Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Ganz groß!, 30. August 2009
Rezension bezieht sich auf: The Light/Spec.ed. (Audio CD)
Nachdem der Prog nach den Meinungen und Aussagen der meisten damals zeitgenössischen Prog-Fans seit Anfang der 80er Jahre ausgestorben ist kommt hier eine völlig neue und unbekannte Formation namens Spock's Beard daher, die einem genau das Gegenteil beweist.
Spock's Beard bestanden damals aus einem unglaublich guten, groovenden Schlagzeuger namens Nick D'Virgilio, einem Bassisten Dave Meros, der zwar unscheinbar wirkt, aber doch unentbehrlich ist, einem unersetzbaren Gitarristen namens Alan Morse, der einen derart eigenen und seltsamen Stil hat, dass ihn wohl so schnell keiner nachmacht, und seinem Bruder Neal, der sich hier als genialer Mastermind herausstellt und nebenbei auch noch Keyboard, Gitarre spielt und singt.

Die Musik auf The Light setzt sich aus einigen Qualitäten zusammen, die man in den 70ern bei vielen Progbands auch schon hatte. Auch Einflüsse von denselbigen findet man hier massig. Es fängt schon an mit der an King Crimsons 21st Century Shizoid Man erinnernde verzerrte Stimme von Neal Morse. Weiter gehts auch mit dem relativ rockigen Mittelteil von Go The Way You Go, der sehr nach Rush klingt und dem Yes-artigen groovenden Bass gleich danach. Es gibt auch ein Paar Übergänge auf dem Album, die mich ganz stark an Selling England By The Pound erinnern. Pink Floyds The Great Gig In The Sky lässt grüßen bei den Frauenstimmen von A Thief In The Night. Und der Yes'sche Satzgesang darf natürlich auch nicht fehlen.
Und alles zusammen ergibt natürlich noch lange nicht ein gutes Album. Nein. Es wurden neue Sachen eingebracht, eigene Sachen. Neal Morse brauchte in seiner Karriere keine großen Anläufe und Versuche, um seinen eigenen Stil zu finden - den hat er seit dem ersten Riff von The Light bis heute nicht verändert. Und dieser Stil trifft auch bis heute auf große Beliebtheit.
Mit Nick D'Virgilio, Alan Morse und Dave Meros (und später auch Ryo Okumoto) schart Neal Morse ein Bande gradioser Musiker um sich, die das Album zum Leben bringen mit ihrer jeweils einizigartigen Spielweise und teilweise auch mit ihren unglaublich guten Stimmen. Nick D'Virgilio hat einfach die Gabe, ohne großes Drumrum Dinge zu spielen, die immer zur Musik passen. Alan Morse bringt teilweise Sounds und Melodiebögen aus seinem Instrument in die Musik, wo einem einfach nur der Mund aufklappt. Und Dave Meros ist der große Stein wo alles und jeder draufsteht und der die ganze Sache möglich macht.

Doch zwischen all den Loben muss es ja hier auch noch einen Kritikpunkt geben. Einen wirklich entscheidenden Kritikpunkt. Und zwar fehlt es dem gesamten Album an einer gewissen Professionalität, die ich bei keinem der späteren Alben vermisst habe. Es geht mir um einige Übergänge, Sounds o.Ä.. Mich stört beispielsweise extrem der Übergang vom The Light-Grundthema in den 'The Dream'-Ausklang. Die Gitarre verstummt zu schnell und das ganze ändert einfach zu schnell seine Stimmung. Auch habe ich etwas auszusetzen an dem Übergang von Go The Way You Go bei ca. drei Minuten wo es in den Gesangspart geht.
Das sind alles solche Kleinigkeiten, die stören - für die aber keiner der Musiker auch nur im Geringsten etwas kann. Es liegt viel mehr an der miserablen Produktion und den schlechten Sound, der dem Hörer neben der eigentlich grandiosen Musik geboten wird. Nick D'Virgilios Snare klingt ausdruckslos und geht unter dem Mischmasch unter. Dave Meros' eigentlich dominierende Anschlagstechnik hört man auch nicht. Und vom Gesamtsound des ganzen will ich eigentlich garnicht anfangen.
Aber mal ganz ehrlich: Dafür, dass dieses Album Gerüchten zufolge in Neal Morses Wohnzimmer aufgenommen wurde, gehts doch eigentlich noch. Und deshalb kann ich über diesen Punkt gut und gerne auch mal hinwegblicken.

Fazit:
Ich hab einige Zeit gebraucht, um in The Light reinzukommen. Denn es handelt sich hier wirklich um ein eigenwilliges, komplexes, manchmal auch unangenehmes und schwieriges Album, das wohl nicht jedem zusagen wird. Aber für Progfans: Auf jedenfall zu empfehlen. Es mag wirklich sein, dass manche Leute bei dem F**K YOU!-Teil die Augenbrauen hochziehen. Aber bitte nicht danach urteilen! Trotz aller Kritikpunkte handelt es sich hier um ein geniales Album.

Friedrich Stenzel, 16
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