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45 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das definitive Buch zum Ersten Weltkrieg und Ö-U Zerfall, 28. November 2013
Von 
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der Erste Weltkrieg: und das Ende der Habsburgermonarchie 1914-1918 (Gebundene Ausgabe)
Vor zwei Jahrzehnten las ich den "Vorläufer" dieses Buches von Manfried Rauchensteiner ("Der Tod des Doppeladlers") und war beeindruckt davon, dass darin nicht nur die Feldzüge und Schlachten, sondern auch die diplomatischen und politischen Zusammenhänge ausführlich verarbeitet wurden.

Dieses neue Buch des Militärhistorikers ist nicht eine durch intensive weitere Quellenforschungen und zwischenzeitlich verfügbare Literatur seit damals erweiterte Auflage, sondern ein grundsätzlich neu verfasstes Werk über den Ersten Weltkrieg. So umfassend wie nirgend in einem anderen Buch, einem Opus Magnum, werden neben den kriegerischen Ereignissen und dem völligen Versagen der abgehobenen - oder indolent-bis inkompetenten? - militärischen Führungen die diplomatischen, ansonst selten beachteten humanitären wie wirtschatlichen Kontexte eingebunden.

Man wird bei den verlorenen Schlachten an das Wort eines deutschen (?) Generals erinnert, der nach dem Krieg sarkastisch sagte, die österreichisch-ungarischen Soldaten hätten wie Löwen gekämpft, wären aber von Eseln geführt worden. (Der k.u.k. Generalstabchef General Franz Conrad von Hötzendorf schrieb während der mörderischen Abwehrschlachten in den Karpaten im Spätherbst 1914 nächtelang glühende Liebesbriefe an eine verheiratete Frau um diese zur Scheidung von ihrem Mann zu motivieren, enthüllte der US-amerikanische Historiker Lawrence Soundhouse).

Schlüssig führt der Autor den Beweis, dass Kaiser Franz Josef I. nach dem Thronfolger-Mord in Sarajewo die Abrechnung mit Serbien, die sich dann durch die von der Diplomatie und Politik völlig unterschätzte Bündnisautomatik zum Großen Krieg auswuchs, gezielt gewollt hatte. Dass Österreich-Ungarn, schon seit 1868 nur mehr ein Staatenbund (!) auf diesen Krieg weder militärisch ("Manövergeneralität"), diplomatisch noch wirtschaftlich vorbereitet, geschweige denn gerüstet war, ist beklemmend ebenso zu lesen, wie sich die "innere Kündigung" der Monarchie durch den Ur- und Hochadel an dessen demonstrativer Zurückhaltung nicht nur bei der Zeichnung bei den Kriegsanleihen nachweisen läßt. Entgegen vieler Legendenbildungen war Österreich-Ungarn aus eigener Unfähigkeit im innenpolitisch Organisatorischen nicht weniger als Militärischen schon 1915 auf die Hilfe des Deutschen Reiches, angewiesen. Es musste sich deshalb an Berlin schon ausliefern um nicht zusammen zu brechen noch bevor es am Vorarbend des Todes von Franz Josef 1916 zur deutsch dominierten Obersten Kriegsleitung kam.

Das Buch schließt im Jahre 1918 und dem Auflösungsprozess der k.u.k Armee sowie der Abspaltung der neuen Nachfolgestaaten. Fassungslos liest man von den nur gutwillig als "bizarr" zu qualifizierenden Manövern von Kaiser Karl sich als ö.-u. oberster Armeekommandant - zu dem er sich 1917 der kaum 30-jährige ernannt hatte - um die Verantwortung zur Unterzeichnung des Waffenstillstandes mit Italien zu drücken und Militärs dafür vorzuschieben.

Die heute zum Teil nostalgisch glorifizierte österreich-ungarische Monarchie der Habsburger war lange vor dem Ersten Weltkrieg zusammen mit dem Osmanischen Reich auf dem absteigenden Ast der europäischen Mächtekonstellation. Nach der Lektüre dieses Buches weiß man als Leser auch warum.
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