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Rezension bezieht sich auf: Das Salz der drei Meere: Roman (Taschenbuch)
Das Salz der drei Meere vermischt sich dort, wo der Golf von Bengalen mit dem Indischen Ozean und der Arabischen See zusammentrifft. Dorthin tritt Akhila eine Reise an, allein, im Damen-Coupé. Das ist bzw. war ein Abteil nur für Frauen, das 1998 abgeschafft wurde. In eben jenem Damen-Coupé trifft Akhila mit fünf Frauen zusammen, die ihr alle ihre ganz verschieden gearteten Lebensgeschichten erzählen. Deren Bürde, vor allem aber ihr Umgang damit und ihre Befreiung aus diesen engen traditionell und gesellschaftlich bedingten Zwängen beeindrucken Akhila sehr und machen ihr Mut, endlich selbst über ihr eigenes Leben zu bestimmen.Akhilas Vater stirbt, als sie ein junges Mädchen ist. Sie übernimmt die Verantwortung für das Leben der Mutter und der drei jüngeren Geschwister, einer Schwester und zwei Brüdern, sichert deren Überleben und sorgt für eine sehr gute Ausbildung der Geschwister. Immer haben deren Wünsche und Bedürfnisse Vorrang, an sich selbst denkt Akhila fast nie. Ihre Hoffnung, dass die Brüder, sobald sie im Berufsleben stehen, ihr etwas von der finanziellen Verantwortung abnehmen würden, erfüllt sich nicht, sie schieben dann ihre eigenen Familien vor. So bleibt Akhila bis zu deren Tod die alleinige Verantwortung für die Mutter. Aber auch dann kann sie ihr Leben nicht nach ihren Wünschen einrichten, da die Geschwister weiter über sie verfügen und bestimmen, über sie, der sie doch ihre eigene angesehene Stellung in der indischen Gesellschaft zu verdanken haben. Eine Frau allein und für sich selbst verantwortlich, das schickt sich nicht. Es dauert viele Jahre, bis Akhila die Kraft aufbringt, sich gegen diese Bevormundung aufzulehnen, und als es soweit ist, fällt sie immer wieder in ihre alten Verhaltensmuster zurück. Sogar ihre einzige Liebe muss an diesen Konventionen scheitern; die Beziehung, nur heimlich gelebt, zerbricht. Das Gespräch mit ihren fünf Reisebegleiterinnen erweitert Akhilas Horizont auf ungeahnte Weise. Sie erkennt, dass ihr Schicksal nicht einzigartig ist, sondern dass sie die Unterdrückung mit vielen ihrer Geschlechtsgenossinnen teilt. Aber wenn diese es geschafft haben, sich aufzulehnen und ihren eigenen Wünschen Raum einzuräumen, dann kann Akhila das auch. Sie wird aufhören, sich ihren Geschwistern unterzuordnen und für eigene Lebensvorstellungen ein schlechtes Gewissen zu empfinden. Dieses Buch erfüllt mehrere Kriterien. Es ist ein hervorragendes Frauenbuch. Es verschafft Einblick in den indischen Subkontinent und öffnet den europäischen Blick für dessen Vielschichtigkeit. Es ist wunderbar authentisch erzählt und übersetzt; man fühlt sich wie die siebente Passagierin im Damen-Coupé. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen |
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