht am 23.10.2012 22:34:33 GMT+02:00
M. Nieder meint:
Ich hätte es nicht so differenziert darstellen können aber diese Rezension trifft es ganz genau.

Veröffentlicht am 13.12.2012 22:17:07 GMT+01:00
fenrir51 meint:
Top Rezenssion, spricht mir aus der Seele. Über die vielen, teils bitteren Logikfehler hätte ich noch wegsehen können, aber das Ende ist dann einfach zu unbefriedigend!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.12.2012 09:00:44 GMT+01:00
Hey du,

vielen Dank für diesen Denkanstoß :) Ich hab das Ende daraufhin nochmal geguckt und diese versteckte Szene gefunden. Doch kann ich mir darauf wenig Reim machen. Hast du Ideen wie man das interpretieren kann?

Veröffentlicht am 05.03.2013 21:05:08 GMT+01:00
Dom meint:
Nach dem Abspann folgt noch eine Szene, die sollte man evtl. sehen ;)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.04.2013 16:21:42 GMT+02:00
Dieter Jenny meint:
Er ist jetzt der neue Rudelmeister... hahahaaaahhh. Nein, kann mir auch kein Reim machen. Der Regisseur hat wohl gedacht, das ist cool... ;P
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