Kundenrezension

45 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Gar nicht so einfach..., 4. November 2011
Rezension bezieht sich auf: Anständig essen: Ein Selbstversuch (Gebundene Ausgabe)
Anständig essen, das ist gar nicht so einfach. Karen Duve macht den Selbstversuch.
Vom normalen Allesfresser und Cola Light Junkie wird sie zunächst zur "Ökotante" und kauft nur noch in Bioläden ein, dann wird sie zur Vegetarierin, danach zur Veganerin und schließlich sogar zur Frutarierin. Über ihre Erlebnisse und ihre Erkenntnisse führt sie Buch. Schon länger stand dieses Werk in meinem Bücherregal und jetzt wurde es endlich Zeit.

Sehr viel Neues habe ich nicht unbedingt erfahren, da ich mich mit dem Thema schon öfters auseinander gesetzt habe, trotzdem habe ich es am Anfang gern gelesen und zum Thema Milch gab es dann doch so einige "Aha" Momente. Duve schreibt locker und amüsant, das Lesen geht schnell, ich mag ihren trockenen Humor. Sie nimmt bezüglich der Grausamkeiten, die wir den Tieren in der Massentierhaltung antun, auch kein Blatt vor den Mund. Schonungslos berichtet sie über die Zustände in den Ställen, missglückte Schlachtungen und dass "Bio" auch nicht immer das Gelbe vom Ei ist. Dabei kämpft sie am Anfang ganz menschlich gegen ihre trotzdem vorhandenen Sehnsüchte nach Steaks, gutem Käse und Grillhähnchen, obwohl sie weiß, was für Quälereien z.B. hinter dem 2,99 EUR Huhn im Supermarkt stecken und dass die Milch für den Käse ganz sicher nicht von glücklichen Kühen kommt.

Das alles macht sie erstmal sehr sympathisch und ihre Worte gehen zu Herzen. Die Fakten, die sie aufzählt, sind auch nicht zu leugnen und als denkender und mitfühlender Mensch nimmt einen die Gleichgültigkeit, mit der wir alles in uns hineinstopfen, doch ziemlich mit.

Mit der Zeit wird Duve jedoch immer besserwisserischer und manchmal sogar regelrecht unausstehlich. Es ist eine Sache, für sich selbst z.B. den veganen Lebensstil zu entdecken, es ist eine andere bei jedem Familienessen und bei jeder Party das Gespräch an sich zu reissen und jedem im Raum ungefragt zu erzählen, welches Tierleid er da gerade isst, wenn er in eine Grillwurst beisst. Auch wenn ich ihre Einstellungen zu großen Teilen nachvollziehen kann, auf meine Parties würde sie so schnell nicht mehr eingeladen werden. Es gibt Kapitel im Buch, da ist die Autorin so sehr von sich selbst eingenommen und schwelgt in ihrem "Gutmenschentum", dass es mich regelrecht abgestossen hat. Da wäre weniger mehr.

Und dann gibt es Sachen, in denen sie einfach völlig übertreibt. Ihre Katzen mit veganem Tierfutter zu quälen, geht in meinen Augen gar nicht. Katzen waren schon immer Fleischfresser, das ist ihre Natur und nicht ihr Luxus. In ihrer Frutarierphase verbietet sie ihrer Freundin auch noch das Mähen des Rasens, weil es die Halme verletzt oder das Stutzen eines Busches, weil es Körperverletzung sei....

Als das Experiment vorbei und die letzte Phase (Frutarier) abgeschlossen ist, zieht sie Bilanz. Mit dem jetzigen Wissen kann sie nicht in ihr altes Leben zurückkehren und muss Kompromisse schliessen, denn ihren hoch moralischen Lebensstil, mit dem sie sich zeitweise im Buch so sehr gebrüstet hat, kann sie auf Dauer doch nicht durchhalten. Und mit dieser Ehrlichkeit holt sie sich zum Schluss wieder runter von dem hohen Ross, auf dem sie zeitweise sass. Sie beschliesst: Kaum Fleisch, wenig Milchprodukte, keine Eier aus dem Supermarkt, einkaufen wenn möglich im Bio- und Veganladen, aber gerne mal ein Stück Schokolade und auch Sahne im Essen ihres Lieblingsinders. Kein Leder und keine Daunen, aber alte Wollpullover werden aufgetragen. Sie macht das, was sie kann und nicht das, was sie eigentlich sollte und doch macht sie so viel mehr als der Rest von uns.

Ich bewundere Duve für ihren Durchhaltevermögen, spätestens beim veganen Essen hätte es bei mir einige "Sünden" gegeben, vom Frutarier Stil ganz abgesehen.
Ich mag ihre Ehrlichkeit - gerade zum Schluss des Buches. Aber mehr als 3 Sterne kann ich leider nicht geben, weil ihre moralinsauern Phasen mir zeitweise das Lesen echt verdorben haben. Ohne den erhobenen Zeigefinger, mit simplen Fakten, wäre bei mir mehr angekommen.
Trotzdem Hut ab vor diesem Selbstversuch und Hut ab für die Konsequenzen, die Duve daraus zieht.

"Freiheit bedeutet nicht nur zu tun, was man will, sondern auch zu wissen, was man tut, Überzeugungen zu haben und danach zu handeln, sonst bleibt nur Bewusstlosigkeit. Eine Zustand in dem wir uns über Nichtigkeiten empören und in aller Ruhe Dinge hinnehmen, die entsetzlich sind." - wenn das jeder beherzigen würde, wäre die Menschheit schon einen gehörigen Schritt weiter. Trotz der 3 Sterne, lesenswert!
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.08.2012 12:26:31 GMT+02:00
Adri meint:
Ein selten guter Verriss, mein Kompliment an den Rezensent! Sachlich, geht auf die positiven Aspekte der Autorin ein, kritisiert aber wo nötig und vor allem, die Autorin selbst wird nicht als Mensch angegriffen, wie in so manch anderen Rezensionen. Wenn es nur mehr sollche Rezensenten gebe!

Liebe Grüße
Adri

Veröffentlicht am 31.01.2013 00:46:17 GMT+01:00
Alles in allem eine Rezension die auch meine Meinung wiederspiegelt. Nur hätte ich noch einen Stern mehr vergeben, weil ich ihr auch ihren erhobenen Zeigefinger wie beispielsweise auf der Grillparty verzeihe. Ich denke sie wollte damit versuchen die verschiedenen Extremsituationen die mit einer veganen Lebensweise zusammenhängen auszuloten. Klar, es ist nicht ganz fair von heut auf morgen andere zu verurteilen obwohl man normalerweise auch ein Steak auf dem Teller liegen hätte, aber sie wollte wohl herausfinden wieviel Überwindung es kostet in wirklich unangenehmen Situationen zur eigenen Überzeugung zu stehen. Dass sie nicht wirklich so streng ist, stellt sich ja an vielen Stellen und letztlich ihrem Fazit heraus.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2014 21:19:57 GMT+02:00
100% meine Meinung. Wie Sie richtig schreiben, man muss schon auseinanderhalten zwischen dem, was der Mensch essen sollte (weil er eben kein Fleischesser war und sein sollte, unser Vedauungssystem ist da ganz klar nicht auf Fleisch ausgerichtet!) und was Tiere, die nun wirklich als Fleischesser erschaffen worden sind, weil sie eben im Gegensatz zu uns ein entsprechendes Veauungssystem besitzen. Und zu guter letzt: "bei allem, nicht nur im Fall des Veganertums, sollte man seine Umgebung nicht mit seinen Ansichten nerven, denn man erreicht genau das Gegenteil, nämlich Protest und das Stigma, verrückt zu sein. Falls mich jemand fragt, warum ich das und das nicht esse, erkläre ich ihm das ohne Zeigefinger, sondern so, weil ich es für mich als gut und als erfolgreich empfinde.
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