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Zu Lebzeiten nicht gefragt, 18. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Durch den Schnee: Erzählungen aus Kolyma 1 (Gebundene Ausgabe)
Der Berliner Verlag scheint sich einmal mehr als literarischer Nachlassverwalter für wenig bekannte Autoren zu betätigen. Das Buch ist schön gemacht, mit Nachwort, Anmerkungen und Glossar versehen, eine Aufmerksamkeit, um die Warlam Schalamow (1907 - 1982) zu Lebzeiten sicherlich froh gewesen wäre. Schalamow hatte 1924 begonnen, Jura zu studieren. Er wurde 1929 und 1937 zu Lagerhaft in Sibirien verurteilt. 1951 wurde er entlassen und 1956 im Zuge der Entstalinisierung rehabilitiert. Die Erzählungen im vorliegenden Band sind kurz, nüchtern und hart. Man friert, hat Hunger, ist krank. Die Häftlingshierarchie tut ein Übriges. Wenn du nicht aufpasst, wirst du wegen einer Lappalie umgebracht. Wie bei Primo Levis Auschwitzbericht ("Ist das ein Mensch?") hat man das Gefühl, da schreibt einer, der im falschen Film gelandet ist. Das hat auch tragikkomische Züge. Ein Intellektueller unter Verbrechern, Halsabschneidern, Apparatschiks. Man hat Mitleid mit dem Verfasser von diesem gut skizzierten Grauen. Vielleicht auch, weil sich, im Gegensatz zu Solschenizyn, Jorge Semprun und Imre Kertesz, niemand für die lakonischen Sätze ohne dargelegten Gesamtzusammenhang, ohne moralisierende Deutung, interessierte. Schade.
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Durch den Schnee: Erzählungen aus Kolyma 1 388221600X
Franziska Thun-Hohenstein
Matthes & Seitz Berlin
Durch den Schnee: Erzählungen aus Kolyma 1
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Zu Lebzeiten nicht gefragt
Der Berliner Verlag scheint sich einmal mehr als literarischer Nachlassverwalter für wenig bekannte Autoren zu betätigen. Das Buch ist schön gemacht, mit Nachwort, Anmerkungen und Glossar versehen, eine Aufmerksamkeit, um die Warlam Schalamow (1907 - 1982) zu Lebzeiten sicherlich froh gewesen wäre. Schalamow hatte 1924 begonnen, Jura zu studieren. Er wurde 1929 und 1937 zu Lagerhaft in Sibirien verurteilt. 1951 wurde er entlassen und 1956 im Zuge der Entstalinisierung rehabilitiert. Die Erzählungen im vorliegenden Band sind kurz, nüchtern und hart. Man friert, hat Hunger, ist krank. Die Häftlingshierarchie tut ein Übriges. Wenn du nicht aufpasst, wirst du wegen einer Lappalie umgebracht. Wie bei Primo Levis Auschwitzbericht ("Ist das ein Mensch?") hat man das Gefühl, da schreibt einer, der im falschen Film gelandet ist. Das hat auch tragikkomische Züge. Ein Intellektueller unter Verbrechern, Halsabschneidern, Apparatschiks. Man hat Mitleid mit dem Verfasser von diesem gut skizzierten Grauen. Vielleicht auch, weil sich, im Gegensatz zu Solschenizyn, Jorge Semprun und Imre Kertesz, niemand für die lakonischen Sätze ohne dargelegten Gesamtzusammenhang, ohne moralisierende Deutung, interessierte. Schade.
Andreas Gryphius
18. Januar 2008
- Insgesamt:
5

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