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Schläfrige Leichtigkeit war gestern...,
24. Juli 2006
Rezension bezieht sich auf: Puzzles Like You (Audio CD)
Erinnert sich eigentlich noch jemand an das Phänomen "Shoegaze" Anfang der Neunziger Jahre? Daran erinnern sich wahrscheinlich nur Britpop-Fans der ersten Stunde. Schade eigentlich. Damals standen Bands wie My Bloody Valentine, Ride, The Jesus & Mary Chain und Slowdive im Mittelpunkt der musikalischen Bewegung und waren Synonym für atmosphärisch dichte Gitarrenwände. Die Shoegazer verdankten ihren Namen ihren Live-Auftritten, wobei sie den Anschein erweckten, auf ihre Schuhspitzen zu starren. Tatsächlich schauten sie aber auf ihre Gitarren-Effektgeräte, mit Schüchternheit hatte das nichts zu tun.
Als sich 1995 Slowdive, die eine der wichtigsten Bands der Strömung waren, auflösten wurde auch Shoegaze für tot erklärt. Doch Rachel Goswell, Neil Halstead und Ian McCutcheon ließen sich von dem Rausschmiss ihres Labels nicht unterkriegen und gründeten einfach eine neue Band: Mojave 3. Ende gut, alles gut.
Mit dem Ende von Slowdive verabschiedeten sich Mojave 3 allerdings auch von ihren atmosphärischen Gitarrenwänden der Shoegaze-Ära. Stattdessen orientierte sich das Trio eher in Richtung Folk. Das Ergebnis klang eher nach Mazzy Star statt My Bloody Valentine. Sanfte Gitarrenklänge, ruhiger melancholischer Gesang und zwischendurch auch mal eine zuckersüß poppige Melodie. Country, hippieske Anleihen, Folk-Pop - all das konnte mit überragender Leichtigkeit auf einem Mojave 3-Album Platz finden.
Nun erscheint also "Puzzles Like You", das fünfte Werk der mittlerweile zum Quintett angewachsenen Band. Und schon der erste Song "Truck Driving Man" des neuen Albums klingt so ganz anders als die Stücke, die sich auf den bisherigen Alben zum Puzzle fügten. Das klingt stellenweise sogar wieder ein klein bisschen nach "Shoegaze". Die Gitarren schrammeln wieder ein bisschen schneller, der Gesang ist weniger sanft und Americana-Folk-Elemente sind selten zu hören. Nur "Most Days" könnte glatt als eine Kooperation mit Iron & Wine durchgehen. Erst gegen Mitte des Albums geht es etwas ruhiger zu ("Kill The Light", "To Hold Your Tiny Toes") - insgesamt überwiegen jedoch die poppigen, schwungvollen Stücke.
Aber keine Angst - enttäuschend oder gar seicht ist das nicht. Im Gegenteil, Mojave 3 sind aufgestanden und klingen wach. Schläfrige Leichtigkeit war gestern. Jetzt wird aufgestanden und gefrühstückt statt im Bett liegen zu bleiben. Ist ja sonst auf Dauer auch ein bisschen langweilig...- Nadine Gebauer -
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