Kundenrezension

29 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Irgendwas stimmt nicht mit mir...", 18. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Drecksau (DVD)
"Filth" (deutscher Titel: Drecksau) ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Kultautor Irvine Welsh ("Trainspotting"). Zu Beginn sehen wir Carole (von irritierender Schönheit: Shauna McDonald), die von ihrer Ehe mit Bruce schwärmt. Seine anstehende Beförderung werde ihr Liebesleben noch weiter befeuern. Kurz darauf wird sie Zeugin, wie Jugendliche einen japanischen Studenten verprügeln. Eine Täterin schaut sie höhnisch an. - Ist das der Beginn des Films oder wird der Zuschauer auf eine falsche Fährte gelockt?
Tatsächlich wird sich die Polizei von Glasgow mit dem Mord an dem Studenten beschäftigen müssen. Bruce Robertson (geradezu sensationell: James McAvoy) sieht in der erfolgreichen Lösung des Falls lediglich die Möglichkeit für die heißersehnte Beförderung. Seine Ehe scheint aber ganz anders beschaffen zu sein als dies der Beginn des Films nahe legt. Bruce schreckt vor keiner Gemeinheit zurück, um seine Kollegen zu diskreditieren. Dass ausgerechnet er polizeiintern beauftragt ist, gegen Mobbing vorzugehen, macht den Bock zum Gärtner, bietet es ihm wunderbare Möglichkeiten, erst Fakten zu schaffen, die er heuchlerisch zu bekämpfen vorgibt. Und es wäre naiv zu glauben, dass er einem Verdächtigen mit seiner minderjährigen Freundin nur deshalb folgt, um das Mädchen vor sexuellen Übergriffen zu schützen.
Der Film beginnt zunächst sehr schwarzhumorig und deckt Eitelkeiten und Geltungsbedürfnis der Polizisten auf. Bruce gelingt es tatsächlich, in einer alkoholgeschwängerten Adventsfeier seine männlichen Kollegen dazu zu überreden, ihr "bestes Teil" per Fotokopierer abzulichten. Er selbst benutzt die Vergrößerungstaste, um sich einen billigen Vorteil bei der zur Orgie ausartenden Feier zu schaffen. Und die obszönen Anrufe, die Bruce fast lustlos, aber voller Gespür dafür, wie solch ein Täter tickt, macht, haben ein gewisses Humorpotential, wobei einem das Lachen aber immer wieder im Halse stecken bleibt.
Zunehmend wird der Film bitterer, böser, fast unerträglich. F-Wörter, die ich hier nicht wiedergeben werde, damit der Amazon-Filter nicht zu glühen anfängt, werden überproportional häufig verwendet. Frauen spielen in seinem Leben eine problematische Rollen, sollen sie doch lediglich seine Sexsucht "lindern". "Bestenfalls" demütigt er noch die gehörnten Ehemänner. Mitunter geht es sehr drastisch zu und in einer Szene, in der er eine seiner Geliebten verhöhnt, da sie es gar nicht wert sei, dass er Gefühle für sie entwickle, kamen mir schon die Tränen. Zwar wird sie einmal die Gelegenheit erhalten, Gleiches mit Gleichem zu vergelten, aber Schadenfreude mag nicht aufkommen, lediglich die Erkenntnis, dass Gewalt nur wiederum Gewalt erzeugt. Als Bruce allerdings der jungen Witwe Mary begegnet, scheint er sich daran zu erinnern, dass es so etwas wie Mitgefühl, vielleicht sogar Liebe geben könne. Abwechselnd hofft der Zuschauer, dass Bruce wieder zurück in ein "normales" Leben findet und fürchtet, dass er die arglose Frau in seine Machenschaften hineinziehen könne. Da er statt seiner Medikamente immer mehr Drogen nimmt, wird es schier unmöglich, den Teufelskreis aus Mobbing, Gewalt, Korruption und Ausbeutung zu durchbrechen. Im Drogenrausch erscheint ihm so etwas wie sein Gewissen, der ältliche Psychiater Dr.Rossi (Jim Broadbent), dessen "Ratschläge" er aber auch nicht umsetzen kann. Es gelingt ihm, den einzigen Mann, der vielleicht sein Freund und Vertrauter hätte werden können, mit falschen Anschuldigungen ins Gefängnis zu stecken. Dass Bruce an einer gefährlichen Störung seiner Persönlichkeit leidet, merkt der Zuschauer schon bevor der Film seine wahre Geschichte zu erzählen beginnt.
Selten war ein Kino"held" derart abstoßend. Für mich übertreibt der Film allerding auch so sehr, dass die durchaus tragische Wendung des Films nicht mehr dazu führt, irgendwie Mitgefühl mit Bruce zu haben. Einerseits möchte ich den Film noch einmal sehen, um die seelisch-geistige Entwicklug von Bruce noch besser nachvollziehen zu können, andererseits scheue ich seine bedrückende Perfidie.

Fazit: bitterböse Farce über einen Polizisten am Rande des Wahnsinns, nichts für schwache Nerven
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Kommentare

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1-10 von 13 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.10.2013 17:51:39 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 21.10.2013 17:53:34 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Das hört sich ja interessant an liebe Christine.
Du machst mich neugierig. Ich kann wirklich nicht einschätzen ob mir der Film zusagen würde oder nicht.
Auf jeden Fall ein Film der Diskussionen hervorruft und das ist ja schon einmal lobenswert.
Ein wenig fühle ich mich in deiner Beschreibung an den alten Abel Ferrara Klassiker "Bad Lieutenant" mit Harvey Keitel als drogenabhängigen,korrupten Ekelcop erinnert.
Ich glaube jedoch,ich warte bis es den Film zu entleihen gibt.
Vielleicht sollte man den lieber zu Hause schauen ohne die ganzen seltsamen Lebewesen um einen herum, die einem im Kinosaal die Nervenzellen wegknuspern.
Unter Hitchcocks "Verdacht" hat mir über Nacht auch noch für Dich das Dichter-Herz gelacht.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 20:18:08 GMT+02:00
christine meint:
Ich denke, ich kann Dir den Film empfehlen, er wirkt immer noch bei mir nach. Auch wenn die vielen F-Wörter mir (im übertragenen Sinne) Pastorentochter sehr zu schaffen gemacht haben, fand ich die Auflösung herausragend. Mir hat glücklicherweise niemand die Nervenzellen weggeknuspert, in der Provinz geht es doch ganz gesittet zu.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.10.2013 22:50:41 GMT+02:00
Steph meint:
HALLO CHRISTINE!

ich dachte, der film läuft momentan erst im kino!? hab ich mich wohl vertan! deine rezi klingt ja so, als wenn man sich den film angucken MUSS! zumal ich james mcavoy gern sehe! UND AM rande des wahnsinns sehe ich mich selbst ja auch, von daher....! FEINE REZI;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2013 17:57:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.10.2013 17:58:51 GMT+02:00
christine meint:
Danke für das Feedback, doch der Film läuft noch in den Kinos. McAvoy mag ich auch sehr, hatte ihn aber in der Schublade "sanfter Jüngling", hier spielt er vollkommen enthemmt das Super- A*schloch vom Dienst. Sehenswert, man sollte aber nicht gerade einen Durchhänger haben, der Film baut nicht auf!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 23.10.2013 18:10:35 GMT+02:00
Steph meint:
ICH KENNE ihn von ABBITTE oder X-MEN! "der film baut nicht auf" OK, werd ich mir merken:-)

einen schönen tag, christine!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.12.2013 18:30:38 GMT+01:00
Ray meint:
Hallo Christine, auch ich wünsche Dir frohe Festtage und diesen Film hab ich mir schon mal vorbestellt. Bin sehr gepannt. LG Ray

Veröffentlicht am 06.01.2014 09:33:11 GMT+01:00
Auf den Film bin ich tierisch gespannt. James McAvoy ist ziemlich wandelbar....denkt mal an "Last King of Scotland", "Wanted", "X-Men" (bald wieder, juchu!) und zuletzt den ziemlich umwerfenden Thriller "Trance". Klar, im Kostümfilm wie bei "Geliebte Jane" habe ich ihn auch gerne gesehen, aber er kann eben auch anders und das mag ich an ihm. Als "Drecksau" kann ich ihn mir verdammt gut vorstellen! :)
P.S. und kennt jemand ggf. den Streifen "Inside I'm Dancing" mit McAvoy? Geheimtipp!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.01.2014 13:58:37 GMT+01:00
Steph meint:
gehts da nicht um behinderte menschen? nicht sprechen können, lungenentzündung, tod, unerfüllte liebe....kann sein, dass ich den im tv schon gesehen hab...weiß nicht genau...vielleicht meinst du ja doch einen anderen film, isabell:-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.01.2014 15:54:10 GMT+01:00
Ja, James McAvoy mal in blond, vom Hals an abwärts gelähmt und der "macht einen drauf" mit seinem behinderten Freund. Tragisch/lustiger Film und mir gefiel er besser als z. B. "Ziemlich beste Freunde" (der aber für sich genommen auch recht gut ist, aber eben extrem hochgehypt).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.01.2014 16:25:05 GMT+01:00
Steph meint:
OK isabelle.....jetzt komt der gute james ja wieder in X-MEN! in ABBITTE fand ich ihn auch sehr gut. :-)
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