Kundenrezension

24 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Helge - What Happened?, 31. Januar 2007
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: I Brake Together (Audio CD)
Als Fan der zweiten Stunde (für die erste ab ca. Mitte der 80er Jahre war ich seinerzeit noch deutlich zu jung) bin ich seit über 15 Jahren, und noch bevor er einem größeren Publikum bekannt wurde, ein großer Bewunderer von Helge Schneider. Ich besitze den allergrößten Teil seiner Alben, habe mit Ausnahme von JAZZCLUB seine Filme gesehen (JOHNNY FLASH zu einer Zeit, als man dafür noch für grenzdebil gehalten wurde), seine Autobiographie gelesen, verfolge seine Fernsehauftritte, wo immer es nur geht und fand seine Darstellung Hitlers in "Mein Führer" schlichtweg gigantisch (einzig und allein einen Live-Auftritt habe ich mir bisher nicht gegönnt: Ich könnte es nicht ertragen, neben einer Gruppe angetrunkener Zwölftklässler zu stehen, die grölend jeden Gag mit ihrer ganz eigenen Interpretation von "Helge Schneider" quittieren). Im allgemeinen Helge-Fieber, das gerade ob des Film, des neuen Buches, einer Single und jetzt des Albums ausgebrochen scheint, war ich gespannt, mit I BRAKE TOGETHER wieder einmal etwas Neues von meinem Helden zu hören.

Vom ersten Track (SUPERMAUS) an, der zwar recht amüsant ist, in seiner Art aber deutlich an einen alten Klassiker ("Es gibt Reis, Baby") erinnert, beschleicht einen die Ahnung, dass das nur sehr bedingt gelingen könnte. KÄSEBROT wirkt trotz seiner munteren Natur irgendwie "verbraucht" (u. a. der BUTTERSONG sowie das MÖRCHEN-LIED haben da ihr übriges getan), ähnliches gilt für "Suppenhuhn". Denn wenn er nicht mit seiner zum Markenzeichen gewordenen "Kinderstimme" singt, dann imitiert er: Elvis (wieder einmal), Udo Lindenberg (wieder einmal) oder gleich sich selbst. Er kann das ganz hervorragend, und tatsächlich lassen einen Schneiders Stimmimitationskünste immer wieder staunen und schmunzeln; Wirklich neu ist das aber nicht. Auch sein Umgang mit der englischen Sprache kommt einem bekannt vor ("My name is Peter"), obwohl mir I BRAKE TOGETHER immer noch als der stärkste Track des Albums erscheint. DIE TROMPETEN VON MEXICO ist eine herrlich angekitschte Latin-Nummer erinnert aber ebenfalls deutlich an bereits Dagewesenes aus der Ecke "Schlager-Parodie".

Nach sechs von insgesamt 14 Tracks ist man durch mit dem, was Helge Schneider seinem zuhörenden Publikum im Jahre 2007 Neues zu bieten hat (wenn man die Lindenberg-Nummer überhaupt noch dazu zählt). Die vier Neuaufnahmen eigener Songs (TEXAS, BITTE GEH NICHT VORBEI, TELEFONMANN, MÄDCHEN WOLLEN KÜSSEN) reichen, was ihren Charme betrifft, nur in Ansätzen an die Originale heran. Wenn Helge in TELEFONMANN die Stelle "la la la, der Text vergessen, scheißegal ..." bringt, dann wirkt das - irgendwie peinlich. Das Original war von der Helge Schneider eigenen Spontaintät und Improvisationskunst geprägt - wenn man ihm nun zuhört, wie er sich selbst imitiert, verliert die einst geniale Nummer TELEFONMANN beinahe zur Gänze ihren Reiz.

Die Klassiker FLY ME TO THE MOON und GEORGIA ON MY MIND, beide im Orignal von zwei der größten Musiker des 20. Jahrhunderts, einer davon, Frank Sinatra, neben Elvis eine DER Stimmen dieses Jahrhunderts, kann Helge nicht wirklich transportieren. Sehr wahrscheinlich könnte er es sogar, wenn er nur ein einziges Mal richtig singen würde, denn er kann es. Aber möglicherweise hat er aber Angst, sich so seine Klamauk-Anhängerschaft zu vergraulen, wobei man sich fragen muss, ob es nicht vielleicht doch einmal langsam an der Zeit dafür sein könnte? Sich stilistisch nicht festlegen lassen zu wollen, ist eine Sache, für die man ihn durchaus bewundern kann. Sich nicht entscheiden zu können, eine andere. Die Musik stimmt, aber der Gesang fegt all das wieder weg. JAILHOUSE ROCK gefällt mir von den sieben Cover-Versionen auf diesem Album immer noch am besten. Die Mickey Mouse-Stimme ist zwar ebenfalls nichts, was nun seine eigene Musik revolutionieren würde, aber es ist ganz lustig. Vor allem trägt er den Song mit einer gehörigen Portion Ernsthaftigkeit, Respekt und Können vor - wenn auch das nicht zum ersten Mal. Das Klaviersolo zeigt einmal mehr den zweifelsohne genialen Musiker hinter der Maske, das Interview ist ein weiterer Aufguss alter Erfolge, Stichwort "Hörspiele".

Helge Schneider ist kein Underground-Künstler mehr. Insofern erwartet man von ihm u. a. inzwischen auch, dass seine Veröffentlichungen einen gewissen qualitativen Anspruch erfüllen. Klanglich ist die CD über Strecken fragwürdig geworden (man beachte beispielsweise das äußerst unangnehme Rauschen in "Pinguine", das immer wieder auftaucht). Hinzu kommt, dass man auch mit dieser Produktion einmal mehr dem Credo der Plattenindustrie ("LAUTER ist besser!") gefolgt ist, das vor einigen Jahren Einzug gehalten hat in das Mastering von Musik. Im Falle dieser Scheibe eine echte Fehlentscheidung. Das sinn- und verstandlose Plattmachen in Gestalt einer exzessiven Komprimierung (hier ist nicht die Kompirmierung im Sinne von beispielsweise einem Format wie MP3 gemeint, sondern eine Komprimierung des eigentlichen Audiosignals) zugunsten der Lautstärke, nimmt der Musik die Dynamik. Im Falle von Chart-Musik ist das nicht weiter schlimm, im Falle von Jazz schon.

Zwar ist Schneider inzwischen nicht mehr mit Hardcore zugange, sondern hat eine neue, zweifelsohne ausgezeichnete Band, und musikalisch ist das Ganze durchweg hervorragend gemacht. Aber es fehlen doch ganz deutlich die Einfälle, um diese Voraussetzungen mit Leben zu füllen. Keine Überraschungen, kaum Neues, wenig Einfallsreiches, dafür viel Imitation und eine CD, die auch klanglich über weite Strecken nicht überzeugt, obwohl sie es, bei dem Anspruch, den Helge selbst an seine Musik zu haben vorgibt, eigentlich müsste. I BRAKE TOGETHER, das jüngste Werk eines genialen Künstlers, der unlängst mit einer schauspielerischen Glanzleistung bewiesen hat, was an Potential in ihm steckt und wo der Weg in Zukunft möglicherweise hingehen könnte, schafft es mit Ach und Krach und mit einer gehörigen Portion an Bonuspunkten auf gerade einmal drei Sterne.

Was ist geschehen? Der "alte" Helge scheint an einer Weggabelung angekommen zu sein. Der ältere Helge muss einen neuen Weg einschlagen, will er auch zukünftig noch überzeugen. Vielleicht wird dieses Album von den Helge-o-logen in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren einmal als genau das angesehen werden: Als Wegweiser auf einem künstlerischen Weg, der von hier an in eine andere Richtung ging ...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

Schreiben Sie als erste Person zu dieser Rezension einen Kommentar.

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 


Details

Artikel

Rezensentin / Rezensent


Top-Rezensenten Rang: 16.278