Kundenrezension

24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen DREAM THEATER - Neuer Atem ins alte Feuer, 20. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Dream Theater (Deluxe Edition) (Audio CD)
Dream Theater sind die eine große musikalische Liebe meines Lebens. 1997 lernte ich die Band kennen, als 14-jähriger von Schlagzeug und Gitarre begeisterter Teeny konnte ich nicht fassen, was ich da hörte und auf was für einem Lichtjahre weit entfernten Niveau-Stern Dream Theater strahlten. Besonders John Petrucci (Gitarre) und Mike Portnoy (Drums) entwickelten sich zu meinen musikalischen Idolen und Leitfiguren, was sich über die vielen Jahre immer gehalten hat, auch wenn andere Trends und Einflüsse kamen und gingen.
Mit dem Bruch zwischen Mike Portnoy und der Band Anno 2010 zerbrach für mich, als eigentlich erwachsenen Mann, der über so etwas stehen müsste, eine musikalische und ideelle Welt, ein ganzes musikalisches Lebensgefühl. Natürlich blieb ich weiterhin bei DT am Ball und kaufte mir, genauso wie all die Male vorher, „A Dramatic Turn of events“ am Erscheinungstag und gab dem Album eine Chance.

Bis zuletzt allerdings war das ECHTE Dream Theater für mich an dem Tag gestorben, an dem MP’s Ausstieg publik wurde. Für mich, als sehr loyalen Fan und Nostalgiker, sitzt Mike Mangini schlicht und ergreifend auf dem Stuhl, der nur Mike Portnoy gehört – so kindisch dieses Denken auch sein mag. Dabei ist zu jeder Sekunde klar, dass Mangini ein Virtuose ist, der – wenn man schon einen Ersatz für MP sucht – ein mehr als würdiger Vertreter ist.

Trotzdem waren meine Erwartungen an das Album „Dream Theater“ eher gedämpft. Vorbei die Zeiten von früher, als ich schon Wochen vor dem Release eines neuen DT Albums aufgeregt war und es nicht abwarten konnte. Dann jedoch sah ich beiläufig, dass man sich auf rollingstone.com völlig legal das ganze Album anhören konnte… und das Tat ich… wieder und wieder und wieder.

Dream Theater haben es tatsächlich geschafft, das alte Feuer nochmal anzuheizen. Wie schon einer meiner Vorredner treffend bemerkt hat, wird man auf diesem Album kaum völlig „neues“ finden können, allerdings werden die alten Pfade durchaus ansprechend beschritten. Dream Theater suchen wieder mal den Spagat zwischen Epischen Bombast Songs, technisch verwinkelten Progressive Ausführungen mit den traditionellen komplexen Time Signatures aber auch melodischen und eingängigen Songs, die nur durch die gewohnte technische Finesse gewürzt werden. Dieses Konzept ist gut, und es geht auf diesem Album auch wieder wesentlich besser auf, als auf ADTOE, das mir persönlich wirklich viel zu steril und „clean“ daherkam. Wenn ich mir eine CD mit meinen persönlichen DT Lieblings-Songs zusammenstellen würde, würde es wohl kein Song von ADTOE auf diese Sammlung schaffen… Bei „Dream Theater“ sieht das etwas anders aus.

Besonders hervorheben möchte ich hier insbesondere 3 Songs:

1.) „The Looking Glass“ ist ein stark Rush inspirierter, positiver Uptempo Song mit einem flotten Beat und einer eingängigen Melodie und Struktur. Besonders James Labrie, dem ich im Gegensatz zu vielen Die Hard Fans von Anfang an die Stange halte glänzt hier, glänzt hier, da diese Art frischer Uptempo Rock meiner Meinung nach auf den Leib geschnitten ist. Highlight dieses Songs ist für mich die melodische und positiv „seichte“ Bridge, die dann den perfekten Bogen zurück in das Dynamische Hauptriff findet. Dieser Song hätte auch auf Awake sein können, erinnert mit seiner frischen Art leicht an „Innocence Faded“.

2.) „The Bigger Picture“ ist eine epische Proghymne, beschränkt sich aber nicht auf die Bombast Elemente, sondern nimmt abwechslungsreiche Wege zum Ziel. Der Refrain ist sehr eingängig, während die Strophe Butter-weich daherkommt. Dieser Song erinnert mich an die Era rund um Octavarium und ich denke, dass der Song besonders live sein volles Potential entfalten wird.

3.) „Illumination Theory“ hat bei mir etwas erreicht, was ich schon seit vielen Jahren nicht mehr erlebt habe: Ich musste mir diese eine magische orchestrale Passage ab 08:40 Minuten einfach immer und immer wieder hören. Wie ich mir sagen ließ, ist dieses Stück stark an ein klassisches Werk angelehnt, dass ich zu meiner Überraschung jedoch nicht kenne. Das nimmt dem ganzen jedoch nicht den Reiz. Dieser „Song“ ist das, was wohl jeder klassische DT Fan als die Königsdisziplin der Band ansieht – eine über 20 Minütige musikalische Reise durch mehrere „Kapitel“, die am Ende ein großes, bombastisches musikalisches Epos ergeben, in dem man sich verlieren kann. „A Change of Seasons“ hat es 1995 vorgemacht. Seitdem haben Dream Theater immer wieder zu diesem Mittel gegriffen, und dabei mit Werken wie „Six Degrees of inner Turbulence“ oder „Octavarium“ echte Meilensteine gesetzt. “Illumination Theory“ hat alles, um sich in diese Hall Of Fame einzugliedern.

Natürlich stehen bei einer Band wie Dream Theater die Akteure und deren Handwerk weiter im Vordergrund als bei anderen Bands. Auch wenn diese „Solo-Sucht“ bei mir, gemäß dem natürlich Lauf der Dinge, etwas nachgelassen hat… ein gutes neues Petrucci Solo lässt mir immer noch die Nackhaare zu Berge stehen. Auch hier muss ich allerdings beobachten, dass ich nicht mehr so paralysiert bin, wie ich es damals, Anno 1997 von dem war, was JP sowohl auf den Alben, als auch Live auf der Gitarre geboten hat. Petrucci gehört für mich, auch wenn er immer noch DAS musikalische Idol für mich ist, zu den Gitarristen, denen ihr Drang, immer innovativer und moderner zu werden, nicht gut getan haben. Der rauhe, wilde, spektakuläre und fauchende Petrucci der 90er ist meines Erachtens irgendwie in dem Perpetuo Mobile aus neuen, immer fetteren Gitarren Sounds und Effekten in bisschen in seinem eigenen Soundbrei untergegangen. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass ich die einsame Meinung vertrete, dass Petrucci sich mit dem Wechsel zu Music Man keinen Gefallen getan hat. Den John Petrucci, der 1993 „Live in Japan“ und „Live at the Marquee“ gespielt hat, oder der im Video zu “Lie” Anno 1995 mit der schwarzen Ibanez 7-string in einem Offenen Cabrio eines der Soli seines Lebens spielte, höre ich wesentlich lieber als den heutigen.

James Labrie hat sich meiner Meinung nach ebenfalls nicht weiterentwickelt, er macht „sein Ding“ und das ist für mich die einzig echte und passende Stimme von Dream Theater. Seinen Stil, geprägt von teilweise sehr hohem Gesang und starkem Vibrato kann nicht jeder ertragen… ich bin damit groß geworden und finde ihn absolut brillant.

John Myung ist als Bassist nicht ganz so weit im Focus wie die übrigen Akteure, schafft es aber auf diesem Album etwas mehr als vorher, sich ins Spotlight zu bewegen. Seine Bass-Sounds sind knackig und omni-präsent, ohne sich dabei unangebracht in den Vordergrund zu spielen.

Etwas härter ins Gericht gehen muss ich mit Jordan Rudess, der seit 1998 die Keyboards bei Dream Theater beherrscht. In der „Scenes From A Memory“ Era hat mich JR überwältigt. Seine Lead Sound Soli, sein unglaublich perliges und verträumtes Piano Spiel und seine 70s Einflüsse waren und sind für mich der absolute Standard für einen Rock Keyboarder. Dann allerdings, ich würde sagen ab den Octavarium Tagen gegen 2006 hat Rudess eine Wandlung genommen, die mir nicht gefällt. Immer wichtiger wurde es anscheinend, die Töne auf eine ungewöhnliche Weise zu erzeugen. Es wurde und wird für meinen Geschmack mehr der Sound an sich zelebriert, als dass er im Sinne eines musikalisch hochwertigen und ansprechenden Solos eingesetzt wird. Jordans ausufernde Solo Shows, bei denen er mit einem Umhänge Keyboard auf die Front der Bühne läuft und mit verzerrtem Gesicht immer dieselben Töne in schneller Reihenfolge, mit einem eiernden, abgespaceten Sound nudelt sprechen mich gar nicht an. Zum Glück kommt das auf „Dream Theater“ eigentlich nicht vor, aber ich finde es dennoch schade, dass Rudess mit den immer gleichen Solo und auch Hintergrund Sounds um die Ecke kommt. Besonders das Keyboard Solo von „Along for the Ride“ ist so ein Beispiel. JR verwendet hier den Solo Sound von „Beneath the Surface“. Bei diesem Song war der Solo Sound ein A-ha Erlebnis, bei dem man die Augenbrauen hochzog, weil es so neu und charakteristisch klang. Aber den selben Sound und denselben Solo Stil auf dem nächsten Album noch mal zu bringen? Dies bezieht sich auch auf seine Streichersounds. Mit seinem Arrangement in der oben angesprochenen Orchestral Passage in „Illuminationn Theory“ macht Rudess das allerdings wett und hat damit bei mir auf Jahre neuen Kredit.

… Und Mangini? Der wirbelt und drischt souverän auf die Drums und macht seien Sache gut. Das muss selbst der in die Jahre gekommene Fan-Boy, wie ich einer bin, offen zugeben. In reiner technischer Finesse ist Mangini wirklich in der Championsleague des aktuellen Drum Geschäfts… und dennoch so richtig packen und mitreißen kann er mich trotz seiner atemberaubenden Technik nur in wenigen Momenten. Zum einen, da sein Stil für mich zu mechanisch und zu steril ist. Ihm fehlt einfach das dreckige, rauhe Element, dass Mike Portnoy in jeden seiner Drumbeats gelegt hat, dieses nicht in Worte fassbare lebendige und atmende Spiel, bei dem man praktisch vor Augen hat, wie beim Schlag auf das Crash Becken eine leichte Staubschicht davon abfliegt…

Das Fazit zu diesem Album: Wirklich gut! Dream Theater sind seit fast 30 Jahren unterwegs, ich auch. Da ist es irgendwann kein Wunder, dass man nicht zum 12. Mal das Rad neu erfindet, zumal man heutzutage bei einem 2 stündigen Besuch auf Youtube locker 5 neue Bands täglich entdecken kann, die ebenfalls genial sind in dem was sie tun. Dennoch gebe ich nur 4 von 5 Punkten. Mitunter habe ich den Eindruck, dass DT sich und ihr tun schon ein wenig selbst zelebrieren – wie ein Weltklasse Sportler, der nichts mehr zu beweisen hat, und gar nicht mehr versucht, einen neuen Weltrekord aufzustellen, sondern lieber noch eine weitere Ehren-Runde durch das Stadion geht, um sich in der Menge zu baden und einfach die wohlverdienten Lohrbeeren für sein Schaffen zu ernten…

Carpe Diem,
JS
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.09.2013 16:08:38 GMT+02:00
LTgarp meint:
… Und Mangini? Der wirbelt und drischt souverän auf die Drums und macht seien Sache gut. Das muss selbst der in die Jahre gekommene Fan-Boy, wie ich einer bin, offen zugeben. In reiner technischer Finesse ist Mangini wirklich in der Championsleague des aktuellen Drum Geschäfts… und dennoch so richtig packen und mitreißen kann er mich trotz seiner atemberaubenden Technik nur in wenigen Momenten. Zum einen, da sein Stil für mich zu mechanisch und zu steril ist. Ihm fehlt einfach das dreckige, rauhe Element, dass Mike Portnoy in jeden seiner Drumbeats gelegt hat, dieses nicht in Worte fassbare lebendige und atmende Spiel, bei dem man praktisch vor Augen hat, wie beim Schlag auf das Crash Becken eine leichte Staubschicht davon abfliegt…

mir absolut aus der seele gesprochen!!!!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.09.2013 16:11:32 GMT+02:00
Julian Scott meint:
Danke für das Kompliment. Freut mich, dass es nicht nur mir so geht :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.09.2013 16:12:01 GMT+02:00
Ja, Rudess ist so eine Sache für sich... Keyboardtechnisch könnte man da viel mehr rausholen. Aber einen Geoff Downes oder einen Jim Gilmour gibt es halt nicht mehr, außer die Originale :-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.09.2013 16:16:44 GMT+02:00
Julian Scott meint:
Ich finde Rudess natürlich genial, aber er konzentriert sich halt manchmal eher auf sein I-Pad als auf die Seele der Musik :-)
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