Kundenrezension

53 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Erwartungen nicht erfüllt, 14. Oktober 2013
Rezension bezieht sich auf: Das Haupt der Welt: Historischer Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Haupt der Welt

Mit großer Vorfreude habe ich den neuen, historischen Roman "Das Haupt der Welt" von Rebecca Gablè erwartet und hatte das Glück, ihn schon vorab lesen zu dürfen.
Ausnahmsweise spielt die Geschichte diesmal nicht in England, sondern in Deutschland.
Während der junge Prinz Otto nach dem Tod seines Vaters König Heinrich , als desen Nachfolger den Thron besteigt und zu halten versucht, dreht sich der Roman hauptsächlich um den slawischen Fürstensohn Tugomir und desen Schwester Dragomira, die von Heinrich als Sklaven aus der gefallenen Brandenburg verschleppt wurden und die nun fernab ihrer Heimat im fremden Sachsen um ihr (Über) Leben kämpfen müssen.
Während Dragomira das Erstgeborene Otto's zur Welt bringt, entdeckt Tugomir seine Begabung zum Heiler...und wie sollte es anders sein, trotz erbitterter Feindschaft zwischen zwei grundverschiedenen Völker werden nach und nach freundschaftliche Bande zwischen den Einzelnen geknüpft....

Das Cover ist wieder sehr schön aufgemacht, auch wenn es die Farbenpracht der anderen Bücher vermissen lässt und definitiv eine Karte fehlt (da ich bisher aber nur das Manuskript kenne, kann diese durchaus im fertigen Buch vorhanden sein).
Im Buch selbst sind einige sehr schöne Illustrationen zu finden, leider jedoch nur auf den ersten Seiten.
Der Schreibstil ist flüssig wie immer, es wurde großartig recherchiert und mit über 800 Seiten konnte man sich auf ein über mehrere Generationen verteiltes Epos bereit machen.
Dachte ich zumindest, als ich das Manuskript aufschlug...

Nachdem das erste Viertel auch sehr vielversprechend begann, man im Ansatz mit jeder Menge Charakteren bekannt gemacht wurde (wenn auch nicht so bildhaft wie sonst) und der Grundstein zu einer spannenden und zu Herzen gehenden Story gelegt war, fing das "Haupt der Welt" jedoch nach und nach an, mich zunehmend zu enttäuschen.
Im Gegensatz zu Gablès grandioser Waringham Saga, die den Leser 4 Bände lang nicht losliess, konnte dieser neue Roman mich einfach nicht richtig fesseln.
Die Figuren blieben hölzern und wirkten von der Autorin nicht richtig ausgearbeitet, so wie ich es bisher von Gablè gewöhnt war.

Ich zitiere dazu einfach mal einen Abschnitt aus meiner Rezension zu "Der dunkle Thron", dem letzten Band der Waringham Saga:

"Die Charaktere sind nie einseitig ausgelegt. Gut und Böse, Schwarz und Weiß gibt es nämlich nicht. Jede Figur, sei sie noch so sympathisch, hat ihre Ecken und Kanten und manches Mal möchte man in die Handlung eingreifen, um seine "Helden" wieder auf den richtigen Weg zu bringen oder aber sich höchstpersönlich bei einem Bösewicht zu entschuldigen, wenn er plötzlich so menschliche Züge zeigt, daß man beinahe ein schlechtes Gewissen bekommt, ihn verurteilt zu haben."

Dieses Gefühl stellte sich diesmal überhaupt nicht ein.
Bis auf ganz wenige Ausnahme waren Charakter und Handlungen der Protagonisten weitestgehend voraussehbar und es gelang mir während des gesamten Buchs nicht, richtige Sympathien aufzubauen.
Lediglich Thankmar konnte als ewig gedemütigter Antiheld einigermassen überzeugen, während grade die anderen Hauptfiguren eher dem handelsüblichen Schwarz / Weiß Klischee entsprachen.

Obwohl die Ansätze von Vielschichtigkeit durchaus vorhanden waren, konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, daß Frau Gablè diesmal nicht mit dem Herzen dabei war. und irgendwann einfach aufgehört hat, die Figuren weiter auszuarbeiten.
Sowohl Tugormir und Dragomira, als auch grade Otto und sein ewig böser Bruder Henning hätten das Potenzial zu mitreissenden Charakteren gehabt, der Funke sprang aber einfach nicht über.

Ebenfalls auffällig die Tatsache, daß "Das Haupt der Welt", so wie schon der letzte Band der Waringham Saga, kaum noch mit Schlachtgetümmel und wirklicher "Action" aufwartet.
Obwohl König Otto während des gesamten Buchs Krieg führt, bekommt der Leser davon kaum etwas mit.
Kampfszenen werden extrem kurz gehalten, dafür aber sehr blutig und ich habe die Liebe zum Detail vermisst, die ich von Frau Gablè gewohnt bin.
Darf man dann endlich mal an einer fesselnden Szene teilhaben, wirkt diese fast schon "hingerotzt" und es wird nahtlos zur nächsten übergegangen oder aber sie findet am Ende eines Kapitels statt und wird später gar nicht mehr richtig aufgegriffen.

Das Buch wartet durchaus mit Toden auf, auch denen lieb gewonnener Figuren - aber da dies selbst die Hinterbliebenen nicht großartig zu stören scheint, haben all die Gefallenen, Ermordeten und Dahingeschiedenen bei mir kein Gefühl des Verlustes ausgelöst.
Aus den Augen, aus dem Sinn, so kenne ich meine Lieblingsautorin nicht.

Stattdessen quillt der Roman über von mehr oder weniger nachvollziehbaren Lovestorys, die sich allesamt so schnell entwickeln, daß man als Leser Mühe hat, sie wirklich ernst zu nehmen.
Sicherlich ist es schwierig, um konkrete Tatsachen eine fiktive, mitreissende Geschichte zu schreiben, ohne die tatsächlich stattgefundenen Ereignisse zu verfälschen.
Dennoch hätte ich mir etwas weniger Politik und Kirche und etwas mehr "Abenteuer"stimmung gewünscht.
So wirkt das Ganze doch etwas trocken und mühselig aufgepeppt.

Ein einziges Mal wird man vor ein ( mysthisch anmutendes) Rätsel gestellt, über das man sich kapitelweise den Kopf zerbricht, nur um dann eine dermaßen plumpe Auflösung vorgesetzt zu bekommen, daß man sich die Zeit, überhaupt darüber nachzugrübeln, gut hätte sparen können.

Es stellt sich für mich die Frage, ob Rebecca Gablè mit ihren bisherigen Büchern die Messlatte einfach zu hoch angesetzt hat und dem nun nicht mehr gerecht werden kann.
Ich persönlich halte "Das Haupt der Welt" allenfalls für einen durchschnittlichen Gablè Roman, wäre er das Werk eines anderen Autors, hätte ich ihn vermutlich besser gefunden, da meine Erwartungshaltung dann nicht so hoch gewesen wäre.
(Das wird mich allerdings nicht davon abhalten, auch Frau Gablès nächstes Buch wieder gebannt zu erwarten, in der Hoffnung, daß es besser sein wird.)
Eine Fortsetzung ist wohl geplant, dennoch kan man "Das Haupt der Welt" auch gut als abgeschlossenen Roman lesen.

Fazit: Gute, wenn auch stellenweise etwas zähflüssige Unterhaltung für Fans von historischen Romanen nach wahrer Begebenheit.
Wer grosse Schlachten und richtige Helden erwartet, wird jedoch vermutlich enttäuscht sein.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.10.2013 11:24:27 GMT+02:00
rightsound24 meint:
Bin eigentlich Gablé-Fan, aber dieser Roman hat mich eher enttäuscht. Es blieb einfach diese Faszination aus, die es für mich bei "Das Lächeln der Fortuna" oder "Der König der purpurnen Stadt" gab. Ich wollte diese Bücher kaum aus der Hand legen, so fesselnd sind sie geschrieben.

Beim Haupt der Welt fehlen mir dieses faszinierte Eintauchen in die Handlung, das aufgehen in der Spannung, die Identifikation mit den Helden. Für mich leider eher ein mittelmäßiges Buch, was Sie in Ihrer Rezension treffend auf den Punkt gebracht haben.

Veröffentlicht am 19.11.2013 19:22:02 GMT+01:00
Gabriele meint:
Ich finde an Ihrer Rezension besonders bemerkenswert, dass sie wirklich durchdacht und kritisch ist, und das, obwohl sie bekennender Fan sind. Das vermisse ich bei vielen schwarz-weiß Rezensionen.
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