Kundenrezension

11 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Eine Traumwelt voll technischer Brillianz aber auch charakterlicher Armut, 8. September 2010
Rezension bezieht sich auf: Inception [Blu-ray] (Blu-ray)
Stellt man Inception in eine Reihe mit den üblichen Sommer-Blockbustern, die Jahr für Jahr von Hollywood am Fließband produziert werden, dann müsste man dem Film schon aufgrund seiner technischen Raffinesse 5 Sterne verleihen. Allerdings müssen sich der Film und Regisseur Christopher Nolan durch die Filmhistorie und die vorgegebene Erwartungshaltung dann doch höher angesetzte Kritik gefallen lassen, als jeder Jerry Bruckheimer Streifen.
In dieser Kritik ist der Film nicht perfekt, sondern offenbart klare Schwachstellen, die ich versuche, mit dieser Rezension aufzuzeigen für all diejenigen, die an einer abweichenden Betrachtung interessiert sind.

Wie es völlig zurecht von so ziemlich allen Seiten bezeugt wird, fußt der Film auf einem Fundament, das über alle Zweifel erhaben ist. Er hat eine durchdachte Grundidee, ist stilsicher und zeugt von großer, technischer Qualität. Allein als visuelles Erlebnis bietet der Film über seine ganze Länge Überzeugendes und sollte schon aus diesem Grund absolut zur Pflichtschau gehören. Das mag man für selbstverständlich halten, ist aber leider im Bereich der (Action)-Blockbuster aufgrund der, auf wirtschaftlicher Ebene sogar verständlichen, wachsenden Risikoscheue bei den großen Filmstudios nur noch sehr selten anzutreffen. Der Kern meiner Kritik an dem Film ist jedoch ganz anders geartet.

Inception hat einfach keine emotionale bzw. charakterliche Tiefe, er hat kein Herz. Der Film ist extrem unterkühlt, bis in die kleinste Ecke durchgestylt und erzählt seine Geschichte mit äußerst grob gezeichneten Figuren, die nicht das tragen können, was an gedanklicher und visueller Wucht präsentiert wird. Nolan war schon immer mehr ein begeisterter Techniker, der lieber in seiner Garage an handwerklichen Details gefeilt hat, als seinen Charakteren bemerkenswerte und skurril-erinnerungswürdige Züge zu verleihen, mit der wohligen Ausnahme von Teddy in Memento und des Jokers in The Dark Knight. Hier aber bin ich zum ersten mal richtiggehend enttäuscht von der Belanglosigkeit und der glatten Kalkuliertheit, mit der die agierenden Personen dargestellt werden.
Das liegt nicht an den Schauspielern, sondern an dem dünnen Material, mit dem sie arbeiten müssen. Ganz extrem fällt das bei den beiden Frauenrollen auf. Während bei der einen (Mal) der große Fehler gemacht wird, sie fast ausschließlich als unsympathische Gedankenprojektion darzustellen, was die Emotionalität der Beziehung zum Helden (Cobb) in einem sehr entscheidenden Moment total untergräbt, muss die andere (Ariadne) als dumpfe Fragenstellerin für die Zuschauer herhalten, um ihnen die Traumregeln des Films ellenlang zu erklären; Quasi eine wandelnde Bedienungsanleitung.
Diese Beschränkung der Charaktere auf reine Funktionen in der Gleichung des Films zieht sich wie ein roter Faden durch die komplette Spielzeit. Ironischerweise bleiben sie dadurch genau auf dem Level stehen, welches eigentlich nur den unwichtigen Gegnern zugedacht wurde, die in den Actionsequenzen als Kugelfänger herhalten müssen: Sie sind uninteressante Projektionen.

Warum soll man Interesse an einem Paar entwickeln, dessen beste Gedankenkreation es ist, in einer frei gestaltbaren Traumwelt und im Verlauf von mehreren Jahrzehnten äußerst öde Aneinanderreihungen von Wolkenkratzern zu "bauen"? Ist das ernsthaft die Vorstellung Nolans, was sich ein Liebespaar in deren innersten Träumen wünscht? Warum sollte man mitfiebern, ob der alles entscheidende Job wirklich klappt, wenn die zugrunde liegende Vater-Sohn-Beziehung nicht über lahme Klischees herauskommt und deswegen überhaupt nicht anrühren kann? Und letzten Endes: Warum sollte man sich mit der fadenscheinigen Ambivalenz am Ende des Films beschäftigen wollen, wenn einem das Schicksal der Charaktere sowieso relativ egal ist?

Das ist dann auch der entscheidende Grund, warum sich Inception zwar auf technischer und gedanklicher Ebene ohne Weiteres mit jedem Actionfilm-Klassiker, zum Beispiel mit einem Terminator 2 messen kann, aber bei dem Thema der Emotionalität und der Resonanz der Charaktere klanglos untergeht. Die Marke einer Sarah Connor, eines Terminators, eines John Connors (selbst eines Jokers in The Dark Knight) erreicht kein Cobb, keine Ariadne und keine Mal.
Ich prophezeie schon jetzt, dass man den Film in Zukunft immer wieder aufgrund seiner technischen Brillianz zitieren wird, aber niemand auf die Idee kommt, einen tiefergehenden Gedanken an die Figuren zu verschwenden. Sie sind keine erinnerungswürdigen Abbilder unserer Zeit, mit denen man sich im Nachhinein gerne beschäftigen möchte. Das macht dann aus Inception zwar einen äußerst sehenswerten Film, aber auch zum schnell verdaulichen Fastfood der Emotionen. Schade.
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Kommentare


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.09.2010 17:14:27 GMT+02:00
F. Andreas meint:
Ich stimme Ihnen in allem zu. Mir war es am Ende vollkommen egal, ob er sich in einem Traum befindet oder nicht. Es spielt keine Rolle!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.09.2010 15:28:05 GMT+02:00
Ist halt Geschmackssache, ob einem das Schicksal der Figuren am Herz hängt oder nicht... Ich kenne Millionen Beispiele, in denen mir das Ende und die Giguren einen Dreck wert waren, aber in "Inception" haben die Figuren gerade deshalb eine interessante Seite, weil sie wenige Emotionen zeigen. Das liegt ja hauptsächlich daran, dass die meiste Zeit des Films davon handelt, wie das Team um Cobb ihren Auftrag erfüllt.
Nur Cobb an sich sticht ja heraus mit seiner Vergangenheit und seiner Geschichte, aber der Film ist ja auch um Cobb aufgebaut...
Selbst wenn ich den Film mit den letzten Jahren vergleiche, ist er für mich trotzdem ein ganz besonderes Werk. Aber wie bei "Matrix", "Avatar" oder auch "Cloverfield" muss jedder selbst entscheiden, was er davon hält...

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.09.2010 12:27:32 GMT+02:00
Yeph meint:
Ging mir genauso. Ich war sogar froh als es vorbei war. Denn, wie bei der ersten Traumreise noch einmal auf dem Teppich zu liegen und nicht zu wissen ob's vorüber ist liess mich regelrecht verzweifeln ... ;-)

Ich denke dass die Megachecker den Film nicht verstanden haben!

Veröffentlicht am 11.10.2010 13:10:03 GMT+02:00
HAL-9000 meint:
Hallo phazonfreak,
Sie sprechen mir aus der Seele. Ein Kinofilm muss Emotionen wecken. Lebensfreude, Mitgefühl, Trauer, Hass, Angst, Liebe, irgendwas. Dieser Film schafft das leider nicht.
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