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Kundenrezension

15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen DER Urknall des deutschen Kinos!, 13. Juli 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Das Cabinet des Dr. Caligari [Deluxe Edition] (DVD)
Dieser Film kann mit Fug und Recht als DIE Geburtsstunde des deutschen Kinos gewertet werden. Nie Zuvor hat ein Film solch einen Einfluss auf das öffentliche Leben der normalen Bürger gehabt, wie DAS CABINET DES DR. CALIGARI. Bereits Wochen vor dem Filmstart wurden Plakate aufgehängt mit kryptischen Botschaften und Zeichnungen. Dieser Film ist gleichzeitig der Einzug des Mediums in die Welt der Kunst und auch der erste Horror-Film überhaupt. Ja, von nun an galten auch Filme als Kunstwerke.

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, wollten die Menschen das Neue, das Andere. Studenten und Philosophen richteten sich gegen die männerbündische Gesellschaft der Politiker mit ihren Normen und Ansichten, der verstärkten Rückgriffe auf die Ideale des Deutschen Kaiserreichs. In den Augen der Gegner dieser Politik, muss der Weltkrieg wohl als Konsequenz aus dieser Rückständigkeit gelten.
Zu dieser Zeit wurde auch der Stil des Expressionismus in Kunst und Literatur immer beliebter. Dieser Stil zelebriert den Umbruch, das Unförmige, der Umgang mit Farbe und Form wurde frei.
Für mich bedeutet dieser Stil vor allem aber das Ausdrücken der inneren Gefühle. Wo beim entgegengesetzten Naturalismus alles so echt wie möglich sein sollte, setzten die Expressionisten auf kantige Formen, zersprungene Gesichter, grelle Farben und spitze Winkel.

Diese eingangs erwähnten Gruppierungen, fanden im Expressionismus einen Stil, um die Umwälzungen, die sie sich wünschten, auszudrücken.
Zu dieser Zeit kam den Inhabern der DECLA-Filmgesellschaft auch die Idee, einen Film zu drehen, welcher sich komplett von all den anderen kurzen Sketschen und Nachrichtensendungen, welche das Kino damals dominierten, unterscheiden sollte. Er sollte, ähnlich dem Theater, eine in sich geschlossene Handlung aufzeigen und vor allem einen Erkennungswert, also einen Stil besitzen! So wurde auch hier auf den Expressionismus zurückgegriffen.

Die Drehbuchautoren Carl Mayer und Hans Janowitz schrieben eine sehr gewagte Geschichte über den Kuriositätenaussteller Caligari, welcher bei Tag einen Somnambulen Cesare (Schlafwandler für alle Nicht-Lateiner) ausstellt, der auf seinen Befehl hin kurz erwacht und den Leuten die Zukunft vorhersagt. Die Freunde Alan und Franzis lassen sich dieses Ereignis, wie viele andere Menschen, freilich nicht entgehen! Alan wird daraufhin der Tod vorhergesagt. Alan wird tatsächlich noch in dieser Nacht getötet. Franzis glaubt, Dr. Caligari und sein Somnambule stehen in direktem Zusammenhang mit den Morden. Was er, mit dem Zuschauer zusammen, aber herausfindet, überrascht uns wie eine Ohrfeige, wie der französische Filmkritiker Louis Delluc so treffend schrieb.

Man muss sich vorstellen: Zu dieser Zeit hat der Film wie ein Rausch, wie pure Aufregung gewirkt: Die gezeigten Morde, der Somnambule, der nachts durch die Strassen schleicht, die Szene, in welcher er zum ersten Mal die Augen öffnet, all das hatte eine wahnsinnig beängstigende Wirkung auf die Menschen von damals. Das Kino, einst ein Ort der Unterhaltung, wurde zu einem Ort des Schreckens und der Angst. Zumindest sagten dies die „bringt uns unseren Kaiser Wilhelm“-Anhänger. Diese dürften aber eher auf andere Details geachtet haben: Früher war es unsittlich, beispielsweise eine offene Jacke zu tragen, durch die Straßen zu schlendern und den Hut schief auf dem Kopf zu tragen…Nun, all das tut unser Held in der Geschichte und nicht nur er, die ganzen Menschen im Film haben diese bohemische Art zu Leben. Der Spaß am Leben siegt über den Ernst. Die Freizeit wird wichtiger als die Arbeit.
Caligari war also auch der erste Film der polarisiert hat, der Diskussionen aufwarf und der sich mit dem Thema Wahnsinn befasste.

Vor allem aber, war es dieser Film, der den Ruf der Deutschen als das Filmland Nummer 1 zementierte. Es ist bis heute beispiellos in der Filmgeschichte eines Landes, was in den Jahren 1920-1927 für hochkarätige, höchst unterschiedliche, Filme in so dichter Zeit entstanden. DER GOLEM, SCHLOß VOGELOED, NOSFERATU, DIE NIBELUNGEN, DR.MABUSE, DER LETZTE MANN, FAUST METROPOLIS um nur einige zu nennen. Hollywood schaute neidisch auf uns und kopierte fleißig unsere Ideen, Themen und sogar die Spezialeffekte (später auch unsere Regisseure, aber die gingen eher freiwillig, denn der Nationalsozialismus warf seine Schatten voraus).
Apropos Nationalsozialismus: Im Nachhinein sehen viele eine Warnung vor eben diesem in dem Film. Denn wie Dr. Caligari die Menschenmassen mit großen Versprechen anlockt und seinen Willen dem jungen Cesare aufdrückt, ihn regelrecht steuert, deutet auf die vielleicht insgeheime Sehnsucht der Deutschen nach einem Führer hin, einem dem man folgen möchte, der sagt was zu tun ist.
Nun, ich finde, es ist ziemlich weit hergeholt und auf das Trauma, das der Nationalsozialismus uns zufügte, zurückzuführen.
Fakt ist jedoch, dass sich durch den Film der Begriff Caligarismus formte…

Auf jeden Fall ist die DVD bzw. Blu-Ray der Transit Film hervorragend gelungen. Aus dem 94 Jahre alten Film wurde ein 4-K Master geschaffen, dass sich sehen lassen kann. Die ganzen Details der Kulissen und vor allem die ganzen Grauabstufungen sorgen für ein Erlebnis, welches wohl nicht mal in den Kinos früher so schön aussah! Endlich ist dieser Film Verfügbar und für die Ewigkeit gerettet. Niemand, der im geringsten was für Kino übrig hat, darf sich diesen Film entgehen lassen!

Noch eine Anmerkung von mir: Mir kommt DAS CABNIET DES DR. CALIGARI wie der Prototyp eines typischen Tim Burton Films vor: Dr. Caligari sieht fast 1:1 so aus, wie Danny DeVito als Pinguin in BATMANS RÜCKKKEHR, der Somnambule Cesare ist in seinem schwarzem Ganzkörperkostüm definitiv mit EDWARD MIT DEN SCHERENHÄNDEN verwandt,, die Kulissen sind A NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS extrem ähnlich und die ganze Stimmung ist einfach irgendwie Burtonesuqe. Ich glaube also, dass der gute Herr Burton sich diesen Film wohl auch einige male angeguckt hat.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.11.2014 08:46:41 GMT+01:00
Ralf K Berlin meint:
Eine ganz tolle Rezension dieses Klassikers! Vielen Dank dafür! Zu der Bemerkung Richtung Tim Burton möchte ich ergänzen: dies sehe ich auch so. Tim Burton hat allerdings noch viel mehr beim italienischen Giallo-Anschieber Mario Bava "geklaut" (was er auch schon unumwunden zugab). Der ganze "Look" vieler Bava-Filme floss in Burton´s Werke ein, insbesondere ist dies bei "Sleepy Hollow" der Fall....etwas offtopic, sorry ;o) Aber noch mal danke für die Rezension!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 01.02.2015 22:18:04 GMT+01:00
Tobias Balke meint:
Gerne, gerne! Ich finde es toll, dass meine Rezensionen gelesen werden ;-) Entschuldige die verspätete Antwort. Hier muss ich einen Dank aussprechen: Mario Bava habe ich gar nicht auf dem Schirm gehabt, werde das aber nachholen :-)

Veröffentlicht am 22.02.2015 12:38:09 GMT+01:00
Nikioko meint:
Ob Tim Burton oder Ridley Scott - viele Regisseure der Neuzeit lassen sich natürlich inspirieren von den Entdeckungen der 20er Jahre. Hier ist quasi innerhalb eines Jahrzehnts der Schritt vom Kurzfilm zum abendfüllenden Tonfilm gemacht worden. Viele der Tricks sind mit heutiger CGI vielleicht obsolet, aber immer noch bekannt. Für das Medium Film war das das bahnbrechende Jahrzehnt, und eingeläutet wurde es mit Dr. Caligari. Und auch wenn die Technik sich weiterentwickelt, Dramaturgie und Schauspiel sich geändert haben, so sind die heutigen Filme im Grunde noch genauso aufgebaut. Klappe und Action.
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