Kundenrezension

10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Endlich...., 17. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Le Nozze di Figaro (Bluray Audio+3cd/Deluxe Book) (Audio CD)
"Le nozze di Figaro" aus Perm... als das Publicity Gewitter begann und man in allen möglichen und unmöglichen Medien hören, lesen und schauen konnte blieb dem skeptischen Klassikfreund eigentlich nur eines übrig: Wegschauen, weghören und sich verweigern.
Aber dann: Die moderne Technik genutzt, einige Schnipsel gehört.... und sofort die Aufnahme besorgt.
Und siehe - da ist er: Der nach Nikolaus Harnoncourts Deutungen vielleicht radikalste Interpretationsansatz der sich denken lässt. Konsequent durchdacht, bis ins letzte Detail durchgefeilt und doch: Lebendig, aufregend, klangschön .....

Ein Beispiel: Die Szene im großen Finale des zweiten Aktes, wenn der Gärtner Antonio die ganze Handlung droht auffliegen zu lassen. Wenn der Gärtner die Geschichte des Fenstersprungs (des Pagen) erzählt, untermalt Mozart dies zunächst mit pulsierenden Sechzehnteln der Streicher, die ich derart dynamisch und gleichzeitig exakt noch nie gehört habe. Mozart lässt den weiteren Dialog von quasi "klopfenden Achteln" in den Streichern begleiten, untermalt von liegenden Tönen der Bläser - die schon auf einem einsamen Höhepunkt angelangte Spannung wird durch die quasi Verlangsamung des Tempos weiter in fast unerträglichem Masse weitergesteigert. Die Streicher beginnen im Verlauf des Dialogs diese Figuren, immer "spitzer" und immer bohrender zu spielen, die Sänger nehmen diesen Tonfall exakt auf, und es entsteht auf der Hörbühne ein Moment, in dem man die Beklommenheit und Angst der Handelnden Personen zu hören und zu fühlen scheint.

Natürlich haben auch andere Dirigenten dies schon aufregend realisiert: Aber die die Spannung, die man im Opernhaus von Perm aufgebaut hat, ist in der Diskographie wohl bisher einmalig. "Jede Komödie ist eine gerade verhinderte Tragödie" - dieses Wort des Regisseurs M. Hampe fiel mir beim Hören dieser Aufnahme ein: denn wirklich, das ist einfach ganz großes Theater.

Es fällt auf, daß nun wirklich jeder Takt, jedes Rezitativ und jede Arie und jedes Ensemble mit einer liebevollen Aufmerksamkeit durchgestaltet wurde, und man reibt sich ein ums andere mal die Ohren, so neu klingt dieses doch so oft gespielte Stück.
Nun mag man einwenden daß es leicht gestelzt klingt wenn ein Stück derart akribisch gestaltet wird. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Man entdeckt in eben jenem Rezitativ, Arie, Ensemble andauernd neue, aufregende Details; sei es eine Begleitstimme, eine rhythmische Veränderung oder ein neuer Akzent.
Die Brillanz des Orchesters ist beispielhaft; auf Originalinstrumenten spielend ist der Klang transparent und kräftig zugleich, und der gesamte Farbenreichtum dieser Instrumente offenbart sich - quasi als konsequent zu Ende gedachte Aufführungspraxis.
Viel wurde über die Ausgestaltung des Continuos geschrieben und kommentiert: Das zuweilen mitspielende Hammerklaviers in den Ensembles und Arien mag zunächst befremden, allerdings ist dieses "Mitspielen" des Continuoinstrumentes durchaus historisch überliefert, und lenkt den Blick doch immer wieder als unaufdringlicher "Zeigestock" auf die Genialität der Musik.

Die Sänger ordnen sich diesem Konzept beispielhaft unter und bilden ein wirklich homogenes Ensemble. Ich verstehe nicht, warum man gerade hier in der zeitgnössischen Kritik die Leistungen der Sängerinnen und Sänger gegeneinander ausspielt und vergleicht. Da wird die Sängerin der Susanna (Fanie Antonelou) mal über den grünen Klee lobt, dann wiederum als charakterlos abqualifiziert. Mal liest man es wären keine großen Stimmen dabei, andererseits sind alles künftige Superstars am Werk. Mal singt Simone Kermes nicht überzeugend weil flach und gestelzt, dann ist sie wieder die große "Barockdiva" - daß sie einfach gut singt und die Rolle sehr individuell gestaltet ist die selten zu lesende Tatsache. Es gibt hier wirklich keine Schwachstelle, und gerade weil hier niemand den anderen überstrahlt, sondern jeder seine Rolle mit großer Lebendigkeit erfüllt ist dieser Figaro so grandios gelungen.

Auf jeden Fall hat T. Currentzis der Diskographie dieser grandiosen Oper eine grandiose Aufnahme hinzugefügt.
Ich freue mich auf jeden Fall auf die anderen zwei "da Ponte" Opern - die Messlatte liegt hoch und es wird uns, daß ist sicher, so manche aufregende Hörerfahrung beschert werden.
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