Kundenrezension

29 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Realistische Darstellung von Pflege und Siechtum, kalt und lieblos inszeniert, 5. Mai 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Liebe (DVD)
Ein Film, der leider so sehr enttäuscht.
Ein Film mit so fantastischen Schauspielern, mit einem ernsten mehr als authentisch dargestellten Thema, der aber und das ist ganz alleine die Verantwortung von Regisseur Haneke so sachlich, so emotionslos daherkommt, daß es einer der wenigen Filme ist, die bereits im Kino eine so unerträglich zähe Langeweile versprühen, eine so kalte, aseptische, und damit enttäuschende Herangehensweise an elementare Grundfragen von Abschied, Tod, Krankheit beinhaltet, daß es wirklich frappierend ist.
Wie kann das passieren?!
Ein wenig sind die falschen Lobhuldigungen in Presse und Kritik daran schuld, daß von Anfang an ein nicht zutreffender Eindruck von Hanekes Film vermittelt wird.
Weder ist Hanekes Werk zärtlich, weder ist dies ein Werk das seine Zeit überstrahlt, vollkommen oder großartig.
"Liebe" dies wird natürlich durch den Film transportiert bedeutet Beieinander stehen auch in der Zeit des Leidens, des Abschied nehmens, des Sterbens, "Liebe" bedeutet hier einen respektvollen menschenwürdigen Umgang auch im Stadium des Verfalls, des Pflegezustands miteinander zu haben.
Und so läßt Georg seine grosse Liebe Anna, auch in der Zeit ihres langsamen Siechtums, Vergehens, nicht allein, wehrt sich dagegen sie in fremde Hände zu geben, und ermöglicht ihr letztendlich auch ein Sterben in Würde.
Hanekes Filme in irgendeiner Form zärtlich zu nennen, ist beileibe nicht angebracht.
Michael Haneke ist in jedem seiner Werke ein unerbittlicher, grausamer Regisseur, der seine Charaktere in einer quasi mathematischen Versuchsanordnung präsentiert, und gnadenlos immer wieder Menschen den Spiegel vorhält.
Wärme und Sympathie hat er für seine Figuren sehr selten.
Kalt und formelhaft zeigt er zerstörte Seelen, (Die Klavierspielerin), entsetzliche sinnlose Gewalt in einer medialen Selbstbespiegelung (Funny Games, Bennys Video), oder zerlegt die verkrüppelten Charakterstrukturen in Kaisertum und Vorkriegszeit (Das weiße Band).
Starr und unerbittlich sein Blick auf den Homo Sapiens.
Und was die genanten Filme betrifft ist seine schockierende Sachlichkeit auch für ihre große Wirkung verantwortlich.
Was Haneke nicht kann sind Emotionen zu den Geschehnissen, Mitleid, Mitfiebern, wirkliche Empathie zu seinen Figuren aufzubauen.
Das gehört quasi nicht zu seiner Herangehensweise, zu seinem eben aus den Ereignissen heraustretenden, beobachtenden, sezierenden Blick auf die Spezies Mensch.
Er ist damit, möchte man mal einen anderen Meisterregisseur bemühen, das absolute Gegenteil von Lars von Trier, der ja durch den exzessiv eingesetzten Blick durch die Handkamera, darauf aus ist die höchstmöglche, oft unerträglich schmerzhafte Verschmelzung zwischen dargestellter Figur und Zuschauer zu erreichen.
Treibt dieser die vollkommene Identifikation zuweilen auf die Spitze, läuft Haneke immer Gefahr daß durch seine sachlich, distanzierte, klinisch kalte Herangehensweise, zwar die Botschaft des Film ankommt (Hier: wahre Liebe, bedeutet zueinanderstehen auch in Abschied, Siechtum und Leid),der Film als dramaturgisches Konstrukt aber oft äußerst banal, und nicht berührend, den Zuschauer zu einem herzlosen Beobachter einer mathematischen Gleichung degradiert.
Die Emotion die der Zuschauer dem Film "Liebe" entgegenbringt resultiert beileibe nicht aus einer inszenatorischen Glanzleistung, aus tiefgründig herausgearbeiteten Figuren,oder einer innovativen Handlung. Hier zeigt der Film enervierende Substanzlosigkeit.
Die Betroffenheit die dieser Film auslöst erwächst einfach aus dem Abfilmen eines Sterbeprozesses an sich.
Hier greift der Film natürlich eigene Grundängste auf, ohne daß man hier von einer herausragenden Umsetzung sprechen kann.
Anna wird bettlägerig, Anna wird zunehmend verwirrter, Anna wird gewaschen, Anna spuckt ihr Essen wieder aus, Anna wird inkontinent, zwischen durch sitzt Georg mit leerem Blick im Stuhl, putzt sich die Zähne, macht den Kaffee.
Dies zieht sich ohne das der Zuschauer emotional eingebunden ist, zähflüssig lange oberflächlich bleibend zwei Stunden dahin.
Nur in zwei Szenen schafft es Haneke einmal aus seiner reservierten Distanz die Protagonisten menschlich bewegend und nicht als austauschbare Prototypen darzustellen.
Einmal in einer Alptraumsequenz Georgs und dann in der wunderschön kleinen, wirklich zärtlichen und wehmütigen Szene, in der wir Anna am Klavier spielen sehen; Gegenschnitt auf Georgs trauriges Gesicht; Schnitt wieder auf das Klavier, niemand sitzt daran, niemand wird dort je wieder spielen; erst jetzt sehen wir daß es ein Tonband ist, welches Georg abspielte.
Hier schafft es Haneke tatsächlich einmal menschlich fühlbar und nicht chirurgisch kühl zu inszenieren.
Für einen mitreissenden Film viel zu wenig.
Was erwartet Sie nun bei "Liebe": Eine sachliche, authentische Darstellung von allen Stufen der Pflege,des körperlichen und geistigen Verfalls bis zum Tod. Mehr oder Tieferes nicht.
Es bleibt die Frage ob man da nicht mit einer Reportage, einer Dokumentation besser bedient ist.
Es bleibt die Frage nach dem Erkenntnisgewinn und der Aussagekraft eines solchen Filmes.
Es bleibt die Frage ob man einen Film der "Liebe" im Titel trägt, der das grosse Thema von Leben und Sterben, von Einsamkeit oder Zusammenhalt, von Angst, Leid und Erlösung an den Zuschauer bringen will so vollkommen aseptisch, grau, sachlich emotionslos, nüchtern, zäh in langen, weit entfernten Kameraeinstellungen drehen muß.
So weit wie die Kamera oft von den Menschen entfernt, so weit entrückt sind wir Zuschauer von wirklichen Mitleiden oder echter Betroffenheit.
Haneke bleibt seinem Prinzip treu Menschen wie in einem Versuchslabor zu beobachten und versagt damit hier auf ganzer Linie ohne einen Zugang zu den tiefen Themen zu finden.
Wie man es wesentlich besser aus meiner Sicht machen kann, so beindruckend,daß die Bilder wirklich nicht mehr aus dem Kopf gehen (was ja auch durchaus eine Gefahr darstellen kann) zeigen Filme wie "An ihrer Seite", Triers "Breaking the Waves", oder "Halt auf halber Strecke".
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Kommentare

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1-10 von 15 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.05.2013 04:48:27 GMT+02:00
thelastone meint:
Den Nagel auf den Kopf. Schön geschrieben!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.05.2013 16:29:43 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.05.2013 16:32:31 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Vielen Dank, thelastone.
Freue mich immer wenn meine Rezensionen hilfreich sind. Wie ich in Ihren Kritiken sehe sind Sie auch ein Freund des offenen Wortes, aber jederzeit gut begründet und nachvollziehbar. ("Inglourious Bastards" zum Beispiel). Das ist lobenswert.
Freundliche Grüße Rumburak

Veröffentlicht am 22.05.2013 10:24:18 GMT+02:00
Wrdlbrmfd meint:
Ausgezeichnete Kritik: Nicht nur, weil ich mit Ihrer Meinung übereinstimme, sondern weil sie Sachkompetenz erkennen läßt. Wäre schön, wenn Profi-Kritiker öfter mal dieses Niveau erreichten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.05.2013 11:08:05 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.05.2013 11:09:22 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Vielen Dank, Wrdlbrmfd. Ich freue mich immer über Feedbacks. Da macht das Schreiben doch doppelt Spaß. Freundliche Grüße Rumburak

Veröffentlicht am 05.06.2013 01:34:05 GMT+02:00
Jürgen Mayer meint:
Endlich einmal jemand der Haneke, wie ich, als Gegenteil von Von Trier begreift. Danke!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.06.2013 08:48:27 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 05.06.2013 08:50:53 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Danke Jürgen Mayer. Ich mag beide Regisseure sehr, und es ist immer wieder hochinteressant, wie unterschiedlich große Filmregisseure ihre individuell gefundene Bildsprache einsetzen.
Das sind wirklich Filme, die weit über das reine Anschauen die Empfindungen bewegen.
Viele weitere tolle Filmerlebnisse wünsche ich uns. (Habe ich doch läuten hören, das selbst David Lynch wieder auf dem Regiestuhl Platz nehmen will!)
Freundliche Grüße Rumburak

Veröffentlicht am 07.09.2013 09:46:50 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.09.2013 09:52:56 GMT+02:00
disco-stu meint:
Also ich sehe das überhaupt nicht wie sie! Klar, der Film verlangt einiges von den Kinobesuchern, nämlich sich intensiv mit dem Thema Liebe, Sterben, Einsamkeit und Erlösung auseinander zu setzen, aber ist das ist auch gut so. Ich halte nichts von Filmen wie z.b beste Freunde, die das Leiden eines Mannes mit einer dicken Zuckerschicht umgeben müssen nur um die Kinobesucher nicht abzuschrecken!

Fakt ist, solche Situationen gibt es im Leben und daran ist weder was Lustig noch sonst was. Sie scheinen wohl eher auf oberflächliche Filme zu stehen, wo eben dann eine gezielte Dosis Humor die Sache auflockert, aber das wahre Drama des Hauptdarstellers dafür nicht gezeigt wird. (Wie bei beste Freunde eben)

Ich muss da eher auf Filme wie der "Duft der Frauen" verweisen, der ebenso kein typisches Feel-good-movie ist, dafür Einblicke zeigt, wie es jemanden geht, der wirklich mit einem Handicap umzugehen lernen muss. Außerdem war schon durch die Medien vor dem ansehen von "Liebe" bekannt, das es ein Drama ist und keine Komödie!

Das ist eben das Problem heute: Mit der Zeit stumpft man durch die Actionfilme usw. einfach ab, die man sich so im Laufe der letzten 20 Jahre so im Kino und zuhause gesehen hat! Ich persönlich finde es auf jeden Fall bemerkenswert, das es noch Regisseure gibt die wirklich noch etwas von den Zusehern verlangen, nämlich das sie sich auf den Film einlassen und sich mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen.

Aber ohne auf die Mainstreamschiene abzurutschen! Respekt

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 07.09.2013 14:18:12 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.09.2013 18:32:02 GMT+02:00
RUMBURAK meint:
Sehr geehrte(r) Disco-stu, schön wenn Ihnen der Film zusagte.
Ein Blick in meine Rezis im Hinblick auf ihre weiter geäußerten Vermutungen könnte für Sie unter Umständen informativ und erhellend sein.
Viele Grüsse Rumburak

Veröffentlicht am 08.12.2013 17:37:19 GMT+01:00
APOMAUS meint:
Diese Rezension trifft voll meine Meinung. z. B. " Halt auf halber Strecke" hat ich mehr berührt.Ist es Liebe, jemanden so lange zu pflegen bis man aus Überforderung dann doch das Leben beendet. Für mich war das kein Sterben in Würde, sondern nur völlige Kraftlosigkeit von Georg.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 08.12.2013 17:48:32 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.12.2013 17:49:34 GMT+01:00
RUMBURAK meint:
Danke APOMAUS, für das schöne Feedback. Es ist hochinteressant hier verschiedene Empfindungen lesen zu können.
Letztlich ist ein Film ,der doch dann so die Ansichten spaltet dann doch positiv, da er ja zu anregendem Gedankenaustausch führt.
"Halt auf halber Strecke" hat mich tagelang erschüttert, und ich kann ihn mir auch nur in ausgeglichener Stimmungslage anschauen.
" Liebe" ließ mich dagegen vollkommen kalt, eben so ging es mir vor kurzem bei dem Film "Broken Circle".
Die Frage ob dies ein Sterben in Würde war oder nicht wäre interessant gewesen ,wenn "Liebe " nur ein wenig mehr inszenatorisch differenzierteres und tiefgründigeres Können an den Tag gelegt hätte.
Noch viele schöne Filmerlebnisse wünsche ich Ihnen
Grüße,Rumburak
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