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Die Schöne und das Biest oder Wenn ein Monster menschlich wird,
13. April 2007
Rezension bezieht sich auf: Hilflos (Gebundene Ausgabe)
Die Entführung eines Mädchens, dessen Qualen und die Sorgen der Eltern, die Gelüste des Täters und die fieberhafte Suche der Polizei hat Barbara Gowdy in den Mittelpunkt ihres Romans "Hilflos" gestellt.
Das Opfer, die neunjährige Rachel, ist das große Glück im Leben von Celia Fox, die mit der Kleinen im sozialen Randmilieu lebt. Das auffallend schöne und aufgeweckte Mädchen, das seinen Vater nie gesehen hat, wird vom einsamen und sensiblen Ron gekidnappt, der so oft es geht vor Schulhöfen parkt, um kleine Kinder zu beobachten. Er ist verliebt in die Kleine, bildet sich ein, das Mädchen benötige seine väterliche Zuneigung - aber ist er deshalb auch ein Monster?
Liebe ist das aus verschiedenen Perspektiven beleuchtete Thema des Romans: Celia liebt ihre Tochter so sehr, dass sie fast erleichtert ist, als ihre Mutter stirbt, so muss sie Rachel mit niemanden teilen. Nancy liebt Ron blind und verzweifelt und manchmal sogar selbstlos.
Gowdy wirft die Frage auf, wie weit die Macht der Liebe eigentlich geht. Und wie sicher wir unseres Urteils über andere Menschen sein können. Es ist auch ein Buch über Lebenslügen.
Und vor allem ein Buch, das einem den Atem raubt.
Die extreme Spannung, die die Schriftstellerin zu erzeugen versteht, resultiert nicht in erster Linie aus der Handlung selbst. Vielmehr gibt Gowdy ihren Lesern keinen Moment die Gelegenheit, sich emotional für eine der Figuren zu entscheiden, in Sympathie für sie auszuruhen: Die Schöne spreizt sich mitunter affektiert, und das Biest zeigt immer wieder seine tapsige Gutmütigkeit.
Die Autorin schreibt in einer kunstlos klaren Sprache jeweils aus den Perspektiven ihrer Hauptfiguren ein rasantes und subtiles Psychodrama.
Der Leser fiebert über 300 Seiten mit, ob Rachel vor ihrem Entführer gerettet wird.
Fazit:
Barbara Gowdy hat eine nervenzerfetzend spannende Geschichte geschrieben. Einen Psychothriller, der die Ängste des Lesers weckt.
Was dieses Buch jedoch von einem klassischen Krimi mit Kindsentführung durch einen Sexualtriebtäter unterscheidet ist, dass es weniger um Spannungsmache, sondern um die mögliche Psychologie eines Täters geht. Woher kann diese Neigung kommen, und ist ein Mann dadurch automatisch ein Krimineller? Ihre Schilderung seiner Gegenwart, seines Wunsches und des Widerspruchs, in den er sich auch für sich selbst verwickelt, ist ausgesprochen spannend.
Es ist ein guter, solider Lesestoff.
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