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Werwolf-Seifenoper für Twilight-Fans,
5. Oktober 2011
Rezension bezieht sich auf: Red Riding Hood [Blu-ray] (Blu-ray)
Ich hatte mich auf ein gruftiges Rotkäppchen in einer beklemmenden Atmosphäre gefreut, denn auch Schneewittchen mit Sigourney Weaver hat mir sehr gefallen; ebenso kam mir Sleepy Hollow in den Sinn. Nun ist es ziemlich schwer, Tim Burton das Wasser zu reichen, aber DAS darf man kaum im selben Satz nennen...
Optik: Extrem künstlich. Die Kulissen und Kostüme erinnern stark an eine Theateraufführung, was nicht schlecht ist, solange man Theater geboten bekommt. Das Styling der Schauspieler entspricht dagegen stark dem Mainstream und soll wohl insbesondere das jugendliche Publikum begeistern. Hier stellt der Film sich selbst ein Bein, denn in einem Jahr wird der Trend schon wieder out sein. Die Akteure sind nett anzusehen, und nur danach wurden sie wohl gecastet. Der Werwolf überzeugt zumindest technisch, über die Optik würde ich nach wie vor streiten.
Sound: Damit meine ich keine Bass-lastigen Effekte, sondern die Gestaltung der Umgebungs- und Stimmungsgeräusche, die für die Atmosphäre von Filmen unabdingbar wichtig sind. So wird eine Höhle idealerweise mit einem kaum hörbaren, dumpfen Grummeln untermalt, es kann tropfen oder knirschen. Draußen könnte man Wind, das Rascheln von Zweigen oder Tiergeräusche hören. In *Red Riding Hood* wollte man sich das Sound-Design offensichtlich sparen: Da im Studio gefilmt wurde, hört man neben den konkreten Geräuschen... NICHTS! Die ganze Sound-Welt wirkt ebenso unecht und leblos wie die Optik. Wenigstens wurden einige dramaturgisch wichtige Sounds verwendet.
Schauspiel: Zwischen Seifenoper und amerikanischer High-School-Serie. Hieran sind wohl auch die Regie und das Gesamtsetting schuld, denn auch Gary Oldman, der es nun wirklich kann, wirkt irgendwie albern. Hinzu kommen die unsäglichen Dialoge, zu denen mir gerade gar nichts einfällt. Freunde von Redekunst und Tiefgründigkeit können hier bestaunen, wie man es NICHT macht.
Schwerpunkt: Schöne, knackige Menschen mit Liebesnöten in einem Hauch von Grusel. Der Film ist durchgehend auf Mainstream gestylt, was sich in den schnieken Frisuren ebenso abzeichnet wie in hippen Tanzeinlagen und Liebesszenen, die stark an Deo-Werbung erinnern. Voll in.
FAZIT: In punkto Filmkunst erreicht *Red Riding Hood* gerade eben TV-Serien-Niveau und ist somit zumindest für Cineasten ein Horror. Wer auf gutes Filmhandwerk pfeift, gern Seifenopern sieht und *Twilight* mag, ist hier richtig.
Zu *Twilight*: Über Geschmack kann man sich streiten, mir persönlich sind die Filme zu schmalzig, aber handwerklich nicht schlecht. *Red Riding Hood* kommt m. E. nicht an den Vorgänger heran, weil das Schauspiel schlechter ist und auch das Gesamtsetting nicht überzeugt. *Twilight* hatte zumindest den Vorteil, kein Mittelalter imitieren zu müssen, und auch die Regie war irgendwie besser; vielleicht gab es aber auch ein höheres Budget wegen der Verfilmung eines Erfolgsromans(?). Also, wer die Vampire schon hat, kann auf diesen Werwolf verzichten.
Blu-Ray/DVD: Da das Bild nicht wirklich sehenswert und der Ton nicht wirklich hörenswert ist, kann man sich auf jeden Fall die Blu-Ray sparen; die Kulissen und Kostüme kommen in HD noch schlechter rüber. Wer den Film unbedingt haben muss, sollte die DVD günstig erwerben oder auf die Fernseh-Übertragung warten.
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