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5.0 von 5 Sternen Durchaus "back to the roots"..., 17. Januar 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Living Things (Audio CD)
... wenn auch anders als es viele erwarten und NICHT gerade im "Hybrid Theory" Stil.

Ich höre Linkin Park nun eine gefühlte Ewigkeit und natürlich auch seit sie mit "Hybrid Theory" mein erstes, ernsthaftes Interesse für Musik weckten und ganz nebenbei die Welt des Nu-Metals komplett reformierten und massentauglich machten. Viele Fans sehen diesen Zeitpunkt als die Wurzeln der Band an, doch das ist nicht ganz richtig...

Wie gesagt, ich höre Linkin Park nun schon seit mindestens 12 Jahren und habe mich natürlich auch in dieser Zeit sehr intensiv mit ihrer Geschichte uns ihrem Stil beschäftigt. Ich kenne Xero (damals noch ohne Chester, bevor sie noch Linkin Park oder Hybrid Theory hießen) und natürlich die ziemlich gelungene Hybrid Theory EP von 1998. Wer sich diese Ursprünge deutlich macht und mal genauer hinhört, der wird feststellen, dass Linkin Park betont Hip Hop lastig und deutlich elektronischer geprägt waren, als dies auf der "Hybrid Theory" zum Ausdruck kam. Auch Chesters Gekreische ist so in dieser Form nur auf der "Hybrid Theory" zu finden bzw. in Songs wie Qwerty die zu dieser Zeit entstanden sind. Auch die starke Metalgitarre war zu Beginn eine Unterstützung des Sounds und der Refrains, nicht als Hauptinstrument im Vordergrund wie auf "Hybrid Theory" und "Meteora". Auch wird der aufmerksame Hörer feststellen, dass auf letzterem Album bereits Chesters Screams deutlich zurückgegangen sind, auch wennn dies beim Rest des Sounds vielleicht weniger aufgefallen ist. Balladen und weichere Klänge sind bei Linkin Park ebenfalls nichts Neuartiges, man denke an "My December", "She couldn't" oder "Breaking the habit".

Insgesamt lebte der ursprüngliche LP Sound wie gesagt von Beats, gut gewählten Elektrosamples, Hip Hop, Gitarrenunterstützung und der Mischung aus Mikes großartigem Rap und Cheters genialem cleanen Gesang, gerade in den mitreißenden Refrains. Gerade diese Mischung wurde auf "Minutes to Midnight" und auf "A thousand suns" systematisch eliminiert und umgestaltet. Ausgerechnet die Songs, die dann doch wieder die charakteristischen Elemente entheilten waren letztlich diejenigen, die sich bei den Fans durchsetzen konnten und auch nach wie vor live gespielt werden.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich mochte nicht besonders viel von "Minutes to Midnight" und "A thousand suns. "Minutes to Midnight" hatte "What I've done" und "Bleed it out", auch "Given up" und "No more sorrow" waren noch okay, wenn auch reine Rocksongs. "A thousand suns" hatte dann gerade nochmal 2 gute Lieder, nämlich "Wretches and kings" und "The Catalyst", das wars... Für Fans eine wahrhaft traurige Zeit, in der ich die Band auch bereits aufegeben hatte. Trotzdem hörte ich nach wie vor noch die alten Sachen. Als es dann jedoch im Interview hieß, man würde wieder etwas mehr back to the roots gehen, wurde mein Interesse dann schlagartig wieder geweckt und ich holte mir das neue Album... und wurde dabei durchaus überrascht!

Ich habe für diese Rezension alle Alben noch einmal durchgehört um zu überprüfen, ob nicht vielleicht meine Erinnerungen mein Urteilsvermögen ein wenig getrügt haben, denke aber eine relativ begründete Meinung vertreten zu könne, wenn man sich die Entwicklung der Band noch einmal vor Augen führt.

01. Lost in the echo

Der Hammer kommt zuerst. Nach den letzten 2 Alben traut man seinen Ohren kaum, dass Linkin Park sowas noch können. Hier stimmt eigentlich alles! Super Rap von Mike, E-Gitarre, genialer Refrain von Chester, Screams gegen Ende. Klar, die Gitarre hätte etwas mehr herausgeholt werden dürfen, aber auf diesem Niveau wollen wir uns nicht beschweren. Fakt ist: Hier steckt wieder Linkin Park Feeling drin! Bester Song des Albums und ganz klar die volle Punktzahl:
10/10

02. In my Remains

Es geht vielversprechend weiter. In my Remains ist rockig gehalten, vielleicht ein klein wenig soft an einigen Stellen, aber Chesters Gesang ist super und auch der Gesang von Mike gegen Ende passend. Insgesamt eines meiner Liebliingslieder vom neuen Album!
9/10

03. Burn it down

Nehmen wir einmal heraus, dass der Song schon vorher bekannt war und im Radio und im Fernsehen, gerade zur EM ziemlich tot gespielt wurde, dann haben wir auch hier einen soliden Volltreffer gelandet. Die Mischung Mike/Chester klappt wieder perfekt und diesmal gibt es auch endlich eine deutliche Gitarrenwand. Höchstens die stark betonten Elektroelemente sind zunächst gewöhnungsbedürftig, stören aber bald nicht mehr, sobald man sich an den Stil des Albums gewöhnt hat. Klasse!
9/10

04. Lies greed misery

Mochte ich zunächst überhaupt nicht, weil es mir zu elektronisch war und ich den Refrain irgendwie LP untypisch fand, nach mehrmaligem Hören gefiel es mir jedoch immer besser und wie Chester sich am Ende verausgabt ist etwas unerwartet, aber auf jeden Fall bemerkenswert. Insgesamt:
7/10

05. I'll be gone

Eine eher unspektakuläre 90er Rocknummer, die keinem Fan wehtut, aber auch nicht wirklich groß Punkte sammeln kann. Immerhin wertet Chesters guter Gesang den Song doch deutlich auf. Solide:
7/10

06. Castle of glass

Fängt sehr langsam an, gegen Ende kommt noch die E-Gitarre hinzu. Eine tolle und eher depressiv gehaltene Ballade, aber auch diese Niedergeschlagenheit macht Linkin Park seit jeher aus. Ohne Rap wechseln sich Mike und Chester beim Gesang ab bzw. singen zusammen. Dazu gibt es einen typischen Beat von Mr. Hahn. Zurecht die dritte Single:

8/10

07. Victimized

Warum so kurz??? Warum??? Warum??? Das ist alles was ich mir bei diesem Song gedacht habe. Richtig aggressiver Rap von Mike und Chester gibt alles, dazu gehts richtig ab. Wirklich schade, dass es nur für knapp 2 Minuten gereicht hat.
10/10

08. Roads untraveled

Wieder Gesang von Mike und CHester und kein Rap, dabei ziemlich ruhig und mit einem Hip Hop Beat unterlegt der ziemlich an Glöckchen erinnert. Wäre dies nervige "Ohohoooooooooo" Gesinge nicht dabei, dann wäre das Lied noch deutlich besser. Dafür gibt es wenigstens ein paar Scratches von Mr. Hahn, die das Lied aber nicht wirklich retten. Zu belanglos und poppig gehts hier zur Sache.
4/10

09. Skin to bone

Als ob man sich entschlossen hätte, die guten Sachen alle auf die erste Hälfte des Albums zu packen, fangen nun die experimentellen Songs an. Skin to bone schleppt sich mit dem immer gleichen Elektro-Beat durch seine glücklicherweise nur knapp 3 Minuten ohne dabei irgendwas zu bieten ausser Langeweile und einem nervigen "Ahahaaaaaaaa" Chor. Zur Verteidung muss man allerdings sagen, dass dieses Lied immer noch besser ist als das Meiste von "A thousand suns". Trotzdem nicht gerade super...
3/10

10. Until it breaks

Oh Mann... Wie soll man das nun bewerten? Mike rappt so aggressiv wie noch nie, was schon an die sehr alten Linkin Park Sachen erinnert, allerdings geht nur der erste ruhige Part von Chester der anschließend folgt in Ordnung. Was danach der zweite, komplette ruhige Teil soll ist mir ein großes Rätsel und wird von mir in der Regel geskipped. Zumindest ist das Stück (bis auf den letzten Teil) besser als die vorherigen.
Erster Part 6/10, zweiter Part 2/10

11. Tinfoil
Mr. Hahn an den Turntables! Endlich. Super Interlude, ganz im klassischen Linkin Park Stil, erinnert an "Cure for the itch" und ist sehr atmosphärisch. Nichts zu beanstanden.
10/10

12. Powerless
Wie schade. Nach dem tollen Intro folgt eine ziemlich solide, aber nicht gerade bahnbrechende Linkin Park Ballade. Powerless holt am Ende nochmal etwas mehr aus sich heraus durch den Gitarreneinsatz, bis dahin fällt zumindest der tolle Beat von Mr. Hahn positiv auf und der solide Gesang von Chester. Auch hat das Lied einen sehr gelungenen Text, aber es geht ja leider eher um die Musik an sich. Solide Nummer:
6/10

Insgesamt bin ich als langjähriger Fan von "Living Thimngs" weit mehr überzeugt als von "Minutes to Midnight" oder gar "A thousand suns". Die Aussage von Mike mit dem back to the roots, aber nicht im Sinne eines zweiten "Hybrid Theory" war also durchaus korrekt. Ich erkenne hier weitaus mehr Elemente wieder, die den typischen Linkin Park Sound ausmachen, als auf den letzten beiden Alben. Dazu haben Linkin Park das Ganze mit einer deutlichen elektronischen Note versehen, die der Band aber, zumindest wenn sie richtig eingesetzt wird, ganz gut zu Gesicht steht. Wer also nicht gerade Gitarrenbretter, sondern ansonsten Linkin Park typische Songstrukturen und Elemente, sowie guten Rap erwartet, der wird von "Living Things", so wie ich, durchaus überzeugt sein. Ich freue mich jedenfalls, dass die Jungs wieder auf einem besseren Weg sind!

Danke fürs Lesen, falls ihr es bis hierhin durchgehalten habt ^^
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