Kundenrezension

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5.0 von 5 Sternen Ein stimmungsvolles, meisterhaft in Szene gesetztes Album, 26. April 2005
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Rezension bezieht sich auf: Solinari (Audio CD)
Mit dem Namen Relapse Records verbindet man zunächst einmal eher unmelodiöse und aggressive Extrem-Musik wie diverse Grindcore-Bands; umso verwunderlicher ist es, dass „Solinari", der zweite offizielle Release der US-Doom-Metal Referenz Morgion, 1999 bei diesem Label erschienen ist. Denn hier wird viel mehr zum Augenschließen als zum wilden Headbangen angeregt.
Die grobe Basis ist sicherlich kraftvoller, langsamer Death Doom Metal, der ja heute doch sehr stark den gesamten Doom-Sektor dominiert. Allerdings liegt hier bei weitem nicht der nächste My Dying Bride Klon vor; vielmehr haben sich Morgion ihre eigene Nische in diesem Bereich erarbeitet. Sie sind im Vergleich zu den alten Vorreitern wie My Dying Bride oder Anathema weniger depressiv und verzweifelt, sondern bei ihnen dreht sich alles um Atmosphäre. Diese ist durchweg düster, aber nicht unangenehm oder gar bedrückend wie etwa bei Evoken oder diversen Funeral Doom Formationen. Morgion sind dabei Meister ihres Metiers und kreieren unnachahmliche Stimmungen, die ihnen einen hohen Wiedererkennungswert verschaffen und zu Recht häufig mit Druidenmagie in Verbindung gebracht werden; in der Tat kommen derartige Assoziationen beim Genuss dieses Albums am ehesten in den Sinn.
Die Gitarren und Drums sind sehr kraftvoll und das Riffing ist fast durchgehend langsam und melodiös. Auf Härte wird hier zwar nicht verzichtet, als aggressiv kann man die Musik von Morgion aber kaum bezeichnen. Die Härte hält denn auch nie sehr lange an, ohne dass bald ein Breakdown in eine völlig ruhige und entspannte Passage folgt. Diese Passagen sind von intensiven und majestätischen Stimmungen geprägt, welche durch wirklich gut gemachte breite Keyboardflächen erzeugt oder zumindest unterstrichen werden; außerdem tritt gerade an diesen Stellen ein für Morgion höchst typisches Stilmerkmal in Erscheinung: Nicht selten arbeiten die Amerikaner mit einfachen, repetitiven und doch atmosphärisch höchst effektiven akustischen oder cleanen Gitarrenläufen, für die mir als einziger möglicher Vergleich nur der Song „Sunset of the Age" vom 1995er Anathema-Album „The Silent Enigma" einfällt, welcher ebenfalls eine sehr ausgedehnte Passage mit einer stimmungsvollen und einfachen Gitarrenmelodie enthält, auch wenn die Atmosphäre selbst sich diesem Vergleich wiederum entzieht. So ist der Titeltrack „Solinari" dann auch nicht das Kernstück des Albums, sondern ein minimalistisches instrumentales Zwischenstück, wie es Morgion-typischer nicht sein könnte, denn es besteht im Grunde nur aus einer solchen charakteristischen, sich wiederholenden Gitarrenmelodie.
Die Vocals von Jeremy Peto sind bei all dem recht vielseitig und fügen sich einwandfrei in die übrigen Stilelemente ein. So kommt zum Großteil ein eher gewöhnlicher Growlgesang zum Einsatz, der nicht besonders aggressiv ist und in einer normalen, verhältnismäßig, aber nicht extrem tiefen Lage präsentiert wird. Eine größere Besonderheit sind jedoch die ebenfalls sehr häufig auftauchenden gesprochenen und geflüsterten Passagen. Bemerkenswert an diesen ist, dass ich, der ich normalerweise von Sprechgesang immer gelangweilt bin, diese Vocals bei Morgion wirklich faszinierend finde. Betonung und Artikulation sind äußerst überzeugend und machen dieses Element zu einem unverzichtbaren Stilmerkmal auf diesem Album, welches vor Allem perfekt zu den erzeugten Stimmungen passt und maßgeblich zum regelmäßig auftretenden Gänsehauteffekt beiträgt. Vorreiter für diesen Gesangsstil war sicherlich Darren White auf den ersten Anathema-Veröffentlichungen, doch auch wenn Morgion sich offenbar von ihm haben inspirieren lassen, wirken die Vocals bei ihnen noch passender und weniger aufgesetzt bzw. überflüssig. Hinzu kommt, dass auch die rezitierten Songtexte äußerst stimmungsvoll und schön geschrieben sind, wobei sie einen leicht esoterischen Charme versprühen („The wolf within this vessel. My soul a deep dark well. I am Hades fire, for the flame shall be us all!").
Die Songstrukturen sind nicht nach dem eingängigen Refrain-Prinzip, sondern nach einem dynamischen Entwicklungsprinzip konzipiert, das heißt sie bauen sich sehr langsam und fließend auf, nichts wird überstürzt und all die Atmosphäre kann intensiv und gemächlich vom Hörer aufgenommen werden und sich völlig entfalten, was maßgeblich zum stimmungsvollen Gesamtbild beiträgt und es trotz fehlender Wiederholungen ermöglicht, dass die Songs für Doom-Metal Verhältnisse relativ gut ins Ohr gehen. So kann sich das Ganze an wenigen Stellen bis hin zu Doublebass-Passagen steigern, dann aber auch völlig ruhig und friedlich dahinplätschern wie ein klarer Gebirgsbach, wobei kurze Ambienteinschübe wie Regen- und Gewittergeräusche sowie sanfte Klavieruntermalung das Ganze komplettieren.
Der Höhepunkt von „Solinari" ist definitiv der elfminütige Song „Nightfall Infernal". Dies ist auch der einzige Track, in dem sich Jeremy Peto an klarem Gesang versucht, den er allerdings sehr zurückhaltend vorträgt; gerade diese vorsichtige, leise Art des Gesangs passt an den entsprechenden Stellen wiederum wie die Faust aufs Auge und beweist abermals, dass Morgion ein bis ins Letzte stimmungsvolles Werk geschaffen haben (Ja, das Wort „stimmungsvoll" taucht nicht umsonst an mehreren Stellen in dieser Rezension auf). Auch enthält dieser Song ein paar schnellere Ausbrüche, die trotz der höheren Geschwindigkeit jedoch hinsichtlich der Stimmung und des Riffings mit recht tief gestimmten Gitarren zu keinem Zeitpunkt das unverwechselbare Doom-Feeling verlassen.
Nach hinten hin wird das Album etwas entspannter, besonders ab „...All The Loss", dem zweiten Teil eines Doppelsongs, der erst ganz am Ende etwas härter wird. Denn „Blight" lässt jegliche direkte Härte oder gar Aggression vermissen und präsentiert sich stattdessen fast romantisch und lädt zum Augenschließen ein, um das Album allmählich ausklingen zu lassen. So ist dann auch „The Last Sunrise" nur noch ein völlig ruhiges Instrumental-Outro - übrigens eines der ganz wenigen reinen Keyboard-Stücke, die dank genialer Komposition und konkurrenzloser Atmosphäre wirklich überzeugen können.
Um das durchweg positive Gesamtbild noch abzurunden, ist die Gestaltung bis ins letzte Detail ebenso stimmungsvoll wie die Musik und in meinen Augen wirklich äußerst gelungen; selbst die Schrift wurde zumindest in den Überschriften kunstvoll verziert und das Coverdesign kann man nur als sehr schön bezeichnen, wodurch das Album auch zu einem Augenschmaus und so zu einem Genuss für mehrere Sinne wird - denn man kann seine Intensität sowohl hören als auch sehen und fühlen.
Wer also Interesse an Doom Metal und an atmosphärischer härterer Musik allgemein hat, kommt an Morgion nicht vorbei; auch deren neues, 2004 erschienenes Album „Cloaked By Ages, Crowned In Earth" ist übrigens eine ganz große Empfehlung wert und zeigt außerdem starke Weiterentwicklungen. Wer Bands wie My Dying Bride, alte Anathema, Mourning Beloveth, Novembers Doom, Evoken oder auch vergleichbar atmosphärische Ausnahmetruppen wie Empyrium mag, wird in Morgion eine einzigartige und über jeden Zweifel erhabene Bereicherung finden. Uneingeschränkt empfehlenswert!
Spielzeit: 52:49 Min.
Kaufempfehlung: 9/10
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