Kundenrezension

12 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Scrum und die unkonkrete Aneinanderkettung wohlklingender Buzzwords, 29. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Scrum: Produkte zuverlässig und schnell entwickeln (Gebundene Ausgabe)
Auf dem deutschen Markt gehört das Buch fachlich gesehen sicherlich zu den besseren Scrum-Büchern.

Ansonsten denke ich, dass das Buch letztenendes eher für Projektmanager geschrieben ist als für Scrum-Neulinge, insbesondere wenn man ein junger Entwickler wie ich ist. Das ist wirklich sehr schade. Vor allem war ich während des ersten Kapitels "Prinzipien, Geschichten und Hintergründe" sogar kurz davor, das Buch aus dem Fenster hinaus zu werfen, da es mehr einer übertriebenen Aneinanderkettung von ganz, ganz tollen Fachbegriffen glich und ich viele Begriffe auch aus dem klassischen Projektmanagement (noch) nicht kannte. Es mag sein, dass Herr Gloger in seinen Seminaren damit als Einstieg den Nerv der Zuhörer trifft, was aber daran liegt, dass diese bereits geeicht sind. Erst im dritten Kapitel ("Strategisches Planen in Scrum") fing das Buch an, interessant zu werden, da ich erst zu diesem Zeitpunkt den Unterschied zu dem mir bekannten und praktizierten Entwicklungsprozess sehen und erkennen konnte - nach 111 Seiten etwas spät, wie ich finde! Was mich auch wirklich sehr gestört hat - und ich bin da eigentlich recht resistent - ist die gefährlich hohe Anzahl von Anglizismen die zusammen mit den Scrum-spezifischen Begriffen eine parfümierte Textwolke aus Buzzwordketten bildet. Gott sei dank kann man "Sprint" auf Deutsch aussprechen, sonst wäre das für mich der linguistische Sargnagel des Buches gewesen.

Bis Kapitel 3 erschien mir Scrum dann dementsprechend als Management-Wischiwaschi. Der Rest des Buches ist ansonsten besser zu lesen, und jetzt weiß ich auch, was Scrum im Allgemeinen ist und was von mir erwartet wird. Zwar passiert es öfter, dass Dinge eingeworfen werden, die erst viel später erklärt werden (z.B. wird die Burndownchart ständig erwähnt aber erst ab Seite 207 eingeführt). Das kann man an guten Tagen noch verzeihen - viel schlimmer sind aber die allgemeinen Management- oder IT-Begriffe, die ich mir erst durch Sekundärliteratur aneignen musste um zu verstehen, was Herr Gloger jetzt eigentlich meint. Beispielsweise spricht Ken Schwaber sehr martialisch im Vorwort über die "Tyrannei des Wasserfall- und vorausplanenden Managements" und dann wird noch nicht einmal dieser Status quo rekapituliert, obwohl er im Buch sehr verteufelt wird. Bisher habe ich in meinem Studium nämlich gelernt, dass dies eigentlich sinnvoll ist - und natürlich wird immer wieder herausgestellt, warum Scrum so toll ist; aber es wäre ja mal interessant für die Zielgruppe der "jungen und unerfahrenen" Entwickler ein paar warme Worte zu spendieren - und das Wasserfallmodell ist sicherlich noch einer der bekannteren Fachbegriffe. Bei dem Preis kann man mindestens ein Glossar erwarten, dass den Leser bei solchen Fragezeichen abholt.

Neben diesen formalen oder strukturbedingten Kritikpunkten muss ich insbesondere und ausdrücklich die Fallstudien kritisieren! Eigentlich hätte man sich die auch sparen können, da sie wenig erkenntnisbringend sind. Sie fühlen sich eher als Wiederholung der vorgestellten theoretischen Aspekte an, da sie von Managern erzählt werden, die (wohlwissend?) für das Buch ja auch wieder Werbung für Scrum machen sollen. Wortwörtlich wird da geschrieben, dass es Probleme gab, dass sie beseitigt und alles direkt kommuniziert wurde oder das es Verbesserungen gab und die Mitarbeiter von Scrum überzeugt sind. --- Ja, schon klar! Aber vielleicht wären Interviews nicht schlecht gewesen, in denen Mitarbeiter (und nicht die Manager!) 1.) konkrete Details zu den Projekten offen legen und erzählen, wie es sich mit Scrum "anders angefühlt hat", 2.) das menschliche Scrum-Miteinander an Beispielen erläutern und 3.) vielleicht mal den Status Quo und Scrum hinterfragen. Ja, das wäre gut gewesen. Alles andere kann man sich dann auch sparen, wenn es nur dazu dient, Komplimente zu sammeln. Vielleicht bin ich da auch zu anspruchsvoll, aber bei einem Buch, das eine komplett neue Sichtweise, Geisteshaltung und Verantwortungshaltung kommunizieren will, sollten diese Ideen so wenig abstrakt wie möglich kommuniziert werden. Das ist nicht gelungen.

Abschließend zu sagen ist, dass auch mir die Behandlung von Kleinstteams fehlte; mich beschäftigte zum Beispiel ständig die Frage, was passiert oder getan werden muss, wenn bestimmte Scrumrollen zusammen- oder wegfallen und ob man Scrum als "lone wolf" auch leben kann. Die Scrumcheckliste zum Herausnehmen ist nett, genauso wie das online verfügbare kostenlose Ebook, ist aber kein schlagkräftiges Kaufargument. Ein wichtiger Hinweis noch: Es wird Werbung dafür gemacht, dass das Buch den Leser "hervorragend" für die Zertifizierung zum Certified-, Professional-, oder SrumMaster Advanced unterstützt. Dies ist eine falsche Information. Einerseits wird auf der Website der ScrumAlliance z.B. für das Certified ScrumMaster Zertifikat die Lektüre der Bücher von Pichler und Schwaber vorrausgesetzt (und nicht das von Gloger) und zweitens wird im Buch mit keinem Wort erwähnt, wie der Zertifizierungsprozess aussieht, welche Zertifikate man im Allgemein und in welcher Reihenfolge erlangen kann und welches für wen sinnvoll ist (und warum). Das ist leider Etikettenschwindel!
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.05.2013 20:52:52 GMT+02:00
rainwebs meint:
Ehrlich gesagt verstehe ich die Bewußtseinshaltung hinter dieser Rezension nicht. Wer aus heutiger Sicht in der Software-Entwicklung das Wasserfallmodell als eine sinnvolle Vorgehensweise ansieht (oder sich soetwas erzählen läßt und das nicht hinterfragt), der wird mit keinem Scrum Buch bzw. mit Agilität etwas anfangen können. Hier scheint auch das Prinzip nicht wirklich verstanden worden zu sein, wenn darüber nachgedacht wird, ob gewisse Rollen in einer Person zusammengefaßt werden können. Einzige Lösung: mal in einem Scrum Team arbeiten und praktisch erfahren, warum es funktioniert ;-).

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.05.2013 00:04:33 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.05.2013 21:56:37 GMT+02:00
cbehrenberg meint:
Ich kann Ihren Einwurf verstehen. Ich finde es auch gut, wenn Sie bereits Erfahrung mit Scrum und damit verbunden eine positive Perspektive erlangen konnten, ich habe aber auch den Eindruck, dass Sie meine Rezension und meinen zugrundeliegenden background nicht einhundertprozentig richtig erfasst haben, bevor Sie das Wasserfallmodell aus dem Kontext meiner Rezension gerissen haben. Denn es ging mir in diesem Fall 1.) um die unreflektierte Kritik und Nichtnennung der negativen Seite dieses Vorgehensmodells im unmittelbaren Vergleich mit Scrum und 2.) um die Tatsache, dass dieses tatsächlich Teil des Curriculums von Softwaretechnik-Vorlesungen ist - und Absolventen dementsprechend sich erst agile Methoden aneignen müssen. Unschwerlich erkennbar, war dies für mich auch -die- Motivation, sich mit Scrum auseinanderzusetzen. Da ich noch nie in einem Scrumteam gearbeitet habe, fehlt mir daher auch der Praxisbezug im Buch, weshalb ich deswegen auch explizit und ausdrücklich die Fallstudien kritisiert habe.

Bei der Zusammenfassung von Rollen gebe ich Ihnen Recht - das ist ja auch gar nicht so vorgesehen und in jedem Unternehmen jedweder Hierarchie ist es höchstwahrscheinlich immer so, dass die Rollen ausgefüllt werden. Mein Einwurf bezieht sich aber - wie auch zuvor von anderen Rezensenten kritisiert - auf die Nichtbehandlung von Kleinstteams - und vielleicht konnten Sie da keine Erfahrung sammeln - wer weiß -, aber ich finde halt nur, dass eine Frage wie "was wird getan, wenn zwei oder drei Menschen sich treffen und z.B. ein Spiel entwickeln und dafür ein modernes Vorgehen wie Scrum verwenden wollen?" komplett unbeantwortet bleibt. Boris Gloger versucht ja häufig die zugrundeliegende Idee, wie z.B. das Commitment als Basis für alles zu vermitteln - und wenn es da eher um eine Idee, oder - wie Sie es so schön formulieren - Bewußtseinshaltung, handelt, dann hätte ich mich über eine Skalierung nach unten bis auf den lone wolf gefreut. Im Enterprisekontext für Sie vielleicht fragwürdig, für meinen Geschmack und für alle die, die auch noch privat entwickeln aber durchaus relevant.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.08.2013 21:14:50 GMT+02:00
rainwebs meint:
Vielleicht noch als Ergänzung: Scrum ist ein Team-Konzept. Weniger als 5 und mehr als 9 Leutchen in einem Team sind nicht empfehlenswert. Es spricht aber nichts dagegen, es mal mit (Personal-)Kanban als Alternative zu versuchen (Stichwort "Lone Wolf").
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