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5.0 von 5 Sternen Fakten statt Alarmismus, 17. Oktober 2009
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Rezension bezieht sich auf: Kulturgeschichte des Klimas: Von der Eiszeit zur globalen Erwärmung (Gebundene Ausgabe)
Im Gegensatz zum internationalen Sprachgebrauch, der Begriffe wie "climate change" und "global warming" umfasst, faseln wir Deutsche gerne von der "Klimakatastrophe". Der Historiker Wolfgang Behringer lässt den von Medien und Wissenschaftsastrologen (welche noch in den 1970er Jahren vor einer Abkühlung gewarnt hatten) verbreiteten Alarmismus beiseite und beleuchtet in seiner "Kulturgeschichte des Klimas" die Fakten vom Treibhauseffekt des Archaikums (ca. 3,8 - 2,5 Milliarden Jahre), der erst die Voraussetzungen für das Leben auf der Erde schuf, bis zur gegenwärtigen globalen Erwärmung, die sich jedoch immer noch innerhalb einer Eiszeitperiode abspielt.

Das Klima befand sich in dieser unvorstellbar langen Periode nie in einem Gleichgewichtszustand. Die Extreme schwankten zwischen Treibhausklima und kompletter Vereisung des Erdballs. In der Erdgeschichte sind fünf große Massenaussterben bekannt. Das verheerendste war die Permkatastrophe, der etwa 75 - 95% der marinen Tierarten und ein großer Teil der Landlebewesen zum Opfer fielen.

Auch die relativ kurze Kulturgeschichte der Menschheit wurde von klimatischen Veränderungen beeinflusst. Die globale Erwärmung des Holozäns ermöglichte erst die Herausbildung menschlicher Hochkulturen und den Übergang von der halbnomadischen Jäger- und Sammlerkultur zur Sesshaftigkeit mit Viehhaltung und Ackerbau. Klimatische Schwankungen führten jedoch immer wieder zu Aufstieg und Niedergang von Zivilisationen wie in Ägypten und Mesopotamien.

Selbst die letzten beiden Jahrtausende waren von klimatischen Einflüssen geprägt. Die Blütezeit des Römischen Reiches fiel mit der Erwärmung vom 1. Jahrhundert bis etwa 400 n. Chr. zusammen. Die Nordausdehnung des Reiches war nur deshalb möglich, weil durch das Abschmelzen der Gletscher die Alpenübergänge ganzjährig passierbar waren. Zur gleichen Zeit entstand das erste chinesische Großreich. Ein ähnliches Klimaoptimum wurde erst wieder während der Mittelalterlichen Warmzeit erreicht, in der Grönland (Grünland) besiedelt wurde. Von dort aus wurde der amerikanische Kontinent erstmals entdeckt. Die Baumgrenze stieg in den Alpen bis auf über 2000 Meter, und Wein wurde in Pommern, Ostpreußen, Südschottland und Norwegen angebaut.

Die "Kleine Eiszeit" setzte im 14. Jahrhundert ein und führte in den folgenden Jahrhunderten zu Missernten, Hunger und Krankheiten, wofür zunächst "Hexen" verantwortlich gemacht wurden. Jenseits aller religiösen Wahnvorstellungen bewirkte die Anpassung an die neuen Lebensbedingungen schließlich einen rationaleren Umgang mit der Krisenbewältigung. Es entstanden staatliche Strukturen, die modernen Naturwissenschaften, technische Entwicklungen und ein weltumspannendes Wirtschaftssystem.

Die gegenwärtigen klimatischen Verhältnisse liegen noch unter den Klimaoptima der Antike und des Mittelalters. Gemessen am Paläoklima, das meist sehr viel wärmer als heute war, leben wir jetzt noch in einer Eiszeitperiode. Dass es anthropogene Ursachen für die momentane Erwärmung gibt, schließt Behringer zwar nicht aus, folgert allerdings, dass eine sofortige Verhaltensänderung oder die Suche nach Sündenböcken den Klimawandel nicht aufhält. Tatsache ist auch, dass die CO2-Konzentrationen ohne menschliche Einflüsse in der Erdgeschichte erheblich schwankten und die Kurven für Temperatur und Kohlendioxydgehalt der Atmosphäre nicht einfach parallel verliefen, obwohl deren Zusammenhang zum klimatologischen Dogma erklärt wurde. Selbst dann bleibt die Frage, ob die veränderten CO2-Konzentrationen Ursache für die veränderten Temperaturen sind oder umgekehrt - oder ob beide von einem dritten, noch unbekannten Vorgang gesteuert werden.

Es bleibt zu hoffen, dass sich - wie im Verlauf der "Kleinen Eiszeit" - die Vernunft gegen den pseudoreligiösen und politisch-ideologischen Alarmismus durchsetzt. Die Suche nach Schuldigen und Sündenböcken als moderne "Hexen" hilft nicht weiter. Gefragt ist eine flexible Anpassung an den ständigen Klimawandel, der auch ohne menschliches Zutun stattfand und in Zukunft immer stattfinden wird, und die Erkenntnis, dass die gegenwärtige Erwärmung nicht nur Risiken sondern auch Chancen birgt. Dafür leistet dieses Buch einen wichtigen Beitrag.
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