Kundenrezension

23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DAS ist wieder QUEENSRŸCHE!!!, 21. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: Queensryche (Limited Mediabook Edition) (Audio CD)
Nachdem Geoff Tate mit seiner Version von Queensrÿche im März auf ganzer Linie enttäuschte, waren meine Erwartungen an die musikalische Antwort der drei verbliebenen Gründungsmitglieder Michael Wilton (Gitarre), Eddie Jackson (Bass) und Scott Rockenfield (Drums) noch durchwachsener als zuvor.

Und um es gleich vorwegzunehmen: Ja, es handelt sich hier um ein echtes Queensrÿche-Album, weswegen ich die Tate-Version künftig nur noch "Taterÿche" nennen mag, um Text zu sparen. ;)

Verstärkt hatte man sich bereits Mitte vergangenen Jahres mit dem deutlich jüngeren Sänger Todd La Torre, der seinem Vorgänger Geoff Tate zum Gruseln ähnlich klingt. Letzterer kümmerte sich um sein Solo-Album "Kings & Thieves", das im vergangenen November veröffentlicht wurde, und so beschlossen die übrigen Bandmitglieder, ebenfalls ein bisschen Geld zu verdienen und spielten - als Nebenprojekt unter dem Namen "Rising West", einer Textstelle des Erstlings "The Warning" - ein paar Shows mit La Torre, bei der die Band ausschließlich klassische Queensrÿche-Songs der 1980er Jahre auf der Setliste hatten. Auch Mike Stone-Nachfolger Parker Lundgren, seit 2009 an Bord, gehört zum aktuellen Line-up. Im Gegensatz zu Taterÿche also eine eingespielte Kapelle mit festen Wurzeln.

Und so klingt das Album dann auch. Auf geht's in die Einzelkritik:

Das Album startet mit einem einminütigen Intro, das QR-typisch heruntergepitchte Stimmen in einen crescendierenden Rhythmus mit orchestralen Bläsersätzen loslegt, bevor es dann mit "Where Dreams Go to Die" richtig losgeht. Im Shuffle baut die Band ihre musikalischen Themen auf, bevor es dann im akustisch gerägten Mid-Tempo in die erste Strophe geht. Todd La Torre imitiert seinen Vorgänger dabei derart genau, dass man meint, Geoff Tate stünde tatsächlich noch am Mikrofon, und die ganze Farce ist nur ein übler Aprilscherz an die Fans. Angereichert ist der abwechlungsreiche Opener mit QR-typischen zweistimmigen Gitarrenläufen. Eine ganz klare Reminiszenz an das Frühwerk der Band. Hammer!

Weiter geht's mit "Spore", das ebenfalls im 6/8-Takt loslegt. Ein rauhes Riff, aufgefüllt mit tollen Gitarrenharmonien, Edbass' genialem Spiel und Rockenfields differenzierten Drums. Eine weitere Ohrenweide mit Power ohne Ende! Man leistet sich Atonalitäten wie selbstverständlich, ohne dass es störend klingen würde. Der Geist Chris DeGarmos ist allgegenwärtig in diesem Track.

"In This Light" ist wieder eine schöne Mid-Tempo-Nummer mit genretypischen Tritonussubstitutionen. Vor allem die treibenden Drums und die eingängige Gesangsmelodie bringen den Song toll nach vorne. Dieser Song hat echtes Hitpotenzial. Würde mich nicht wundern, wenn diese Nummer als Single ausgekoppelt würde (falls sich das neue Label sowas leisten kann und will).

Direkt im Anschluss folgt der offizielle Teaser-Song "Redemption", der den alten Queensrÿche-Sound etwas moderner aufstellt. Gerade das eröffnende zweistimmige Gitarrenspiel lässt Altfans der Band in Verzückung geraten. Der Refrain hingegen ist Mainstream Marke "Empire" und fügt sich bestens in die Komposition ein. Schön auch, wie sich der Refrain am Ende in einer kleinen Variation auflöst, bevor es mit dem Hauptriff endet. Kurzweiliger kann man einen Song über vier Minuten kaum arrangieren.

Mit "Vindication" folgt ein weiteres Pfund auf die Ohren. "Anstrengend" wie "The One and Only" vom Erfolgsalbum "Empire". Mir persönlich gefällt die Nummer nicht ganz so gut wie die meisten anderen, da sie mir etwas zu überladen ist, aber trotzdem geht der Song als solider Track durch, der immerhin einen eingängigen Refrain bietet mit einem sich oktavisch doppelnden La Torre.

Track 7 ist wieder ein musikalisches Intermezzo von kanpp einer Minute Dauer mit dem Titel "Midnight Lullaby". Hier erklingen fledermausähnliche Geräusche zur Ennio-Morricone-Gedächtnis-Harp und einlullenden Glockenklängen, die in das Sabbath-eske "A World Without" überleiten. Ein langsamer Track in "Promised Land"-Manier mit opulenten Synthie-Streichern, der den geneigten Hörer an bessere Zeiten erinnert.

"Don't Look Back" dreht dann wieder mächtig auf. Powerrock vom Feinsten mit bestens aufgelegten Musikern und einem alte Bandbreiten abdeckenden Todd La Torre, zweistimmiges Solo inklusive. Kurz und dreckig auf's Maul. Einfach toll!

Bei "Fallout" geht es wieder in die Vergangenheit, wenn auch keine drei Minuten lang. Hier sei mal angemerkt, dass Queensrÿche nicht den erwarteten Fehler machen, jeden Song opulent zu arrangieren.

Mit dem finalen "Open Road" (wohl nicht zufällig ein Namensvetter des 1986er Klassikers "Road to Madness") endet die Scheibe dann schon nach nur 35 Minuten. Die relativ kurze Gesamtlaufzeit ist dann auch schon der einzige Schwachpunkt dieses Albums.

Fazit: Queensrÿche liefern mit dem selbstbetitelten Album und neuem Sänger ein Album ab, das als eines der Besten angesehen werden kann nach der Ära Chris DeGarmo. Ich bin persönlich sehr überrascht über die Selbstverständlichkeit, mit der die Band ihren ureigenen Stil wiederbelebt hat, ohne dabei "retro" zu klingen. Man kann nur erahnen, wie sehr sich die verbliebenen Bandmitglieder nach dem Rauswurf von Geoff Tate nach ihren Wurzeln zurückgesehnt haben, die seit Kelly Gray und Mike Stone immer mehr in Vergessenheit geraten sind.

Mit diesem Album knüpfen Queensrÿche nahtlos an ihre erfolgreichen Zeiten an, auch wenn mir persönlich weniger erfolgreiche Alben wie "Promised Land" und "Hear in the Now Frontier" ebenfalls sehr gut gefallen haben. Hier liefern die Jungs jedenfalls eine Reminiszenz der Jahre 1982 bis 1990 ab - und das im aktuellen Outfit mit frischen Sounds und perfekter Produktion durch Altmeister James "Jimbo" Barton, der bereits bei "Promised Land" knapp zwanzig Jahre zuvor mitmischen durfte.

Noch eine persönliche Anmerkung: Ich gehöre nicht zu den Leuten, die emotional für eine der beiden existierenden Versionen der Band Partei ergreifen müssen. Was die Jungs auch für Probleme miteinander haben mögen, mich interessiert das nicht und geht mich auch nix an. Ich will einfach gute Musik einer meiner Lieblingsbands hören. Doch nach vielen enttäuschenden Releases in der Vergangenheit komme ich zu der Erkenntnis, dass ein Queensrÿche in der hier spielenden Besetzung wieder das ist, was ich unter diesem Namen kenne und hören will. Die drei Live-Aufnahmen "Queen of the Reich" von der 1983er EP sowie "En-Force" und "Prophecy" auf der Bonus-CD sind schmückendes Beiwerk der Limited Edition.

Und auch wenn ich die im März erschienene "Frequency Unknown" vor allem produktionstechnisch als Totalausfall bezeichne, hat nicht damit zu tun, dass ich dieses Album hier nun im Überschwang beurteile. Nein, dieses kürzeste Queensrÿche-Album aller Zeiten ist für mich ein wahres Highlight und musikalisch das Beste, was ich unter dem Etikett seit 1997 gehört habe. Traurig, aber wahr. Und ich fühl mich verdammt wohl dabei!

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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.06.2013 13:37:55 GMT+02:00
Bruce Wayne meint:
Tolle Rezension mit dem gelungenen Versuch Neutralität zu bewahren. Das gefällt mir!

Veröffentlicht am 21.06.2013 20:00:25 GMT+02:00
M. Stephan meint:
Sehr gute Rezension, aber mal was anderes: Habe die Scheibe gerade mit Kopfhörer gehört, der Sound klingt stellenweise echt nicht gut (übersteuert, knarzend), vielleicht nicht ganz so arg wie auf Metallica's Death Magnetic (übles Loudness War-Opfer damals), aber irgendwie nicht wirklich "rund" und gut produziert das Ganze.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.06.2013 21:36:14 GMT+02:00
PureNarcotic meint:
Hallo, ich habe auch an vielen Stellen digitales Clipping bemerkt, es in meiner Rezension aber bewusst nicht erwähnt. Das ist heutzutage leider, leider viel zu häufig der Fall und wird von vielen Mixing/Mastering Engineers bewusst für eine erhöhte Lautheit in Kauf genommen. Um es mit Worten der von Dir erwähnten Metallica zu sagen: Sad but true!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 19:25:52 GMT+02:00
Vielen Dank! Ich hätte mir auch gewünscht, zwei gute Queensryche-Alben hören zu dürfen, aber leider gab es nur diese eine ... ;(

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.06.2013 19:27:46 GMT+02:00
Ja, man hört tatsächlich digitales Clipping, aber das wird als Stilmittel, gerade im Hard'n Heavy-Bereich mittlerweile gern genutzt, wie es auch Matthias Preisinger in seinem Beitrag richtitg festgestellt hat.

Und Danke für das Lob! :)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.06.2013 12:19:06 GMT+02:00
Thomas Schopf meint:
Ja, vor allem bei Redemption ist mir das negativ aufgefallen. Schade, das beeinträchtigt den Hörgenuss am iPod leider enorm.

Veröffentlicht am 13.08.2013 16:54:10 GMT+02:00
TaxMetal meint:
Meine Hochachtung- klasse Kritik, der ich voll und ganz zustimmen kann ! Das Beste seit Empire und Promised Land. Eine echte Überraschung. Das Album wächst bei jedem Durchgang !
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Ort: Düsseldorf

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