Kundenrezension

241 von 265 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Zwiespalt, 7. Mai 2009
Rezension bezieht sich auf: Das Spiel des Engels. Roman (Gebundene Ausgabe)
Wahrscheinlich bin ich der letzte Mensch auf der Welt, der den Schatten des Windes noch nicht gelesen hat. Insofern hatte ich bei der Lektüre von Das Spiel des Engels auch keine Erwartungen, die enttäuscht werden konnten. Und enttäuscht bin ich auch nicht. Nur vollkommen zwiegespalten.

Einerseits habe ich das Buch gerne und zügig gelesen, und insbesondere die schaurig-schönen Beschreibungen von Barcelona, das hier keineswegs als sonnendurchflutete Mittelmeerstadt daherkommt (wie ich es mir vorgestellt hatte), haben mir gut gefallen. Andererseits denke ich seit Tagen darüber nach, was genau ich in diesem Buch nicht begriffen habe - oder ob es vielleicht gar nichts zu begreifen gab.

Die Handlung: Der junge, ehrgeizige weil aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Schriftsteller David Martin bekommt von einem geheimnisvollen Verleger den geheimnisvollen Auftrag ein geheimnisvolles Buch zu schreiben. (Das Buch ist so geheimnisvoll, daß wir, die Leser, nie auch nur eine einzige Zeile aus dem Buch im Buch zu lesen bekommen. Das an sich finde ich bei einem Buch über das Bücherschreiben schon etwas befremdlich). Sowohl David als auch der Leser erkennen schnell, daß es sich um den klassischen Teufelspakt handelt, weshalb die verspäteten Versuche Davids, sich daraus zu befreien, für ihn und alle um ihn herum nur im Unglück enden können.

Das Buch hat meiner Meinung nach zwei Schwächen: Erstens verzettelt es sich in zu vielen phantastischen Elementen, von denen kein einziges schlüssig aufgelöst wird. Und da auch dem Autor die Lösungen fehlen, läßt er alles einfach in Mord und Totschlag enden.
Zweitens, und das ist wirklich fatal bei einem Roman, der in der ersten Person erzählt wird: Für den Ich-Erzähler David Martin kam bei mir bis zur letzten Seite keine Sympathie auf. Er wirkte auf mich eigenartig passiv und schwach, abhängig von stärkeren Charakteren wie seinem väterlichen Freund Don Pedro oder dem sympathischen Senor Sempere, und wird damit ein williges Opfer des "Engels". Selbst die eingeflochtene Liebesgeschichte berührte mich überhaupt nicht, weil ich den Protagonisten nicht liebenswert fand.

Und dann, andererseits, auch wieder starke Szenen: David hat endlich sein erstes Buch unter seinem eigenen Namen veröffentlicht. Voller Stolz läßt er seiner Mutter, die ihn als Kind verlassen hat, ein Exemplar zukommen. Er beobachtet, wie sie das Buch verständnislos anschaut und dann wegwirft. - Und während ich ernsthaft bis zur letzten Seite erwartet habe, daß die Mutter nochmals auftaucht, hat David die Kränkung innerhalb weniger Absätze vergessen und kommt nie wieder darauf zurück.

Mein Gesamteindruck ist, daß der Autor - der echte, Ruiz Zafon - sehr viele nette Ideen, aber keine Zeit, keine Lust oder keine Energie hatte, sie in einem logisch aufgebauten Roman zu verarbeiten. Folglich hat er einfach einzelne Szenen und Gedanken durch Fantasy-Elemente miteinander verbunden. Sehr clever. Frage ist nur, ob Klappentext und Kritik so wohlwollend gewesen wären, wäre dies der Erstling eines unbekannten Autoren und nicht der Nachfolger eines Weltbestsellers gewesen. Den werde ich übrigens als nächstes lesen... sehr gespannt und voller Erwartungen.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-10 von 14 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.03.2010 17:55:32 GMT+01:00
Leon Gongora meint:
sehr treffend rezensiert!!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.03.2010 23:19:37 GMT+01:00
Jan Vetter meint:
Ich schließe mich dem Kommentar an: Die Rezension trifft auch auf meine Lese-Eindrücke absolut zu. Nur dass ich den "Schatten des Windes" als Erstes gelesen hatte. Dies ändert aber nichts an meiner ungeteilten Zustimmung zu der treffenden Rezension.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.03.2010 16:53:14 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 17.03.2010 16:54:44 GMT+01:00
Michel S meint:
Das verstehe ich nicht. Daniel Sempere aus "Schatten des Windes" ist auch nicht immer nett und über alle "Zweifel erhaben". Zafon hat es im "Schatten" geschafft, die Figuren menschlich erscheinen zu lassen. Mit Stärken UND Schwächen. Das macht das Buch aus. Und ich denke auch, dass das im "Engel" sehr gut herauskommt. Ich für meinen Teil muss eine Figur nicht mögen, um durch sie auf lesend auf die Reise geschickt zu werden.
Wer mag schon wirklich Camus' Fremden oder Kafkas Gregor Samsa als Ich-Erzähler? Dennoch sind sie da; dennoch faszinieren und sossen sie gleichzeitig ab. Und man bleibt in beiden Fällen bis zum Ende beim Lesen gefesselt. So auch beim "Engel"

Veröffentlicht am 29.04.2010 13:13:39 GMT+02:00
A. Willmann meint:
Genau so sehe ich es auch, hatte erst das Gefühl irgendetwas nicht verstanden zu haben, aber das Buch hat einfach so viele Schwächen...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 24.05.2010 17:08:16 GMT+02:00
roterkaterleo meint:
Das finde ich auch!
roter kater

Veröffentlicht am 17.07.2010 09:58:43 GMT+02:00
P. Pesseg meint:
Ich habe gerade "Das Spiel des Engels" in einer Nacht durchgelesen und finde Ihre Rezension sehr passend.

Veröffentlicht am 26.07.2010 22:28:10 GMT+02:00
Justme meint:
Das ist absolut meine Meinung, vielleicht noch kritischer! Ich habe mich die ganze Zeit während des Lesens gefragt, warum so viele Leute den Autor so toll finden und warum ich nicht? Ich werde ihn mit Sicherheit nicht zu meinen LIeblingschriftsteller hinzufügen und wahrscheinlich in der nächsten Zeit von ihm nichts lesen zu wollen

Veröffentlicht am 13.10.2010 17:29:31 GMT+02:00
joemcdoe meint:
Ich kann mich der Rezension ebenfalls größtenteils anschließen, finde aber, dass der Ich-Erzähler keineswegs als klassischer Held agieren muss. Auch Schwächen und Selbstzweifel können zur Identifizierung beitragen, und man muss auch nicht bei allem was der Hauptcharakter tut mit dem Kopf nicken können. Ich denke auch, dass sich die Handlungsstränge weitestgehend auflösen, wobei die Verflechtungen der Charaktere zugegebenermaßen nicht leicht zu durchschauen sind.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.10.2010 13:55:13 GMT+02:00
Muschelkalk meint:
Hallo Basti,
als Ergänzung zu meiner Rezension:
Ich stimme Ihnen zu - die nicht-klassischen Helden, die sich mit ihren Schwächen auseinandersetzen und ihre Ängste überwinden müssen, sind in der Regel die interessanteren. Genau diese Auseinandersetzung hat mir bei David aber gefehlt - er läßt einfach alles mit sich geschehen, erdrückt vom Charisma seiner Mitspieler Don Pedro, Senor Sempere und auch des Engels.
Um ein Beispiel vom selben Autor zu nehmen: Daniel Sempere ist im "Schatten des Windes" anfangs auch nicht gerade ein Ausbund an Selbstvertrauen, aber er wächst und verändert sich mit seiner Suche nach Julian Carax - und das ist mir bei David nicht aufgefallen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.12.2010 13:40:50 GMT+01:00
Esmeralda meint:
Dem kann ich nur zustimmen. Der Charakter des David´s war mir ebenfalls etwas zu schwach geraten. Zum Ende hin war ich sogar etwas leicht genervt.
Aber trotzdem fand ich auch dieses Buch sehr gut, auch wenn es ein paar kleine Schwachpunkte gab. Ich habe es sehr gerne gelesen. Seinem Schreibstil ist der Autor nach wie vor treu geblieben.
‹ Zurück 1 2 Weiter ›