Kundenrezension

11 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grandios gespielte Gangster-Dramedy mit dramaturgischen Schwächen, 13. Februar 2014
Rezension bezieht sich auf: American Hustle [Blu-ray] (Blu-ray)
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Was darf man von David O. Russells American Hustle erwarten? Oftmals wird der Film als Gangsterkomödie beworben, was allerdings nur bedingt zutrifft. Er hat zwar seine humorvollen Seiten und teilweise wirklich skurrile Situationen, wer aber erwartet, am laufenden Band zum Lachen gebracht zu werden, dürfte enttäuscht werden. Im Vordergrund stehen eher die verzwickten Beziehungen zwischen den Charakteren, die mit der Zeit immer mehr und mehr eskalieren, weshalb American Hustle dann doch eher in den Bereich Gangsterdrama einzuordnen ist. Die Ereignisse basieren zwar auf wahren Ereignissen, welche aber nur lose übernommen wurden, was auch im Vorspann des Films verdeutlicht wird.
Aus Russells vorigem Film Silver Linings Playbook gibt es ein Wiedersehen mit Bradley Cooper, Jennifer Lawrence (wobei diese dieses Mal “nur“ in Nebenrollen zu sehen sind) und in einem Kurzauftritt auch mit Robert De Niro.

Was erwartet einen inhaltlich?
Irving (Christian Bale) führt einerseits ein Leben mit Frau (Jennifer Lawrence), Kind und der Arbeit in einer Wäscherei, auf der anderen Seite aber eine Doppelleben als Kreditbetrüger mit seiner Geliebten und Mithelferin Sydney (Amy Adams). Dummerweise kommt der FBI-Agent Richie (Bradley Cooper) den beiden Ganoven auf die Schliche und bietet den beiden nach gvollbrachter Überführung an, für das FBI im Untercovereinsatz vier Schwergewichte der kriminellen Szene auszutricksen und somit ebenfalls zu überführen, um im Gegenzug der eigenen Strafe zu entgehen. Unvorhergesehe Komplikationen und unvorteilhafte Liebesaffären machen dieses Unterfangen allerdings schwieriger als ursprünglich gedacht.

Was bei diesem Film am Meisten hervorsticht, sind seine grandiosen Schauspieler, allen voran Christian Bale. Für The Machinist hungerte er sich bis auf die Knochen ab, in der Dark Knight-Trilogie mimte er den muskelbepackten Batman und nun darf man ihn mit dicker (wirklich angefutterter) Plauze, offenem Hemd, Goldkette und schlecht sitzendem Toupet bewundern. Es ist wirklich unglaublich, wie wandlungsfähig dieser Schauspieler ist. Man kauft ihm einer jede dieser Rollen ab, wie hier den eher gemütlichen Kleinganoven, der verunsichert, da völlig überfordert durch seine immer größer werdende Undercoveroperation stolpert. Weiter hervorzuheben ist Jennifer Lawrence, bei der man wirklich das Gefühl bekommt, die Rolle von Irvings Frau sei ihr auf den Leib geschrieben. Fantastisch spielt sie die verwöhnte naive Schickimicki-Dame, die nicht erst denkt und dann handelt, sondern das Denken scheinbar ganz außen vor lässt und dabei trotzdem die ganze Männerschar um ihren Finger wickelt. Herrlich mitanzusehen sind ihre cholerischen Ausbrüche oder teilweise völlig abwegigen Argumente, die aus ihrem Mund dann aber doch irgendwie Sinn ergeben. Auch der Rest der Cast wie Bradley Cooper als erfolgsversessener Cop, der sich manchmal etwas zu paddelig anstellt, oder Amy Adams als zwischen Irving und Richie hin und Hergerissene, die eigentlich nur auf der Suche nach einem Mann ist, der sie bedingungslos liebt, machen eine super Figur und lassen American Hustle dadurch zu einem interessanten Charakterfilm werden.

Einen weiteren Pluspunkt erntet der Film durch seinen wirklich als gelungen zu bezeichnendes 70er-Jahre-Flair. Die Frisuren, die Klamotten, die Autos, einfach alles stimmt und versetzt einen angenehm in eine vergangene Zeit zurück. Maßgeblich für diesen Flair sind die starke und gewollte Körnung des Bildes (bevor hier jemand wieder schimpft, die Blu-ray habe schlechtes Bild) und die überzeichnete Farbgebung des Films, wodurch der Film zwar etwas verwaschen und “alt“ aber trotzdem quietschbunt ausschaut. Die zeitlich angemessene Musik tut da ihr Übriges und Led Zeppelins „Good Times, Bad Times“ geht mir seit dem Trailer nicht mehr aus dem Kopf (auch wenn es selbst im Film nicht vorkommt).

Nun kommt allerdings das große ABER des Films: der Handlungsverlauf.
Es ist interessant mitanzusehen, wie sich die Konflikte zwischen den Charakteren immer mehr zuspitzen und zu eskalieren drohen. Es gibt einige angespannte Situationen, wie bspw. ein Gespräch mit einem berüchtigten Mafiaboss, der in einen Araber investieren soll (wobei dieser anwesende Araber in Wirklichkeit aber Mexikaner ist und nur kleine Bröckchen Arabisch spricht), oder wie Irving einen korrupten Politiker (Jeremy Renner) überführen soll, sich aber langsam mit diesem anfreundet und dennoch weiß, dass er diesem Mann erheblich schaden wird. Worauf man allerdings die ganze Zeit wartet, ist dieser gewisse große Knall, wo alles zusammenbricht, wo es die Charaktere mit allen Feinden auf einmal zutun kriegen, die sie sich im Verlauf des Filmes machen, wo der ganze Schwindel auffliegt. Dieser große Knall bleibt leider aus, ein richtiger dramatischer Höhepunkt fehlt. Leider erweckt aber gerade der Trailer den Anschein, dass sich die Handlung so zuspitzt, dass die Charaktere auch wirklich um ihr Leben fürchten müssen. Die angedeutete Waffengewalt stellt sich als aus dem Zusammenhang gerissen heraus. Man bekommt leider nie so richtig das Gefühl, dass es wirklich gefährlich für die Protagonisten wird, obwohl die Handlung dafür gute Weichen stellt (Konflikte mit der Mafia z.B.), die leider nicht so richtig genutzt werden. Wirklich schade ist das, da gerade der Rest des Films als so gelungen zu bezeichnen ist und eine fehlende Dramatik alles ein wenig nach unten zieht.

Fazit:
Die Darsteller liefern eine beachtliche Leistung ab und die eine oder andere Oscar-Nominierung hat durchaus ihre Berechtigung. Ausstattung und optische Umsetzung des Films erzeugen ein wunderbares authentisches Flair und die sich ständig verändernden Beziehungen der Charaktere sorgen für irrwitzige Konflikte. Nur der Handlung fehlt die nötige Dramatik, wodurch man die meiste Zeit das Gefühl bekommt, auf etwas zu warten, was dann leider nicht eintrifft. Trotzdem ist American Hustle ein sehr unterhaltsamer und sehenswerter Film, der nur nicht ganz die hohen Erwartungen erfüllen kann.

7/10
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