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Kundenrezension

86 von 92 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Unglaublich glaubwürdig, 15. März 2002
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Der menschliche Makel: Roman (Gebundene Ausgabe)
"Menschlich", das Adjektiv vor dem Makel, auf dem Umschlag etwas kleiner gedruckt als das Substantiv, ist - natürlich - der Kern der Angelegenheit. "Menschlich", so gern benutzt, dieses überaus freundliche Wörtchen, "humanitär", sofern es um größere Gruppen geht, und ach so häufig in seiner Negation - un-menschlich. Es ist ein seltsames Wort, quasi selbstdefiniert, aber eigentlich qualitätslos, genaugenommen völlig aussagefrei, denn Menschen sind *alles*: Gut, böse, neidisch, freundlich, brutal, feindselig, kleingeistig, heimtückisch, geil, machtversessen, sozial, unsozial, asozial. Der Begriff sagt nichts, außer: Er gilt nur für Menschen. Denn Menschen sind - natürlich - einzigartig auf der Welt. Jeder Mensch ist menschlich. Das Menschsein ist der Makel, der Titel eine Tautologie.
Der einundsiebzigjährige Coleman Silk blickt auf eine großartige akademische Laufbahn zurück, war jahrelang reformfreudiger Dekan des - durch seine Arbeit - hochreputierten Colleges von Athena, irgendwo in den Berkshires, und Professor für klassische Literatur, beliebt, geachtet, fast berühmt. Doch die Karriere endete abrupt. Ein eigentlich harmloser Satz, fallengelassen beim Überprüfen der Anwesenheitsliste, rief die selbsterkorenen Moralwächter, die Neider, die Karrieristen auf den Plan. Als Coleman von "dunklen Gestalten, die das Seminarlicht scheuen" deklamierte, um sich über zwei Studenten lustig zu machen, die noch keine der Vorlesungen im laufenden Semester besucht haben, brach eine Welle der moralischen Entrüstung über ihm zusammen. Denn jene Studenten waren Schwarze. Der Rassismusvorwurf, zunächst von Silk verlacht, der nichts von der Hautfarbe seiner Schützlinge wußte, aber in kurzer Zeit zur massiven Bedrohung angewachsen, zerstörte nicht nur die Laufbahn, negierte in kurzer Frist alle Erfolge des langen, fruchtbaren Lebens, sondern führte auch zum Tod von Colemans Frau.
Roths Alter Ego, Schriftsteller Nathan Zuckerman, freundet sich mit Silk an, Monate nach dessen Rückzug aus dem College, Wochen nach dem Tod von Iris Silk. Beide alten Männer, Zuckerman inzwischen diogenesisch zurückgezogen lebend und seit einer Prostataoperation impotent, nähern sich behutsam an, nachdem Zuckerman abgelehnt hat, die Geschichte Silks zu schreiben, was jener inzwischen selbst versucht. Bei langen Gesprächen enthüllt sich das Leben Silks, der währenddessen - unter anderem dank Viagra - ein Verhältnis mit einer 34jährigen Putzfrau pflegt. Highschool, Navy, viele Frauen, heimliches Boxen, das erste College, eines nur für Schwarze. Denn Coleman Silk ist selbst ein Schwarzer. Nach dem Tod des strengen, hochgeschätzten Vaters entschied Coleman, sich die ungewöhnlich helle Farbe seiner Haut zunutze zu machen - und gab sich als Weißer aus. Fünfzig Jahre trug er dieses Geheimnis mit sich, verborgen auch vor der eigenen Frau, bis ausgerechnet der Vorwurf des Rassismus ihn dazu bringt, sich einer einzigen Person zu offenbaren: Dem selbst mehr und mehr in den Hintergrund tretenden Erzähler Nathan Zuckerman.
Während im Weißen Haus die Lewinsky-Affäre tobt, seziert Roth, fantastisch erzählt, die Biographien seiner eindringlichen Protagonisten, diejenige des leidenden Professors, seiner Familie, seiner jungen Freundin, einer Analphabetin, die bereits jede Form von Leid erlebt hat, der neidischen Karrierefrau Delphine Roux, Silks Hauptwidersacher, Vertreterin des energischen, mitleidlosen Feminismus - und des durchgeknallten Vietnam-Veterans, mit dem Silks junge Freundin verheiratet war.
Aufgesetzte Moral, von gewaltiger Zerstörungskraft, Scheinheiligkeit, Vordergründigkeit. Philip Roth entwirft mit leisen, aber mächtigen Worten ein Bild der Gesellschaft, die nicht mehr unterscheiden kann oder *zu sehr* unterscheidet zwischen der inneren und der äußeren Moral, die Schwierigkeiten damit hat, zu differenzieren zwischen medialen und realen Persönlichkeiten, die angesichts der Inflation von Öffentlichkeit keine Privatheit mehr zuläßt oder anerkennt. Roth dringt in seine Figuren ein, läßt *Menschen* wachsen auf diesen 400 Seiten, von unglaublicher Plastizität, Authentizität, weckt Mitgefühl, Verständnis, sogar für die Antagonisten.
Unglaublich.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 31.07.2011 14:04:04 GMT+02:00
Andre Wagner meint:
Hallo, vielen Dank für die schöne Rezension, Sie hat großes Interesse bei mir auf diesen Roman geweckt!

Eine Anmerkung zu dem Wort "menschlich": Mit Mensch kann die biologische Spezies gemeint sein, aber auch "vernunftbegabtes Wesen", womit jedes Lebewesen gemeint wäre, welches zu Einsicht und Handeln nach Normen fähig ist.
Dementsprechend kann das Wort "menschlich" wertneutral verwendet werden, im Sinne der biologischen Spezies, oder eben wertend. Die typische Unterscheidung zwischen menschlich / unmenschlich, etwa wenn ich sage, jemand wäre unmenschlich, ist wertend, sie erfolgt nach moralischen Kategorien. In diesem Sinne ist nicht jeder Mensch menschlich.

mfg André

Veröffentlicht am 26.07.2012 10:20:13 GMT+02:00
Christine meint:
" [...] bis ausgerechnet der Vorwurf des Rassismus ihn dazu bringt, sich einer einzigen Person zu offenbaren: Dem selbst mehr und mehr in den Hintergrund tretenden Erzähler Nathan Zuckerman."

Aber dem Erzähler offenbart er sich doch nun gerade nicht? Er bricht sogar den Kontakt zu ihm ab, um sein Geheimnis wahren zu können, und offenbart sich niemanden, oder (vielleicht, eventuell, von Zuckerman vermutet) einer einzigen, anderen Person. Zuckerman muss diesen nicht ganz unbedeutenden Teil von Colemans Leben erst posthum erfahren und mit seinem Bild von Coleman in Einklang bringen.

LG
Christine
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