Kundenrezension

4.0 von 5 Sternen The Spirit of America, 14. Februar 2007
Rezension bezieht sich auf: The Burning (Taschenbuch)
Bentley Little ist ein Unikat in der amerikanischen Horror-Szene. Ähnlich wie der legendäre Thomas Pynchon verweigert er Fotoaufnahmen von sich (obwohl es ein paar ältere Bilder von ihm gibt, die beweisen, dass er wirklich existiert), das Internet ist für ihn eher ein Fremdwort und obendrein hat er in seiner mittlerweile fast zwei Dekaden währenden Karriere als Schriftsteller so manchen Herausgeber zur Weißglut und/oder leidenschaftlichen Hasstiraden getrieben. Gleichzeitig jedoch wächst die Zahl seiner Anhänger beständig. Reiner Zufall? Gutes Marketing? Sicherlich nicht. Vielmehr liegt es an dem konstant guten Niveau seiner Werke und der Gewissheit, mindestens einmal pro Jahr mit neuem Stoff aus der Schmiede des Meisters des Makabren" (so ein gewisser Little-Fan namens Stephen King) versorgt zu werden. Anders als bei so vielen - zu vielen inzwischen! - Autoren, lässt Little seine Bücher für sich sprechen. Und alleine dafür sollte man ihm schon großen Respekt zollen.

Gleichwohl pfeift der Mann auf irgendwelche Trends oder Vorgaben und behält stur seinen eingeschlagenen Weg bei. Und der lautet Horror - oder was der in Kalifornien lebende 46-jährige darunter versteht. Dabei lassen sich seine Werke in zwei Kategorien einteilen: klassische Schreckensüberfälle mit allem, was dazugehört und bitterböse Allegorien auf unsere moderne Gesellschaft, angefangen von Kaufhausketten und Hauseigentümergesellschaften hin zu Versicherungen und dem Verlust der Individualität. Die Themenauswahl von letztgenanntem Sujet mag lächerlich klingen, ist es aber nicht. Stets gelingt es Little nämlich, den scheinbar harmlosen, ganz alltäglich wirkenden Dingen die dunkle Seite zu entlocken; meist in einer eigenständigen Mischung aus Twilight Zone" und Kafka. Dabei kümmern Little auch Tabubrüche wie Inzest oder ungewöhnliche Sexualpraktiken (um es mal vorsichtig auszudrücken) herzlich wenig. Besagter Erfolg gibt ihm aber Recht und längst sind Romane wie etwa The Walking" (2000), The Store" (1996) oder The Ignored" (1997) zu modernen und eigenständigen Klassikern des Genres geworden.

Auch in seinem neusten, mittlerweile achtzehnten Roman, The Burning" steht ein heißes Eisen im Mittelpunkt der Geschichte - Rassismus. Ein Thema, das durchaus auch in den Vereinigten Staaten noch immer aktuell ist.

Allerdings lässt Little den Leser erst mal lange Zeit im Dunkeln tappen, bis gewisse Zusammenhänge klar werden. Nach einer kurzen - aber verdammt blutigen - Reise in die amerikanische Vergangenheit stellt er uns erst einmal seine vier Protagonisten vor, die passenderweise auch noch in vier verschiedenen Regionen des Landes agieren: ein Parkranger indianischer Abstammung, der von furchtbaren und zugleich ziemlich erregenden Alpträumen geplagt wird; eine junge Studentin, die ihr erstes Jahr an der Uni beginnt und schon bald Opfer eines rassistischen Überfalles wird; eine junge, alleinerziehende Mutter, die ein furchtbares Geheimnis der Geschichte entdeckt sowie ein junger Amerikaner asiatischer Abstammung, dessen Reise durchs Land zu einem Trip in die Hölle wird. Gleichzeitig taucht ein mysteriöser Zug buchstäblich aus dem Nichts auf und hinterlässt eine Schneise aus Blut und Zerstörung. Aber weshalb?

Bis zum Finale garniert Little seinen wirklich clever ausgearbeiteten Plot unter anderem mit Sukkubi, pechschwarzem Schimmel mit Eigenleben und natürlich sorgfältig durchdachten Todesarten, ehe nochmals mit ganzer Stärke zum letzten Schlag ausgeholt wird und die Geschehnisse in einem durchaus sehr bizarren, aber logischen Höhepunkt ihre Auflösung finden (und das Geheimnis des Spirit of America" endlich geklärt wird, so viel sei schon mal verraten). Dabei entpuppt sich Little keineswegs als Anhänger der gegenwärtigen Regierung, sondern als freiheitsliebender Individualist - was sicherlich nicht der schlechteste Wesenszug ist. Zwar fehlt The Burning" im Vergleich zu früheren Romanen der oftmals rabenschwarz gehaltene Humor, doch dieses Manko gleicht Little mit einer spannenden und wirklich originellen Erzählung aus, die Lust auf mehr macht.
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