Kundenrezension

47 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein nicht für möglich gehaltener Traum, 30. März 2012
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Thick As a Brick 2 (Special Edition) (Audio CD)
Thick as a Brick ist das große Meisterwerk von Jethro Tull von 1972, für mich persönlich noch deutlich vor Aqualung und Songs from the Wood. Die Idee, davon einen zweiten Teil zu machen, schwirrte schon mal in Ian Andersons Kopf, wenn man einem früheren Interview glauben mag. Erst eine Anfrage von Derek Shulman von Gentle Giant soll diesen Gedanken bei Ian entschlussfähig gemacht haben.
Jetzt wissen wir alle, dass Ian 1972 es allen Kritikern mal so richtig gegeben hat, die Aqualung noch als ein Konzeptalbum bezeichneten. Er entwarf die Geschichte um Gerald Bostock, der einen Kinderautorenwettbewerb gewann, dessen Eltern aber mit seinem Alter gelogen hatten ( 10 anstatt 8), so dass er disqualifiziert wurde. Dessen disqualifizierte eingereichte Geschichte wurde dann von Jethro Tull verwertet, was dann den Co-Autor Gerald Bostock auf das neue Jethro Tull brachte. Viele hatten damals nicht geglaubt oder gewusst, dass das ein fiktiver Charakter war und alles von Ian Anderson erdacht wurde.
Ian schwebte bei seinem zweiten Teil jedoch nicht vor, noch mal so eine humorvolle und surreale Geschichte zu schreiben, so wie man es oft bei Filmfortsetzungen bekommt. Seine Idee war, das Leben Gerald Bostocks nach 2012 zu bringen, der jetzt inzwischen 50 Jahre alt ist, und dabei die Frage aufzuwerfen, wie es ihm in seinem Leben widerfahren sein möge. Genauso, wie sich mancher fragt, an welcher Stelle seines Lebens hätte es für ihn anders laufen können und wäre nicht das geworden, was er jetzt ist, sondern Banker, Politiker, Penner etc. Thematisch war Ian Anderson also raus aus der Nummer, irgendwie noch mal das Gleiche wie vor 40 Jahren zu machen.

Das Wichtigste ist jedoch die Frage nach der Musik. Da hatte ich ehrlich gesagt die größte Sorge, ob es überhaupt noch funktioniert. Und wenn man Ians letzte 10 bis 15 Jahre kennt, durfte man durchaus Zweifel haben. Mein für mich letztes wirklich sehr gutes Album war Roots to Branches von 1995 (!) Auch wenn ich die späteren Projekte Secret Language of Birds und Rupis Dance sehr schätze, auch das Christmas Album hat wunderschöne Momente, aber viel kam da nicht mehr im Tull-Katalog. Jethro Tull??? Ja, für mich ist das hier ein Jethro Tull Album, obwohl Martin Barre nicht mitwirkt. So sehr mich das schmerzt, dass der langjährige Weggefährte nicht auf dem Album mitwirkt, so sehr muss man doch konstatieren, dass kaum ein Album der letzten 25 Jahre mehr nach Jethro Tull klingt wie TAAB 2. Das wird u.a. auch daran liegen, dass die Aufnahmen mit den klassischen Tullinstrumenten vollzogen wurden, Akustische Gitarre, Flöte, elektrische Gitarre, Drums und die wunderbare Hammondorgel. Ich empfehle sehr, sich dieses neue Meisterwerk in einem Guss zu hören und verzichte daher auf Anspieltipps, obwohl es mit Banker Bets, Banker wins, Adrift and Dumfounded und mit A Change of Horses durchaus Höhepunkte gibt. Musikalische Zitate aus Thick as a Brick gibt es, aber es sind eher wenige und mit einem Augenzwinkern. Der Auftakt von TAAB 2 geht mit dem Wind von Seite 2 vom Originalalbum los, der Old School Song hat einen Lauf der Hammondorgel, welcher stark an "I come down from the upper Class" erinnert.
Manche musikalische Themen werden nicht nur in einem Part verwendet, insbesondere der Gitarrenlauf von Adrift and Dumfounded. Ich habe jetzt den dritten Durchlauf der CD und kann nicht genug bekommen. Andersons Stimme, die man in den letzten Jahren auch durchaus kritisieren durfte, ist ziemlich geschmeidig, sein Flötenspiel hat alle die Merkmale, die man an ihm so schätzt und die er in den letzten Jahren auch eher sparsam eingesetzt hatte.
Ich bin jetzt schon restlos begeistert und wer erwartet, dass TAAB 2 ein Abklatsch vom Originalalbum ist, der hat weit gefehlt. Es ist ein komplettes Stück Musik mit sehr eigenständigen Kompositionen. Es empfiehlt sich, dass alles in einem Guss zu hören, von MP3 rate ich ab, es sei denn man bekommt das hin, dass man die Unterbrechungen nicht hört. Da werde ich mir für meinen Player noch was einfallen lassen müssen, weil ich das auch in meinem Urlaub in einem Guss hören möchte. Das Album hat auch ordentlich Dampf und wer meint, Shunt and Shuffle hat was von Locomotive Breath, wird da nicht falsch liegen.

Ich empfehle auch aus preislicher Sicht die Special Edition. Den 5.1 Sound habe ich mir noch nicht gegeben, weil meine alte Stereoanlage klanglich weit vor meinem Dolby Surround System steht. Der Jethro Tull Fan kann blind zugreifen, allen anderen sei gesagt, dass auch sie eigentlich nichts falsch machen können, sie bekommen dann mal was wirklich Neues und darüber hinaus schöne komplexe Musik mit sehr intelligenten Texten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 10 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.03.2012 13:34:08 GMT+02:00
G. Lippke meint:
Wunderbare Rezension und volle Zustimmung, auch in der Einschätzung zu Roots to Branches und den Soloalben. Einem alten Tull-Fan geht mal endlich wieder das Herz auf und die Familie muss ertragen, dass die CD-Lade in den nächsten Tagen nicht mehr geöffnet werden muss...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.03.2012 15:46:37 GMT+02:00
Rock Tullie meint:
Danke dafür. Ich entdecke bei jedem Hören Neues. Ian Anderson hat endlich wieder den Mut bewiesen, sein Songwriting vom Jazz/Klassik etwas weg zu bewegen, wobei er ja dafür in einem Interview was angekündigt hat. Außerdem hat er in den letzten Jahren die Flöte schon lange nicht mehr so rotzig gespielt wie auf TAAB 2, halt der Flötensound, mit dem man ihn unter Millionen Flötenspielern wiedererkennt.
Meine Frau hat auch schon die Nase gerümpft, dass ich bei jeder Gelegenheit die neue Scheibe höre. Mein 17jähriger Sohn erklärte ihr, dass sie das verstehen müsse, schließlich hätte ich ja lange darauf warten müssen.
Bis Roots to Branches hatte ich bei jedem Album dieses gewisse Aha-Erlebnis (wenn auch bei Under wraps eher damals ziemlich erschrocken), jetzt hatte ich das mit TAAB 2 wieder.
Ich denke, wir alten Tullies sind uns alle einig, dass das hier noch mal ein großer Wurf war, wohl wissend, dass das alte Thick as a Brick nicht zu toppen war. Aber das war für mich nicht der Anspruch.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.03.2012 16:50:42 GMT+02:00
Diese Rezi macht mich auf das neue Album echt neugierig. Ich denke, dass sich ein Kauf ganz gewiss lohnt. Schön finde ich die Anmerkungen im letzte Absatz, die mir aus der Seele sprechen. Auch meine alte Stereoanlage hat bei mir einen weitaus höheren Stellenwert aus klanglicher Sicht, als eine Surround-Anlage jemals haben wird.

In der heutigen Musiklandschaft trifft es auch zu, dass hier mal was "neues" zu hören ist, auch wenn der Musiker selbst schon zum alten Eisen zählt. Und dass es sich um komplexe, interesssante Musik handelt, daran dürfte ja wohl kein Zweifel sein.

Viel Spaß !!!

Veröffentlicht am 03.04.2012 08:18:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.04.2012 08:19:59 GMT+02:00
no-one meint:
Ich finde Ihre Rezension mit Verlaub nicht überragend. Sie lässt einen meiner Meinung nach ganz bemerkenswerten Aspekt fast völlig ausser Acht. Nämlich den, dass das Album voller versteckter Zitate, nicht nur TAAB1, sondern auch einer Reihe anderer Alben enthält.
Ich bin kein ausgewiesener Tull - Fan/Experte, aber schon beim ersten Durchhören sind mir interessante Zitate aus "Heavy Horses" und "Broadsword& the beast" aufgefallen. Daneben, auch einige andere, die ich noch nicht zuordnen kann, da ich wie erwähnt kein... bin.

Nebenbei bemerkt sollte ein vernünftiger Mp3 Player, ich benutze seit jeher einen der Marke mit angebissenen ;Sie wissen schon..., das sogenannte "Gapless play", also unterbrechunsfreies Abspielen beherrschen. Ansonsten empfehle ich evt. eine Neuanschaffung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.04.2012 14:34:54 GMT+02:00
Rock Tullie meint:
Ich habe sie nach erster Begeisterung nach dem 3. Durchlauf geschrieben. Ich bin inzwischen richtig überzeugt von dem Album und habe inzwischen auch jede Menge von diesen Zitaten entdeckt. Aus dieser Sicht hast Du recht, ich hätte mir noch ein wenig Zeit nehmen sollen ;-)
MP3 habe ich inzwischen geklärt. Als Geizkragen habe ich das Teil mit dem Obst nicht. Dafpr höre ich es zu selten in diesem Format, eigentlich nur im Urlaub.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.04.2012 09:52:00 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.04.2012 09:52:56 GMT+02:00
no-one meint:
Mich hat's eben gewundert, dass eigentlich in keiner der ersten 10-15 Rezensionen etwas von den Zitaten erwähnt wurde, obwohl ich sie als sehr offensichtlich empfunden habe.
Für den ganz großen Wurf halte ich das Album nicht. Ok, es ist schön mal wieder mal ein neues Album im frühen "Tull" Stil zu hören, es ist perfekt inszeniert, produziert, etc., hat aber auch die eine oder andere eher beliebige Passage. Trotzdem Respekt, im Vergleich zu anderen Elder Statesmen des Rockbuisness ist IA immer noch relevant und gibt sich nicht der Fahrstuhlmusik hin.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.04.2012 15:04:02 GMT+02:00
Rock Tullie meint:
Naja, gar kein Zitat habe ich ja in der Rezension mitnichten geschrieben. das Loco-Zitat habe ich ja angerissen ;-). In Laufis Forum tragen wir gerade das eine oder andere zusammen und es ist nicht immer einfach mit der Zuordnung. Entdeckt wurde Farm on the Freeway, Rock Island, Heavy Horses, Rosa on the Factory Floor, TAAB 1, sogar ein klein wenig Aqualung. Aber es ist nicht alles so sehr offensichtlich, es sind ja keine Cover, und die Zitate sind ja keine 1:1 - Übernahme.
Schwächen hat das Album beim Sprechgesang. Einmal zu Beginn fand ich es dramaturgisch schön, später etwas zu oft. Das Ab und Zu - Verfremden der Stimme finde ich nicht übermäßig negativ, wir wissen ja alle, dass seine Stimme nicht mehr das allermeiste bewältigt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.04.2012 00:05:16 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.04.2012 00:09:20 GMT+02:00
PTR meint:
in iTunes:
Album auswählen.
Ablage/Informationen/Optionen/"Unterbrechungsfreies Album" anwählen.
Fertig

Und btw:
Ich persönlich würde in iTunes mindestens in AAC codieren und NICHT in MP3.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.04.2012 18:50:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.04.2012 18:52:30 GMT+02:00
Michel S meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.06.2012 11:26:42 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 08.06.2012 11:27:00 GMT+02:00]
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Ort: Bedburg-Hau, NRW

Top-Rezensenten Rang: 4.427