Kundenrezension

36 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen "Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern.", 16. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Über das Unglück, ein Grieche zu sein (Gebundene Ausgabe)
Auf ein solches Buch hat man in Europa gewartet. Neben den eindrucksvollen Interviews, die der in Deutschland sehr beliebte Schriftsteller Petros Markaris in den letzten beiden Jahren zum finanziellen und volkswirtschaftlichen Abstieg Griechenlands gab (mit "Faule Kredite" hat er dem Thema ein ganzes Buch gewidmet) ist der hier nun zum ersten Mal auf Deutsch vorliegende Aphorismenband des bekannten griechischen Philosophen Nikos Dimou ein aufschlussreiches Dokument. Das Buch ist schon 1975(!) zum ersten Mal erschienen und hat nun nach seiner Wiederveröffentlichung in Griechenland sofort die Bestsellerlisten erobert.
Schon 1975 schrieb Dimou etwa: "Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern." Und regelrecht prophetisch, wenn man den aktuellen Zustand des Landes anschaut: "Mit Methode und System, die unserem täglichen Leben und unsere Arbeit fehlen, konzentrieren wir uns auf unsere geheime Mission: das wunderbare Land, das uns das Schicksal zugedacht hat, so effektiv wie möglich zu zerstören."

Deutsche Leser, die vielleicht seit Jahren mit Entsetzen beobachten, wie jede neue Milliarde, für die sie auch als Steuerzahler haften werden, im griechischen Sumpf verschwindet, mögen diese Aphorismen eine Lektüre sein, die ihnen großes Vergnügen bereiten. Für einen griechischen Leser jedoch sind sie eine Qual, denn sie zeigen ihm "das Grundproblem seiner Existenz, sein Verlangen nach mehr und seine Unfähigkeit, sich mit weniger zu begnügen."

Dem Rezensenten wurde bei der Lektüre, die ihn nur selten zum Lachen brachte, mehr als einmal deutlich, wieso in den vergangenen beiden Jahren die EU mit ihrem Mitgliedsland Griechenland solche Probleme hatte. Und auch, warum das Vertrauen in die Griechen, sollte es jemals wirklich bestanden haben, zurzeit völlig aufgebraucht ist. Die Wahlen im April werden zeigen, ob das Volk weiter für seinen eigenen Abstieg in den Untergang stimmt.

Das neu aufgelegte Buch von Nikos Dimou will dazu beitragen, im eigenen Land zu wirken und in Deutschland etwa zu zeigen, dass es auch eine konstruktive Sicht der Dinge gibt, bitter realistisch, aber nicht ohne Hoffnung für ein geliebtes Land. Er schreibt über sein Buch 2012:
Es sei "ein bitteres Nachdenken" über das tragische Schicksal des Landes, "gespalten zu sein zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Norden und Süden, Osten und Westen. Es ist eine Liebesserklärung an Griechenland, das wahre, das tiefe Griechenland - und nicht das oberflächliche Land der Mythen, das die Griechen selbst geschaffen haben, um der Realität zu entkommen."

Er sei kein Anti-Grieche, sagt Dimou, sondern ein Mann, dem seine Heimat am Herzen liege. Er wolle seinen Mitbürgern helfen, dem delphischen Motto "Erkenne dich selbst" zu entsprechen. Doch ihm ist klar:
"Das kann eine schmerzliche Prozedur sein, wenn deine Mentalität, deine Erziehung dich von Anfang an gelehrt haben, die Wahrheit zu meiden. Griechenlands gegenwärtige missliche Lage ist zu großen Teilen das Ergebnis dieser Mängel im nationalen Charakter. Um es mit aller Emotion zu sagen: Die Griechen müssen sich neu erfinden, wenn sie in der heutigen Welt überleben wollen."

Weitere Milliarden dort hinzupumpen, wird diesen schmerzlichen Selbsterkennungsprozess einer ganzen Nation nicht fördern, sondern die von Dimou beklagte Haltung nur noch verlängern. Die, die jetzt in Griechenland auf den Straßen protestieren und Häuser anstecken, sind Teil des Problems. Wenn sie nun alles dem "Staat" als Schuldigen zuschieben, zeigen sie genau die Einstellung, die Dimou schon 1975 (!) beschrieben hat. Man sollte den Finanzministern und den Regierungschefs der EU-Länder ein Exemplar dieses erhellenden Buches zusenden vor ihren nächsten Entscheidungen.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-5 von 5 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.03.2012 13:24:02 GMT+01:00
Sie, werter Herr Stanzick, haben leider gar nichts verstanden. Dr. J. Kirchhoff

Veröffentlicht am 13.03.2012 02:50:35 GMT+01:00
J. Mayr meint:
Das Buch hat nichts mit Milliardenhilfen zu tun. Und Milliardenzahlungen sind auch nicht für die Veränderung des "nationalen Charakters" Griechenlands bestimmt. Nicht Griechenland wird "gerettet", sondern das Bankensystem.
Ich denke wenn man es aus Sicht eines Deutschen mit Blick auf die aktuelle Finanzkrise liest wird man nicht kapieren, worum es dem Autor geht.

Veröffentlicht am 26.03.2012 14:48:27 GMT+02:00
H. Dreeßen meint:
Wie objektiv und echt ist ein Rezensent, der 3.345 von 3.345 Rezensionen mit 5 Sternen verfasst hat?

Veröffentlicht am 05.04.2012 21:08:11 GMT+02:00
Domio meint:
Es gibt Rezensenten, die kritisch über Bücher nachdenken, und Rezensenten, die das nicht tun. Die obrigen Gedanken richten sich und stammen klar von dem Erstigen.

Veröffentlicht am 15.06.2012 16:17:47 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.06.2012 09:14:05 GMT+02:00
Diese Rezension erinnert mich an die Speichelabsonderung des Pawlow'schen Hundes.
Ich bin nur froh, dass die Rezension von R. Richter die doppelte Anzahl an positiven Stimmen erhalten hat, was wahrscheinlich daran liegt, dass die Bild-Zeitungsleser von diesem Titel noch nichts gehört haben.
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