135 von 136 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein altes Juwel in neuem Glanz,
3. Oktober 2011
= Spaßfaktor:
Rezension bezieht sich auf: The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D (Videospiel)
Zuerst einmal ist es sicher angebracht, etwas zum Hintergrund des Spiels zu erzählen. Daher eine kurze Einleitung: bei Ocarina of Time handelt es sich ursprünglich um ein N64 Spiel aus dem Jahre 1998. Es wird seither sowohl von vielen Kritikern als auch Spielern als eines der besten, wenn nicht DAS beste Spiel überhaupt angepriesen. Dem mag man zustimmen oder nicht, aber Fakt ist, dass OoT seinerzeit Maßstäbe gesetzt und das Genre geformt hat. Somit hat es sich den Titel eines Meilensteins zu Recht verdient!
Es wurde bereits mehrfach für den Gamecube portiert, wo es sowohl auf einer Bonus Disc der limitierten Zelda: Wind Waker Edition, als auch auf einer nur über Club Nintendo erhältlichen Collector's Edition Disc erschien. Seit 2007 ist es zudem auch über die Virtual Console der Wii erwerbbar.
Nun stellt sich für einige sicher die Frage: Lohnt es sich dann überhaupt noch, sich die 3DS Version zuzulegen? Meine Antwort lautet: ja, denn dies ist das erste Remake im eigentlichen Sinne, während die vorherigen Versionen quasi direkt übernommen wurden.
Bevor ich nun auf die Unterschiede zum Original eingehe, möchte ich für die OoT-Neulinge ein paar Worte über die Story verlieren:
Ihr schlüpft in die Rolle des Jungen Link, der bisher ein recht friedliches Leben im Walddörfchen Kokiri führt - bis er eines Tages von Albträumen geplagt und im Auftrag des heiligen Deku-Baums von der Fee Navi aufgesucht wird.
Seit jenem Tag überschlagen sich die Ereignisse: der Deku-Baum wird verflucht und Monster suchen das Land heim, was auf die Übeltaten eines Mannes namens Ganondorf zurückzuführen ist. Diesen gilt es nun zu stoppen...
Ein Unterfangen, welches sich - will man dabei auch wirklich alles erforschen - gut und gerne 40-50Std hinziehen kann.
Was für mich neben der Story am wichtigsten für ein tolles Spielerlebnis ist, ist natürlich die Spielmechanik an sich, also quasi die "Art, das Spiel zu spielen".
Als typisches Action-Adventure zeichnet sich Zelda durch bestimmte Faktoren aus:
Die Erkundung einer großen Welt ist ein wichtiger Part. Nicht selten muss man wirklich Köpfchen benutzen, um voranzukommen; dazu gehört das Einsetzen diverser Gegenstände am richtigen Ort und zur richtigen Zeit. Ebenfalls zentraler Punkt ist die Interaktion mit NPCs (=non-player-character), die mit Nonsense oder reinem Hintergrundwissen zum Zelda-Universum bis hin zu wichtigen Informationen oder sogar notwendigen Gegenständen aufwarten. Dabei ist man nicht darauf beschränkt, ununterbrochen der Story zu folgen bis sie zuende ist, sondern wird sich in vielen Nebenquests wiederfinden, für die man mit nicht nötigen, jedoch hilfreichen Dingen wie erweiterter Energie belohnt wird. Spezielles Element an Ocarina of Time ist, wie der Name bereits verrät, die Okarina. Das Erlernen von Musikstücken ist unabdingbar.
Der "Action"-Teil wiederum sind die Kämpfe im Spiel; besonders bei Bosskämpfen ist Geschick und Reaktion gefragt, ohne dabei die Taktik aus den Augen zu lassen. Anders als bei RPGs ist es hier nicht möglich, seinen Charakter aufzuleveln, sodass man sich auf nichts als sein Können verlassen kann. Das ganze geschieht aus der Third-Person-Perspektive (=dritte Person), d.h., ihr seht den Charakter komplett und fühlt euch, als wärt ihr hinter ihm positioniert. Zum Umschauen oder auch zum genauen Zielen mit Waffen wie Pfeil und Bogen lässt sich in eine Ego-Perspektive wechseln, während der sich Link selbst aber nicht fortbewegen kann.
Die Steuerung ist schnell erlernt und meiner Meinung nach sehr intuitiv. Man bewegt sich mit dem Analogstick in alle Richtungen, zum schnelleren Vorankommen kann Link sich per A Knopf vorwärts rollen. A ist ebenfalls der sogenannte Aktionsknopf - er findet Verwendung zum Ansprechen der NPCs oder zum Begutachten und Aufheben diverser "Requisiten".
Schwerthiebe führt man mit B aus, während man zusätzliche Waffen und Gegenstände aus dem Inventar frei den Knöpfen Y und X sowie zwei zusätzlichen Feldern auf dem Touchscreen zuordnen kann. Gegnerische Angriffe werden mit der R-Schultertaste, dem Schild, abgeblockt.
Während eines Kampfes lassen sich Gegner mit der L-Schultertaste anvisieren, außerhalb der Kämpfe wird die Taste zum Justieren der Sicht benutzt.
Neu dazugekommen ist in der 3DS Version, dass das Zielen aus der Ego-Perspektive nun auch mit dem Schwenken des 3DS möglich ist. Ursprünglich benutzte man dazu den Analogstick, was man auch immer noch tun kann, denn die Schwenkoption lässt sich optional einschalten. Leider leidet der 3D-Effekt darunter, da man für diesen bekanntermaßen das Gerät aus einem bestimmten Blickwinkel betrachten muss.
Das führt uns auch endlich zu einem Vergleich zwischen N64-Original und Remake!
Als erstes fällt natürlich die aufgewertete Optik ins Auge. Die Grafik ist schärfer, die Farben viel satter und heller, die Charaktere und die gesamte Umgebung weisen mehr Detailreichtum auf. Ich habe schon gelesen, dass viele sich über die veraltete Grafik beim Remake beschwert haben - sicher wurde damit nicht alles aus dem 3DS herausgeholt, aber gerade im direkten Vergleich mit dem N64-Original fällt ein EXTREMER Unterschied auf. Die Mauern, Gewässer und Gräser sehen dank neuer Texturen nun auch aus wie ebensolche; Gesichtszüge vermitteln mehr Emotion als vorher.
Zudem wurden sowohl das Intro als auch die Cutscenes komplett überarbeitet. Inhaltlich sind sie natürlich gleich geblieben, aber die veränderten Kameraeinstellungen setzen das ganze besser in Szene als gewohnt.
Der 3D Effekt kommt dabei großartig zur Geltung. Wenn Ganondorf mir einen Energieball direkt ins Gesicht schleudert - wundervoll ;)
Einzig besagtes Problem beim Schwenken wäre hier zu bemängeln, fällt aber nicht zu sehr ins Gewicht, da man die Option ja ausstellen kann.
Der Soundtrack ist ZUM GLÜCK gleich geblieben. Ocarina of Time beherbergt einen meiner absoluten Lieblingssoundtracks. Zelda-Komponist Koji Kondo ist Meister seines Fachs, was sicher dadurch bestätigt wird, dass seinen Kompositionen schon eigene Orchesterkonzerte gewidmet wurden.
Von den wunderschönen, sanften Melodien der Okarina-Lieder bis hin zur epischen Endgegner-Hintergrundmusik wird hier einfach alles geboten. Jede emotionale, witzige oder gefährliche Situation wird perfekt unterlegt. OoTs Klänge wurden auch schon auf mehreren CDs verewigt, von denen ich persönlich 2 besitze. Ich bin also wirklich davon begeistert! Als Anspieltipp seien hier die Serenade des Wassers, Hymne des Sturms, Gerudotal und König Dodongos Kampfthema genannt - das nur nebenbei, falls sich jemand im Vornherein ein Bild von der Vielseitigkeit machen möchte.
Neben Grafik und Sound gibt es noch weitere Dinge, die einer Erwähnung würdig sind.
So wurde das Menü ordentlich überarbeitet und ist jetzt übersichtlicher und schneller zu benutzen. Nun kann man beispielsweise die Eisenstiefel über einen regulären Itemknopf benutzen, statt extra ins Ausrüstungsmenü wechseln zu müssen. Gut gelungen!
Für Neueinsteiger wurde außerdem eine Hilfefunktion eingebaut: an verschiedenen Orten des Spiels befinden sich Wissenssteine, die dem Spieler "Visionen" vermitteln. Diese zeigen ein Video von Link, wie er an bestimmte Orte geht, um etwas zu finden, oder sonstige Aktionen ausführt. Geübte Zelda-Spieler werden von dieser Funktion keinen Gebrauch machen, während es für alle anderen sicher eine nette Hilfestellung ist, damit man keinen Blick auf Komplettlösungen werfen muss.
Außerdem wurde das fehlende Rumble-Feature, das man früher mit einem Rumble Pak nutzen konnte, ausgeglichen. Ein bestimmter Gegenstand im Spiel erlaubte es, durch Vibration diverse Geheimnisse anzuzeigen. Da der 3DS ein solches Feature nicht besitzt, wird stattdessen ein Icon des Gegenstandes am Bildschirmrand angezeigt. Es wurde auf jede Kleinigkeit geachtet!
Die nächste Änderung ist mir ehrlich gesagt nicht ganz klar: einige Namen wurden geändert. Die Vogelscheuchen Byron und Balzac sind jetzt Paul und Peter, während die Zimmermänner nicht mehr nach den Beatles benannt sind, Kraft- und Titanhandschuhe tragen jetzt den Namen Silber- und Goldhandschuhe. Und was ich persönlich schade finde: aus Killa Ohmaz machte man Höllische Hexenarmada, die Sexy Thermo Hexy ist zur Doppelten Dynamitattacke geworden. Letzteres ließe sich vielleicht durch den Jugendschutz erklären...? Finde ich überzogen, da die Namen einfach nur lustig klangen, aber über diesen Verlust werde ich schon hinwegkommen.
Übrigens: viele Glitches (=Spielfehler, die man ausnutzen kann, um nicht vorgesehene Aktionen im Spiel zu vollführen) die es früher schon gab, wurden extra belassen. Damit will man sicherstellen, dass sich alte Hasen ihrer Nostalgie hingeben und sich noch "wie zu Hause" fühlen können. Es ist beispielsweise nach wie vor möglich, als erwachsener Link in Jabu-Jabus Bauch zu gelangen.
Einen Extra-Abschnitt möchte ich einer der interessantesten Neuerungen widmen, bei der es sich um den Boss-Modus handelt. Wie der Name schon verrät, lassen sich bereits bestandene Bosskämpfe - mit Ausnahme des finalen Kampfes - in beliebiger Reihenfolge und so oft man will erneut bestreiten! Nebenbei läuft eine Uhr, die die Rekordzeiten aufzeichnet. Hat man jeden Endgegner mindestens ein weiteres Mal bezwungen, wird die wahre Herausforderung freigeschaltet - der Bosskampf-Modus, in dem alle Bosse hintereinander ohne Pause besiegt werden wollen. Die Schwierigkeit liegt hierbei unter anderem auch darin, dass nur eine bestimmte Anzahl von Herzen und Items zur Verfügung stehen, während man im eigentlichen Spielverlauf womöglich viel besser ausgerüstet war.
Zum Abschluss geht's um etwas, das für mich ein erheblicher Kaufgrund war: nach Beendigung von OoT wird die andere Version des Spiels - Master Quest - freigeschaltet. Auf den ersten Blick ist es das gleiche wie das Originalspiel, jedoch wurde hier ordentlich am Schwierigkeitsgrad gearbeitet.
Master Quest war ursprünglich für das 64DD, eine Erweiterung fürs N64, gedacht. Da diese aber floppte, erblickte das Spiel nie das Licht der Welt - bis es der limitierten Edition von Zelda: Wind Waker beilag. Es unterscheidet sich insofern zu OoT, dass die Dungeons auf andere Art gelöst werden müssen, viele Skulltulas und Items sich an anderen Orten befinden sowie, dass mehr und stärkere Gegner auftauchen.
An der 3DS Version von Master Quest wurden weitere, gravierendere Veränderungen vorgenommen: die Gegner machen doppelten Schaden und die gesamte Spielwelt ist gespiegelt. Sehr willkommene Abwechslung, wie ich finde, andersrum macht das ganze wieder einen ganz anderen Eindruck. Der Boss-Modus wurde auch hier eingebaut.
Alles in allem habe ich die ganzen Neuerungen sehr positiv aufgenommen, was sicher auch daran liegt, dass ich OoT schon fast auswendig kannte. So sind neue Rätsel und Hindernisse definitiv willkommen!
Damit wäre meine... "kleine" Rezension auch am Ende angelangt. Ich hoffe, sie war für die einen informativ genug, und die anderen finden im Text wonach sie suchen... :)
Wem der Text zu lang ist, der möge hier mein Fazit lesen: KAUFT! DAS! SPIEL! Es hat nichts von seiner Brillanz verloren, im Gegenteil, und ich lege es wirklich jedem ans Herz, der auch nur ein bisschen was mit Action-Adventures anfangen kann. Nun hoffe ich noch auf ein ebenso grandioses Remake meines Lieblings-Zeldas, Majora's Mask!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich?