Kundenrezension

352 von 383 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unser Leben im Spiegel betrachtet, 4. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Eine Handvoll Worte (Broschiert)
Während Jojo Moyes erster Bestseller Ein ganzes halbes Jahr die Leserschaft teilweise polarisiert hat (einige fühlten sich von der Geschichte kaum berührt, zu stark an Ziemlich beste Freunde erinnert oder waren "geschockt", weil sie etwas anderes erwartet haben), eröffnet uns die Autorin mit ihrem "Zweitlingswerk" Eine Handvoll Worte einen weitaus philosophischeren Horizont, der zweifelsohne von jeder Leserin und jedem Leser erblickt werden sollte!

Inhalt:
Das Buch handelt von zwei Geschichten: Ellie (in der Gegenwart) ist Journalistin und findet bei der Räumung des Archivs einen heimlichen Briefverkehr aus den 60er Jahren, der von der wohlhabenden Jenny mit einem liebevollen Unbekannten stammt. Jenny ist (so erfahren wir aus einem Zeitsprung in die Vergangenheit) bei einem Autounfall am Kopf schwer verletzt worden und beginnt sich nach und nach, wieder an ihre "Rolle" als vermögende Gattin und "perfekte Hausfrau" zu erinnern. Obwohl ihr alle Freundinnen versichern, dass sie vor dem Unfall "die glücklichste Ehefrau" und die "beste Gastgeberin" gewesen sei, fällt Jenny erstmals auf, wie oberflächlich ihr Leben in all dem Prunk doch eigentlich ist. Gekettet an die Seite eines besitzergreifenden Gatten und gefangen im goldenen Käfig der Ehe sehnt sich Jenny nach der Liebe zu einem Mann, der sie auf Händen trägt und sie so liebt, wie sie es verdient hat. Und findet irgendwann, in einem ihrer geheimen Verstecke, den Brief eines liebevollen Unbekannten, der zwar einst an sie adressiert war, an welchen sie sich aber nicht mehr erinnern kann ...
Da Ellie (die Journalistin) unter Zugzwang ihrer Chefin auf der Suche nach der "schnellen Story" ist, beschliesst sie kurzerhand, über diesen Briefverkehr zwischen Jenny und dem unbekannten Liebhaber zu recherchieren. Doch je tiefer Ellie gräbt, desto mehr wird sie ergriffen von der Intensität der romantischen Liebe, die diese zwei Menschen einst verband. Und so erkennt Ellie, dass ihre aussichtslose Affäre mit einem verheirateten Mann vielleicht doch nicht die wahre Liebe ist, an der sie in ihrem Leben festhalten soll. Obwohl sie das immer geglaubt hat.

Meine Gedanken dazu:
Das Buch wirft viele Fragen nach der Natur der Liebe, der Partnerschaft und der Freundschaft auf, die uns die Autorin mit viel Gefühl vor Augen führt. Wie lange kann man einen Menschen lieben? Wie verlässlich ist die Liebe? Und was tun wir, wenn wir jemanden plötzlich nicht mehr lieben? Wie lange lassen wir uns demütigen oder schlecht behandeln, ehe wir uns eingestehen, dass es keine Liebe sein kann? Und wie befreien wir uns davon? Gibt es wirklich Menschen, die ein Leben lang eine "romantische Liebe" leben, oder scheint das Gras auf der anderen Seite nur immer grüner? Was wiegt eine Freundschaft auf? Und was, wenn eine langjährige Beziehung für eine flüchtige Bekanntschaft auf's Spiel gesetzt wird? Fataler Fehler oder ein erster Schritt in die richtige Richtung? Als Zweites beleuchtet die Geschichte den Aspekt, dass wir die Suche nach unserer grossen Liebe selbst in der Hand haben und keiner von uns im Voraus weiss, ob sie es auch tatsächlich sein und bleiben wird.

Die bildgewaltige Sprache, die guten Dialoge und die vielen Gedankengänge zur Liebe und zur Partnerschaft machen das Buch zu einem einmaligen Leseerlebnis. Einfach wunderschön geschrieben, man kann es gar nicht in Worte fassen! Auch der verzwickte aber clever ausgedachte Aufbau hat mir sehr gut gefallen. Es unterhält den Leser und schafft Spannung, ohne aber kompliziert oder konstruiert zu wirken. Durch die unterschiedlichen Zeitbezüge und Zeitsprünge zwischen den beiden Geschichten schafft Jojo Moyes ein sehr metaphorisches Abbild unserer Handlungsmöglichkeiten: Wenn wir die Chance in der Gegenwart nicht ergreifen, werden wir in Zukunft auf unsere Vergangenheit zurück blicken und vielleicht bedauern, nichts daran geändert zu haben. Die verwobenen Erzählstränge der beiden Schicksale laden dazu ein, Überlegungen von der einen auf die andere Geschichte zu übertragen und verleihen dem Ganzen einen zeitlosen und überdauernden Charakter. Sehr schön ausgedacht!
Auch eine zweite Gegenüberstellung gelingt Jojo Moyes: Der tragische Gegensatz der beiden Geschichten nämlich. Auf der einen Seite haben wir Jenny (1960), gefangen im goldenen Käfig der Ehe. Auf der anderen Seite Ellie (in der Gegenwart), die noch alles vor sich hat. Und obwohl beide Frauen dasjenige haben, was sich die jeweils andere wünschen würde, scheinen dennoch beide unglücklich. Wie kann so etwas sein? Und was ist das Geheimnis einer erfüllten Liebe?

Fazit:
Gerade im Vergleich zu Jojo Moyes erstem Roman bietet Eine Handvoll Worte enorm viel Spielraum für eigene Lebensereignisse, Gedanken und Überlegungen, weshalb jeder von uns die Geschichte auf persönliche Art und Weise "erleben" und "mitschreiben" wird. Liebevoll, schmerzhaft und noch bewegender als der Vorgänger. Egal ob alleinstehend, geschieden, in Partnerschaft, verheiratet, frisch verliebt oder von der Liebe enttäuscht: Das Buch betrifft und berührt uns alle! Eine sehr inspirierende Erfahrung mit vielen schönen, aber auch vielen traurigen Momenten sowie einem großen Finale! Unbedingt lesen!

*******************************

Nachtrag vom 21.10.2013:
Ich möchte (angeregt durch den Leserkommentar von Lisa Stagen) ergänzend vielleicht noch erwähnen, dass ich im Unterschied zu vielen anderen Lesern und Leserinnen kein so grosser Fan von Ein ganzes halbes Jahr war und stand mit meiner Drei-Sterne-Rezension damals ziemlich im Regen. Macht ja aber nix, da steh' ich auch zu. Schlussendlich lag es aber wohl einfach an der Natur der Thematik: Entweder man mochte die Story oder eben nicht. Die Fans z.B. konnten kaum genug kriegen von Lou & Will, fanden die Liebesgeschichte eine der Besten seit Langem und lobten die Autorin für das Aufgreifen der totgeschwiegenen Themen "Sterbehilfe" und "Freier Wille." Die stirnrunzelnden Kritiker hingegen fanden die Story zu eindimensional, rügten Moyes dafür, sich absichtlich eines heiklen Themas bedient zu haben und warfen ihr weiter Anlehnungen an Ziemlich beste Freunde vor. Nun denn, über Geschmack lässt sich streiten und das ist auch ganz ok so.

Mich persönlich hat deshalb tierisch gefreut, dass Eine Handvoll Worte so viel "losgelöster" und "themenungebundener" daher kam als der Vorgänger. Die Geschichte polarisiert viel weniger und verleitet die Leserin oder den Leser viel mehr dazu, in sich selbst zu gehen und über sich selbst nachzudenken, anstatt sich über etwas eine Meinung bilden zu müssen. Das mochte ich ganz speziell. Selbstverständlich gibt es auch hier Protagonisten, die einem u.U. missfallen können oder die man nicht so gerne mag. Das macht aber weiter nichts aus, da es über die Handlung hinaus so viele weitere Überlegungen gibt, denen Protagonisten, Sprache, Übersetzung oder Handlungsaufbau recht wenig anhaben können. Man könnte jetzt zwar argumentieren, dass das auch bei Ein ganzes halbes Jahr so war. Im Unterschied dazu wird man dort aber stärker zu einer Stellungsnahme gedrängt: Entweder, man anerkennt und akzeptiert Wills Entscheidung oder eben nicht. Dementsprechend fielen halt auch die Meinungen über das Buch aus, was eigentlich sehr schade ist, da die Kritik am Buch dann irgendwie ungerechtfertigt und politisch wird.

Bei Eine Handvoll Worte gibt es in diesem Sinne also kein "richtig" oder "falsch", oder ein "find ich auch" oder "find ich nicht." Es gibt höchstens ein "Stimmt, das ist bei mir auch so!" oder ein "Wie wahr! Diese Erfahrung musste ich auch machen!" Die einzige Kritik, die man hier also anbringen kann, ist dann wohl die Kritik an seinem eigenen Leben, wenn einem etwas aus der Geschichte bekannt vorkommt oder man etwas anders gemacht hätte.

Ich persönlich mag das.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-10 von 13 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 16.10.2013 20:20:00 GMT+02:00
Lisa Stagen meint:
diese rezension trifft es auf den punkt. das buch bringt gedanken in gange, die auswirkungen auf das eigene leben haben. auch ich, die ich unbedingt zu den fans des ganzen halben jahres zuzurechnen bin, finde das zweitwerk noch gelungener. danke für diese ausdrucksstarke und wohl wahre bewertung!!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.10.2013 15:20:42 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 21.10.2013 07:09:00 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.10.2013 07:20:21 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.10.2013 08:33:43 GMT+02:00
Mephitidas meint:
Hallo liebe Lisa!

Vielen lieben Dank für die netten und ergänzenden Worte! Deine Rückmeldung hat mich dazu veranlasst, noch eine Ergänzung in meiner Rezension nachzuschieben.

Herzlich,
D.

Veröffentlicht am 01.12.2013 14:21:04 GMT+01:00
tante coccola meint:
Hört sich spannend an. Vielleicht finde ich selbst mal die Kraft, dieses Buch zu lesen und ohne jeden Vorurteil auf mich einwirken zu lassen. Vorerst stelle ich es nur in meine Wunschliste auf Amazon.

Veröffentlicht am 05.12.2013 18:38:53 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 05.12.2013 18:39:37 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 15.12.2013 11:09:59 GMT+01:00
monika dür meint:
Hallo, ich möchte zu diesem Buch ein ganzes halbe Jahr auch kurz etwas schreiben.
Ich habe es von meiner Tochter ausgeliehen bekommen. Ich fuhr im Zug , war
Neugierig . Von Anfang an las sich das Buch sehr leicht, ich habe es regelrecht verschlungen, freute mich immer auf freie Zeit zum weiter lesen. Mich erstaunte es sehr, wieviel kraft die junge Lousia hatte , und in ihre am anfang schweren Start entwickle.
Ich werde mir jetzt selbst das Buch gönnen, Eine Handvoll Worte, denn nachdem ich den vorspann gelesen hatte, worin ich mich selbst schon etwas erkenne , kann ich garnicht abwarten, bis ich dieses Buch zum lesen bekomme,
Danke M.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.12.2013 11:22:33 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.12.2013 11:23:37 GMT+01:00
Mephitidas meint:
Hallo liebe Monika!

Vielen Dank für Deine Rückmeldung! Bezüglich Eine Handvoll Worte ist es mir im Übrigen gleich ergangen wie Dir. Ich habe den Vorspann dazu in Ein ganzes halbes Jahr gelesen und gleich gewusst, dass mich das wahrscheinlich mehr ansprechen wird als es "Ein ganzes halbes Jahr" getan hat. Resp., dass ich es unbedingt lesen muss. Und es hat mir im Endeffekt dann auch besser gefallen.

Herzlich,
D.

Veröffentlicht am 21.12.2013 19:47:38 GMT+01:00
Platini meint:
Vielen Dank für eine fantastisch ausdrucksstarke sowie ausführliche Bewertung, die den Leser sehr neugierig auf das Buch macht!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.12.2013 18:16:59 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.12.2013 18:17:37 GMT+01:00
Mephitidas meint:
Hallo Platini!

Vielen Dank für die lieben Worte! Ich hoffe, das Buch wird Dich nicht enttäuschen! Viel Spass beim Lesen und gib' doch eine kurze Rückmeldung, wie Du es gefunden hast.

Herzlich,
D.

Veröffentlicht am 23.01.2014 08:21:05 GMT+01:00
G. Jakobi meint:
Selten hat mich eine Rezension so angesprochen und neugierig gemacht! Vielen Dank dafür.
Ich werde mir das Buch kaufen.
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