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"Oh Mord und Entsetzen - oh Trauer und Totschlag...",
5. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: The Children of Hurin (Gebundene Ausgabe)
Die Meinungen werden geteilt sein...
Diejenigen, die von der erzählerischen Struktur eines "Hobbits" wie auch des "Herrn der Ringe" begeistert waren, werden durch vorliegendes, ausführlich editiertes Werk über einen bereits im "Silmarillion" und in den "Nachrichten aus Mittelerde" behandelten Charakter eine mittelprächtige Enttäuschung erfahren. Wer sich aber von jeher zu den Tolkienfreaks zählte, der in historischer Akribie alle Einzelheiten "Mittelerdes" und deren urzeitlicher Vorwelt "Beleriand" erfahren will, der wird an der kraftvollen Prosa des englischen Originals seine wahre Freude haben.
Denn wo in den bisherigen Erzählungen die vorliegenden Erlebnisse fragmentarisch wirkten und dem geneigten Leser alle Konzentration abverlangten, so wird im nun erschienenen "The Children of Húrin" ein hervorragendes Beispiel dafür gegeben, wie man literarische Puzzleteile gekonnt zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammensetzt.
Die Geschichte Húrins, welcher Morgoth, einem der ältesten Widersacher der Elben und Menschen, offen widerstand - und deren Kinder daraufhin verflucht wurden - warten mit allem auf was eine klassische Heldensage an Tod, Trauer und Verderben zu bieten hat. Wen Geschichten stören, bei denen schon von vornherein absehbar ist, wie sie ausgehen, dem sei von diesem Drama entschieden abgeraten.
Freunde klassischer Literatur englischer Sprache erfahren jedoch besonders im Originaltext die pure Urkraft und Essenz tolkienscher Prosa. Ein bestechendes Beispiel sei hierfür unter anderem das dritte Kapitel "The Words of Húrin and Morgoth" oder auch die Schilderung jener unerbittlichen letzten Ereignisse der Tragödie im finalen "The Death of Túrin".
Und doch wird es am Ende immer noch einige geben, die Christopher Tolkiens Veröffentlichung für reine Geldschneiderei halten - denen die "Introduction" zu einer anstrengenden Aneinanderreihung von Namen und Ereignissen mutiert. Die anderen begeistern nicht nur die zahlreichen Zeichnungen und Illustrationen Alan Lees und der wie üblich informative Anhang - es bietet sich ihnen der bereits erwähnte faszinierende Einblick in die Vorgeschichte "Mittelerdes" - aber auch die traurige Erkenntnis, dass J.R.R. Tolkien einfach nicht alt genug geworden ist, um sie selbst zu veröffentlichen...
Insofern kann man zwar nicht von von dem "Meisterwerk" sprechen - doch eines "Meisters Werk" ist es allemal...
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