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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen " Das Teuflische des falschen Lachens ... ", 14. August 2011
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Rezension bezieht sich auf: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente (Sondereinband)
Die hauptsächliche Intention dieses Buches, der Zusammenhang zwischen Aufklärung und Mythos bzw. Vernunft und Herrschaft, wurde hier schon angeschnitten, weshalb ich mich zu einem damit einhergehenden Nebenzweig äußern möchte: dem moralischen Nihilismus!

Mit ihrem neomarxistischen Kulturzynismus greifen die beiden Denker der Frankfurter Schule die westliche Kulturindustrie und den Faschismus an, der durch diese unterstützt wird. Sowohl in unserem Selbstverständnis, als auch dem Bilde gegenüber Natur(beherrschung) und Medien werfen sie eine Refelxion vor, die so manchen Naivling aus den Socken haut, wenn er es denn versteht - denn mit Absicht wird in diesem Werk das volle Potential an zur Verfügung stehenden Fachbegriffen und Fremdwörtern genutzt, die sich allerdings mit der Zeit wiederholen und somit kein Risiko des Unverständnis darstellen, sondern vielmehr eine Wortschatzbereicherung.

Mit dieser kritischen Einstellung gegenüber den gegenwärtigen Werten und der Zeit, aus der sie hervorgehen, nämlich der Ratio idealisierenden Aufklärung, ist es kein Wunder, dass auch der abendländische Versuch, die Moral einer säkularisierten Gesellschaft zu retten, nicht verschont bleibt.
"Die Morallehren der Aufklärung zeugen von dem hoffnungslosen Streben, an Stelle der geschwächten Religion einen intellektuellen Grund dafür zu finden, in der Gesellschaft auszuhalten, wenn das Interesse versagt."(S.92)

Um diese Behauptung zu stützen, gehen sie nicht nur gegen Kant und seine Vernunftvorstellung vor, sondern heroisieren dazu die sonst so als verfehlt propagierten Ansichten Nietzsches und des Marquis de Sade.
"(Die kantsche) Vernunft als das transzendentale überindividuelle Ich enthält die Idee eines freien Zusammenlebens der Menschen, in dem sie zum allgemeinen Subjekt sich organisieren und den Widerstreit zwischen der reinen und empirischen Vernunft in der bewußten Solidarität des Ganzen aufheben. Es stellt die Idee der wahren Allgemeinheit dar, die UTOPIE."(S.90)
"Die Aufklärung hatte sich auf den Liberalismus festgelegt. Wenn alle Affekte einander (gleich)wert sind, so scheint die SELBSTERHALTUNG, von der die Gestalt des Systems ohnehin beherrscht ist, auch die wahrscheinlichste Maxime des Handelns abzugeben."(S.97)
"Nachdem die objektive Ordnung der Natur als Vorurteil und Mythos sich erldeigt hat, bleibt Natur als Masse von Materie übrig. Nietzsche weiß von keinem Gesetz, 'welches wir nicht nur erkennen, sondern auch über uns erkennen'. Soweit Verstand, der am Richtmaß der Selbsterhaltung groß wurde, ein Gesetz des Lebens wahrnimmt, ist es das des Stärkeren. Kann es für die Menschheit wegen des Formalismus der Vernunft auch kein notwendiges Vorbild abgeben, so genießt es den Vorzug der TATSÄCHLICHKEIT gegenüber der verlogenen Ideologie."(S.106)
"Die dunklen Schriftsteller des Bürgertums haben nicht wie seine Apologeten die Konsequenzen der Aufklärung durch harmonistische Doktrinen abzubiegen getrachtet. Sie haben nicht vorgegeben, daß die formalistische Vernunft in einem engeren Zusammenhang mit der Moral als mit der Unmoral stünde. Während die hellen das unlösliche Bündnis von Vernunft und Untat, von bürgerlicher Gesellschaft und Herrschaft durch Leugnung schützten, sprachen jene rücksichtslos die schokierende Wahrheit aus."(S.126)
"Die Unmöglichkeit aus der Vernunft ein grundsätzliches ARGUMENT GEGEN DEN MORD vorzubringen, nicht vertuscht, sondern in alle Welt geschrieen zu haben, hat den Haß entzündet, mit dem gerade die Progressiven Sade und Nietzsche heute noch verfolgen."(S.127)

Vernunft kann zu keiner objektiven Moral führen, warum sollte man sich dann an jene halten, die einem heuchlerisch vorgelegt wird. Sowohl von den Aufklärern, als auch von der Gesellschaft. Das was am nächsten liegt ist noch die Selbsterhaltung, da sie der Wirklichkeit entspringt, und somit gar nicht als normativ gesetzt werden muss. Natürlich besteht dazu kein Zwang, man kann gerne auch noch mitleiden und in den eigenen Augen "Gutes" tun, aber wenn dann bloß aus freien Stücken, aus dem eigenen Willen heraus, der einen dazu antreibt, der sich davon Glückseligkeit verspricht, ein reines Gewissen... so "anrüchig", wie Nietzsche es nennt, dieses auch sein mag.

Das Buch, das (auch) diese Botschaft vermittelt und dazu beiträgt uns Menschen mündig zu machen, ist wirklich empfehlenswert. Auch weil es einem hilft, sich den Zwängen der Kulturindustrie zu entziehen, indem es diese erkennt. Meine Utopie sähe so aus, dass dieses Buch in der 13 Pflichtlektüre würde :)

MfG ich
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 03.08.2014 22:39:11 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.08.2014 22:50:54 GMT+02:00
Haehnel meint:
Sie müssen vor dem 13. Schuljahr anfangen dem Menschen Empathie vorzuleben, dann wird die Chance massive sinken, Menschen geschaffen zu haben, die ihre eigene Art auslöschen. Die Gegenwart der Mutter in den ersten Tagen, Wochen und Monaten ist der Grundstein für einen gesunden Geist eines Menschen.

Der Blick über den aufgeklärten Tellerrand ist nur etwas für den gesunden Menschen, denn er erkennt das Negative an, der kranke Charakter verdrängt alles Unangenehme mit der Folge, dass er sich um sein irrationales Handeln eine ebenso irrationale und mystische Theorie bauen muss, denn in einem sind wir Menschen alle gleich: am Ende einer Gleichung soll ein "WAHR" stehen. Nur wird in der Multiplikation dann aus Selbstschutz heraus das ein oder andere "FALSCH" gern ignoriert bzw. das Bewußtsein darüber abgespalten. Diese Überlebensprozesse führen letztlich in den Untergang. Eine Lüge im Gebälk reicht aus, um das Haus zum Einsturz zu bringen, Pfusch am Bau, den unserer Politikdarsteller täglich neu etablieren und mit gutem Beispiel von Immunität vorleben, die sie natürlich benötigen, da Sie selbst ja über keine Mittel verfügen sich gegen die aufgebrachten Massen zur Wehr zu setzen, emotional verkrüppelte Kinder in einem schwarzen Allmachtsanzug, die der Welt den Gegenkrieg für alle erlittenen Demütigungen angesagt haben.

Unsere Gesellschaft braucht auch Lehrer mit dem Gedankengut aber vor allem dem Handeln eines Wilhelm Reich mit seiner Körperorientiertheit zum Einen (weiterentwicklte Körpertherapie von Alexander Lowen und heute durch Boyesen praktiziert) und eines Alexander O'Neil mit seiner bahnbrechenden praktischen Pädagogik. Ein Kind, das mit 19 Jahren längst in den Brunnen gefallen ist, holen wir nicht mehr heil heraus, der kollaterale Schaden am Selbstwert kann mit Hilfe der Mittel dieser Gesellschaft gelöst werden, dazu müsste es aber Petitionen geben, die diese Möglichkeit forden und dazu wiederum Menschen, die sich dieser Umstände bewußt sind. Intellektualität allein, wie Adorno sie praktiziert führt praktisch nicht zur Einheit von Geist und Körper und in diesem Fehlen ist wegen seiner Inhomogenität zu einem wesentlichen Teil destruktives Verhalten und Obrigkeitshörigkeit und folglich ein gigantisches Manipulationspotential bis in den deutschen oder dem postdeutschen palistinensischen Holocaust zu sehen (Massenpsychologie des Faschismus). Menschen, die lernen durften zu fühlen, würden sich an der systematischen Auslöschung unserer Art auf diesem Planeten niemals beteiligen. Weltkriege oder ein Dauerkrieg den die Hamas und Israel führen wären undenkbar ohne diese gigantischen Traumen, die Generationen nicht verarbeiten können und immer weiterreichen; es ist wohl diese Endlosspirale, dieser Dominoeffekt, der uns zur größten Gefahr wird, wie die traumatisch-panische Angst des Bindungsunfähigen. Von daher kann ich nur sagen, Adorno ist für den intellektuellen Diskurs sehr brauchbar, allein aber bewirkt er praktisch nicht viel, ausser, dass wir darüber reden und das ist zugestanden immerhin etwas.

Doch, wieviel Promille der Weltbevölkerung haben dieses Buch gelesen? Die Zahl wird nicht ausreichen, um eine kritische Masse zu erzeugen, aber einen Beitrag dazu leisen, sie zu erreichen.

Wenn unsere Kinder in Elternhaus, Schule und Gesellschaft allgemein im Wesentlichen nur mit Klischees und Trashkultur (ich liebe es) konfrontiert werden, statt ihnen empatisches Fühlen im Alltag zu ermöglichen, ist es kein Wunder, dass sie die Befriedigung in oralen oder sadistischen Kanälen suchen, denn man teilt ihnen ja mit, dass sie zu funktionieren haben und nichts wert sind. Dann sucht sich das Individuum eine alternative Befriedigung, egal ob sie für es selbst oder die Gesellschaft grundschädlich ist.

Ganzheitlichkeit, praktisches Miteinander, auf dieser Grundlage kann Verständigung und Wertschätzung meines Nächsten erlernt und praktiziert werden und das bei Fehlen jeglicher Intellektualität.
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