Kundenrezension

8 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Buchpreise stürzen ab, 16. Juni 2011
Rezension bezieht sich auf: Tauben fliegen auf: Roman (Gebundene Ausgabe)
Wie kann es sein - frage ich mich - dass sich ein solcher Roman beim Deutschen Buchpreis gegen seine gesamte Konkurrenz durchsetzten kann? Ein Rätsel. Dieser Roman ist so unentschieden in allem, was er will und zu sagen hat, dass man als Leser überhaupt nicht weiß, was man damit anfangen soll. Das fängt bereits beim Titel an: TAUBEN FLIEGEN AUF. Hat man schon einmal einen derartig nichtssagenden Titel gelesen. Auch wenn die Szene im Buch auftaucht, muss man sich fragen, was so titelgebend an ihr sein soll. Mir scheint es vielmehr, dass die Autorin selber nicht wusste, wie sie ihr Buch nennen soll, und sich daraufhin entschied, ihm einen irgendwie rätselhaften Titel zu geben, der zumindest suggeriert etwas heißen zu können.
Auf dem Rückdeckel des Buches, womit der Verlag meistens wirbt, steht ein einziger Satz: EIN SCHWUNGVOLL UND GEWITZT ERZÄHLTER ROMAN AUS DER MITTE EUROPAS. Zunächst ist man perplex. Wie bitte? Es wird sich doch wohl in irgendeinem deutschen Feuilleton etwas finden, womit man für dieses Buch werben kann. Aber bei der Lektüre erkennt man: Dieser Satz trifft die Sache auf den Punkt. Er ist genauso inhaltsleer und wischi-waschi wie das ganze Buch. Erst beim Schreiben dieser Rezension entdecke ich, dass der Satz aus der Kurzbeschreibung bei Amazon stammt. Eigenartig, dass der Verlag hierauf zurückgreift. Gab es ansonnsten nur Verisse und den deutschen Buchpreis? Wie dem auch sei. Worum geht es?
Die ungarische Familie Kocsis siedelt lange vor dem Zusammenbruch Jugoslawiens aus Serbien in die Schweiz über - besucht aber immer wieder ihre alte Heimat. Die beiden Töchter finden in beiden Welten ein Zuhause, entfernen sich aber notwendigerweise immer weiter von ihren serbischen Wurzeln. Die Familie arbeitet in verschiedenen Gewerben, schließlich haben sie ein Café. Die Töchter werden älter, kommen in die Pubertät, erste Liebschaften. Eine Jugend im Schatten aufkeimenden Wohlstands - und leidlicher Erfahrungen sanfter Fremdenfeindlichkeit. Diese beiden Mädchen kann man letztlich nur als völlig integriert beschreiben. Was sie an Fremdheitserfahrungen machen, bleibt niemanden erspart, der einmal im Leben - na sagen wir - die Anhängerschaft zu einem Fußballverein wechselt. Warum von diesem Gegenstand ein solches Aufheben in der Kritik gemacht wird, ist mir völlig schleierhaft. Die Gräueltaten, die alldieweil in der Heimat geschehen, tauchen hier nur am äußersten Rande auf - aber gut, das wollte der Roman wohl auch nicht erzählen. Nur - was wollte er erzählen? Das weiß ich nach der Lektüre so wenig wie der Titel und der Buchdeckel mir Aufschluss darüber geben.
Gut - es geht ja in der Literatur nicht unbedingt um Handlung. Also, wenn der Roman schon kein Thema hat, dann ist er sprachlich doch sicher grandios. Mitnichten. Die Erzählhaltungen sind wenig innovativ, die Detailversessenheiten bei den Innensichten geradezu schmerzhaft, der Stil mitunter etwas naiv - wie bei naiver Malerei.
Wie ein Gremium aus lauter Verlagslektoren, Buchhändlern und Kritikern, die sich beruflich mit dieser Materie befassen, diesen Roman und nicht - beispielsweise Judith Zanders DINGE DIE WIR HEUTE SAGTEN - haben wählen können, macht mich fassungslos.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.03.2012 13:23:08 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 02.03.2012 13:23:36 GMT+01:00
Mag sein, dass das Buch nicht gerade schwungvoll ist, aber von "wischi-waschi" kann meines Erachtens nun wirklich nicht die Rede sein. Ich habe selten eine Migrationsgeschichte gelesen, die das Leben zwischen beiden Welten so deutlich macht, wie das Buch dieser Dame. Mag sein, Sie haben diese "Unentschiedenheit", das Nichtzugehörenkönnen (obwohl man sich danach sehnt, irgendwo zuzugehören) als wischi-waschi empfunden - schade.
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