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167 von 175 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Klassischer Krimi von Joanne Rowling, 15. Juli 2013
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Rezension bezieht sich auf: The Cuckoo's Calling (Cormoran Strike) (Kindle Edition)
Ich erinnere mich noch gut an die Passage eines Interviews, dass Joanne Rowling vor Jahren gegeben hat. Damals sagte sie, irgendwann würde sie nur noch Bücher unter Pseudonym veröffentlichen, weil ihr bewusst sei, dass die Menschen jedes neue Buch von ihr stets mit den Harry-Potter-Romanen vergleichen würden. Sofort nach Erscheinen von Ein plötzlicher Todesfall, ihrem ersten Werk nach Ende der Potter-Heptalogie, erwies sich ihre Voraussage als absolut korrekt. Tatsächlich stürzten sich einige Rezensenten (auf verschiedenen internationalen Internetseiten) wie die Geier auf das Buch und konnten die bittere Milieustudie gar nicht schnell genug zerreißen. Was mich dabei empört hat, ist die Tatsache, wie viele Rezensenten offen zugegeben haben, das Buch gar nicht gelesen zu haben, sondern allein deswegen 1-Stern-Rezensionen eingestellt zu haben, weil beispielsweise der Preis des Buches zu hoch sei oder schlichtweg, weil das Buch kein neuer "Potter" sei. Ein Schelm, wer sich da denkt, dass manch einer dieser Pseudo-Rezensenten mit Bitterkeit, Eifersucht und Neid auf den weltweiten Erfolg Frau Rowlings blickt. (Nachtrag am 20.07.: Wer einen Blick auf Amazon.com und Amazon.uk wirft, wird feststellen, dass der Roman in den ersten knapp zwei Monaten nach Erscheinen VOR dem Bekanntwerden, wer hinter dem Pseudonym steckt, ausschließlich mit 3, 4 oder 5 Sternen rezensiert worden ist, während seit dem 14.07. die 1-Stern-Rezensionen aus dem Boden schießen.)

Obwohl ich versuche, mich derartigen Vorverurteilungen zu entziehen, gebe ich unumwunden zu, dass ich dieses Buch erst heruntergeladen habe, nachdem ich erfahren habe, wer es verfasst hat, da ich die Harry-Potter-Bücher geliebt habe. Den ganzen Sonntag habe ich daraufhin mit Lesen zugebracht, was ich keineswegs bedaure, im Gegenteil: Der Roman hat mich einmal mehr von Rowlings Qualität als Autorin überzeugt, Harry Potter hin, Harry Potter her.

Natürlich hat Rowling mit ihrem jüngsten Werk das Genre des Kriminalromans nicht neu erfunden, (Ist das überhaupt möglich? Haben wir nicht alles schon einmal, um nicht zu sagen, viele Male, gelesen?), doch ist es der britischen Erfolgsautorin gelungen, eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Ich möchte aber zunächst anführen, was ich beim Lesen als etwas problematisch empfunden habe, nämlich dass Rowling viele Klischees verwendet, etwa bei der Wahl ihres Hauptprotagonisten, des Privatdetektivs Cormoran Strike. Strike ist eine Figur, wie sie bereits in sehr, sehr vielen (englischsprachigen) Büchern diverser Genres beschrieben wurde: Er ist ein 35 Jahre alter Kriegsveteran, der von seinem Einsatz in Afghanistan mit seelischen und körperlichen Wunden nach Hause zurückgekehrt ist (in diesem Falle ist seine Heimat die britische Hauptstadt London); er ist abgehalftert, seine wohlhabende und zu gewalttätigen Ausfällen neigende Langzeitverlobte Charlotte hat ihn soeben verlassen und seine finanzielle Lage ist prekär, da er kaum Fälle zu bearbeiten hat.

Das ändert sich, als sich ein nicht minder problembeladener Mann, der reiche Rechtsanwalt John Bristow, an ihn wendet und ihn damit beauftragt, den - im wahrsten Sinne des Wortes - tiefen Fall seiner jüngeren Adoptivschwester zu untersuchen. Besagte Schwester, das weltberühmte Model Lula Landry, dass ebenso wie der Privatdetektiv ein wandelndes Klischee mit On-/Off-Beziehung zu einem drogenabhängigem Musiker ist, soll sich aus dem dritten Stock ihres Appartements im Londoner Nobelbezirk Mayfair gestürzt haben, woran ihr Bruder berechtigte Zweifel hegt.

Unaufgeregt und mit einem Minimum an Action - auf wilde Verfolgungsjagden und blutige Gemetzel wie wir sie aus zahlreichen Krimis und Thrillern kennen, verzichtet Rowling weitgehend - führt uns die Autorin auf der Suche nach der Wahrheit durch das London der Gegenwart und macht uns mit seinen Bewohnern bekannt. Hier erinnert das Buch wieder an seine Vorgänger "Ein plötzlicher Todesfall" und an die Harry-Potter-Romane, denn wir bekommen es mit einer Fülle unterschiedlicher Charakteren zu tun, vom einfachen Arbeiter bis zum egozentrischen Modedesigner. Ihre Nebenfiguren hat Rowling so sorgfältig und präzise gezeichnet, dass ich sie dafür nur bewundern kann: Sie verleiht ihnen eine ganz eigene Stimme mit ausgesuchtem Wortschatz und individuellen Charaktereigenschaften und Verhaltensmustern. Eine meiner Lieblingsfiguren ist Strikes Aushilfssekretärin Robin Ellacott, die eigentlich nur für eine Woche von einer Zeitarbeitsfirma als Aushilfe geschickt wird und sich als ebenso effiziente wie kluge und fähige Assistentin erweist.

Fazit: Ich finde den Roman lesenswert, denn er verfügt über eine präzise Charakterzeichnung, schillernde Protagonisten und eine detaillierte Schilderung des mondänen London. Gefallen haben mir auch die ausgefeilten Dialoge, die der jeweiligen Person, deren Herkunft und Bildungsgrad angepasst sind. Da Joanne Rowling von blutigem Leichensezieren und politischen Analysen weitgehend absieht, fühlte ich mich beim Lesen an klassische Kriminalgeschichten erinnert.
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1-10 von 14 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.07.2013 11:24:47 GMT+02:00
Stefanie Jojo meint:
Hy Vio! Gestern erst gehört das dieses Buch von Rowling ist. Und heute sehe ich du hast es schon gelesen und rezensiert. :)
Tolle Rezension. Ich setzte das Buch mal auf meine WL

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.07.2013 13:34:26 GMT+02:00
Vio meint:
Hallo Steffi, hab' tatsächlich mal wieder den ganzen Tag mit Lesen verbracht und bin um drei Uhr früh schlafen gegangen, obwohl ich um halb sieben aufstehen musste, weil ich immer so ungeduldig bin, dass ich jedes Buch unbedingt so schnell wie möglich fertig lesen muss. Jetzt weißt Du auch, weshalb ich für die Cole-Rezension so lange gebraucht habe ;-)
Hab' Dir übrigens eine Nachricht im Kommentar der KC-Rezension hinterlassen.
Liebe Grüße, Vio

Veröffentlicht am 15.07.2013 18:16:01 GMT+02:00
Danke für diese aussagekräftige Buchbesprechung.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.07.2013 22:46:09 GMT+02:00
Vio meint:
Gern geschehen und danke für das Lob!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.07.2013 00:01:53 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 17.07.2013 01:22:31 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 25.07.2013 19:14:47 GMT+02:00
sandra meint:
Ich bedanke mich ebenfalls für die sehr hilfreiche Rezension!
Vom Kauf werde ich absehen, da der plötzliche Todesfall so gar nicht mein Buch war und ich vermute durch ihre Rezension, dass der neue Roman (Klischees, unaufgeregte Handlung, Dialoge, die dem Bildungsgrad angepasst sind) wieder in die gleiche Richtung geht.
Ich glaube, der überwiegenden Mehrheit der Leser, war beim Todesfall durchaus klar, dass es keine HP-Fortsetzung ist. Viele haben einen spannenden Krimi erwartet (keine Ahnung, wer das Krimigerücht damals in Umlauf brachte - geschadet hat es dem Verkauf wohl nicht).
Die schlechten Kritiken für den Vorgänger sind, meiner Meinung nach, vielleicht auch darauf zurückzuführen, dass weder Verlag noch Autorin mit offenen Karten gespielt haben. Es gab keine Leseprobe und auch kein Krimi-Dementi.
Ich verehre JKR weiterhin, denn natürlich hat jeder Schriftsteller das Recht, das zu schreiben, was ihm gefällt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 25.07.2013 23:24:21 GMT+02:00
Vio meint:
Liebe Sandra, ich kann Ihnen/Dir nur zustimmen. Den Vorgänger "Ein plötzlicher Todesfall" als Krimi zu bezeichnen, war einfach nicht richtig! Und es gab nicht nur keine Leseprobe, auch Journalisten bekamen keine Vorabexemplare; da ging es natürlich darum, den Verkauf anzukurbeln.

Was die Kritiken am Vorgänger betrifft, ich habe damals (wie auch bei dem aktuellen Buch) die Rezensionen auf Amazon.com ein paar Tage lang verfolgt und mich über die vielen Rezensionen von Leuten geärgert, die das Buch nach eigener Aussage gar nicht gelesen haben. Ich lese nämlich sehr gerne Rezensionen, weil sie mir bei der Entscheidung helfen, ob es sich lohnt, ein bestimmtes Buch zu lesen oder nicht. Wenn jemand schreibt, dass er ein Buch nicht gelesen, es aber Sch... findet, hilft mir so etwas einfach nicht bei der Kaufentscheidung.

Ansonsten habe ich keine Probleme mit Negativ-Rezensionen. Egal, ob einem ein Buch gefällt oder nicht, jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung. Solange eine Rezension fair geschrieben ist, finde ich 1-Stern-Rezensionen ebenso hilfreich wie 5-Stern-Rezensionen und alle dazwischen.

Liebe Grüße, Vio

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2013 09:13:26 GMT+02:00
sandra meint:
Liebe Vio,
wir können gerne Du sagen ;)
Ja, da bin ich von A-Z Deiner Meinung!
Ein Buch überhaupt nicht lesen und dennoch rezensieren - das geht ja mal gar nicht.
Zugegeben, ich habe auch schon Rezensionen (nicht nur hier) zu abgebrochenen Büchern geschrieben, aber dann habe ich zumindest ein paar hundert Seiten hinter mich gebracht, bevor ich zum Entschluss kam, dass Buch und ich nicht zusammenpassen.
5 Sterne-Rezensionen lese ich nur selten. Bei vielen hochgejubelten Sachen bin ich schon öfter auf die Nase gefallen. Inzwischen halte ich mich da eher an die etwas kritischeren Stimmen. Was nicht heißt, dass Negativrezensionen mich generell vom Kauf abhalten (siehe Inferno) :)
Das gefällt mir an Deiner Rezension so gut. Du hast das Buch gerne gelesen, aber du weist auch auf Sachen hin, mit denen andere Leser evtl. Probleme haben könnten.
Dafür nochmal meinen ganz herzlichen Dank!
Liebe Grüße, sandra

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2013 14:16:24 GMT+02:00
Vio meint:
Liebe Sandra, dass manchmal ein "Buch und ich" nicht zusammenpassen, passiert uns allen mal ;) Das darf man dann natürlich auch schreiben.
Was das Lesen der Rezensionen betrifft, ich beginne gerne mit 1-Stern-Rezensionen und arbeite mich dann nach oben. Besonders gerne lese ich ausführliche Bewertungen, (Ich weiß, das trifft nicht auf jeden zu; es gibt auf Amazon sogar Foren, die sich damit beschäftigen, wie ausführlich eine Rezension sein darf.) die einen guten Überblick verschaffen, aber dennoch nicht zu viel verraten. Eine solche Rezension zu schreiben, ist nicht immer einfach, wie ich selbst oft beim Schreiben merke ;)

Jedenfalls danke ich Dir noch einmal für Deine freundliche Nachricht und Deine Antwort wünsche Dir ein schönes Wochenende!
Schöne Grüße, Vio

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2013 19:53:45 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 26.07.2013 19:54:36 GMT+02:00
sandra meint:
Hallo Vio,
ich mag die Rezensionen am liebsten, die nur wenig vom Inhalt verraten. Wenn mich ein Buch interessiert, lese ich den Klappentext oder schaue mir die Inhaltsbeschreibung hier bei Amazon, bei Lovelybooks oder beim Verlag an. Dann widme ich mich den Rezensionen (gerne auch bei Amazon.com oder uk) und fange, wie Du, bei den negativen an. Dabei interessiert mich hauptsächlich die persönliche Meinung zum Buch und vor allem, wenn es nicht gefallen hat, warum das so war. Inhaltsbeschreibungen in Rezensionen überlese ich meistens, weil viele einfach zu viel verraten und ich mir nicht den Spaß verderben will :)

Wünsche Dir ebenfalls ein schönes Wochenende - vielleicht trifft man sich ja nochmal bei einem anderen Buch. Würde mich freuen!
LG sandra
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