Kundenrezension

11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen heiligsprechung, 6. August 2008
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Rezension bezieht sich auf: Sign 'o' the Times (Audio CD)
als diese doppel-lp damals rauskam, vor 20 jahren, begab sich die popwelt umgehend in die bauchlage, prince, ohnehin schon seit langem im genieverdacht stehend, wurde umgehend heilig gesprochen und als genie pragmatisiert. da haben wir uns aber dann ganz schön gewundert, ein paar jahre später.

ich habe schon damals nicht verstanden, warum gerade dieses album zum absoluten meisterwerk ausgerufen wurde. denn es hat neben ganz ausgezeichneten songs auch einige sehr durchschnittliche, es bietet neben fantastischen performances auch einige sehr banale eighties-pop-klischees (diese maschinen-drum-sounds!), und neben starken, konzisen texten auch einige sehr platte formulierungen.

vermutlich war es die schwerkraft des übergroßen egos des künstlers, welche alle kritiker zu boden zwang. vielleicht lag es aber auch am titelsong, dessen makellose ausstrahlung das ganze album in gleißendes licht tauchte.

denn "sign o' the times" ist nichts weniger als der perfekte popsong. so etwas gibt es wirklich selten, aber an dieser nummer kann man nichts verbessern. der minimalistische percussion/schlagzeug-beat ist magisch, nimmt sofort gefangen, princes vortrag ist lapidar, aber intensiv, der zeitkritische text wirkt ehrlich und engagiert und niemals peinlich, und tanzen kann man auch noch dazu. außerdem sollte man das fantastische, nur aus sich verändernden piktogrammen bestehende video in die rechnung mit einbeziehen. für mich seine beste arbeit, mit abstand.

"play in the sunshine" ist dann das totale gegenteil, geschickter, aber ein bisschen flacher disco-pop mit feel-good-lyrics, in denen ich seit 20 jahren erfolglos nach versteckten fallen suche.

"housequake" ist endlich ein lupenreiner funk von prince, aber seine aufgesetzte james-brown-haftigkeit finde ich anstrengend.

"the ballad of dorothy parker" hat einen seltsamen text über die offenbar magischen und heilenden sexuellen fähigkeiten einer kellnerin, die musik ist schwüler, geheimnisvoller r & b. bis heute bin ich mir nicht sicher: ist dieser titel ein geniestreich - oder doch eine sphinx ohne rätsel?

"it" ist typischer prince-brünstigkeitspop, es geht, wie fast immer bei ihm, um "es", die nummer groovt ganz nett, bleibt musikalisch aber zweitrangig.

"starfish & coffee" ist für immer eine meiner lieblingsnummern von prince. auf einem ganz simplen akkord-radl baut er eine ungemein charmante, niedliche popnummer mit einem mysteriösen text über eine mysteriöse schulkollegin mit mysteriösen ernährungsvorlieben auf. hinreißend.

"slow love": wieder ist er rollig, die musik, eine fast jazzige soulballade, entfaltet diesmal aber ganz ordentlich sog.

"hot thing" greift den groove von "sign o' the times wieder auf, bringt ihn aber auf tempo, biegt ihn mehr richtung disco, im übrigen ist prince im text nach wie vor mächtig rammlert, wie wir in österreich sagen. aber die musik ist sicher dazu angetan, geschlechtliches mit nachdruck zu fördern. musik für das vorspiel auf dem tanzboden!

"forever in my life" ist eine unglaubwürdige, geheuchelte "für jeden mann kommt der zeitpunkt, zur ruhe zu kommen"-geschichte, unterlegt mit unbedeutendem r & b.

das zweite album finde ich stärker, weil geschlossener:

es beginnt mit dem sheena-easton-duett "u got the look": ein nicht sonderlich tiefgründiger, aber ungemein wirkungsvoller disco-blues (das stück folgt musikalisch genau dem bluesschema, groovt aber wie hölle). toll - so geht pop. sehr sexy.

"if i was your girlfriend": toller text über einen, der sich fragt: wäre ich nicht den mann, sondern deine beste freundin - käme ich dann näher an dich ran? die musik ist wieder r & b, dampfend, unterdrückt groovend, als könnte er sich nur mit mühe zurückhalten. der geslappte bass macht druck, aber dieses stück steckt besonders tief in den 80er-klischees.

"strange relationship": interessanter text über eine ungesunde, weil den kick aus kränkungen beziehende liebe, die musik bliebt sumpfig und unklar.

"i could never take the place of your man": na endlich! prince tut, was er früher schon so gut konnte - er lässt die gitarre von der leine und wirft sich in ein simples, aber enorm effektives poprock-stück, geradeaus groovend, sehr geschickt arrangiert. der ironische text macht ebenfalls spaß: verschwende nicht deine zeit, denn ich bin vielleicht der richtige für einen one-night-stand, aber ich bin kein guter ersatz für deinen ex. sehr hübsches gitarrensolo!

"the cross" ist für mich der zweite höhepunkt des ganzen albunms nach dem titelsong. es ist eine art punk-gospel, besteht nur aus zwei akkorden, die zuerst zärtlich und dann heftig herausgehauen werden und unpackbar gut grooven. einfacher und wirkungsvoller gehts nimmer! die gesangsmelodie darüber ist ebenso simpel wie packend. der text ist in seiner naiven erlösungs-religiosität (alles wird gut, wenn wir alle das kreuz auf uns nehmen) ebenso faszinierend wie ärgerlich, sowas können vermutlich nur amerikaner reinen herzens texten bzw. hören!

"it's gonna be a beautiful night", live mitgeschnitten, ist wohlfühl-discofunk, sehr geschmackvoll und aufwändig in szene gesetzt, warum das lied neun minuten dauern muss, erschließt sich aber nicht ganz.

"adore" beschließt das album. schlafzimmerpop, gleichzeitig gute-nacht-lied wie fortpflanzungsanbahnungsstück, als komposition sehr geschmeidig, wenn auch durch seine spitze brunftigkeit hart am rand der parodie.

fazit: dieses album beeindruckt durch seinen schieren größenwahn, ebenso wie durch seine überdosis an kreativität. allerdings wirkt es auch ein wenig angestrengt, als müsste es sich selbst ständig seiner großartigkeit versichern. dieses syndrom wurde dann auf der folgenden tournee zum echten problem: die war in all ihrer künstlerischen überspanntheit zwar beeindruckend, aber emotional kalt lassend und auch unsympathisch (alle besucher müssen sich peach und black kleiden, jaja, schon recht. und was passiert, wenn ich was blaues anhab? haut mich dann der herr prinz persönlich aus der halle?).

es ist das vermutlich auffälligste album von prince, andere künstlerische statements (etwa "purple rain" oder "1999") halte ich aber für dringlicher.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.08.2008 15:02:30 GMT+02:00
V-Lee meint:
stimme dir in vielem zu (größenwahn etc.), aber gerade strange relationship und ballad of dorothy parker sind für mich die ausnahmesong (gemeinsam mit dem titeltrack) auf dem album, weil perfekte pop songs. und gerad the cross (und it) find' ich sind die schwächsten songs auf einem album, das aber keine schlechten songs hat.

Veröffentlicht am 30.07.2009 17:33:48 GMT+02:00
Keith Mosley meint:
Sehr gute Kritik. Bin ja heilfroh, dass es jemand mal ähnlich sieht. Wäre "Dorothy Parker" auch auf einer der beiden Best-Of-Platten, hätte man alle wichtigen Songs und bräuchte diese Scheibe vielleicht gar nicht mehr. Macht Prince aber ziemlich geschickt, fehlen doch auch immer wieder Perlen von älteren Platten auf den Samplern (Paisley Park, Sometimes it snows in April), so dass man doch alle kaufen muss.
Würde der Platte aber dennoch maximal 3 Sterne geben.
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