Kundenrezension

917 von 1.005 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Hoffentlich der Anstoß zu einer längst überfälligen Diskussion, 1. Februar 2008
Rezension bezieht sich auf: Warum unsere Kinder Tyrannen werden: Oder: Die Abschaffung der Kindheit (Gebundene Ausgabe)
Achtung: Dieses Buch ist kein weiterer Erziehungsratgeber, aber es zeigt die Hintergründe auf, warum der Bedarf an Sachbüchern dieser Art in den letzten Jahren so stark gestiegen ist und weshalb ein Showformat wie "Die Super-Nanny" ein Quotenrenner bei RTL werden konnte.
M. Winterhoff stellt auch kein neues erziehungswissenschaftliches Konzept vor. Vielmehr handelt es sich um eine schonungslose Analyse der Auslöser für die gestörten Beziehungen zwischen Eltern (und sonstigen pädagogisch Tätigen) und Kindern, die mehr die gesamtgesellschaftlichen Hintergründe für das immer stärker auftretende Phänomen der kleinen Tyrannen" beleuchtet als die einzelne Familie mit ihren individuellen Problemen und sich dabei hauptsächlicher soziologischer Kriterien bedient, ohne die psychologischen außer Acht zu lassen.

Das Lesen dieses Buches tut weh - weil es in gewisser Weise unser pädagogisches Weltbild, das sich seit den 70'er Jahren entwickelt und in den Elternhäusern und Institutionen immer stärker verbreitet und verfestigt hat, in den Grundfesten erschüttert. So wird die uns inzwischen in Fleisch und Blut übergegangene Maxime, Kinder seien in allen erzieherischen Belangen, partnerschaftlich", sprich als kleine Erwachsene" zu behandeln, als Ursache für die immer stärker auftretenden Beziehungsstörungen zwischen Kindern und Erwachsenen entlarvt. Das Ergebnis des wohlmeinenden Konzepts von einem nahezu gleichartigen Umgang auf Augenhöhe zwischen heranwachsenden und erwachsenen Menschen sind nicht etwa glücklichere" Kinder, sondern psychisch Unreife, die durch eine viel zu frühe, partnerschaftlich orientierte" Teilnahme am Erwachsenenleben den Schutz, den eine sorgfältige Abgrenzung zwischen Kinder- und Erwachsenenwelt früher ganz natürlich bot, verloren haben. Die Überfrachtung der Kinder mit Erwachsenenthemen, die deren im Wachstum befindliche Psyche noch gar nicht verkraften kann, führt dazu, dass sich narzisstische Verhaltensweisen entwickeln und verstärken, so dass die Kinder ihr Gegenüber in der Folge nicht mehr als Mensch mit eigenen Bedürfnissen wahrnehmen können, sondern vielmehr als einen Gegenstand, den es den eigenen Wünschen gemäß zu steuern gilt.

In klaren Worten, untermalt von vielen Beispielen aus seinem Praxisalltag als Kinderpsychiater, haut uns M. Winterhoff die schmerzliche Wahrheit um die Ohren, ohne jedoch dabei die sonst oft üblichen Schuldzuweisungen (an Eltern, Lehrer oder die Politik..) vorzunehmen. Vielmehr sieht er die Ursache für die beziehungsunfähigen Kinder und Jugendlichen in der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung.

Die Erkenntnisse dieses Buches sollte Aufnahme in die Ausbildung aller pädagogisch Tätigen finden, ob Lehrer, Erzieher, Kindertherapeuten oder Eltern und Anstoß zu einer gesellschaftlichen Diskussion sein für jene, die im engeren oder weiteren Umfeld mit Kindern zu tun haben - letztendlich also für uns alle...
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Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 73 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.05.2008 13:24:09 GMT+02:00
Conradine meint:
"Die Erkenntnisse dieses Buches sollte Aufnahme in die Ausbildung aller pädagogisch Tätigen finden, ob Lehrer, Erzieher, Kindertherapeuten oder Eltern und Anstoß zu einer gesellschaftlichen Diskussion sein für jene, die im engeren oder weiteren Umfeld mit Kindern zu tun haben - letztendlich also für uns alle... "

Oh, hoffentlich ja nicht! Einen unsachgemäßeren Umgang mit Kindern (so wie im Buch empfohlen) habe ich in meinen letzten 20 Berufsjahren mit Kindern und Jugendlichen noch nicht kennengelernt.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.05.2008 19:50:40 GMT+02:00
Volkri meint:
Und was empfehlen Sie?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 30.05.2008 23:29:31 GMT+02:00
Neuschäfer meint:
Die Sprache verrät hier schon viel: Kinder sind keine SACHE, sondern Geschöpfe bzw. Personen. Daher kann es auch gar keinen "unsachgemäßen" Umgang mit Kindern geben ...

Veröffentlicht am 02.06.2008 20:49:43 GMT+02:00
A. Friedl meint:
"... ohne jedoch dabei die sonst oft üblichen Schuldzuweisungen (an Eltern, Lehrer oder die Politik..) vorzunehmen. Vielmehr sieht er die Ursache für die beziehungsunfähigen Kinder und Jugendlichen in der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung."

Typisch Psychiater: Damit sind natürlich die wahrhaft Schuldigen fein aus der Verantwortung entlassen, und bitte: ja niemanden vor den Kopf stoßen. Es sind doch einzig und allein wir Eltern, die die Verantwortung für unsere Kinder tragen. Wir, niemand anderer - keine Lehrer, kein Staat oder wer auch immer. Leider will der Großteil der Eltern davon nichts hören und wissen, weil sie sonst ihre Egozentrik sowie die stumpfsinnige Jagd nach Geld, gesellschaftlichem Status, und all die anderen Idiotien aufgeben müßten, die doch ach so viel erfüllender sind als die Erziehung der Kinder. Außerdem: Wer bildet denn die Gesellschaft? Doch kein nebuloses Etwas! Mit einem derartigen Schwachsinn ist niemandem geholfen, außer dem Herrn Psychiater selbst und seiner Zunft: die Wartezimmer werden voll bleiben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 03.06.2008 18:23:35 GMT+02:00
Sista meint:
Und welches Wort hielte die deutsche Sprache bereit, das Sie gewählt hätten? Ich denke, Sie machen es sich mit dieser Haarspalterei ein bisschen zu einfach.

Veröffentlicht am 05.06.2008 08:24:46 GMT+02:00
Jobst Quis meint:
Ja es tut weh, was Winterhoff uns da um die Ohren haut. Jedem, dem noch ein bischen Mitgefühl für Kinder geblieben ist. Aber Wahrheit ? Was er hauptsächlich beklagt, ist in Wahrheit nicht Beziehungsunfähigkeit, sondern berechtigte Unterwerfungsunwilligkeit.

Ja früher war alles besser, da waren die Kinder noch brav, und folgten willig ihren Eltern und Führern. Alles funktionierte reibungslos, unter anderem der zweite Weltkrieg und alles was davor geschah. Wenn alle Kinder so wären wie die von Winterhoff beschriebenen, gäbe es ernsthafte Probleme bei ähnlichen Veranstaltungen in Deutschlands Zukunft.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.06.2008 12:24:34 GMT+02:00
Rhabarber meint:
Und ja, ich war meistens brav, hatte als Kind nix zu melden, folgte willig meinen Eltern und dennoch bin ich ein eigenständig denkender Mensch geworden, der nicht jeden Schwachsinn für bare Münze nimmt, der ihm unter die Nase gehalten wird. Ich komme sogar meinen staatsbürgerlichen Pflichten nach und gehe jedesmal nicht die NPD wählen. Ich wage sogar Widerworte:

Auch ich habe ein Recht, mich meinem unterwerfungsunwilligen Kind nicht zu unterwerfen! Und ich werde mich schon gar nicht solch ewig Gestrigen wie meinem "Führer" Jobst Quist unterwerfen!! Nein! Nein! Nein! Ich esse meine Suppe nicht!

Gott sei Dank stoße ich nur noch selten auf Mitbürger wie Herrn Quist. Ich würde mich sonst nicht mehr auf die Straße trauen und hätte mich wohl nicht für eigene Kinder entschieden, in dem Wissen, daß diese nur von solchen Zeitgenossen mit Nazi-Phobie und deren "ich mach worauf ich Bock hab, hauptsache du fütterst mich durch und wer mir in die Quere kommt, dem hau ich auf die Fresse"-Ablegern umgeben sein würden. Solches Gerede mutet schon reichlich krankhaft an und ist überdies gefährlich, da der Blick auf die wirklichen Probleme unserer Gesellschaft verstellt wird.

Im Übrigen hat Herr Quist den Sinn des Buches nicht verstanden, und ist aufgrund seines beschränkten antifaschistischen Weltbilds offensichtlich auch nicht in der Lage oder zumindest willens, dies zu verstehen. Winterhoff und rechtes Gedankengut haben nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun!!! Im Gegenteil, wer die Chance hat, zu einem psychisch gereiften und damit mündigen Bürger erzogen zu werden, kann sich verfassungsfeindlichen Bestrebungen leichter erwehren und verfällt vielleicht nicht so leicht dem tumben Mitläufertum, als ein psychisch unreifer Narzist, der nur sich selbst und den Spaßfaktor im Kopf hat.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.06.2008 08:35:06 GMT+02:00
Susa meint:
Aber sicher kann es das. Alleine auf unserer kleinen Dorfschule (15 Kinder in der Klasse), stellt sich deutlich dar, dass es eine Menge Eltern gibt (nicht nur in unserer Klasse) die "unsachgemäß" mit ihrem Kind umgehen. Kinder sind sicherlich keine Sache, aber es ist wirklich harte Arbeit diese zu erziehen und nicht Erziehungsfaul zu werden. Kinder geben einem sehr viel Liebe zurück und es ist wunderbar die Entwicklung eines Kindes genießen zu können. Und ich bin sicher, dass auch ich und mein Mann genügend Fehler machen. Aber wir sind hoffentlich noch nicht erziehungsmüde. Denn dann wird es für die Kinder schwierig werden. Und wir beobachten wie schwierig. Wer hilft denn dann später den Kindern. Ist ein "unsachgemäßer" Umgang nicht schlimm für die Kinder und deren Zukunft. Wir die Eltern sind tatsächlich dafür verantwortlich keine Politiker und Lehrer. Wir legen den Grundstein und hoffentlich doch gut oder "sachgemäß". Nicht die Spielerei mit dem Wort hilft den Kindern sondern wir mit unserer Einstellung und mit unserem Leben. Mit unserem Vorleben in der Gesellschaft. Und dieser kann wohl schrecklich sein.
Susa.

Veröffentlicht am 06.08.2008 20:36:34 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.08.2008 20:37:47 GMT+02:00
Dr. meint:
Die Forderung nach strenger Hand kann (und wird!) von Vielen für einen Freibrief zur Kindsmisshandlung (auch psychisch!) missverstanden (siehe die erschreckend grosse Zahl an Kindsmisshandlungen und Tötungen, die der Kinderschutzbund in Deutschland berichtet, vermutlich nur die Spitze des Eisberges). Ich denke, dass elterliche Intuition ohnehin üblicherweise angewendet wird (mit oder ohne Winterhoff). Auch hier ist das Problem, dass Eltern bis zu meiner Generation trotz bestem Willen durch Strenge (Prügelstrafe mit Rohrstock und Gürtel, hat angeblich noch niemandem geschadet...) eine Menge schwer gestörter Persönlichkeiten herangezogen haben. Es ist deshalb durchaus auch vernünftig seine "Intuition" und "gesundem Menschenverstand" mit anderen Herangehensweisen abzugleichen. Die Thesen von Herrn Winterhoff sind wirklich Quatsch (z.B. bis 8 Jahren haben Kinder keine Persönlichkeit weil rein triebgesteuert; wenn dem so wäre, hätten die meisten Erwachsenen auch keine).
Die ganze unsinnige Diskussion die Herr Winterhoff führt um sein Pamphlet zu vermarkten, lenkt vom wahren Kern des Problems ab:
Viele Kinder sind heute tatsächlich vernachlässigt: Sie werden stundenlang vor Fernsehen, Video, Gameboy geparkt weil die Eltern eine intensive Auseinandersetzung mit den Sprösslingen nicht können oder wollen. Später beamen sie sich mit MP3 Playern und Ähnlichem (Knopf im Ohr) aus der Kommunikation. Dass dies asoziales Verhalten befördert ist wohl klarer als Winterhoff frecher Vorwurf an die Eltern, die sich um ihre Kinder intensiv kümmern und sie zu einer (kindlichen!) Partnerschaft ermuntern

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.08.2008 20:39:33 GMT+02:00
[Vom Autor gelöscht am 06.08.2008 20:41:28 GMT+02:00]
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