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33 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Optik gut, Mechanik, Lichtstärke, (Auto)fokus verbesserungswürdig, 14. Juni 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Nikon AF-S DX Nikkor 55-300 mm 1:4,5-5,6G ED VR (Camera)
TITEL: Optik gut, Mechanik, Lichtstärke, (Auto)fokus verbesserungswürdig

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BEURTEILUNG:
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Optik: *** - ****
mechanische Qualität: ** - ***
Funktionalität: ** - ***
Preis-Leistung: *** - ****
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Gesamturteil: ***
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ALLGEMEINES:
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Das Nikon AF-S DX Nikkor 55-300mm/4.5-5.6 ED VR (nachfolgend: 55-300mm) ist ein Teleobjektiv mit variabler Brennweite (= Zoom). Es lässt sich ausschließlich an Nikons DSLR mit DX-Sensoren verwenden. (Der Bildwinkel des 55-300mm an einer DX-DSLR entspricht dabei etwa dem eines 80-450mm-Objektivs an einer Kleinbildkamera. Wohlgemerkt: es ist wirklich nur der Bildwinkel. Die tatsächliche Brennweite verändert sich ebenso wenig wie die Lichtstärke, denn bei beiden Werten handelt es sich um physikalische Größen, die von den Abmessungen des Kamerasensors unabhängig sind.) Beim Einsatz an DSLR mit Kleinbildformat-Sensoren (bei Nikon FX genannt), treten beim 55-300mm allerdings sehr deutliche Randabschattungen und sogar Beschneidungen des vollen Bildkreises auf.

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POSITIV:
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Das 55-300mm ist sehr preiswert für ein Teleobjektiv, das einen so weiten Brennweitenbereich abdeckt. Man "verbrennt" also praktisch kein Geld, wenn man sich bei Nichtgefallen nach einiger Zeit von dieser Linse trennt und sie auf dem Zweitmarkt anbietet. Zudem ist das 55-300mm leicht und von kompakten Abmessungen, passt also auch gut in kleinere Fototaschen, die solche "Monster" wie das Nikkor AF-S 70-200mm/2.8 G ED VR II nicht aufnehmen könnten und bereits mit einem Nikkor AF-S 70-300mm/4.5-5.6 G ED VR vielleicht schon an ihre Grenzen stießen.

Die optischen Eigenschaften des Objektivs sind von 55 bis ca. 200 mm eingedenk des günstigen Preises überraschend gut. Bis 250 mm schlägt sich die Linse immer noch sehr wacker. Erst danach bricht die optische Qualität etwas stärker ein, bleibt aber zumindest bei guten Lichtverhältnissen bis zum langen Ende auf durchaus akzeptablem Niveau unter praktischen Bedingungen, auch wenn es jenseits der 200 mm messtechnisch (= unter Laborbedingungen) sicherlich das eine oder andere Stirnrunzeln geben mag. Im Zentrum sind die Bilder unter guten bis normalen Fotografierbedingungen bis ca. 200 mm von sehr guter, danach immer noch von ordentlicher Schärfe und befriedigendem Kontrastumfang. Blendet man mindestens um eine bis anderthalb Stufen ab, verbessert sich auch die Schärfe an den Bildrändern sichtbar, was sich vor allem am langen Ende, also jenseits von 200 mm, als sehr vorteilhaft erweist.

Zu gefallen weiß auch die Qualität der Darstellung des unscharf gestellten Bereichs. Auch wenn das sogen. Bokeh nicht die Bezeichnung "ultra-cremig" verdient, so stellt das 55-300mm ab ca. 70 mm den unscharfen Hintergrund angenehm "ruhig" dar. Gerade bei Zoomobjektiven ist das keine Selbstverständlichkeit.

Optische Verzeichnungen wie Tonnen- und Kissenverwölbung treten kaum wahrnehmbar auf und lassen sich softwareseitig leicht korrigieren.

Blendenflecken ("lens flares") bei Gegenlicht und chromatische Aberrationen (CA) haben sich, zumindest bei Verwendung der dankenswerterweise mitgelieferten Gegenlichtblende, als unter praktischen Einsatzbedingungen unproblematisch und gut beherrschbar erwiesen. CA lassen sich überdies mittels Software gut entfernen.

Nikons Verwacklungsschutz "VR" leistet ordentliche Arbeit, kann aber die Gesetzmäßigkeiten der Physik nicht außer Kraft setzen. Es gelingen zwar bei 300 mm regelmäßig Aufnahmen mit 1/160 Sek. aus der freien Hand ohne jegliche Verwacklung. Wenn man nicht so genau hinschaut und sich mit max. A4 großen Ausdrucken seiner Fotos begnügt, geht auch mal 1/100 Sekunde. Aber noch längere Zeiten sind bei 300 mm definitiv nur noch mit gutem Abstützen (Bohnensack) oder Stativ wirklich verwacklungsfrei zu realisieren, egal wie vollmundig Nikons Marketingabteilung "bis zu vier Belichtungswerte" Kompensation verspricht.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Low-Budget-Objektiven verfügt das 55-300mm nicht nur über eine Bajonettfassung aus Metall, sondern auch über einen guten Schutz gegen Staub und Feuchtigkeit. Bei Nikon ist dieser sogen. Wetter- und Staubschutz an der schwarzen Gummidichtung rund um die Bajonettfassung zu erkennen.

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NEUTRAL:
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Preislich gehört das 55-300mm, ebenso wie seine kleineren "Vollplastik-Brüder" 18-55mm II bzw. 18-55mm VR, 18-105mm VR und 55-200mm VR ans untere Endes der Nikon-Consumer-Objektive, die längst nicht mehr im teuren Japan hergestellt werden, sondern massenhaft in Thailand oder China vom Band purzeln. Sobald man es in die Hand nimmt, stellt man fest, dass praktisch alles an diesem Objektiv aus Kunststoff ist. In dieser Preisklasse ist ein großzügiger Einsatz von hochwertigem Messing gar nicht möglich. Die Verarbeitungsqualität ist aber insgesamt ganz ordentlich, auch wenn "grundsolide" sicherlich nicht das erste Wort sein dürfte, das einem beim Befühlen dieses Objektivs in den Sinn kommt. Selbst dem Vergleich mit "Mittelklasse-Objektiven" wie Nikons AF-S 70-300mm/4.5-5.6 G ED hält es in Punkto Materialqualität und Haptik nicht Stand.

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NEGATIV:
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Leider gibt es auch einige Aspekte, die am 55-300mm nicht zu gefallen bzw. zu überzeugen vermögen.

Da wäre zunächst einmal die geringe Lichtstärke. F/4.5 als größte Blende gilt nur von 55 bis ca. 90 mm. Ab 90 mm geht es mit f/4.8 bis ca. 135 mm weiter, es folgen f/5.0 bis etwa 200 mm, f/5.2 bis knapp 240 mm und am Ende steht f/5.6 bis 300 mm. Zudem muss man berücksichtigen, dass eine überzeugende Bildqualität eine Abblendung um wenigstens eine Stufe erfordert. Damit ist man de facto bereits bei f/6.3 bis f/8.0, und das ist nun wirklich nur akzeptabel, wenn man überwiegend statische Motive bei gutem Licht oder vom Stativ aus fotografiert.

Den Autofokus beschreibt man am besten mit dem Eigenschaftswort "behäbig." Diese Behäbigkeit verwundert nicht. Denn statt einer selbst bei dem billigeren Nikkor AF-S DX 55-200mm/4-5.6 G IF-ED VR eingesetzten Innenfokussierung, bei der sich beim Scharfstellen die Baulänge des Objektivs nicht verändert, schiebt bzw. zieht das 55-300mm seinen Innentubus heraus bzw. hinein. Und diese Bewegung kostet Geschwindkeit und verursacht überdies auch mechanische Geräusche, die der Bezeichnung "silent wave autofocus" Hohn sprechen. Zudem braucht der Autofokus selbst am wirklich leistungsfähigen AF-Modul der D7100 ungebührlich lange, bis er sein Ziel präzise gefunden und sich darauf eingestellt hat.

Leider lässt sich auch nicht einfach per Hand in die automatische Scharfstellung eingreifen. Da das 55-300mm nicht über FTM-Fokus (FTM = full-time manual) verfügt, muss die manuelle Scharfstellung explizit am Objektiv mittels Schieber von Position A auf M freigeschaltet werden. Ansonsten drohen mechanische Beschädigungen des AF-Systems der Linse.

Es nervt zudem, dass sich die Frontlinse beim Fokussieren mitdreht. Dies macht den Einsatz von Filtern, vor allem von zirkularen Polfiltern, schwierig bis unmöglich bzw. selbst bei einem Fotografen mit Engelsgeduld zu einer zeitraubenden Angelegenheit.

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FAZIT:
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Eigentlich mag ich teure Linsen wie das Nikkor AF-S 70-200mm/2.8 G ED VR II lieber, denn bei ihnen beschränkt sich das Aufzählen der negativen Punkte zumeist auf zwei, nämlich das hohe Gewicht und den hohen Preis. Und selbst die beiden Aspekte kann man angesichts der Leistungen noch als "angemessen" verteidigen. ;-)

Das 55-300mm hinterlässt dagegen einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits ist es recht kompakt und leicht und bietet gute optische Leistungen und einen ordentlichen Verwacklungsschutz. Andererseits disqualifizieren seine geringe Lichtstärke und sein schwacher Autofokus sowie das Fehlen eines FTM-Fokus es gänzlich als Objektiv für die schnelle Fotografie. Ein Ansitzen auf Vögel oder andere schnelle Kleintiere mit großer Fluchtdistanz ist praktisch ausgeschlossen. Sollte man jemandem dieses Objektiv als Arbeitsgerät für die Sport- und Actionfotografie empfehlen, so käme sich dieser Mensch wohl zurecht auf den Arm genommen vor. Denn neben einer hohen Lichtstärke und einem schnellen, präzisen Autofokus mit manuellem Soforteingriff gebricht es dem 55-300mm überdies an mechanischer Solidität.

Man darf also unter praktischen Aspekten sagen, dass das 55-300mm ein Objektiv ist, das sich überwiegend an Budget-orientierte Schönwetterfotografen bzw. Tele-Gelegenheitsfotografen richtet, die überwiegend bei gutem Licht unterwegs sind. "You get what you pay for", diese Regel kann auch Nikons günstigstes DX-Tele bis 300 mm nicht außer Kraft setzen. Eine Empfehlung kann also nur mit der o. g. Einschränkung "Schönwetter-Objektiv" ausgesprochen werden.

Insgesamt halte ich daher drei Sterne für eine angemessene Bewertung.

PS: Inzwischen habe ich das 55-300mm wieder verkauft und statt dessen für wenig mehr Geld ein gebrauchtes Nikon AF-S Nikkor 70-300mm/4.5-5.6 G IF-ED VR erworben. Der AF ist deutlich schneller und präziser, erlaubt die FTM-Steuerung des AF und bietet im Bereich zwischen 200 und 300 mm m. E. sogar eine etwas bessere Bildqualität. Eine ausführliche Rezension folgt später, wenn ich etwas länger mit dem "neuen" Objektiv gearbeitet habe.
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